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Geschrieben: 26. Juli. 2012CD Review

Baroness

Yellow & Green

Bewertung ( 6 von 10 ):

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Genre:

Progressive Sludge Metal

Spieldauer:

74:59

Label:

Vetrieb

Land

Fahne USA

Release

20.07.2012

Link


Hört man den Namen BARONESS, ist der erste Gedanke das saftige Rifffeuerwerk, das man bei den Südstaaten-Sludger seit ihrer Gründung im Jahre 2003 vernehmen kann. Auf den Alben "Red" und "Blue", die weitestgehend positive Reaktionen hervorgerufen haben, wurde der bandeigene Sound sehr durch diese Charakteristik geprägt. Das Verkünden zweier neuer Werke, kombiniert auf einem Doppelalbum, die sogar die Idee der Farbkonzepte in der Diskografie weiterführen sollten, sorgte deshalb für wenig Skepsis.

Während "Yellow" die knackigere Seite darstellt, bietet "Green" introvertiertere Facetten. Beides bis dato nicht unbedingt Markenzeichen von BARONESS und so muss man sich darauf einstellen, etwas Neues geboten zu bekommen. Es drängt sich der Vergleich mit MASTODON zwar auf, doch erfolgte dort die Entwicklung schleichender.
Die Riffs sind hitorientierte Häppchen geworden, die in den Hintergrund gerückt sind, um die aufjaulenden Vocals Baizleys bloß nicht zu übertünchen. Wenn man bedenkt, wie progressiv die Jungs früher durch Songs gebrettert sind, erscheint dagegen die Darbietungen auf "Yellow" so minimalistisch, dass man manchmal unwillkürlich an Gruppen wie THE WHITE STRIPES denken muss.
Ebenso fehlen die rauen Parts, die der Band die nötigen Ecken und Kanten verliehen haben. Die hymnischen Vocals halten sich aus dem Gebiet der Screams inzwischen ganz raus und erfüllen nun die Aufgabe der Leads, die die Verantwortlichen an den Saiten ganz offensichtlich abgegeben haben. Letzteren ist dazu noch der berüchtigte Sludge-Sound abhanden gekommen, der nun deutlich von lokal-gefärbten Einflüssen wie Americana und Folk zeugt.
Wer da am Ende profitiert, sind die aufgeschlosseneren Fans beziehungsweise Interessierte, die vielleicht die Dominanz der Gitarren missbilligten. Und für den Mut, langjährige Fans zu verprellen, verdient die Band meinen Respekt und auch trotz der ganzen Umstellungen, ist BARONESS ein Album gelungen, das man über verschiedene Wege genießen kann.

Lässt man sich darauf ein, keine zu erwartenden Trademarks erfüllt zu bekommen, kommt man nicht umhin, dem Yellow-Part eine lockere, rockige und vor allem unterhaltsame Attitüde zuzusprechen. Vor allem wenn man bei einigen Riffs, wie zum Beispiel die grimmigeren auf "Cocainium", daran erinnert wird, dass man durchaus noch harsch zu Werke gehen kann, freundet man sich leichter mit dem Gedanken einer neuen BARONESS an. Doch selbst mit dieser neuen Einstellung des Hörers, finden sich genügend Songs, die durch ihre unverblümt-direkte Art nicht bei jedem zünden dürften. Meine Empfehlungen für Skips wären daher "Twinkler" oder das unaufregende "Back Where I Belong". So fehlt mir auf der ersten Hälfte auch ein gewisser Übersong oder zumindest etwas, was aus diesem Sumpf aus möglichst schlichten Dudelkram hervorsticht. Das Talent für effektives Songwriting kann ich der Band jedoch einfach nicht absprechen, da der Ohrwurmfaktor trotzdem relativ hoch ist.
Die "Green"-Phase offenbart die sehr gelassenen, verschnörkelten und vor allen Dingen weniger durch den Gesang dirigierten Songs. Zu behaupten, dass "Green" dem Farbkreis folgend eine gleichwertige Mixtur aus "Blue" und "Yellow" darstellt, würde ich zwar nicht behaupten, aber es grenzt sich durchaus weniger von seinen Vorgängern ab. Und die Abschnitte, die wieder zum neuen Sound gehören, bieten mehr Tiefe, als ein Großteil des großen Bruders "Yellow". Doch auch hier lehnt man sich etwas weit aus dem Fenster und dürfte mit "Collapse" oder "Board Up The House" die wenigsten wirklich fesseln.
Mein eindeutiger Gesamtfavorit findet sich jedoch hier: "The Line Between" schafft es dann doch mich zu überzeugen, die zweite Hälfte der ersten vorzuziehen. Das Eingangsriff wäre eigentlich der perfekte Einstieg in die Scheibe gewesen, hätte aber nur falsche Hoffnungen für das restliche Album gemacht.

Durch die erhöhte Fokussierung auf den Gesang kommt mir das Potential von BARONESS zwar nicht optimal ausgenutzt vor, doch dürften selbst Hater Gefallen an einem der achtzehn Songs finden. Während bei "Yellow" entweder die Vocals oder der Rest arg repetitiv sind und man sich daher entscheiden muss, bei welcher Variante man sich eher auf den Track einlassen kann, ist diese Problematik auf "Green" weitaus galanter gelöst worden. Nichtsdestotrotz sind unter den achtzehn Songs viele dabei, die eher passiver Natur sind und mehr zum Gefühl als zum Verlauf beitragen und das gesamte Werk mich eher zum Entspannen als zum Headbangen einlädt; ein Umstand, der vor dem ersten Hören berücksichtigt werden sollte. Die starken Schwankungen zwischen den Titeln und den teilweise naiven Popfaktor in gewissen Teilen hindern mich jedoch zu einer höheren Punktzahl zu greifen. (Autor: Daud B.)
Fazit:
Mit "Yellow & Green" wurde ein Wohlfühlalbum geschaffen, das zwar genug Abwechslung bietet um über die fast siebzig Minuten zu kommen, aber im direkten Vergleich mit "Red" und "Blue" deutlich schlechter abschneiden würde, hätte ich die Verweise auf die Unterschiede stärker in die Wertung mit einbezogen. Doch habe ich BARONESS' Ausrichtung hier als für sich selbst stehend betrachtet. Man erlebt die Truppe deutlich handzahmer und tragender, woran sich einige reiben könnten, aber der größte Verlust bleibt einfach der Anteil an krachenden Riffs, der mühselig vom Sänger kaschiert wird und spätestens bei den entschleunigt-träumerischen Tracks auffällt.

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Cover

Trackliste


Disk 1
1. Yellow Theme
2. Take My Bones Away
3. March to the Sea
4. Little Things
5. Twinkler
6. Cocainium
7. Back Where I Belong
8. Sea Lungs
9. Eula

Disk 2
1. Green Theme
2. Board Up the House
3. Mtns. (The Crown & Anchor)
4. Foolsong
5. Collapse
6. Psalms Alive
7. Stretchmarker
8. The Line Between
9. If I Forget Thee, Lowcountry

Künstler


Matt Maggioni - Bass
Allen Blickle - Drums
Peter Adams - Guitars
John Baizley - Vocals, Guitars

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