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Geschrieben: 18. Mai. 2010CD Review

Al-Namrood

Estorat Taghoot

Bewertung ( 8 von 10 ):

0123456701

Genre:

Black Metal

Spieldauer:

56:08

Label:

Vetrieb

Land

Fahne Saudi-Arabien

Release

01.04.2010

Link


Da ist es also, das neue Al-Namrood Album. Ich hab darauf ungeduldig gewartet, da ich die Band immer recht interessant fand. Das Review zum letzten Album könnt ihr hier nachlesen:
Al Namrood - Astfhl Al Tha'r

7 Punkte hab ich dem letzten Album gegeben. Aufgrund der fehlenden Abwechslung und den etwas auf dauer nervenden Song-Strukturen war nicht mehr drin.

Was darf man also nun erwarten? Hat sich die Band weiterentwickelt? Wo setzt eine Black Metal Band aus Saudi-Arabien an sich zu verbessern, wenn die Kritiken die sie bekommt extrem minimal sind – nicht nur im Internet sondern vor allem in ihrem sozialen Umfeld ?! Man hat schlecht die Möglichkeit einfach mal jemanden zu fragen wie derjenige seine Satanische und Menschenverachtende Musik findet, wenn jeder um einen herum Moslem ist.

Aber sei's drum, offenbar brauchen Al-Namrood weder feedback noch Kritik. Da kann man nur an die Persönlichkeit der Musiker appellieren, die hoffentlich den nötigen Ehrgeiz entwickelten ihre Musik von release zu release zu verbessern.

„Estorat Taghoot„ was soviel heisst wie „A Legend of Tyranny„ heisst die neue Scheibe.
Das Cover hat ganz nette Farben, man sieht den Turm von Babel (Der fälscherweise rund dargestellt wird) und ein bisschen Keilschrift. An dieser Stelle muss ich meine verwirrtheit kund tun, denn wieso schmückt sich eine Arabische Band mit den Kulturellen Errungenschaften der Völker aus dem Irak? Geografisch und Kulturell eine ganz andere Baustelle, haben Al-Namrood jetzt wohl wie Melechesh ihr Interesse für Mesopotamien entdeckt, und behandeln nun die Geschichten über Nebukadnezar, einen neu-babylonischen König. Jener war es auch der Jerusalem einnahm, was auch die antichristliche Einstellung der Musiker wiederspiegeln dürfte. Für mich insofern eine Überraschung, da man auf den ersten Album noch die Geschichte Arabiens behandelte.


Leider sind keine Texte oder Beschreibungen der Songs abgedruckt (Im Gegensatz zum Vorgängeralbum), also bleibt das der einzige Anhaltspunkt was ich über die Texte sagen kann.

Mit von der Partie ist auch als Gastmusiker „Mardus“ der bei den Bahrainer Bands „Narjahanam“ und „Smouldering in Forgotten“spielt und den Saudis manchmal seine Stimme leiht.. Auch hat man sich dazu entschlossen diesmal in einen Tonstudio in Bahrain aufzunehmen. Wer die Releases von oben genannten Bands gehört hat, wird mich bestätigen, dass dies nur ein Fortschritt für den Sound sein kann.


Was aber macht das wesentliche – die Musik?

Eins Vorweg: Einen Stilbruch haben sie nicht begangen.

Die Saudis spielen wie auf dem Vorgänger ihren Black Metal mit Arabischen Folk-Istrumenten und Melodien versehen.

Am Anfang erwartet uns ein Instrumentales Intro, das über Viereinhalb Minuten lang ist. Tatsächlich bin Ich einer der wenigen und (wahrscheinlich muss es so sein wenn man keine Intros mag) ignoranten Menschen, die Intros nicht leiden können, doch in diesem Stück, dass hauptsächlich aus Keyboard und Arabischen Trommeln und Saiteninstrumenten besteht entfaltet sich eine mich faszinierende Epik mit der ich nicht gerechnet habe. Ein schöner Einstieg für ein düster-orientales geprägtes Album.


Danach geht’s aber schon mit „Junood Al Amjaad“ richtig schnell zur Sache. Anfangs noch ein Song von dem man nichts erwartet, entwickelt er mit zunehmender Spielzeit eine eigene Charakteristik die zu gefallen weiß. Bei der Härte und Schnelligkeit hat man trozdem das verlangen nach Bauchtanz – verrückt.

Der dritte Track heisst wie das Album selbst. Auch ein anfänglich schneller Song mit folkigen Melodien zu denen man Tanzen kann (Wenn man denn muss). Der Anfang des Songs ist gewöhnungsbedürftig, aber danach weiß auch er richtig gut zu gefallen. An dieser Stelle möcht ich auch mal die Stimme von Mukadars loben, die man nun viel besser hören kann als beim Vorgängeralbum. Sie klingt einfach richtig hasserfüllt und hat wiedererkennungswert.

Danach folgt der Song „Ma Kan Mn AlDahr Mundthera „ der Anfangs mehr schwarzmetallisch klingt und gegen Ende aber nochmal die Folkkeule auspackt. Diesen Song finde ich auch durchaus recht hypnotisierend, und zeigt einen interessanten Aspekt der Band.

Der fünfte Track „Endma Tuqsaf Al Ru'os„ ist mein persönliches Highlight der Platte. Er ist zugleich auch der epischste und kann für mich die besten Strukturen und Riffs aufweisen. Tatsächlich hab ich hier sogar Gänsehaut bekommen. Was mir beim ersten Album fehlte wurde hier deutlich verbessert. Der Wiedererkennungswert und die Ohrwurmqualität ist einfach relativ hoch.

Der nächste Track „Ma'dabt Al Audhama„ klingt so finde ich, relativ verstimmt an manchen Stellen. Die Instrumentalik in diesen Stück ist gewiss nicht jeden Europäer auf Anhieb zugänglich. Dennoch muss ich anerkennen, dass es sehr düster geraten ist, was zum Gesamtpaket der Scheibe passt. Bewusst wird hier aber auf eine Stimme verzichtet. Auch dieser Song wird wie seine Vorgänger nach der ersten Minute erst richtig gut.

Weiter geht’s mit „Fe Youm Thaqeef „. Hier haben es sich Al-Namrood meiner Meinung nach ein bisschen einfach gemacht. Die durchgehende Melodie des Songs ist zu simpel und unspektakulär. Sie geht einem auf die Nerven als würde sie von der Band „Arallu“ stammen. Positiv hervorzuheben ist allerdings, dass sich gegen Ende des Songs mehr auf Virtuose Aspekte konzentriert wird. Für mich eine interessante neue Seite die ich so noch nicht kannte von der Band.


Das darauf folgende „Wata'a Bakhtanasar „ ist, so würde ich meinen, eine Nummer die den schwarzmetallischen Anteil wieder mehr in dem Mittelpunkt rückt, da man die folkigen Einflüsse nicht derart schnell raushört wie bei den anderen Songs. Vergleichbar mit anderen Black Metal Bands ist dies dennoch nicht. Der Song ist einfach viel träger und weißt nicht allzuviele wechselnde Melodien auf, was ihn gleichzeitig aber auch am Stück düsterer erscheinen lässt.

„Laylat Ghabra'a „ dürfte wohl der schwarzmetallischste Song auf der CD sein. Hier wird durchgebolzt und sägende Gitarre mit einer gewissen Hymnenhaftigkeit formen das Klangbild. Am ehesten noch vergleichbar mit dem Schwedischen-Stil des Black Metals...Nur eben in Arabisch.

Im Gegensatz dazu fängt der vorletzte Song „Asda' Al Dmar „ wieder die träge und dunkle Atmosphäre des Orients ein. Stellt euch vor, ihr seid in der Wüste verloren, die Sonne brennt unerbitterlich, der Schweiß strömt von euren Körper und jeder Schritt den ihr auf den nachgebenden Sand setzt macht euch nur noch träger. Der Song ist die perfekte Soundkulisse zu so einer Vorstellung.

Der letzte Track stellt eine Art outro dar. Nichts überwältigendes aber gewiss eines der besten Outros die ich gehört hab (Und bei meiner Vorliebe für Intros hab ich gewiss schon viele Outros gehört ;) ).



Wie schon ober erwähnt finde ich, dass die Stimme auf Estorat Taghoot sehr viel besser als ist noch auf dem Vorgänger. Ich persönlich meine, dass die Stimme von Mukadars der von Mardus relativ ähnlich ist, wenn auch nicht derart ausgereift.

Die Abmischung und der Sound sind ganz akzeptabel. Wir reden hier natürlich von einer Band die ziemlich rauh ist und ich denke, die Rauhheit der Musik trägt viel zur Gesamtatmosphäre bei.
Leider spielt die Band auch nicht mit den besten Instrumenten, was man meinen Interview mit deren Label entnehmen kann, von daher lege ich nicht gar so großen Wert auf die Bewertung des Sounds. Die Produktion klingt jedenfalls klarer als auf dem Vorgängeralbum und das ist ein großer Pluspunkt.

Mit knapp einer Stunde ist das Album ziemlich lang. Ich hab mich so gut wie nicht gelangweilt beim hören, und beim mehrmaligen durchlauf lassen sich auch immer wieder neue Feinheiten finden.

Musikalisch ist das ganze Album viel melodischer ausgefallen, als ich es erwartet hätte. Die Atmosphäre ist allseits vorhanden und die Band hat sich bis auf eine Ausnahme wirklich was einfallen lassen um die Songs abwechslungsreich zu gestalten.

Ich hoffe dass uns Al-Namrood noch lange erhalten bleiben und ihren Stil weiterführen. Man mag es kaum glauben, aber tatsächlich sind sie die einzige Black Metal Band die Folk aus dem nahen Osten mit Black Metal mischen. (von Melechesh möchte ich jetzt mal absehen, da deren Stil sich schon relativ entfremdet hat vom ursprünglichen underground Black Metal)
Die Band hat jedenfalls Potential, was sie mit diesen tollen Album bewiesen hat und ich bin sehr gespannt was die Zukunft bringt. (Autor: Dominique J.)
Fazit:
Generell hat mir das Album sehr gut gefallen, und ich konnte im Vergleich zum Vorgänger eine deutliche Steigerung feststellen. Trotz allem bleibt Al-Namrood eine Band für Aufgeschlossene oder eben Liebhaber von Exotischer Metal Musik. Die Musik die Al-Namrood macht ist einfach nicht leicht zugänglich für westliche Metal-Hörer. Dennoch kann man sagen, dass Al-Namrood neben Melechesh die beste Wahl ist, wenn es um nah-östlichen Metal geht. Eine objektive Bewertung ist nicht so einfach. Ich gebe dem Album jedenfalls eine hohe Punktezahl (8,5 - leider sind keine Komma Bewertungen möglich), das es mir sehr gut gefallen hat und im Grunde das ist was ich erwartet habe nach dem ersten Album. Puristen sollten jedenfalls erst reinhören vor dem Kauf. Entweder man liebt es oder man hasst es.

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Cover

Trackliste


1. Arousal At Nebuchadnezzar Fortress
2. Junood Al Amjaad
3. Estorat Taghoot
4. Ma Kan Mn AlDahr Mundthera
5. Endma Tuqsaf Al Ru'os
6. Ma'dabt Al Audhama
7. Fe Youm Thaqeef
8. Wata'a Bakhtanasar
9. Laylat Ghabra'a
10. Asda' Al Dmar
11. Ajal Babel

Künstler


Mukadars - Vocals, Lyrics
Ostron - Keyboards, Percussion
Mephisto - Guitars, Bass, Percussion
Darius - Drums, Percussion

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