Metal.tm - Musik Community, Portal & Magazin


Geschrieben: 01. September. 2012CD Review

Hexvessel

No Holier Temple

Bewertung ( 9 von 10 ):

0123456780

Genre:

Psychedelic Neofolk

Spieldauer:

56:01

Label:

Vetrieb

Land

Fahne Finnland

Release

14.09.2012

Link


"Die Natur braucht sich nicht anzustrengen, bedeutend zu sein. Sie ist es." Mit diesem kleinen Zitat von Robert Walser ist eigentlich bereits alles gesagt. Viele Musiker und ganze Genres nähren sich unaufhörlich an der Thematik Natur und Naturmystik und mühen sich ab, um auch nur in die Nähe eben dieser Bedeutung zu kommen. Wenigen gelingt es, diese Eindrücke aufzusaugen und in Musik zu bannen. Dem finnischen Psychedelic (Neo-)Folk-Projekt HEXVESSEL rund um Mastermind Khvost ist dies aber erneut gelungen, soviel kann ich schon vorwegnehmen. Das Glorifizieren der Natur beginnt hier schon bei Albumcover und -Titel und setzt sich in der Musik konsequent fort. Dabei bedient die Band sich hier erneut aller möglichen Zutaten, was Instrumente und Genres angeht, und braut einen unwiderstehlichen wie ungewöhnlichen Cocktail, präsentiert in oldschooligem 70er-Gewand.
Zentrum dieses Schaffens ist wieder die wandelbare, einzigartige Stimme von Khvost, welche jedem Song den letzten Schliff verleiht und dabei nie wirklich gleich klingt. Diese unverkennbaren Stimmbänder allein dürften dem Projekt, wie bei und DØDHEIMSGARD geschehen, zu einer ansehnliche Fanbase verholfen haben. Aber natürlich muss auch der Rest der Band diese Magie verinnerlicht haben, und das hat sie.

Der kurze Opener "Heaven and Earth Magic" zeigt bereits die Marschrichtung des Albums: geheimnisvoll, monoton-hypnotisch und einem Ritual gleich wiederholen sich Akustikgitarre und Gesangsstruktur. "Woods to Conjure" ist das erste Highlight des Albums und verzaubert mit doomigen Gitarrenspuren und jazzig-verrauchter Trompete. Allgemein wurde Doom(-Rock) mehr Platz eingeräumt als im Debütalbum, was sich gut ins Gesamtbild einfügt. "No Holier Temple" ist also in keinster Weise ein "Dawnbearer 2", was nach einem erfolgreichen Erstling ja oft zu befürchten ist.
Statt starr dem Erfolgsrezept zu folgen wurde eher noch mehr experimentiert. In "Are You Coniferous" zum Beispiel überrascht Khvost mit kabarettartigem, beinahe gebrülltem Gesang. Seltsamerweise fällt dies nicht wirklich als Fremdkörper auf. Eher fühlt man sich als Gast in einem bizarren, dunklen Theaterstück, welches nur eine weitere Facette des ohnehin schon vielschichtigen Kunstwerks ist.
Passend zum verstärkten Doom-Anteil finden sich auf dem Album zum ersten mal Longtracks, zwei davon sogar über 10 Minuten lang. Der erste davon, "His Portal Tomb", zündet trotzdem sofort und liefert dazu auch noch einen satten, vor Groove strotzenden Hauptriff, der zusammen mit den vielschichtigen Gesängen sofort hängen bleibt.
Ebenfalls lang -aber keinesfalls langweilig- ist "Sacred Marriage". Erhabener und gleichzeitig zuckersüßer Gesang trifft auf stimmigen Keyboard-Einsatz, der sofort Erinnerungen an THE DOORS wach werden lässt. Nach dem ausladenden Monolithen "Unseen Sun" verabschieden sich HEXVESSEL mit einer Coverversion. Dem ohnehin schon trippigen "Your Head Is Reeling" von ULTIMATE SPINACH Ultimate Spinach aus 1967 wird hier noch mehr psychedelisches Feeling und Groove verliehen.

"No Holier Temple" ist eine Ode an die Natur und dementsprechend vielschichtig. Auch nach noch so häufigem Hören lugen Details hervor und selbst die ganz kurzen Songs dürften mehr Layer haben als so mancher vollwertiger Song einer x-beliebigen Band. Trotz dieser erhöhten Komplexität geht das Album leichter ins Ohr als der Vorgänger, auch wenn beide am Ende ihr Geld mehr als Wert sind. Also notiert euch schon mal Kerzen und Räucherstäbchen auf dem Einkaufszettel, sofern nicht schon vorhanden, und taucht ein in diese detailverliebte, von Scheuklappen befreite Welt. (Autor: Johannes S.)
Fazit:
Wieder einmal haben es Khvost und Co. geschafft, Magie und Naturmystik auf authentische Art auf CD einzufangen. "No Holier Temple" ist erneut vielschichtig und kümmert sich nicht um Genregrenzen oder ähnliche Kleinigkeiten. Jeder Song ist eine eigene kleine Welt voller Details und Schichten, durch die man sich erst einmal mühsam durchwühlen muss. Aber am Ende wird der Hörer immer reichlich belohnt. Vollgepackt mit Zitaten aus mehreren Generationen psychedelischer (Gitarren-)Musik und genug eigenen Ideen ist das Album eine Bereicherung in jeder gut sortierten Psychedelic-Sammlung.

Kommentare

Diese Kommentare im Forum anzeigen.    
Gastkommentar schreiben
Gastkommentare werden nach Prüfung freigeschaltet.
 

Cover

Trackliste


01. Heaven and Earth Magic
02. Woods to Conjure
03. Wilderness Is
04. A Letter in Birch Bark
05. His Portal Tomb
06. Elegy to Goyahkla
07. Are You Coniferous
08. Sacred Marriage
09. Dues to the Dolmen
10. Unseen Sun
11. Your Head is Reeling

Künstler


Mat McNerney - Vocals, Guitar

& The Death Magicians:

Marja - Additional Vocals, Percussion
Vesa - Guitars
Jukka - Drums
Simo - Lead Guitars
Niini - Bass Guitar
Kimmo - Violin
Jussi - Organs/Samples

Review verlinken


Review-URL

Review-Code (HTML)

Review-Code (BBCODE)

Short-URL

Bookmark and Share Subscribe

Facebook-Kommentar

Anzeige

 
 Besucher heute: 638    
(metal.tm beta v0.874)