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Interview mit Swallow the Sun
Im Zuge ihres Auftritts im Matrix (Bochum) haben sich die Jungs von SWALLOW THE SUN vor der Show etwas Zeit genommen, um über ihr aktuelles Album, die Tour mit den großen PARADISE LOST und heikle Themen wie Musikpiraterie zu reden. Dabei widerlegen die Jungs die Annahme, dass Finnen wortkarge und ruhige Menschen sind, die keinen Humor kennen. Im Gegenteil. Lest im Folgenden, welche Überschrift Kai Hahto empfehlen würde, wie die Beziehung zu den Schweden von KATATONIA ist, wieso die Norweger von VREID in Bochum entgegen den Angaben nicht gespielt haben und welche Personen bei einem Auftritt in Neuseeland auf der Gästeliste stehen sollten.

Malte H.: Hallo Jungs, wie geht's euch? Läuft die Tour gut?

Juha: Hallo! Die Tour läuft gut, aber die Leute hier sind von Zeit zu Zeit ein wenig am Kränkeln. Offenbar ist ein kleiner Bazillus in unserem Tourbus unterwegs, ansonsten ist aber alles gut.

Malte H.: Lasst uns zu Beginn etwas über euer aktuelles Album "Emerald Forest and the Blackbird" reden. Zuallererst muss ich sagen, dass es ein wirklich gutes Album geworden ist, wahrscheinlich eines eurer besten. Es ist im Vergleich zu den anderen Alben ruhiger, hat viele ruhige Songs wie "This Cut Is The Deepest" und soweit ich weiß benutzt ihr das erste Mal Akustikgitarren?

Juha: Richtig, ja, das ist das erste Mal. Das gesamte Album sollte ein wenig wie eine Art Traum wirken, mit einem durchströmenden Gefühl über die gesamte Spielzeit, sowas wie ein Albtraum, ein schlechter Traum und auf der anderen Seite ein guter Traum, weißt du? Deswegen ist das Album, wie es ist. Die Atmosphäre, der Fluss. Und ja, wir haben die Akustikgitarren das erste Mal benutzt und ich glaube nicht, dass es das letzte Mal gewesen sein wird.

Malte H.: Hoffentlich, denn es passt wirklich gut und erinnert mich ein wenig an die letzten Alben von KATATONIA, insbesondere "Night Is The New Day".

Juha: Oh, ich liebe das Album.

Malte H.: Ich auch, genau wie das Album davor.

Matti: "The Great Cold Distance", yeah!

Malte H.: Wirklich gute Alben. Wurdet ihr davon eventuell beeinflusst?

Juha: Wer weiß. Wir waren mit diesen schwedischen Mistkerlen so oft auf Tour, vielleicht ist da manches hängengeblieben. [lacht] Vielleicht haben sie uns auch nachgemacht, wer weiß! Weißt du, das sind Schweden, die wollen immer irgendwas von Finnland klauen.

[alle lachen]

Malte H.: Ich habe einige Meinungen gelesen, die sagen, dass euer neues Album die Grenzen vom Death / Doom oder Goth / Doom ausweitet, sie auch überschreitet. Es wurde von - und ich denke, dass das sehr gut passt - "Art Doom" gesprochen.

Juha: Hm, okay. Aber weißt du, das gesamte Ziel der Band ist es, diese ganzen Grenzen auseinanderzuziehen. Es gibt eine Millionen Death / Doom Bands auf dieser Welt, die die sichere Schiene fahren und in diesen sicheren Grenzen bleiben. Wir machen diese Musik aus unserem Herzen heraus und alles was von da kommt, ist das, was wir veröffentlichen. Wir versuchen innerhalb der Band unsere eigenen Grenzen zu erweitern, um die Musik trauriger und doomiger, sie aber gleichzeitig auch leichter zu gestalten. Verschiedene Farben, weißt du? Wie ich schon häufiger gesagt habe, wenn man nur "schwarz" ist, wird es langweilig. Man braucht einfach verschiedene Farben, Ecken und Kanten.

Malte H.: Ist das eventuell der Grund, warum sich einige Leute mit eurer Band schwer tun? Mit ihr nicht richtig umgehen können? Ich habe das Gefühl, dass es entweder so ist, das man SWALLOW THE SUN liebt oder hasst.
Meinst du, das liegt an dieser Grenzüberschreitung? Ich meine, schau dir euer Cover an: Es ist weiß!

Juha: [lacht] In der Tat.

Malte H.: Ich denke, das ist nicht das, was die Leute unbedingt erwarten.

Juha: Schon alleine deswegen, dass wir in die Kategorie "Doom" eingeordnet werden, kommt uns einiges an Hass entgegen. Diese "True Doom" Kerle sind schnell angepisst davon.
Für uns ist das in Ordnung, denn wenn Emotionen wie Liebe und Hass entstehen, dann bist du auf einem guten Weg, dann machst du irgendwas richtig.

Malte H.: Musik ist pure Emotion, nicht wahr? Darum geht es.

Juha: Auf jeden Fall, ja. Viele Leute sagen das und wir gehen ja auch nicht auf die Bühne und geben uns "High-Five", wir sind nicht wie amerikanische Bands.
Aber wie ich schon sagte, wenn die Leute dich lieben oder hassen, dann hast du was richtig gemacht. Wenn dich viele Leute hassen, dann hast du vielleicht auch was richtig gemacht, aber nur für eine kleine Gruppe von Personen. [lacht]

Malte H.: Ein anderer Kritikpunkt des Albums ist der Gastgesang von Anette von NIGHTWISH. Es entsteht ein wenig der Eindruck, dass der Gastbeitrag nicht wirklich nötig war und mehr der Publicity dient, immerhin sind es Gastvocals der Sängerin einer wirklich bekannten Band.
Es gibt viele Meinungen, dass das nicht unbedingt nötig gewesen wäre, da Mikkos Leistungen alleine überragend genug sind.

Juha: Wir hatten auf den vorherigen Alben schon einige Gäste und ich finde, je unvorhersehbarer die sind, desto besser. Niemand hätte wirklich erwartet, dass Anette den Gastgesang auf diesem Album übernehmen würde, das war der erste Punkt. Sie ist nicht unbedingt jemand, der sowas für gewöhnlich macht.
Natürlich ist es gute Publicity für uns, aber wir kennen viele Leute, die sowas arrangieren können, daher war es einfach, die Sache möglich zu machen. Und Tuomas [Holopainen von NIGHTWISH, Anm. d. Verf.] mag unsere Band und unsere Musik und...

Mikko: Ich wohnte in seinem Appartement, also...

Juha: [lacht] Oh, okay. Das wusste ich nicht. Aber die Sache ist, dass es egal ist, ob sie berühmt ist oder in einer bekannten Band spielt, es ging um ihre Stimme. Und ich wusste schon, als ich sie in ihrem Demosong "Invincible" singen hörte, dass sie ein fantastischer Gast wäre.

Malte H.: Sie ist eine wirklich gute Sängerin, nicht wahr?

Juha: Ja. Es dreht sich alles um die Musik. Deswegen wollte Anette es auch selber machen, sie liebt den Song. Es geht nur um die Musik.

Malte H.: Das aktuelle Album ist eure höchste Chartplatzierung in Finnland, soweit ich weiß. Platz 2, richtig?

Juha: Ja!

Kai: 5 Wochen stand es in den Charts. Und nach 3 Wochen hatten wir zwei Alben in den Top 20. "New Moon" kam auf einmal zurück in die Charts.

Malte H.: Ein gutes Gefühl, oder?

Kai: Selbstverständlich! Aber es war... eigenartig.

Malte H.: Ist es euch wichtig, in den Charts vertreten zu sein? Oder macht ihr einfach, was ihr liebt und wenn es in die Charts kommt, ist es umso besser?

Markus: Ich denke, es ist gut, wenn das Label Vorteile aus der Chartposition ziehen kann. Die Leute erkennen: "Okay, diese Band muss ein paar CDs verkauft haben", denn die CD-Verkäufe sind was sie sind... also, jedenfalls ist es eine gute Publicity, man wird in Magazinen erwähnt und blablabla. Aber wir machen keine Musik, um in die Charts zu kommen. Wenn es passiert, dann passiert es halt.

Matti: Shit happens.

Markus: Yeah, wir sind keine Popband, die nur aus diesem Grund Platten verkauft.

Juha: Auf der anderen Seite stecken wir viel Arbeit in die Band, touren seit 2003. Wir arbeiten viel in Finnland und, ja, das zahlt sich am Ende aus. Natürlich ist es ein schönes Gefühl, Top 10 Alben zu haben. Vier waren es, glaube ich. Platz 1 in den Singlecharts mit der "Plague of Butterflies", "Hope" auf Platz 3, "Ghost of Loss" auf Platz 8, "New Moon" war auf Platz 10 und nun Platz 2. Es ist ein gutes Gefühl, aber es kommt einfach daher, dass wir viel gearbeitet haben... und weil wir fantastische Musik machen. So einfach ist das. [lacht]
Aber weißt du, obwohl unsere Musik weit weg vom Mainstream ist, sagt diese ganze Chartgeschichte viel über Finnland aus. Es ist ein großes Metalland, Metal ist quasi Mainstream in Finnland. Deswegen ist es einfacher. Das würde in anderen Ländern mit dieser Musik nicht passieren. Nichtmal, wenn wir fünf Anette Olzons auf einem Album hätten. [lacht] Es würde nicht in die Top 10 einsteigen, nicht mal in Deutschland!

Malte H.: Uh, Deutschland ist auch ein hartes Pflaster. Wenn ich mir unsere Charts so anschaue, phew, bin ich nicht gerade glücklich damit.
Aber um auf eurer Album oder eher eure Musik zurückzukommen: Ihr habt noch nie finnische Texte verwendet, soweit ich weiß. Warum nicht?

Juha: Bis jetzt noch nicht. Wer weiß, vielleicht in der Zukunft. Ich habe schon drüber nachgedacht, aber, naja, wer weiß.
Wir haben ein finnisches Intro für die Gigs, es ist ein finnisches Schlaflied, der Song, der mir erst die Idee für das neue Album gab. Wir nähern uns an, vielleicht ist das nächste Album komplett in finnisch und Schlagermusik! [lacht]

Malte H.: Ihr seid nun auf Tour mit PARADISE LOST. Ist es ein Traum, der wahr wird? Ich meine, PARADISE LOST sind im Doom Metal wirklich Idole.

Juha: Ja, wir hatten Glück, dass wir mit KATATONIA und PARADISE LOST auf Tour konnten. Es ist schwierig, bei unserem Stil Bands zu finden, mit denen man touren kann. Normalerweise sucht man nach diesen Warm-Up Thrash Metal Bands oder sowas in der Art und dann weiß man nie, was passieren wird.
Ich liebte die Band schon, als ich noch deutlich jünger war. Es ist fantastisch.

Malte H.: Du hast diese "Warm-Up Thrash Metal Bands" auf Touren angesprochen. Was hältst du von der Bandzusammenstellung auf dieser Tour? Ich meine, da sind PARADISE LOST als Headliner, ihr und VREID.

Juha: VREID spielen hier nicht.

Malte H.: Sie spielen nicht?

Juha: Nein, nein. Das war nur für den UK-Teil. Ich glaube, da ist ein Fehler auf einigen der Seiten unterlaufen.

Malte H.: Yeah, ich las zumindest auf der Homepage, dass sie spielen würden.

Juha: Nein, werden sie nicht. Sorry dafür.

Malte H.: Wer ist dann die dritte Band? Oder spielen nur ihr und PARADISE LOST?

Juha: Es spielen nur wir beide.

Malte H.: Ah, okay. Damit ist die ganze "Warm-Up Thrash Metal Band"-Sache über Bord gegangen. [lacht]

Juha: Yeah, aber wie ich sagte: Es ist wirklich schwer für uns, eine Band zu finden, mit der wir touren können. Daher ist es aktuell ein Traum mit einer Band wie PARADISE LOST auf Tour zu sein, denn so bekommt man wenigstens die selbe Art von Publikum, was man bei Bands oder Touren mit anderen Stilen nie weiß.

Malte H.: Also bist du mehr ein Freund von Touren, wo Bands zusammenkommen, die in die selbe Richtung gehen und nicht von Touren mit wild gemischten Genres?

Juha: Natürlich ist es auf solchen Touren einfacher. Aber manchmal, wenn man mit anderen Bands, zum Beispiel solchen Thrash Metal Bands, - ich glaube nicht, dass wir jemals mit Pagan Metal Bands touren werden - , tourt, lernt man neue Leute kennen.
Es ist keine Verschwendung, aber es ist einfacher mit jemandem wie PARADISE LOST, schon alleine wegen des Publikums. Das Publikum ist einfach viel mehr in der Musik drin, hört zu und fühlt die Stimmung. Es werden keine Mosh- oder Circle-Pits gemacht, sie hören einfach zu und sind in der Musik drin. Es geht mehr um die Atmosphäre.

Malte H.: Es ist persönlicher, nicht wahr? Die Leute kommen hierher um euch zu sehen und haben diese Verbindung zu eurer Musik, stehen da und sind einfach dabei. Bevorzugst du dann solche persönlicheren Konzerte wie hier oder eher Festivals? Ich habe mit einigen Musikern gesprochen, die sagten, dass Festivals einfach die Krönung von allem sind.

Juha: Das ist ein zweischneidiges Schwert. Ich liebe es in solchen Clubs zu spielen, weil das Publikum und die Stimmung einfach da sind. Aber ich mag es auch auf Festivals zu spielen, immerhin hat man Platz auf der Bühne! Da stehen dir Keyboarder oder Gitarrist oder Bassist nicht die ganze Zeit auf den Füßen rum. [lacht] Auf diese Weise hat man mehr Freiheiten. Aber auf der anderen Seite weiß man nie so genau, wie der Sound vor oder auf der Bühne ist. Es ist schwierig, eins von beidem rauszusuchen, aber ich glaube am Ende tendiere ich eher zu den Festivals, obwohl das schon etwas seltsam ist, denn diese Art von Musik wirkt in einem dunklen Club einfach viel besser.

Malte H.: Ich habe die Funeral Doom Band AHAB um 3 Uhr nachts auf dem Summer Breeze gesehen. Das war hart, aber gleichzeitig auch unfassbar stark. Es war wirklich finster und nur diejenigen waren da, die die Band wirklich sehen wollten. Es war wie ein persönliches Konzert.

Juha: Wer war die Band?

Malte H.: AHAB, deutscher Funeral Doom.

Juha: Ah, okay. Ich kenne die. Gute Band. Aber da muss man auch wirklich in der Musik drin sein, um es genießen zu können. Deswegen sind da meistens auch nicht so viele Leute. Weißt du, die Leute sind einfach dumm, die wollen nur trinken und rein in den Mosh-Pit. [lacht] Grüße nach Deutschland!
Nein, Spaß beiseite, das ist überall auf der Welt das gleiche, das ist okay. Aber die Leute können einfach Teil der Musik sein, das ist großartig. Musik muss sowas einfach bieten. Und Abwechslung. Wir haben auch schnellere Songs und das ist, was ich meine.

Malte H.: Wie auf eurem Album, das harsche, doomige und ruhige Songs beinhaltet.

Juha: Exakt, es ist nicht die eine Art Song für das gesamte Album.

Malte H.: Wir sind hier ja aktuell in der Matrix und ich denke, dass es schon so etwas wie ein legendärer Ort für Metal hier in Deutschland ist, da einige Bands DVDs hier aufgenommen haben. Zum Beispiel AMON AMARTH [Bonus-DVD zu "Surtur Rising", Anm. d. Verf.] und NEVERMORE ["Year of the Voyager", Anm. d. Verf.].

Juha: In welchem Jahr haben AMON AMARTH hier aufgenommen?

Malte H.: Puh, 2009, 2010, irgendwie sowas. [Anm. d. Verf.: Richtig wäre 2008 gewesen]

Juha: Es ist ziemlich cool, dass sie die DVD hier aufgenommen haben, da sie eine ziemlich große Band sind. Haben sie ihr Wikingerschiff auf die Bühne bekommen? [lacht]

Malte H.: Nein, dieses Mal gab es leider kein Wikingerschiff. Aber wenn wir gerade schon beim Thema DVDs sind: Habt ihr eine in Planung?

Juha: Ja, das ist tatsächlich so. Aber im Moment sind wir noch dabei, herauszufinden, wo wir es machen wollen, was wir machen wollen und sowas.

Malte H.: Im Mai habt ihr eure erste Show in Japan. Das ist was besonderes, oder? Die Japaner sollen bei Konzerten richtig durchdrehen.

Juha: Ja, aber weißt du, während des Songs scheint es, als würden sie durchdrehen und danach sind sie plötzlich total still.

Malte H.: Freust du dich schon auf den Auftritt? Ihr habt noch nie in Japan gespielt, richtig?

Juha: Nein, nein, wir haben da noch nicht gespielt und ich war auch noch nie in Japan. Aber ich wollte da schon immer mal hin. Es wird fantastisch, vor allem, da wir da nur einen Gig spielen und dann fast eine ganze Woche Zeit haben. Natürlich werden wir viel Promotion betreiben, aber man kann auch mal rausgehen und sich umschauen. Es ist also nicht so, dass wir nur die Clubs sehen und dann zurück nach Finnland fahren. Das wird klasse.

Malte H.: Gibt es noch andere Länder, in denen du unbedingt spielen willst? Wo du sagst: "Dieses Land braucht unbedingt ein Konzert von SWALLOW THE SUN!"?

Kai: Südamerika! Und Neuseeland und Australien!

Juha: Neuseeland wäre fantastisch. Man könnte Gandalf auf die Gästeliste packen. [lacht]

Malte H.: Alle Leute aus "Herr der Ringe"!

Juha: Peter Jackson! [lacht wieder]

Malte H.: Mit einem Minas Tirith-Backdrop!

Juha: Genau. [lacht] Südamerika wäre auch klasse. Aber ich habe einige wilde Geschichten über Südamerika gehört. Ich habe keine Ahnung, wie das von der Organisation her wäre.
Es gibt so viele Länder. Aber wir kümmern uns erstmal um Europa und Nordamerika.

Malte H.: Wir nähern uns langsam dem Ende. Hast du noch Bandempfehlungen für unsere Leser auf Lager? Bands, von denen du sagst, dass sie bekannter sein sollten, als sie aktuell noch sind?

Juha: Puh, das ist eine harte Frage. Es gibt eine Menge guter Bands da draußen, sicherlich, aber ich hänge irgendwie an meinen großen Favoriten fest, weißt du. [lacht]

Malte H.: Welche sind das?

Juha: Natürlich TYPE O NEGATIVE und RUSH, MARIE LYONS, auf jeden Fall IRON MAIDEN, METALLICA und solche Sachen. Aber es ist schwierig, neue kleinere Bands zu nennen. Es kommen einige gute Bands aus Finnland wie GHOST BRIGADE, INSOMNIUM und... da kommt einfach viel gutes Zeug her und... ja... [Pause] TYPE O NEGATIVE, TYPE O NEGATIVE, TYPE O NEGATIVE, TYPE O NEGATIVE!

Malte H.: Also soll ich aufschreiben: "Die Leute sollen unbedingt TYPE O NEGATIVE hören!!!"?

Juha: [lacht] Ja! Das ist es. Und natürlich MY DYING BRIDE.

Malte H.: Und natürlich SWALLOW THE SUN?

Juha: Hmm... man kann es runterladen. [lacht]

Malte H.: Hmmm... also, das ist kein guter Ratschlag für unsere Leser.

[alle lachen]

Juha: Nein, schreib das besser nicht.

Malte H.: Die nehmen dich beim Wort und machen das wirklich.

Juha: Oh, nein, nein. Das war natürlich ein Scherz. Aber die Leute können es runterladen und wenn sie es mögen, sollen sie sich das Album kaufen oder zum Gig kommen und das Album direkt von uns kaufen, das ist auch cool.

Malte H.: Also bist du nicht gegen das Downloaden, um sich das Album anzuhören, um zu entscheiden, ob es gut ist oder nicht, sondern nur gegen Piraterie?

Juha: Weißt du, das ist weit weg von dem was wir wollen und besonders von dem, was das Label will. Wenn Labels merken, dass sie nichts verkaufen, werfen sie womöglich viele Bands aus ihrem Rooster raus... aber wir können über dieses Thema ewig reden.
Auf der einen Seite ist Downloading gut, aber auf vielen anderen Seiten ist es schlecht. Weißt du, das ist eine nie endende Geschichte. Es gibt immer zwei Parteien. Die einen sagen, dass es absolut in Ordnung ist und die anderen sagen, dass es am besten gar kein Internet geben sollte. Ohne Internet wären einige Dinge viel schwerer, aber ohne Internet würden wir vielleicht auch etwas mehr Geld bekommen. [lacht]

Malte H.: In einigen Ländern ist das teilweise die einzige Möglichkeit, an solche Musik zu kommen. Zum Beispiel in Indonesien oder Ägypten.

Juha: In so einem Falle ist es auch in Ordnung.

Kai: Es ist auch so, dass sich viele Leute beschweren, nach dem Motto: "Warum kommt ihr nicht her und spielt hier?". Aber es ist so, dass, wenn es in einem Land keine CD-Verkäufe gibt, es niemand promoten wird. Keiner der Promoter wird deine Show unterstützen, eben weil es keine CD-Verkäufe gibt. Das ist zwar schade für die, die die Musik hören. Aber Fakt ist einfach, dass es schwierig ist, irgendwo zu spielen, wenn die Leute die CDs nicht kaufen. Es besteht dann kein Vertrauen.

Matti: Auch Plattenlabel geben keinen Tour-Support, wenn man keine CDs verkauft.

Kai: Das ist auf der anderen Seite auch ein zweischneidiges Schwert. Es gibt gute und schlechte Seiten.

Markus: Dazu kommt, dass, wenn dein Plattenlabel scheiße ist, die Sache nicht einfacher wird.

Matti: Wie unseres.

[alle lachen]

Kai: Das kannst du als Überschrift benutzen! "Weil unser Plattenlabel scheiße ist, ist es, wie es ist!" [lacht]

Malte H.: [lacht] Ich denke drüber nach.

Juha: Die Überschrift ist "Unser Label ist scheiße!" und die letzte Zeile ist: "Ladet unsere Alben runter!". [lacht] Ich denke, das wäre richtig clever, mach das einfach.
Aber weißt du, natürlich gibt es da viele gute und schlechte Dinge. Die Labels durchleben harte Zeiten und die Bands durchleben harte Zeiten. Aber es gibt immer jemanden, dem es schlechter geht. Es gibt also noch Hoffnung. [lacht]

Malte H.: Ich denke auch, dass die Metaller da wirklich cool drauf sind. Da werden CDs wirklich noch gekauft, nicht wie in anderen Musikstilen.

Juha: Yeah, das ist wahr. Wenn du das mit vielen anderen Genres vergleichst: Da kauft niemand auch nur irgendwas. Wir haben sehr loyale Fans und die Metaller und Rocker, die wollen noch was handfestes besitzen. Wir sollten uns da also nicht so sehr beklagen.
Aber wie ich schon sagte, wir können noch bis zum Morgen darüber reden und drehen uns irgendwann doch wieder im Kreis. Jeder durchlebt harte Zeiten, Labels, Bands. Aber es ist schon merkwürdig, denn wenn bspw. jemand in einer Fabrik für Handys arbeitet und ich würde zu ihm gehen und sagen: "Hey, gib mir dein verdammtes Handy oder deinen Lohn!", würde er sagen: "Verpiss dich, ich muss meine Rechnungen bezahlen!"
Es ist merkwürdig, dass manche denken, dass sie Dinge runterladen und es ihr Recht ist. Ich gehe ja auch nicht zu so einem Typen und sage ihm, er soll mir die Hälfte seines Gehalts und sein Handy geben. Der würde durchdrehen. Aber hey, da drehen wir uns wieder im Kreis. [lacht]

Malte H.: Du hast Recht. Aber das war auch meine letzte Frage für dieses Mal. Ich danke euch allen für die Zeit, die ihr euch genommen habt.

Kai: Danke für's Kommen, Mann, wir wissen das zu schätzen!

Juha: Und danke für das Interview!

 
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