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Geschrieben: 01. Februar. 2016Live Review

Rammsund - Rammstein på nynorsk

Garage, Bergen (Norwegen) am 30.01.2016
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Du wolltest schon immer wissen, wie sich RAMMSTEIN für nicht-Deutsche anhört? Nichts einfacher als das! Denn vier Mannen aus Norwegen haben es sich zur Aufgabe gemacht die Songs des weltweit gefeierten deutschen Musik-Phänomens RAMMSTEIN nicht bloß zu covern, sondern gleich in die eigene Sprache zu übersetzen. Genaugenommen in Neu-Norwegisch, was nicht so unwichtig ist, denn es gibt in Norwegen tausende Dialekte (wie ich derzeit entsetzt feststellen muss). Dennoch: Gibt es eine bessere und spaßigere Möglichkeit Norwegischen zu lernen? Keine Frage, also nichts wie hin zu RAMMSUND und ihrem (am Ende ausverkauften) Konzert im Keller der „Garage“ im Zentrum der zweitgrößten Stadt Norwegens namens Bergen.

BildWährend der Einlass pünktlich um 21 Uhr startet, lässt sich die Band am Ende noch etwas Zeit. Mein Konzertkumpane meint schließlich scherzend, dass das ja so wohl nicht geht. Wenn man eine deutsche Band covern möchte, hat man pünktlich zu sein!
Der Keller - in ästhetischem Tiefschwarz gestrichen, mit tiefhängender Decke und unglücklich gelegener Säule direkt vor der Mitte der Bühne – füllt sich bis zur hinteren Wand. Die Stimmung ist gut, schließlich weiß man, was einen erwartet und dass man hier eine tolle, schweißtreibende Nacht verbringen wird. Und wir sollten nicht enttäuscht werden.

Sobald die ersten Töne des Intros von „Spel med meg“ (genau: Spiel mit mir) erklingen, ist die Stimmung auf Höhe. Die ganze Band sieht aus, als wäre sie in einen Kamin gefallen. Auch optisch versucht man sich dem Vorbild anzunähern. Sänger Geirs kurze Haare sind zurückgegelt, der Oberkörper hemdlos und nach dem ersten Song klatscht er sich belustigt mit der Hand auf den Bauch und hält seinen Gürtel. Anhand der Gesten ist auch Zuschauern die nicht des Norwegischen mächtig sind klar: Das Kleidungsstück sitzt mittlerweile etwas spack. Vielleicht war die Verspätung ja auch einer kleinen Hosenkrise hinter der Bühne geschuldet?

Es geht weiter mit „Sola“ (Sonne), und ich darf die Zahlen die ich letzte Woche noch brav im Sprachkurs gepaukt habe, heute lautstark zur Anwendung bringen. Obwohl ich meine teilweise Rammstein-Textsicher zu sein, bringt mich die norwegische (immer wieder lustig klingende) Ummünzung total aus dem Konzept. Der Titel „Eg vil“ (Ich will) klingt schon fast wie das deutsche Original und auch die Songankündigungen „Amerika“ und „Pussy“ lassen keine Fragen offen. Spätestens als Geir „Ikkje Lyst“ mit tiefer Stimme ankündigt, brauche ich bis zu den ersten Tönen um zu erkennen dass es sich um den Song „Keine Lust“ handelt.

BildBassist Mattias (Müller, sagt mir im Anschluss selbst, dass er wohl den deutschesten Namen überhaupt habe) sieht mit dem schmutzig dunkel geschminkten Gesicht und den ausgesparten Augenpartien ein wenig aus wie ein invertierter Panda und ist der ernste Teilnehmer auf der Bühne. Während er keine Miene verzieht, kommt Gitarrist Nicholas aus dem Grinsen nicht mehr raus. Je mehr das Publikum die Hütte heizt (was mir fortschreitender Zeit und steigendem Alkoholpegel unweigerlich der Fall ist), desto heller blitzt die Zahlreihe zwischen dem schmutzigen Gesicht und den zotteligen, blonden langen Haare hervor.
Auch bei „Du har“ wackelt die Hütte gehörig und wir kommen nicht umhin in den entsprechende Parts das deutsche „Du hast / Du has(s)t mich“ mit in dem Raum zu brüllen.
Sänger Geir ist während des gesamten Konzerts mit vollem Körpereinsatz dabei. Er hängt sich über die Bühnenabsperrung, an ein an der Decke verlaufendes Rohr und turnt von links nach rechts, sodass ihm schon recht früh die schwarze schminke über den Bauch läuft. Das Publikum dankt mit ähnlich energischem Einsatz, unter anderem der Nackenmuskulatur.
Drummer Bjørn sehe ich aufgrund meiner Position fast gar nicht, wohl aber den Laptop den er neben seinem Schlagwerk bedient um die Synthie- und Keyboardparts von „Band“ einzuspielen. Mit vier Mann auf der Bühne geht natürlich auch nicht alles live.

Mit „Spieledåse“ (Spieluhr), „Links 2 3 4“ (…) und „Fyr Laus“ (Feuer frei) läutet sich so langsam das Ende des Konzerts ein, wobei Letzter nach der Ankündigung der letzte Song des Abends zu sein vom Publikum noch mal richtig schweißtreibend gefeiert wird. Und deswegen ist eins besonders Bemerkenswert. Selbst nach einer sehr aktiven Stunde im langsam sehr drückend heiß werdenden Untergeschoss riecht es nicht nach Schweiß. Viel mehr nach Haarshampoo. Entweder haben Norweger sehr gute Deos, oder besonders stark parfümiertes Shampoo.

BildAuch wenn RAMMSUND mit dem abnehmen der Musikinstrumente das vermeintliche Ende einläuten ist natürlich das Ganze ohne „Zugabe“ nicht denkbar. Natürlich ist diese fest eingeplant und das Publikum muss nicht lange rufen um das Gespannt wieder an die Instrumente zu bringen. Mit „Reise Reise“ starten wir also fast schon besinnlich in den (nicht ganz) letzten Abschnitt des Abends. Doch nach „Dyr“ (Tier) und „Morgenstjerne“ muss natürlich noch ein letzter großer Knaller her. Und das Publikum weiß natürlich auch schon was auf keinem RAMMSUND (und natürlich auch RAMMSTEIN) Konzert jemals fehlen darf: „Bensin“.

Selbst nach dem gefühlten Abriss des Kellerraums ist zwar kein Sauerstoff mehr da, aber immer noch ein durchweg angenehmer Duft, der so gar nicht zu den verschwitzten, haarverklebten Gesichtern passen mag die sich am Ende glücklich von der Bühne wegdrehen und sich stattdessen der Bar zuwenden. Derweil muss die Band Fotos mit Fans machen und Pleks verteilen. Um das nochmal in Erinnerung zu rufen: Es handelt sich um eine Coverband! Doch wenn sich das Original selbst in der Gegend rar macht, wird eben die (gekonnte) Kopie für Fans ein wichtiger Anlaufpunkt und beinahe ebenso frenetisch gefeiert. Gitarrist und Grinsekatze Nicholas indes ist völlig von den Socken von der überwältigen Resonanz und der Stimmung im Club. Seine Worte: Er kann selbst nicht glauben wie die Leute sie als bloße Coverband derart feiern. Perfekt wenn der Spaß auf beiden Seiten gleich groß ist.

Den restlichen Abend findet man die Jungs freudig entspannt und abgeschminkt mit Bierchen in der Hand den Abend genießen und mit Leuten und Fans schnacken. Durchweg sympathische Jungs, die einfach bock darauf haben Songs ihrer Lieblingsband für sich und andere Mitbürger mitsingtauglich zu machen - und damit ungewollt auch Leuten wie mir einen besonders unterhaltsamen und sportlichen Sprachkurs bieten. Doch Mattias bringt das Ganze am Ende auf einen anderen Punkt: „Jetzt kannst du dir vorstellen, wie sich RAMMSTEIN für Norweger anhört.“

Die Setlist des Abends:
SPEL MED MEG
SOLA
EG VIL
AMERIKA
PUSSY
IKKJE LYST
DU DUFTAR GODT
HJARTET MITT BRENN
DU HAR
STRIPPED
LENGSLE
STEIN FOR STEIN
SPELEDÅSE
LINKS 2 3 4
FYR LAUS

Zugabe:
REISE REISE
DYR
MORGENSTJERNE
BENSIN (Autor: Saskia Z.)
Fazit:

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