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Interview mit Sebastian Meisen von

Das Interview führte: Benedikt W. am 10.04.2011 

Wenn es eine Band gibt, die zurzeit hier im rheinischen Underground in den Allerwertesten tritt, dann sind es Warfield Within aus Mönchengladbach! Ich habe den Frontmann dieser bunten Truppe Sebastian Meisen zum Gespräch geladen.

Benedikt W.: Mahlzeit Sebastian! Stell deine Band doch einmal kurz mit einem Satz vor!

Seb: Wir sind Warfield Within und spielen eine ziemlich aggressive Mischung aus Death- und Thrashmetal.

Benedikt W.: Gehen wir mal zuerst in die frühen Anfänge zurück! Damals 2001 habt ihr noch unter dem Namen "Khaosick" Veranstaltungsstätten zerstört und hattet auch schon ein Release im Regal stehen namens "The Hunt Continues". Was hat euch damals dazu getrieben das Ding zu starten, Instrumente als Waffen zu misshandeln und auf die Leute loszugehen?

Seb: Naja, also Phil hatte Khaosick damals in Krefeld gegründet und suchte nach neuen Musikern. Die Band war damals auch schon komplett und ich kam als letztes Mitglied dazu. Damals wollten wir einfach zusammen Musik machen, Gigs spielen und einen ähnlichen Sound wie unsere Vorbilder fahren. Man kann, denke ich sagen, dass wir einfach als faszinierte Metalfans selbst etwas auf die Beine stellen wollten.

Benedikt W.: Dann kam 2005 der Umbruch. Phil (Infernal) verließ die Band und zu euch gesellte sich Simon, der damals noch äußerst jung aber auch schon ein genialer Drummer war. Wo habt ihr ihn aufgegabelt und was hat sich noch alles verändert?

Seb: Das war damals alles ziemlich unkompliziert. Ein Bekannter, sowie der Chris von Motörjesus sagten mir, dass der Simon ein ziemlich guter Drummer wäre. Der Chris hatte damals ein kleines Projekt mit dem Simon am Start und in Mönchengladbach kennt jeder jeden, wenn man Musik macht. Wir waren da zunächst ziemlich skeptisch, weil der Simon eben noch sehr jung war. Aber wir haben sofort erkannt, dass er talentiert ist und so haben wir dann quasi nochmal bei Null angefangen. Dann ging alles ziemlich schnell. Mit unserem ersten Demo "Worst Enemy" haben wir den Deal bei Yonah Records bekommen und uns live den Arsch abgespielt.

Benedikt W.: Wie kam es dann zum Namenswechsel? Was bedeutet "Warfield Within" für euch? Hattet ihr als Band Probleme nun plötzlich unter einem neuen Namen zu laufen?

Seb: Natürlich war es zunächst frustrierend wieder bei Null zu starten, aber die Vibes stimmten einfach und schnell wurde uns klar, dass das neue Material sehr stark war. Der Zuspruch war dann auch sehr positiv und so sind wir dann einfach am Ball geblieben. Warfield Within beschreibt den täglichen Kampf, den ich mit mir selbst austrage. Es geht um die inneren Konflikte, die Dinge, die mich im alltäglichen Leben belasten. Im Grunde geht es um die seelischen Abgründe. Warfield Within hat für mich einen kathartischen Charakter, denn ich reflektiere mein eigenes Leben über meine Texte und bin dadurch in der Lage negative Dinge in Positive umzuwandeln. Das ist zumindest meine Interpretation. Die anderen Bandmitglieder würden sich sicherlich anders dazu äußern. Aber es ist nicht wichtig, wie ich die Dinge deute. Ich verstehe Kunst immer noch als Medium und somit sollte es jedem selbst überlassen sein, die Dinge selbst zu interpretieren.

Benedikt W.: Warfield Within zeichnen sich durch eine extrem hohe Live Aktivität aus. Hast du eine Ahnung wie viele Konzerte ihr schon gespielt habt?

Seb: Klar, wir haben nun knapp 100 Konzerte gespielt. Wenn man die Khaosick-Gigs noch dazu zählt, wo wir schließlich auch schon einige Warfield Within Songs gespielt haben, dann liegen wir inzwischen bei 120 Konzerten. Ich denke auch, dass es für eine Undergroundband unserer Größenordnung schon sehr anständig ist.

Benedikt W.: Wie schafft ihr es persönlich so oft live zu spielen? Habt ihr neben Warfield Within nicht noch andere "Nebeneinkünfte"? Du hast mir mal erzählt, dass ihr mittlerweile viele Mitglieder zum austauschen habt? Das klingt interessant - erläutere das mal.

Seb: Das ist in der Tat nicht immer leicht zu handhaben. Einige Mitglieder in unserer Band studieren, andere gehen arbeiten. Ich denke einfach, dass es uns größten Spaß macht live zu spielen. Deshalb schaffen wir es immer irgendwie die Dinge entsprechend einzurichten. Wenn man etwas erhalten oder erreichen möchte, dann muss man auch bereit sein bestimmte Opfer zu bringen. Das heißt, dass man einfach einen gewissen Teil seiner Freizeit opfern muss und dass man auch bereit ist entsprechende Zusatzbelastungen in Kauf zu nehmen. Wir fahren noch selbst zu unseren Konzerten, wir schleppen unser Equipment selber und schließlich ist es auch sehr anstrengend Konzerte zu spielen. Das kann schon ziemlich an die Substanz gehen, wenn man jedes oder jedes zweite Wochenende irgendwo spielt und man montags wieder auf der Arbeit stehen muss. Wir haben seit ca. einem Jahr einen neuen Gitarristen dabei. Das ist der David Schneider. Er ist ein junger, talentierter Musiker und kommt auch aus Mönchengladbach. Er hat sich im letzten Jahr wirklich den Arsch für uns aufgerissen, bringt sich gut ein und passt auch einfach menschlich sehr gut zu uns. Spas ist immer noch Mitglied bei Warfield Within, allerdings hat er jobmäßig viel zu tun und wird auch in Zukunft nicht immer für uns agieren können. Das ist natürlich sehr schade, aber bei uns funktioniert es so sehr gut. Das setzt natürlich auch voraus, dass niemand einen Egotrip fährt. Darüber hinaus spielt der Simon noch bei Jack Slater, die sich aber nun auflösen. Im letzten Jahr hat Selim Karakoc von Supersoma und The Platoon bei uns ausgeholfen. Simon wird nun aber wieder alle Shows bei uns trommeln. Ich weiß, das klingt komisch, aber eine zeitlang wussten wir selbst nicht, wer bei welchem Gig spielt. Aber wir haben das ganz gut hinbekommen und möchten uns so auch nochmal beim Selim für seine Mühen bedanken.

Benedikt W.: Was war der geilste Gig, den ihr bisher hattet? Und an welchen Gig erinnerst du dich überhaupt nicht gerne?

Seb: Puh, schwierige Frage. Der Gig mit Mayhem war natürlich klasse, denn wer kann schon von sich behaupten mit so einer legendären Kultband mal zusammen gespielt zu haben? Das war sicherlich das absolute Highlight bisher. Man erinnert sich aber ansonsten eher immer an irgendwelche Kuriositäten. Und davon gibt es jede Menge, aber die sind nicht unbedingt für die Öffentlichkeit bestimmt. Mir persönlich ist es immer wichtig, dass die Stimmung bei unseren Auftritten stimmt. Letztendlich ist jeder Auftritt geil, wenn du es schaffst das Publikum zu packen und die Leute gröhlen, bangen, diven und Moshpits starten. Dann haben wir etwas richtig gemacht, denn die Leute sollen zu unseren Shows kommen, um ihre Aggressionen rauszulassen. Darum soll es bei Warfield Within live gehen. Selbstverständlich können wir auch nicht jedes Mal abrufen, was wir eigentlich zeigen können. Manchmal spielt einer halb krank, hat zu viel getrunken, oder der Bühnensound ist kacke. Das sind alles Faktoren, die hineinspielen können. In unserem Falle ist es immer sehr wichtig einen vernünftigen Bühnensound zu haben. Das ist sprichwörtlich immer die halbe Miete. Unser Sound ist eben sehr wild, technisch und rasend schnell. Da ist es immer sehr wichtig, dass jeder den Anderen gut hören kann, sonst kann es zu Problemen kommen. Aber das sind natürlich alles Dinge, die in der Natur der Sache liegen.

Benedikt W.: Wie du erwähntest, habt ihr ja schon zusammen mit Größen wie Mayhem und Debauchery gezockt! Welche Band würdest du gerne mal auf Tour supporten? Und welche Bands sind generell die Vorbilder von Warfield Within?

Seb: Jeder in der Band hat natürlich so seine eigenen Favoriten. Wir lassen die Dinge aber einfach auf uns zukommen. Und wir haben uns auch davon gelöst irgendwelche Vorbilder heranzuziehen. Man muss sich einfach auf seine eigenen Stärken fokussieren. Natürlich werden immer Bands zum Vergleich herangezogen, aber das sollte man den Kritikern und den Hörern überlassen.

Benedikt W.: 2010 war das Jahr, in dem ihr es endlich geschafft habt, euer erstes Album zu veröffentlichen! "Inner Bomb Exploding" steht nun sogar bei Saturn im Regal! Warum hat es so lange gedauert das Ding einzukloppen und was erwartet den geneigten Käufer?

Seb: Wir wollten einfach keinen Schnellschuss wagen. Gitarrist Christian war zur Zeit der Aufnahmen in Australien und konnte sich nur bedingt gegen Ende der Aufnahmen einbringen. Wir haben viel ausprobiert und ich kann jeder Band nur raten immer wieder Material zu recorden. Das war sicherlich das wichtigste Element, um unseren eigenen Sound zu finden. Wenn man weiß, dass das Endresultat im Anschluss in allen wichtigen Szenemagazinen reviewt wird, dann überlässt du nichts dem Zufall. Ich kann auch nicht sagen, wann unser zweites Album erscheinen wird. Auch hier werden wir uns soviel Zeit lassen, bis wir der Meinung sind, dass es an der richtigen Zeit ist. Gut Ding braucht Weile. Was erwartet den Hörer auf "Inner Bomb Exploding"? Jeder, der mit Bands wie Krisiun, Behemoth, Malevolent Creation, The Haunted, Legion of the Damned und Konsorten etwas anfangen kann, der ist bei uns richtig. Das sagen zumindest die Kritiker.

Benedikt W.: Wie verläuft die Arbeit im Proberaum? Schafft ihr es aus örtlicher Sicht noch regelmäßig zu proben? Wie gestaltet ihr das Songwriting? Wer schreibt die Musik, wer die Texte?

Seb: Nein, wir schaffen es nicht regelmäßig zu proben. Wir wohnen sehr verstreut über ganz NRW. Da muss man sich dementsprechend gut absprechen. "Inner Bomb Exploding" stammt fast gänzlich aus der Feder von Christian. Nun sind drei Gitarristen in das Songwriting eingespannt, nämlich Christian, Spas und David. Es verhält sich so, dass jeder mit mehr oder weniger ausgearbeiteten Ideen zur Probe kommt und der Rest im Kollektiv entsteht. Die Texte sind gänzlich aus meiner Feder.

Benedikt W.: Worüber "singt" ihr? Habt ihr eine bestimmte Hauptthematik?

Seb: Wie eingangs erwähnt sind meine Texte sehr egozentriert. Die Texte behandeln Geschichten, Situationen und Prozesse meines eigenen Lebens. Dabei fokussiere ich mich auf die negativen Dinge dieses Lebens. Alles andere würde auch keinen Sinn machen, da der Sound sehr düster und aggressiv ausfällt. Das Gesamtbild muss natürlich immer passen. Songtexte sind immer kryptische Werke, deshalb spielt es für den Hörer keine Rolle aus welcher Intention heraus ich was schreibe. Jeder soll das Gesamtding Warfield Within selbständig interpretieren. Deshalb möchte ich keine konkreten Inhalte nennen. Die Hauptsache ist, dass die Leute wieder beginnen zu hinterfragen und mehr in Musik zu sehen als reine Unterhaltung oder Raumbeschallung. Das ist mir persönlich wichtig.

Benedikt W.: Was habt ihr noch für Zukunftspläne? Habt ihr alle eure Ziele erreicht oder schielt ihr schon auf etwas noch größeres? Wo siehst du Warfield Within in 5 Jahren?

Seb: Natürlich haben wir noch Ziele. Erstmal wollen wir eine gute zweite Platte aufnehmen. Dann werden wir zusehen ein größeres Label zu finden. Falls das nicht klappen sollte, so werden wir weiter über Yonah Records veröffentlichen. Wir sind damit sehr zufrieden. Die Zusammenarbeit mit Dirk Kramm von Yonah Records ist überaus locker, entspannt und freundschaftlich. Wir sind sehr dankbar dafür, dass wir die Möglichkeit bekommen haben über dieses Label zu veröffentlichen. Man muss aber immer realistisch bleiben. In der heutigen Zeit ist das Musikgeschäft sehr hart und schwierig geworden Fuß zu fassen. Das Internet macht einfach viel kaputt. Auch wir sind davon betroffen. Deshalb kann ich immer wieder nur betonen, dass es wichtig ist, das zu kaufen, was man gerne hört. Sonst können Bands nicht ins Studio gehen, Platten rausbringen, oder werden erst gar nicht gesignt. Dem Hörer fehlen die Hintergrundinformationen darüber wie das Geschäft läuft. Also, unterstützt, was ihr mögt. Das wird immer wichtiger.

Benedikt W.: Wahre Worte! So, vielen Dank für die Auskunft und weiterhin viel Erfolg - man sieht sich - live!

Seb: Ich bedanke mich für das Interview und die Unterstützung. Und ja, wir sehen uns live!

 
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