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Interview mit Erik von WEH

Interview mit Erik von WEH

Torben K.: Hei Erik!
Bevor wir hier anfangen, möchte ich dir zuerst zu deiner phantastischen Arbeit mit "Folkloren" gratulieren. Ich habe sehr viel Spaß beim Hören dieses Albums gehabt! Da ich jedoch davon ausgehe, dass ein Teil unserer Leser nicht unbedingt bekannt mit WEH sein dürften - Würde es dir etwas ausmachen, dich und dein Projekt vorzustellen?

Erik: Ok, Ich habe WEH 2002 mit der Ambition gegründet, akustische Musik mit dunkler Atmosphäre zu spielen. Seitdem habe ich bis 2006 eine Reihe von Demos aufgenommen. Ein paar Jahre danach wurde ich von Soulseller Records kontaktiert. Sie wollten die Demos gesammelt auf einem Album veröffentlichen. So entstand das Album "Origins", welches im Oktober 2010 veröffentlicht wurde. 2012 wurde dann "En Natt Kom Doed" veröffentlicht und nun ist "Folkloren" frisch aus dem Presswerk. Die Musik hat sich zwar seit dem Anfang verändert, aber meine Ambition ist immer noch dieselbe: Songs mit dunkler Stimmung zu spielen, die auf dem Wechselspiel von Akustik-Gitarre und meiner Stimme aufbauen.

Torben K.: Du hast kürzlich mit "Folkloren" dein zweites Album veröffentlicht, ein wunderschönes Stück akustischer Musik. Bist du zufrieden mit deiner Arbeit? Gibt es etwas, was du auf kommenden Alben anders machen möchtest?

Erik: Dieses Mal bin ich sehr zufrieden. Es ist schwer abzuschätzen, wie die Dinge sich am Ende darstellen werden, bevor alles komplett fertig ist und obwohl manche Sachen nicht so gelaufen sind, wie ich mir das vorgestellt habe, bin ich sehr zufrieden mit dem Ergebnis. Momentan weiß ich noch nicht, was ich in der Zukunft ändern oder verbessern möchte, aber irgendeine Form der Entwicklung ist nur natürlich.

Torben K.: Bevor wir uns jetzt näher mit "Folkloren" beschäftigen, würde ich dir gerne noch ein paar allgemeine Fragen zu WEH stellen. Bezieht sich der Bandname auf das deutsche "Weh" (für Schmerz) oder gibt es eine andere Bedeutung, die ich nicht kenne?

Erik: Ja, aus diesem Grund habe ich den Namen gewählt. Ich wollte einen kurzen, seltsamen Namen und er passte perfekt ins Konzept. Es gibt außerdem ein ähnliches Wort in Norwegisch "Ve" mit der gleichen Bedeutung - Allerdings sieht die deutsche Version gedruckt besser aus.

Torben K.: Du hast mit der Musik unter dem Namen WEH vor elf Jahren angefangen. Was war deine Motivation dieses Projekt ins Leben zu rufen / generell Musik zu machen?

Erik: Es war völlig selbstverständlich für mich, Musik zu erschaffen, da die Musik schon immer eine große Inspiration für mich war und zu diesem Zeitpunkt war ich primär an der Akustik-Gitarre interessiert. Ich hatte keine anderen Ziele, als Songs, die mir selbst gefallen, aufzunehmen - Der Rest sollte nur Bonus sein. Es ist natürlich ziemlich befriedigend meine Musik auf richtigen Alben veröffentlichen zu können.

Torben K.: Lass uns nun einen näheren Blick auf "Folkloren" werfen. Mir gefällt vor allem die tiefe atmosphärische Dichte und die melancholische Schönheit, die du darauf erschaffst. Woher nimmst du die Inspiration für diese Stimmung? In welcher Umgebung entstehen deine Songs?

Erik: Meine Musik entsteht, wenn ich mich einfach nur hinsetze und verschiedene Sachen auf meiner Gitarre ausprobiere. Ich brauche kein bestimmtes Setting, ich nutze einfach nur die Gelegenheit, wenn mir danach ist. Die Texte entstehen auf die gleiche Art, meistens erst nachdem das Songwriting abgeschlossen ist. Inspiration ziehe ich aus vielen Orten, Büchern, Filmen etc. Ein Großteil meiner Inspiration kommt außerdem, wenn ich Zeit im Wald verbringe. Die Atmosphäre und die Melancholie sind wahrscheinlich zwei Dinge, die ich in mir habe und die immer dort sein werden.

Torben K.: Die Texte auf "Folkloren" sind teilweise auf Englisch, teilweise auf Norwegisch. Was besingst du in den Norwegischen Songs?

Erik: Im Grunde die gleichen Dinge, wie in den englischen Texten - Gedanken über den Tod, die Nutzlosigkeit der Menschheit, die Liebe zur unberührten Natur. Ich möchte das eigentlich gar nicht näher ausführen, da die Texte oftmals eine besondere, mysteriöse Stimmung transportieren, die man nicht wirklich in Worte fassen kann.

Torben K.: Wenn ich mir deine Songs anhöre, entsteht bei mir oft der Eindruck, dass die Norwegischen Texte dunkler auf der einen Seite und persönlicher auf der anderen Seite sind. Kannst du diese Assoziation nachvollziehen? Gibt es für dich einen Unterschied zwischen dem Songwriting auf Englisch und dem in deiner Muttersprache?

Erik: Ich kann die Assoziation nachvollziehen und du hast wahrscheinlich Recht. Es ist deutlich schwerer einen Text auf Norwegisch zu verfassen, weil der Inhalt auf einmal so nackt da steht. Ich habe früher alle Texte auf Englisch verfasst, aber das Schreiben auf Norwegisch wird immer wichtiger für mich. Der Nachteil daran ist, dass ein großer Anteil meiner Hörer nicht mehr versteht, worum es in den Texten geht.

Torben K.: Ich muss gestehen, dass für mich die Kombination aus der Norwegischen Sprache und deinem Gitarren-Spiel den Reiz von WEH ausmacht. Hast du dir schon mal überlegt, ein ganzes Album in deiner Muttersprache zu verfassen?

Erik: Ja, es ist absolut eine Möglichkeit, dass ich alle Texte in der Zukunft auf Norwegisch verfassen werde. Ich mag den Klang meiner Muttersprache bei dieser Art von Musik selbst sehr gerne.

Torben K.: "Folkloren", dein zweites Album, ist zwar grade erst seit ein paar Wochen draußen. Lass uns trotzdem einen kleine Blick in die Zukunft werfen. Wo siehst du WEH in den nächsten Jahren? Gibt es weitere Ziele, die du gerne erreichen würdest?

Erik: Ich habe noch keine Pläne für die Zukunft geschmiedet aber in einiger Zeit wird wahrscheinlich wieder das Bedürfnis kommen, neue Songs zu schreiben. Trotzdem kann ich keine drastischen Veränderungen in der nahen Zukunft sehen. Ich denke, ich werde einfach den eingeschlagenen Weg weiterverfolgen - nur ein kleines bisschen tiefer in den dunklen Wald hinein.

Torben K.: Hast du dir jemals Gedanken gemacht, WEH auf die Bühnen dieser Welt zu bringen? Ich denke, dass ein ähnliches Setting wie die Kirchen-Konzerte von DORNENREICH perfekt zu deiner Musik passen würde.

Erik: Ich habe nie vorgehabt mit WEH live zu spielen. Ich kann zwar nicht sagen, dass es niemals passieren wird, aber es ist nichts, was ich in Erwägung ziehe. Ich werde mich allerdings trotzdem mit den Kirchen-Konzerten von DORNENREICH auseinander setzen.

Torben K.: Wenn ich mir deine Musik anhöre, fühle ich mich oftmals an Bands wie IKON oder TENHI erinnert. Ist das auch die Art von Musik, die du dir gerne in deiner Freizeit anhörst?

Erik: Ich kenne keine von den beiden Bands, die du erwähnt hast. Ich höre auch nicht wirklich solche Musik, abgesehen von meiner eigenen.

Torben K.: Was sind denn dann deine Lieblings-Bands? Was ist für dich das beste Album aller Zeiten?

Erik: Ich mag sehr viele Bands, aber wenn ich nur ein Paar wählen soll, würde ich IRON MAIDEN und BATHORY nehmen. "Seventh Son of a Seventh Son" ist eins meiner Lieblings-Alben.

Torben K.: Wir haben fast das Ende meiner Fragen erreicht. Bevor es allerdings Zeit zum Goodbye-Sagen ist, würde ich gerne ein bisschen Brainstorming mit dir machen. Deine ersten Assoziation zu:

Erik: - Norwegen: Mein Heimatland und ich bin stolz darauf, Norweger zu sein!
- Natur: Die Quelle meiner Inspiration.
- Literatur: Ich liebe es zu lesen. Das geschriebene Wort ist meine liebste Form des Ausdrucks neben der Musik.
- Black Metal: Richtig gemacht durchaus interessant. Falsch gemacht völlig erbärmlich.

Torben K.: Du hast es geschafft. Vielen Dank, dass du dir die Zeit genommen hast, meine Fragen zu beantworten – vielen Dank für deine großartige Musik! Die letzten Worte sind Deine!

Erik: Vielen Dank für das Interview und den großartigen Support. An alle, die das hier lesen: Ich hoffe, ihr hört mal in mein neues Album "Folkloren" rein. Ich wünsche einen schönen Tag!

 
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