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Geschrieben: 22. September. 2017Live Review

Zeal & Ardor

Club Bahnhof Ehrenfeld, Köln am 19.09.2017
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Wer hätte gedacht, dass ich mal durch eine Fernsehsendung auf eine Band bzw. einen Musiker aufmerksam werde. Besonders wenn es sich bei diesem um jemanden handelt, der im Metal-Genre zu verzeichnen ist. Die Rede ist vom Schweizer Manuel Gagneux, aka ZEAL & ARDOR wessen jüngstes Schaffen in der arte-Sendung Tracks gewürdigt wurde. Um dorthin zu gelangen, braucht es allerdings noch etwas Besonderes. Wie z.B., wenn das Genre welchem man sich widmet im weitesten Sinne als Black Black Metal zu bezeichnen ist.
Bitte was? Black Black Metal? Genau. Black Metal und „Nigger Music“. Das zumindest war die politisch unkorrekte Aufforderung, die er von einem Forum-User erhielt, nachdem Manuel sich selbst herausfordernd in den Äther schrieb, "Gebt mir zwei Musikrichtungen, ich mache in einer halben Stunde ein Stück draus". Und so gesellte Manuel zum (quasi) Black Metal, Gospel bzw. Worksongs. Lieder, die die Sklaven auf den Feldern der Südstaaten sangen.

Das Resultat hören und sehen wir heute Abend im Club Bahnhof Ehrenfeld, einem kleinen Backsteintunnel in Gewölben unter den Bahngleisen mitten in Köln. Vorab geben sich aber HATHORS als Vorband, ebenfalls aus der Schweiz, die Ehre. Eigentlich war die Band bis zu jenem Tag des Konzerts ein Trio, doch zählt man mit nur Marc und Raphael heute nur bis Nummer Zwei. Schlagzeuger und Gitarrist stehen ohne Bassist Terry auf der Bühne. Am frühen Mittag verkündete die Band sein endgültiges ausscheiden wegen gesundheitlichen Gründen im Netz.
HATHORS-"light" tragen ihr Irgendwas aus Alternative Rock, Grunge, Hardcore, Indierock, Metal & Punk allerdings auch Instrumental reduziert so gar nicht light vor. Besonders der Sänger Klampft energisch auf seiner Gitarre und Singt-Growlt-Grunged das Mikro in Grund und Boden.
Bei mir will der Funke allerdings nicht so recht überspringen, was unter anderem dem mäßigen Sound geschuldet ist, der blechern seine Details selbst verschluckt. Die Sorge, dass dies an dem runden Steingewölbe liegt und auch ZEAL & ARDOR darunter zu leiden haben, bestätigt sich zum Glück nicht.

Die Band, die Solo-Künstler Manuel Gagneux nach den überbordenden Resonanzen aus dem Boden gestampft hat, steht schließlich in Form von sechs Personen auf der in Dunkelheit getauchten Bühne. Manuel wird flankiert von den Support-Sängern Marc Obrist und Denis Wagner, links vom Gesangs-Trio agiert Bassisin Mia Rafaela Dieu, rechts Lead-Gitarrist Tiziano Volante. Im Hintergrund und quasi die gesamte Zeit über Unsichtbar versteckt sich Marco von Allmen hinter dem Schlagzeug.

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Es ertönt das elektronische Intro „Sacrilegium I“, welches erst mal so gar kein Metal-Konzert vermuten lässt. Aber musikalische Grenzen gibt es hier und heute bei ZEAL & ARDOR zum Glück nicht, und bereits mit dem unheilvoll düsteren Schreddern von „In Ashes“ und dem einsetzen des hypnotisch okkulten Sprechgesangs weiß man, wohin die düstere Reise geht.
Der mitgehende Lichtmischer leistet im kleinen, dunklen Kellergewölbe dazu ganze Arbeit: Der permanente leichte Nebel wird oft von hinten angestrahlt und stanzt die dunklen Umrisse der Musiker in das strahlende Licht. Manuels krause, wirr abstehenden Haare wippen im Wahnsinn von „Blood in the River“, während dieser im Rhythmus die Seiten seiner Gitarre schlagend malträtiert.
An diesem Abend wird den Sklaven von damals der Teufel an die Seite gestellt, gegen die ach so christlichen Unterdrücker. Ausdauernd, düster, okkult und trotzig.
Auch das Neue, Unbekannte findet sich zwischen den Songs des Debütalbums „Devil is Fine“ seinen Platz.

Der Sound ist für die Lokalität erstaunlich gut und in angenehmer Lautstärke. Ein Wermutstropfen ist lediglich, dass das teilweise redende Publikum während der Songs zu gut zu hören ist. Wie wärs einfach mal mit klappe halten und genießen?
ZEAL & ARDOR ziehen das Konzert straight durch. Keine Ansagen zwischen den Songs. Sklaven hatten auch keine Pause. Es geht unermüdlich voran. Erst als das Ende des Konzerts naht, meldet sich Sänger und Gitarrist Manuel grinsend und ehrlich begeistert mit den Worten „Köln, ihr seid verrückt!“. Eine Zugabe wird es natürlich geben, nur heute mal ohne den „wir gehen von der Bühne und kommen dann zurück“-Schnickschnack. „Don't You Dare“ und „Devil Is Fine“ bilden das Finale, das alle mit glücklichen Gesichtern schließlich in den Abend hinausschickt. Viele zieht es aber zunächst verständlicherweise an den Merchstand à la "Shut up and take my money".

Die Setlist von ZEAL & ARDOR:

Sacrilegium I
In Ashes
Servants
We Never Fall
Come On Down
Blood in the River
Row Row
Ship on Fire
Cut Me
Children's Summon
Hold Your Head Low
We Can't Be Found
Sacrilegium III
Don't You Dare
Devil Is Fine (Autor: Saskia Z.)
Fazit:

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Club Bahnhof Ehrenfeld
Bartholomäus-Schink-Straße 67
50825 Köln

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