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Geschrieben: 18. November. 2012CD Review

Blutmond

The Revolution Is Dead

Bewertung ( 9 von 10 ):

0123456780

Genre:

Avantgarde Black Metal

Spieldauer:

60:22

Label:

Vetrieb

Land

Fahne Schweiz

Release

19.11.2012

Link


Es verging einige Zeit, bis "The Revolution Is Dead" endlich das Licht erblickte, schlielich wurde die Scheibe schon lange vorher angekündigt. Doch irgendwie passt dies zum neuen, dritten Longplayer der Schweizer BLUTMOND. Ein Album, das mit (mehr oder weniger) illustren Gästen nicht geizt, so sind zum Beispiel Leute von VARG (keine Angst, nur ein paar Riffs, sonst nix), ELUVEITIE (auch hier, nur ein bisschen Frauengesang, nichts weltbewegendes), AUTUMNBLAZE oder NUCLEUS TORN mit an Bord und haben ihren Beitrag zu diesem kunterbunten Zirkus des Black Metals beigetragen.

Doch irgendwie ist dies alles, die vielen Gäste, die längere Wartezeit, alles satzbestimmend und passend, wenn es um das dritte Album der Schweizer geht. Es ist vielseitig, mit vielen Details gespickt und vor allem relativ uneingängig. Wer den (brillanten) Vorgänger ähnlich verehrte wie der hier schreibende Rezensent, der wird nach den ersten paar Durchläufen vielleicht eine kleine Enttäuschung erleben. Es ist zwar nicht so, dass BLUTMOND viel geändert hätten, doch zu Beginn reißt hier fast nichts mit und man vermisst die großartige, sofort einnehmende Atmosphäre von "13 urban Ways 4 groovy Bohemian Days". Man merkt zwar schnell, dass man "The Revolution is Dead " genauso mögen sollte, aber irgendwie will sich die gleiche Begeisterung nicht einstellen. Doch wer an diesem Album dranbleibt, der wird belohnt werden. Nach einer gewissen Zeit entfaltet sich "The Revolution is Dead" und zeigt sein wahres Gesicht. Am besten geht man mal in einer kalten Winternacht in die Stadt, setzt die Kopfhörer auf, läuft durch die dunklen Gassen und versinkt in dem Album, denn dann wird es zünden, und wie.

So kommt plötzlich die lang vermisste Begeisterung und die geliebte urbane Stimmung umringt einen sofort. Denn eigentlich ist alles (fast) beim Alten geblieben, außer dass BLUTMOND noch ein Stückchen radikaler und unkonventioneller zu Werke gehen. Seien es unverhoffte, plötzlich einsetzende Saxophon-Breaks wie im fordernden Opener, oder smoothe, jazz-mäßige Einschübe wie in "Regret" oder der freejazzige Anfang von "Absolution Lies in Evolution", das sich unter wilden Elektronikspielereien in einen herzzereißenden, an die Progressive Metaller von DARK SUNS erinnernden Refrain steigert: BLUTMOND schaffen es, ihre Musik noch weiter an die Grenzen zu pushen und zeigen, was es wirklich heißt, Urban Black Metal zu spielen. Grundsätzlich könnte man hier jeden Song aufzählen, da keiner wie der andere klingt und alle ihren ganz eigenen Charme haben. Zum Beispiel "Pas de Deux", das mit seinem extrovertierten Wahnsinn einen Ausbruch liefert, den man auf dem Vorgänger stellenweise vermissen ließ oder das durch dunkle, orange-leuchtende Gassen führende und von Selbstzweifeln geplagte "Moonlit Chair", das mit fast schon schizophren anmutenden Strophen brilliert. Einen ganz besonderen Höhepunkt stellt auch "Breakdown 2012" dar, welches es schafft, als Spiegel des ganzen Albums zu fungieren. Von den tieftraurigen Streichern im Beginn, die dank der dezenten Elektronik ein bisschen an den Soundtrack zu Aronofkys Meisterwerk "Requiem for a Dream" erinnern, über die Strophen, welche eine perfekte Mischung aus Depressive Black Metal, Trip Hop und Saxophon liefern, bis hin zum mit heulenden Gitarren brillierenden Refrain. Und doch bleibt der ganze Song, wie das ganze Album auch, über die vollständige Spielzeit über homogen und wirkt zu keiner Sekunde erzwungen oder zusammengepuzzelt. Der Song ist wie das Album mit einem Wort zu beschreiben: großartig.

Auch wenn sich am Anfang vielleicht eine kleine Resignation einstellen wird, so merkt man schnell, dass BLUTMOND mit ihrem Drittling einen weiteren großen Schritt gemacht haben und ihren Vorgänger noch einmal übertroffen haben. Dies nicht nur, weil sie noch mehr Grenzen niederreißen und noch mehr fremde Elemente in ihre Musik einbinden, sondern weil "The Revolution is Dead", und da ist die lange Einarbeitungszeit ein großer Vorteil, schlichtweg eine noch größere Halbwertszeit als der Vorgänger bietet. So lässt sich abschließend sagen, dass es BLUTMOND wieder einmal gelungen ist, mit ihrer Musik ein perfektes Abbild der modernen Welt zu erschaffen. Desolat, paranoid, urban und schlichtweg auf höchstem Niveau mitreißend, so lässt sich die Musik dieses Albums am besten beschreiben. Jede Zeile und jede Note auf diesem Album atmet die Hässlichkeit, den Gestank und die Faszination der modernen Großstadt und gibt diese Elemente perfekt wieder.
Doch im Endeffekt muss man "The Revolution is Dead" selber gehört und am eigenen Leibe erfahren haben, denn BLUTMOND liefern hier nicht mehr und nicht weniger als das beste urbane Black Metal Album seit dem großartigen AMESOUERS Debut, und das will auf alle Fälle viel heißen. Ganz, ganz große klasse und um das Review möglichst kitschig zu beenden, lässt sich nur so viel sagen: The revolution is dead, long live the revolution! Und BLUTMOND stehen dabei ganz vorne. Oder wie sie es selber sagen: The revolution is dead, so is your mind! (Autor: Tizian C.)
Fazit:
Ein Paukenschlag zum Ende des Jahres liefern uns BLUTMOND mit ihrem Drittling, der urbanen Black Metal nahe der Perfektion bietet. "The Revolution is Dead" strotzt nur so vor Atmosphäre und Ideenreichtum, dass es eine wahre Freude ist. Die Schweizer liefern somit den perfekten Soundtrack für kalte, lange Winternächte in der Stadt. Und die Höchstpunktzahl gibt es hier einzig und allein deswegen nicht, weil ich der Band zutraue, sich auf dem nächsten Album nochmals zu steigern. Dafür nehme ich auch gerne eine nochmal so lange Wartezeit auf mich.

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Cover

Trackliste


01. Putting Hearts Together
02. Regret
03. Pas de Deux
04. Stop the Rain, Neuzeit Jesus
05. Absolution lies in Evolution
06. Moonlit Chair™
07. BreakDown 2012
08. Birds of Prey
09. One World - One Feature
10. Attention Whore! (Lost in Bliss)
11. If I could reach the Stars
12. 21st Century Prophets

Künstler


Freitod - Bass, Vocals
Unhold - Drums
Marlon - Guitars
John - Guitars, Vocals
Marc - Saxophone, Effects

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