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Geschrieben: 27. Oktober. 2014Live Review

Die Apokalyptischen Reiter

Batschkapp, Frankfurt am 12.10.2014
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2014 kann getrost als ein extrem gutes Jahr für DIE APOKALYPTISCHEN REITER bezeichnet werden. Drei Jahre nach "Moral & Wahnsinn" meldet sich die Weimarer Szene-Größe mit dem heiß erwarteten "Tief.Tiefer" zurück. Und das hat es in sich. Auf zwei Tonträgern gibt es nicht nur einen Haufen neuer Songs, sondern auch einen bunten Strauß alter Stücke im akustischen Gewand zu hören. Das will gefeiert werden und so begeben sich die fünf Reiter auf eine ausgedehnte Deutschland-Tournee mit klassischem Set, bevor dann nächstes Jahr die erste Akustik-Tour in der Geschichte der Band ansteht. Wir waren für euch in Frankfurt dabei.

Ausgewählte Support-Acts haben in der Live-Geschichte der APOKALYPTISCHEN REITER Tradition. So verwundert es auch nicht, dass mit DIE VORBOTEN eine Band den Abend eröffnet, wie sie besser nicht auf die musikalischen Interessen des Publikums zugeschnitten sein könnte. Eingängige deutsche Texte mit einem ordentlichen Schuss Gesellschaftskritik treffen auf harte Riffs und gut plazierte Synthies. Das Ergebnis klingt nach einer gut durchdachten Mischung aus RAMMSTEIN, KNORKATOR und besagten Herrschaften aus Weimar. Das ist von Platte durchaus unterhaltsam und kurzweilig, funktioniert live allerdings noch deutlich besser.

BildDie Vorboten

Die fünf Jungs haben sichtlich Spaß in den Backen und lassen sich von den anfangs leeren Reihen nicht im Geringsten irritieren. Diese füllen sich mit zunehmender Spielzeit, charismatischen Ansagen und Brechern der Marke "Zum Meer" oder "Schmiede" immer weiter. Und spätestens mit dem Zerreißen einer "größeren deutschen Zeitung" aus dem Axel Springer Verlag haben DIE VORBOTEN Frankfurt fest in ihrem Griff. Nach einer knappen Dreiviertelstunde ist dann auch schon wieder Schluss und mit dem abschließenden "Ein Funke" übergeben DIE VORBOTEN das Zepter. Aufgabe mit Bravour erfüllt, wer jetzt nicht warm ist - dem ist auch nicht mehr zu helfen!

Setlist - Die Vorboten:

01. Intro
02. Existenz
03. Angst
04. Monotony
05. Menschenfresser
06. Zum Meer
07. Massenmedien
08. Regelwerk
09. Schmiede
10. Funke

"Ihr wolltet Spaß - Den sollt ihr haben" - Das ließ sich das Frankfurter Publikum nicht zwei Mal sagen. Denn nun steht eins DER Gesichter der Mittelalter-Szene auf dem Programm - TANZWUT. Und die machen ihrem Namen alle Ehre. Ein gut gelaunter Teufel führt charmant und provokant durch die Setlist und - mal ganz ehrlich - mit Songs wie "Meer", "Bitte, bitte" oder "Nein, nein" kann man gar nicht viel falsch machen. So kommt es wie es kommen muss. Das Frankfurter Publikum tanzt ausgelassen und feiert TANZWUT als gebe es kein Morgen. Einzig die Bühne kommt sichtbar an ihre Grenzen. Denn mit den Aufbauten für den Hauptact des heutigen Abends im Hintergrund wird es ganz schön eng für die sieben Musiker, die sich da auf der Bühne tummeln. Der so eingeschränkte Bewegungsradius tut der Stimmung allerdings keinen wirklichen Abbruch und als die Berliner Recken ihre Show mit einer fantastisch vorgetragenen "Hymnus Cerberi" beenden, können sie auf ein Meer aus glücklichen und erschöpften Gesichtern blicken.

Setlist - Tanzwut:

01. Höllenfahrt
02. Ihr wolltet Spaß
03. Meer
04. Das Gerücht
05. Merseburger Zaubersprüche
06. Bitte, bitte
07. Wächter
08. Rückgratreißer
09. Heimatlos
10. Nein, nein
11. Hymnus Cerberi

BildDie Apokalyptischen Reiter - Foto von Sarah Fleischer

Und dann ist es endlich so weit. Unter tosendem Applaus und dem Intro zu "Freiheit, Gleichheit, Brüderlichkeit" betreten DIE APOKALYPTISCHEN REITER die Bühne. Ganz stilecht zum Thema des Openers präsentiert sich Fuchs mit langem Militärmantel, hochgestelltem Kragen und Schirmmütze und gibt den propagierenden Verführer. Damit ist allerdings recht schnell Schluss und zu "Revolution" fliegt der Mantel im hohen Bogen weg. Ab jetzt kennt das Publikum kein Halten mehr. Ein ordentlicher Pogo bildet sich in der Mitte der Halle und weit und breit sieht man nur noch ekstatischer Gesichter und lauthals mitsingende Fans. Was sich auf dem Out&Loud für mich schon angedeutet hat, bewahrheitet sich auch heute: Die neuen Songs klingen nicht nur von Platte super, sondern entfalten live ihr volles Potential und beweisen, dass die Reiter nach zwei tendenziell schwächeren Alben mit "Tief.Tiefer" wieder ein richtiges Brett am Start haben. Neben vielen neuen Songs stellt die "Riders on the storm" ebenfalls erfreulich viele Songs. Diese haben auch acht Jahre nach Veröffentlichung nichts an Stärke eingebüßt und das frenetisch feiernde Publikum scheint das genauso zu sehen.

Inzwischen fast schon ein Klassiker ist "Der Seemann" vom besagten Album und der bekommt heute einen besonderen Rahmen: Heiratsanträge während Metal-Shows sind momentan schwer in Vogue und auch die heutige Show bleibt davon nicht verschont. Über Romantik, Sinn und Unsinn dieser ungewöhnlichen Liebesbekundung kann man sicherlich streiten - Dem jungen Paar sei an dieser Stelle viel Glück für die gemeinsame Zukunft gewünscht. Damit ist die Show inzwischen schon halb rum und ich werde langsam aber sicher unruhig. Denn so sehr ich die bisherigen Songs mag, schlägt mein Herz doch vor allem für die richtig alten Werke der Band. Und davon gab es bisher noch gar nichts auf die Ohren. Dies sollte sich allerdings bald ändern und mit "Unter der Asche" starten DIE APOKALYPTISCHEN REITER in einen Block für die Alteingesessenen. Es folgt die obligatorische "Reitermania", das krachende "Smell of Death" und zum Abschluss etwas überraschend (aber auf absolut positive Art) "Rausch". Dann ist dieser Ausflug in die Anfangstage der Band schon wieder vorbei und die Rufe nach der "Iron Fist" bleiben leider ungehört. Nichtsdestotrotz geht es stark weiter. "Der kleine Wicht" impliziert kollektives Ausrasten, zur Sonne gibt es einen Flitzer und dann ist mit "Die Welt ist tief" auch schon wieder alles vorbei und DIE APOKALYPTISCHEN REITER entlassen uns - gefühlt viel zu früh - in den nasskalten Herbstabend.

Setlist - Die Apokalyptischen Reiter:Bild

01. Intro
02. Freiheit, Gleichheit, Brüderlichkeit
03. Revolution
04. Wir
05. Der Adler
06. Ein leichtes Mädchen
07. Wo es dich gibt
08. Hört auf
09. Friede sei mit dir
10. Es wird schlimmer
11. Nach der Ebbe
12. Der Seemann
13. Was bleibt bin ich
14. Unter der Asche
15. Smell of Death
16. Reitermania
17. Der Rausch
18. Der kleine Wicht
19. Die Sonne scheint
20. Die Welt ist tief

Die Apokalyptischen Reiter - Foto von Sarah Fleischer

(Autor: Torben K.)
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