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Geschrieben: 18. November. 2011CD Review

(EchO)

Devoid of Illusions

Bewertung ( 8 von 10 ):

0123456701

Genre:

Doom / Death Metal

Spieldauer:

66:01

Label:

Vetrieb

Land

Fahne Italien

Release

11.11.2011

Link


Mal wieder hat sich BadMoodMan Music bzw. Solitude Productions einer jungen Doom-Kapelle angenommen, um deren Alben an den Mann oder die Frau zu bringen. (ECHO) wurden 2007 in Italien gegründet und haben sich dem melodischen Death Doom verschrieben. Nach zwei veröffentlichten Demos liegt mit "Devoid of Illusions" nun der erste Langspieler der Band vor.

Nach einem kurzen Intro starten die Italiener mit dem ersten richtig Song "Summoning the Crimson Soul" so, wie man es von einem Death Doom Album auch erwarten kann. Tonnenschwere Gitarren, ein sphärisches Keyboard, dazu bewegende Leads und gutturale Growls, alles zelebriert in schleppendem Mid-Tempo. Direkt auffällig ist die differenzierte und schön dunkel klingende Produktion, für welche sich niemand geringerer als Greg Chandler (Vokalist und Gitarrist bei ESOTERIC) verantwortlich zeigt. Ein erstes Ausrufezeichen also, und was die sechs Jungs aus Brescia hier vom Stapel lassen, lässt weitere folgen.
Schon die ersten klar gesungenen Vocals in "Summoning the Crimson Soul" lassen aufhorchen. Hat sich da etwa Jonas Renkse ans Mikrophon geschwungen, um Sänger Antonio Cantarin zu unterstützen? Nein, dieser weiche, emotionale Klargesang und die fiesen, tiefen Growls kommen wirklich aus ein und derselben Kehle. Dieser Umschwung im Gesang kommt nicht alleine des Weges. Auch musikalisch wechseln (ECHO) häufig zwischen brutalen, drückenden Death Doom Brechern und zerbrechlichen, ruhigen Passagen, die stark Richtung Depressive bzw. Post Rock schielen.
"Post Rock Elemente auf einem Metal-Album? Oh, wie innovativ...", mag sich der Eine oder Andere denken. Dachte ich auch, doch muss ich zugeben, dass der rohe Death Doom und der sanfte Post Rock auf "Devoid of Illusions" richtig gut harmonieren. Nicht nur, dass es die Musik extrem abwechslungsreich werden lässt, es passt auch von der Atmosphäre her gut zusammen. Die verschiedenen Stimmungen, die das Album einfängt, wandeln zwischen Aggression und tiefster Traurigkeit, aber auch zwischen einem Hauch bitterer Erkenntnis und der träumerischen Flucht in sich selbst.
Man nehme bspw. "Internal Morphosis". Der Song erinnert anfangs etwas an KATATONIA in abgespacterer Version. Man taumelt in einer surrealen Welt, die auf einmal von groovigen Death Doom Riffs niedergestampft wird, welche stellenweise sogar als Breakdowns daherkommen und im weiteren Verlauf von spacigen Synths unterstützt werden. Dieser eigentlich klare Bruch im Musikstil erzeugt eine so zwiespältige Atmosphäre, das es schon faszinierend ist. Noch krasser kommt "Disclaming My Faults" daher, wo reinrassiger Death Metal den Post Rock Anteil zum Ende hin auseinandernimmt. Und das ist im positiven Sinne zu verstehen.
Ein zentrales Element im Sound von (ECHO) nimmt das Keyboard ein, welches meistens im Hintergrund agiert, aber auch, wie in "Unforgiven March", gut als Mittel zur Melodieführung in Erscheinung tritt. "Devoid of Illusions" bietet einige Überraschungen, die, trotz krasser Stilbrüche, größtenteils homogen wirken. Alleine dafür gebührt dem Sextett schon ein großes Lob.

Natürlich ist nicht alles Gold, was glänzt, und so kommt auch "Devoid of Illusions" nicht ohne Schwächen aus. So ambitioniert wie das Album beginnt, baut es in der zweiten Hälfte etwas ab. Über eine Spielzeit von gut einer Stunde verteilt werden die Wechsel aus ruhigen und drückenden Passagen zum Ende hin vorhersehbarer und die weiteren Überraschungseffekte, die das Album zu Beginn auszeichneten, bleiben größtenteils aus. Die Längen, die sich dadurch ergeben, lockern die Aufmerksamkeit des Hörers.
Auch die stellenweise sehr kitschig geratenen, fast schon poppigen Post Rock Einlagen wie in "The Coldest Land" oder "Disclaiming My Faults", trüben das Gesamtbild ein wenig. Der Song reißt das Ruder so eben noch durch seinen fulminanten Schluss um. Der Folgetrack "Once Was A Man", ein nahezu reiner Post Rock Song, versinkt jedoch im Mittelmaß und stellt für mich das schwächste Lied des Albums dar.
Wie gut, dass der Abschlusstrack "Songs From Out Of Space" den Hörer nicht mit einem negativen Eindruck aus dem Album entlässt, sondern insbesondere durch die markanten, eindringlichen Growls von Greg Chandler, welcher hier einen Gastbeitrag leistet, noch einmal mitreißt. (Autor: Malte H.)
Fazit:
"Devoid of Illusions" ist ein ambitioniertes und mutiges Album, das Death Doom mit Post Rock verbindet und sogar einen bekennenden Post Rock Muffel wie mich mitreißen kann.
Die Abwechslung, die (ECHO) hier bieten, ist immens und auch wenn das Album zum Ende hin etwas schwächelt und die letzten Aha-Effekte auf der Strecke bleiben, entschädigt das, was vorher geschieht, für alles. Bei tollen Melodien wie in "Unforgiven March", überraschenden Breaks wie in "Internal Morphosis" und den facettenreichen Emotionen, kann ich den Kitsch und die auftretenden Längen gut verschmerzen.
"Devoid of Illusions" ist ein sehr gutes Debüt und von (ECHO) wird man sicherlich noch einiges hören. Klare Kaufempfehlung für aufgeschlossene Doomster.

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Cover

Trackliste


1. Intro
2. Summoning The Crimson Soul
3. Unforgiven March
4. The Coldest Land
5. Internal Morphosis
6. Omnivoid
7. Disclaiming My Faullts
8. Once Was A Man
9. Sounds From Out Of Space

Künstler


Paolo Copeta - Drums
Mauro Ragnoli - Guitars
Simone Mutolo - Piano, Keyboards
Antonio Cantarin - Vocals
Simone Saccheri - Guitars
Agostino Bellini - Bass

Gastmusiker:
Greg Chandler - Vocals, Guitars

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