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Interview mit Venom in Veins

Interview mit Venom in Veins

Ich muss gestehen, es macht mich ein bisschen stolz, dass einige aktuell aufsteigende Bands aus dem Ruhrgebiet kommen. So auch VENOM IN VEINS, deren Sänger Chris die kurze Ruhepause zwischen den Feiertagen genutzt hat, um mir Rede und Antwort zu stehen. Wie er Weihnachten verbracht hat, was sein Lieblingssong vom Debütalbum "Walking With Giants" ist und warum Bassist Thomas im Juli das Handtuch geworfen hat, lest ihr in meinem Interview.

Anna S.: Hallo, Chris! Stell dich und deine Band doch bitte kurz vor.

Chris: Wir sind VENOM IN VEINS und kommen aus Essen. Nils und Micha spielen Gitarre, Rouven spielt Schlagzeug und ich singe und schreie. Uns gibt es seit Anfang 2011 und wir machen harte, melodische Musik, die irgendwo im Bereich Metalcore anzusiedeln ist

Anna S.: Wie hast du Weihnachten verbracht? Ganz klassisch mit der Familie, viel Essen und Geschenken oder bist du eher ein Grinch und entziehst dich dem ganzen Trubel?

Chris: Von allem etwas, am heiligen Abend habe ich ganz klassisch mit meiner Familie zu Abend gegessen und später zusammen mit Nils noch Mülheim unsicher gemacht. Gerade komme ich auch von einem gemeinsamen Essen mit der Familie. Ich finde es schön, wenn man alle nach langer Zeit mal wiedersieht und man sich mal ganz ohne Stress begegnen kann. Allerdings wissen wir natürlich auch, wie man ordentlich feiert und lassen auch in der Hinsicht nicht viel aus.

Anna S.: Beschenkt ihr euch auch innerhalb der Band?

Chris: Wir schenken uns natürlich Geschenke zum Geburtstag, zu Weihnachten haben wir aber vereinbart, uns nichts zu schenken, das wäre für uns alle zu stressig gewesen. Wir wissen auch so, was wir aneinander haben.

Anna S.: Eurem Debütalbum "Walking With Giants" habe ich 8 von 10 Punkten gegeben (zum Review). Erstmal Glückwunsch zu so einem gelungenen Einstieg! Wie zufrieden seid ihr selbst mit dem Ergebnis? Erzähl uns ein bisschen von den Aufnahmen!

Chris: Von den Anfängen im Songwriting bis zur Fertigstellung des Albums hat es fast 1 Jahr gedauert. Nachdem die Songs soweit standen, haben wir das Album zuerst selber in Vorproduktion aufgenommen und sind dann ins Studio gegangen. Aufgenommen wurde "Walking With Giants" in den Pitchback Studios in Köln und Produzent war Aljoscha Sieg. Für uns war es eine einmalige Erfahrung, über so lange Zeit gemeinsam an etwas zu arbeiten, tagtäglich aufeinander zu hocken, im Studio zu übernachten und was sonst so dazu gehört. Das hat uns auf jeden Fall noch enger zusammengeschweißt. Mit dem Ergebnis sind wir alle sehr zufrieden. Zum einen, weil ich glaube, dass die Songs wirklich gut sind und wir uns wahnsinnig viel Mühe gegeben haben und zum anderen, weil der Sound der Platte einfach unglaublich fett geworden ist. Wenn ich mir die CD im Auto anhöre, macht mich das schon ein bisschen stolz.

Anna S.: Was ist dein Lieblingssong vom Album? Welche Bedeutung hat er für dich?

Chris: Mein persönlicher Lieblingssong ist der letzte Song des Albums, "Eye of the Storm". Musikalisch gesehen ist der Song glaube ich so ziemlich das Beste, was wir je geschrieben haben. Jeder von uns geht da spielerisch an seine Grenzen. Vor allem das Drumming in dem Song ist richtig pervers und hat Rouven schon das eine oder andere Mal Kopfschmerzen bereitet. Der Text von ist sehr abstrakt und enthält ein paar der schönsten Metaphern auf dem Album. Eigentlich neige ich dazu, meine Texte immer sehr direkt zu schreiben, sodass jeder sofort versteht, worum es geht, aber das war hier anders. Der Text gefällt uns so gut, dass wir planen, ein Lyricvideo zu den Song zu veröffentlichen.

Anna S.: Gibt es einen Haupt-Songwriter bei euch oder setzt ihr euch gemeinsam hin und entwickelt Ideen?

Chris: Wir schreiben grundsätzlich immer zusammen und jeder von uns hat dieselben Rechte. Meistens jammen wir gemeinsam im Proberaum, es kommt aber auch vor, dass ein Gitarrist mit einem Song in die Probe kommt und wir gemeinsam daran weiterarbeiten. Wenn wir das Ganze in der Vorproduktion dann aufnehmen, werden dann nochmal Parts gestrichen, weiter ausgearbeitet oder verschoben, solange, bis alle zufrieden sind. Da wir alle unterschiedliche Geschmäcker haben, bedeutet das teilweise endlos lange Diskussionen, aber stellt auch sicher, dass am Ende jeder zufrieden ist.

Anna S.: Beim Olgas Rock Festival in Oberhausen dieses Jahr hast du Merch in die Menge geworfen. War das eine spontane Aktion? Bist du immer so nett?

Chris: Wir machen das schon mal, dass wir Sachen for free weggeben. Unsere EP hat auch nichts gekostet, Buttons gab's auch schon mal umsonst. Bei Olgas Rock war ich in dem Moment so überwältigt von der Party, die da vor uns stattfand, dass ich mir in dem Moment gedacht hab: Scheiß drauf, heute kann man das mal machen. Das war nicht wirklich mit den anderen Jungs abgesprochen, es hat sich im Endeffekt aber auch keiner beschwert. Wir hoffen natürlich, dass der eine oder andere in Zukunft bereit ist, mal was für ein Shirt zu bezahlen. Uns geht es auch nicht darum, die große Kohle zu scheffeln, sondern einfach gemeinsam mit den Leuten Spaß zu haben.

Anna S.: Wenn man sich eure Bandfotos anschaut, sieht man tätowierte und gepiercte Männer Anfang 20, die ihr Haar kurz tragen und auf Skaterklamotten und Bands wie OBEY THE BRAVE stehen. Habt ihr aufgrund eures Styles schon mit Vorurteilen zu kämpfen gehabt oder läuft das alles ganz locker ab?

Chris: Also eigentlich sehen wir doch nur aus wie vier normale, nette Typen, finde ich. Heutzutage ist ja eh jeder zweite tätowiert oder gepierct. Und wenn wir aussehen würden wie Banker, würde ja auch irgendwas nicht stimmen, glaube ich. Wir mögen Tattoos und das ganze Zeug halt, aber machen uns jetzt auch nicht allzu große Gedanken über unser Aussehen bevor wir auf die Bühne gehen, ist also alles noch in einem authentischen Rahmen und ich persönlich wurde auch noch nie wegen meines Aussehens doof angemacht. Vielleicht müsstest du da mal Nils fragen, der ist ja der bunteste Vogel von uns.

Anna S.: 9. VENOM IN VEINS sind ziemlich multikulti: Gitarrist Nils McWalney kommt aus Großbritannien, Gitarrist Michael Streckleg hat polnisches Blut in sich, du und Rouven haltet die deutsche Fahne hoch. Kommt es da manchmal zu lustigen Situationen, wenn jeder seine "heimatlichen Marotten" rauskehrt?

Chris: Haha, Nils hat zwar Vorfahren, die aus Schottland kommen, aber ist nicht wirklich Brite. Ich glaube allerdings, er besitzt tatsächlich ein Stück Land da oben. Zumindest behauptet er das immer. Michas Eltern kommen zwar aus Polen, er spricht die Sprache auch, aber ansonsten merkst du ihm nicht wirklich an, dass er jetzt einen anderen Hintergrund hat als wir. Unser Livebassist Jona kommt allerdings aus Bolivien und ist auch da aufgewachsen, also muss ich dich da jetzt nicht ganz enttäuschen.

Anna S.: Im Juli habt ihr den Ausstieg eures Bassisten Thomas verkündet. Wie kam es dazu? Habt ihr schon Ersatz gefunden und wer hilft euch so lange aus?

Chris: Von Thomas haben wir uns im beidseitigem Einverständnis getrennt, ganz ohne Streit und so weiter. Bei der Zeit, die für die Band draufgeht, kann es immer mal sein, dass einer sagt: Das wird mir jetzt zu viel. Und dann ist es für beide Seiten besser, wenn man sich trennt. Wir sind trotzdem nach wie vor befreundet und können zusammen ein Bier trinken gehen. Momentan haben wir eine "Livelösung" mit Jona, wir suchen aber nach wie vor einen neuen Bassisten. Aber solange wir nicht hundertprozentig überzeugt sind, sind wir halt zu viert.

Anna S.: Was macht ihr neben VENOM IN VEINS?

Chris: Wir sind alle Studenten, Auszubildende oder schon am Arbeiten. VENOM IN VEINS ist aber trotzdem mehr als nur ein Hobby für uns.

Anna S.: Hast du einen Tipp, den du an Nachwuchsbands weitergeben möchtest?

Chris: Hast du vielleicht einen Tipp für mich? Wir sind ja selber noch eine Nachwuchsband und versuchen alles so gut wie möglich hinzukriegen. Ich glaube, es ist einfach nur wichtig, das zu machen, was man liebt, dabei aufrichtig und nett zu bleiben und immer 110 Prozent zu geben. Das ist zumindest meine sehr idealistische Vorstellung.

Anna S.: Entscheide zwischen:

Chris: Festival- oder Clubgig: Auch wenn Olgas Rock der Hammer war, Clubgigs sind unser täglich Brot und ich persönlich spiele auch irgendwie lieber drinnen als draußen.

CD oder digitaler Download: Hat beides Vorteile, ich halte aber immer noch lieber CDs in Händen.

Pils oder Alt: Pils. Alt ist meiner sehr subjektiven Einschätzung nach nicht wirklich Bier.

DVD oder Kino: Kino, und das sogar relativ oft.

Anna S.: 14. Vielen Dank, dass du dir die Zeit für dieses Interview genommen hast! Hier hast du Platz, um ein paar letzte Worte loszuwerden...

Chris: Erstmal Danke für das Interview, wir sehen uns im neuen Jahr, da sind schon einige Konzerte geplant. Wer da auf dem Laufenden bleiben will, guckt am besten mal auf unserer Facebookseite vorbei. Ansonsten, je nachdem, wann das Interview erscheint, einen guten Rutsch bzw. einen guten Start ins Jahr 2013 an alle Leser.

 
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