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Geschrieben: 14. November. 2012CD Review

Forgotten Tomb

...and Don't Deliver Us from Evil

Bewertung ( 7 von 10 ):

0123456012

Genre:

Black / Doom Metal

Spieldauer:

52:44

Label:

Vetrieb

Land

Fahne Italien

Release

02.11.2012

Link


Die SHINING des Südens – So werden FORGOTTEN TOMB aus dem schönen Italien gerne bezeichnet. Nicht nur dass die Gruppe um Universaltalent Herr Morbid stilistisch ziemlich nah an der Depressive Black Metal Größe aus Schweden agiert, auch ansonsten lassen sich viele Parallelen zwischen beiden Bands feststellen. Der Personenkult um den Kopf der Band, Provokationen in Hülle und Fülle und ein teilweise sehr merkwürdiger Begriff von Ästhetik, das alles sind die Zutaten aus denen die Schweden um Niklas Kvarforth seit Jahren ein recht erfolgreiches Süppchen kochen. Es könnte also schlechtere Ideen geben, als verstohlene Blicke in den Norden von Europa zu werfen.

Trotzdem hat es für die Italiener nie endgültig gereicht. Sicher, der Name FORGOTTEN TOMB dürfte jedem einigermaßen Black Metal-affinen Zeitgenossen etwas sagen – Die Präsenz von SHINING hat die Truppe allerdings nie auch nur annähernd erreicht. Dafür fehlte es irgendwie immer am letzten Detail. Sei es die letzte Nuance im Songwriting, sei es das letzte Quäntchen Atmosphäre und Tiefgang – Irgendwo haperte es bislang immer. Und daran hat sich leider auch auf Album Nr. 6 mit dem Titel "...and Don't Deliver Us from Evil" nichts geändert.

Dabei machen FORGOTTEN TOMB auf dem Papier gar keine schlechte Figur. Die SHINING-Einflüsse sind auf ein Minimum zurückgefahren worden und blitzen nur gelegentlich bei der Gitarrenarbeit durch. Hier finden sich die typisch treibenden Gitarren mit ihren melancholisch-depressiven Melodiestrukturen, wie sie das Bild der Schweden so sehr geprägt haben. Davon abgesehen hört man wenig an Stilistiken aus dem Bereich des depressiven Black Metals.
Stattdessen startet "Deprived" mit einem fast SOULFLY-esken Drumming-Part, eh es sich zu einer lupenreinen Black'n'Roll-Nummer entwickelt. Die Vocals haben längst an Giftigkeit verloren und zeichnen sich durch eine gewisse Fuck-Off-Attitüde aus, das Songwriting ist erstaunlich groovig, eingängig und simpel gehalten und einzig das kurze akustische Interlude gegen Ende erinnert uns daran, in welchem Genre eigentlich gefischt werden sollte.
Allerdings nur kurz. Denn selbst wenn FORGOTTEN TOMB eine Nummer wie den Titeltrack vorlegen – theoretisch in bester "Halmstad"-Manier - erreichen sie damit aller höchstens den Ansatz einer erdrückend depressiven Stimmung. Für die großen, negativen Gefühle fehlt der Band hier einfach der nötige Tiefgang in den Vocals. Diese fügen sich zwar einerseits sehr gut in die Black'n'Roll-Facette der Band ein, rauben aber leider den tiefschwarzen Momenten ihre Magie. Davon gibt es allerdings in Folge auch zunehmend weniger.
Stattdessen regieren weiterhin rockige Strukturen, mal versetzt mit Black Metal, mal mit Dark Metal ("Adrift"). Das funktioniert einerseits super, klingt eingängig und ist schön transparent produziert. Andererseits lassen auch diese Songs die ganz großen Momente vermissen. Dafür sind die Spannungsbögen stellenweise zu wenig ausgearbeitet, wiederholen sich Motive zu häufig oder zerstören akustische Momente die vorher aufgebaute Dynamik. (Autor: Torben K.)
Fazit:
So rocken sich FORGOTTEN TOMB durch insgesamt 53 Minuten, machen zwar wenig falsch, aber auch nichts wirklich perfekt und lassen mich am Ende etwas ratlos zurück. Denn einerseits ist "...And Don't Deliver Us From Evil" eine handwerklich absolut saubere Leistung, die durch viele gute Ideen glänzt und sich schön von ihren Wurzeln emanzipiert hat. Andererseits will sich aber trotzdem keine nachhaltige Begeisterung bei mir einstellen. Und so bleibt unterm Strich das wahrscheinlich beste Album in der Diskographie der Italiener, aber trotzdem nur eine eingeschränkte Kaufempfehlung.

Kommentare

14.11.2012 21:27 Uhr Agrypnie
Deutlich besser als der Vorgänger ist sie auf jeden Fall. Die Shining finde ich ebenbürtig bis ein bisschen besser. Mir ist die Scheibe leider ein bisschen zu oberflächlich. Sie ist fett produziert, handwerklich 1A aber trotzdem nicht wirklich Fisch, nicht wirklich Fleisch. Will heißen die düsteren Parts bewegen mich nicht so (wie es z.B. Shining schaffen, wenn auch nicht auf der neuen Platte) und die rockigen Parts sind mir stellenweise zu gebremst, um sie hemmungslos abzufeiern.
Es ist nen gutes Album - keine Frage - aber nicht das Highlight wie ich es mir insgeheim erhofft hatte...
 
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14.11.2012 11:52 Uhr Sturmgeweihter
Ich finde die Scheibe etwas besser. Gefällt mir sehr gut, gerade die Mischung zwischen rockig und düster. Für mich deutlich besser als der Vorgänger und auch viel besser als die aktuelle Shining.
 
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Cover

Trackliste


1. Deprived
2. ...and Don't Deliver Us from Evil
3. Cold Summer
4. Let's Torture Each Other
5. Love Me Like You'd Love the Death
6. Adrift
7. Nullifying Tomorrow

Künstler


Asher - Drums
Herr Morbid - Guitars, Vocals
Algol - Bass
A. - Guitars

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