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Interview mit Wille von Sons of Aeon

Das kürzlich erschienene Debüt der Finnen SONS OF AEON machte mich sofort neugierig und nachdem ich das Review fertig hatte, wollte ich unbedingt mehr über die Band erfahren. Im Promotext stand schließlich nicht viel zum Werdegang der Band und eines steht fest, es handelt sich hierbei definitiv nicht um eine klassische Allstar-Band die nur bereits vorhandenes wieder aufwärmt und neu verziert. Gitarrist Wille Neukkarinen stellte sich meinen Fragen und gab mir einen Einblick in seinen persönlichen und den Werdegang der Band.

Bianca P.: Hey, danke dass du dir Zeit nimmst, um meine Fragen zu beantworten. Ihr seid nun wirklich keine Newcomer, alle haben zuvor schon in diversen anderen Bands gespielt. Aber fangen wir mal am Anfang an. Wann bist du das erste mal mit Metal in Berührung gekommen? Was waren deine Lieblingsbands?

Wille: Ich bin nicht genau sicher, wann und wie ich zur härteren Musik gekommen bin, aber ich erinnere mich daran, dass ich irgendwo ein Foto von mir habe, auf dem ich im Alter von 8 Jahren ein WASP-Shirt trage, also habe ich definitiv sehr früh angefangen. Ich erinnere mich, dass ich ein paar ältere Jungen aus der Nachbarschaft kannte, die Kassetten für mich aufnahmen... Ratt, Mötley Crue, Maiden, WASP... all so was. So fing alles an. Ich hatte eine Disco-Musik Phase für ein paar Jahre danach aber in meiner Jugend kam ich zurück zum Metal und habe diesen Pfad nie wieder verlassen. Wir hörten Metallica, Nirvana, Sepultura, ich kaufte meine erste Gitarre und wir gründeten unsere erste Band. Das war in den frühen 90ern. Ich schätze ich war ungefähr 15 um die Zeit. Ziemlich schnell kam auch extremer Metal in das Bild und wir fingen an Brutal Truth, Carcass, Entombed, Bolt Thrower, Godflesh, Xysma, Cathedral etc. zu hören.

Bianca P.: Was war das erste Instrument, das du jemals gespielt hast und was waren deine ersten Erfahrungen als Bandmitglied?

Wille: Ich habe in Bands immer nur Gitarre gespielt. Meine erste Band hieß SUNRIDE. Ursprünglich hatten wir gutturalen Gesang und die Musik war eine Mixtur aus Metal und Alternative Rock. Der Metal-Teil starb ziemlich schnell und wir machten noch 10 Jahre als Rockband weiter. Wir veröffentlichten drei Alben bei dem Century Media Sublabel People Like You.

Bianca P.: Kannst du dich an den Namen deiner allerersten Band erinnern? Auch wenn es nur eine Schulband war? Welche Art von Musik habt ihr gespielt?

Wille: SUNRIDE. Allerdings hatten wir am Anfang andere Namen für sie, als die Musik mehr Metal war... Ich kann mich nicht mehr an den ursprünglichen erinnern, aber es war Latein... Carnalis irgendwas... der zweite Name war SOULS EMBRACE bis wir ihn zu SUNRIDE änderten und anfingen Rockmusik zu spielen.

Bianca P.: Was waren die nächsten Schritte? Welchem Weg bist du gefolgt bis SONS OF AEON schließlich gegründet wurde?

Wille: Nachdem SUNRIDE durch mich eine Pause einlegten, gründeten Ich, Janne und Veli-Matti von SUNRIDE und Manne und Tommi (auch Bassist bei SoA) von ZEROCHARISMA (später REVOLT) 2005 GHOST BRIGADE. SONS OF AEON wurde ein paar Jahre später gegründet. Ich schätze um 2009 oder 2010 rum. Ich lebte zu der Zeit in Helsinki und Tapio lebte ebenfalls dort. Wir haben viel zusammen rumgehangen und mitunter redeten wir darüber eines Tages eine Band zu gründen, weil wir eine verblüffend ähnliche Sichtweise auf Musik generell haben. Dann machten wir an einem Punkt den nächsten Schritt und schickten einander eigene Aufnahmen. Es hatte schon etwas, herauszufinden, dass diese Songs ("Skeletons of Weakness" und "Wolf Eyes") wie ein und dieselbe Band klangen, also hatten wir eigentlich keine andere Wahl als SONS OF AEON zu gründen.

Bianca P.: Einige von euch waren Mitglied in sehr bekannten Bands wie GHOST BRIGADE und SWALLOW THE SUN. Warum habt ihr euch dazu entschieden eine neue Band zu gründen. Was ist an SONS OF AEON so anders?

Wille: Naja, eigentlich erfüllen sie einfach unterschiedliche musikalische Bedürfnisse. GHOST BRIGADE, das ich sehr sehr ernst nehme. Es ist das Werk meines Herzens und meiner Seele. Ich bin ein Perfektionist was die Band angeht und das kann manchmal ein bisschen erschöpfend sein. SONS OF AEON ist ein guter Weg das auszugleichen, weil die Band mir selbst nicht so „nahe“ geht. Es ist mehr ein Zusammensein mit meinen Kumpels, um die Musik zu spielen, die wir mögen. Es ist sehr einfach.

Bianca P.: Habt ihr Angst mit euren früheren/anderen Bands verglichen zu werden?

Wille: Nein, weil SONS OF AEON Welten von den anderen Bands entfernt sind.

Bianca P.: Euer Debüt Album "Sons of Aeon" wurde vor kurzem veröffentlicht. Wie waren die allgemeine Reaktion auf das Album?

Wille: Sehr gut. Wir haben gerade erst herausgefunden, dass das Album es in die Top 40 der offiziellen finnischen Albumcharts geschafft hat. Das war eine total unerwartete Überraschung. Die Reviews, die ich gesehen habe waren ebenfalls positiv, also ist alles gut. Ich habe eigentlich zumindest ein bisschen Hass erwartet, weil diese Art von Musik so einfach zu dissen wäre, aber soweit so gut. Ich bin sicher, dass sich irgendwo ein paar Untergrund-Elitisten verstecken, die ein oder zwei nicht so positive Dinge über SONS OF AEON zu sagen hätten, aber nein... Ich bemühe mich nicht wirklich darum mich dafür zu interessieren, Ich bin zu alt für dieses Spiel, hehe.

Bianca P.: Kannst du mir etwas über den Schreibprozess erzählen? Wer ist hauptsächlich für die Lyrics verantwortlich und was ist die Botschaft dahinter?

Wille: Normalerweise schreiben ich und Tapio die Songs, zusammen oder einzeln... es kommt drauf an. Tommi hat auch ein paar Riffs geschrieben, Tapio, Tony und ich schreiben die Texte. Ich glaube, Tonys Texte sind philosophischer und globaler als meine und Tapios Texte sind persönlicher.

Bianca P.: Wie würdest du eure Musik beschreiben und welcher Song repräsentiert sie am besten?

Wille: Oh man, an diese Frage werde ich mich nie gewöhnen, Ich weiß nicht, wie ich unsere Musik beschreiben soll, denn wenn du Musik schreibst, ist das das Letzte, worüber du dir Gedanken machst. Also, ich weiß es nicht. Wenn ich sage, dass es Metal Musik ist, wäre das genug? Ich denke, die Leute müssen sich einfach ihre eigene Meinung bilden, indem sie sich das Album anhören. Ich glaube nicht, dass es einen Song gibt, der uns am besten repräsentiert. Meiner Meinung nach muss man sich das ganze Ding anhören, um ein gutes Bild zu bekommen.

Bianca P.: Der letzte Song auf dem Album "Black Sheep Process" ist ein reiner Instrumental-Song und vielleicht auch einer der vielseitigsten. Gibt es einen besonderen Grund warum ihr diesen Song mit einbezogen und ihn zum finalen Song gemacht habt?

Wille: Das ist Tapios Song. Wir haben das Riff schon seit einer langen Zeit gespielt, bevor wir es zu einem Instrumental machten. Ich weiß nicht, es schien ein guter Weg um die Platte zu beenden.

Bianca P.: Meiner Meinung nach, kann man eure Musik nicht einfach in nur ein Genre einordnen. Wo würdest du euch sehen und was denkst du über die aktuelle Metal-Szene und ihre Genre-Politik?

Wille: Das ist sehr richtig und um ehrlich zu sein, sind Genres ohnehin Mist. Ich verstehe nicht wirklich, warum es manchmal so eine große Rolle spielt. GHOST BRIGADE ist ein sehr gutes Beispiel hierfür. Als wir unsere ersten zwei Platten veröffentlichten, versuchten die Leute jahrelang uns in verschiedene Genres einzuordnen. Wir wurden Sludge, Metal, Alternative Metal, Gothic Metal, Post Metal, Stoner Metal und ich weiß nicht was noch alles genannt. Es muss hundert verschiedene Genres für uns gegeben haben. Es ist lächerlich. Jetzt, nachdem wir drei Alben veröffentlicht haben, scheint dieser Krieg endlich vorbei und die meisten Leute nennen uns einfach GHOST BRIGADE. Ich hoffe, dasselbe wird mit der Zeit auch SONS OF AEON passieren. Ich weiß nicht viel über die aktuelle Metal-Szene und um ehrlich zu sein, interessiert mich das abgesehen von ein paar Ausnahmen nicht wirklich. Wenn ich Metal höre, gehe ich normalerweise zum 90er Zeug zurück.

Bianca P.: Wer war für das Album Artwork verantwortlich und gibt es eine Botschaft dahinter?

Wille: Ich entwerfe das Cover für beide meiner Bands. Der Leuchtturm ist ein sehr bekanntes Symbol für Beständigkeit, Konstanz, Sicherheit und Hoffnung. Ich habe mich entschieden, dieses Objekt auf dem Cover zu verwenden, weil es sowohl mit dem Bandnamen als auch mit einigen lyrischen Themen auf dem Album ziemlich gut zusammen passt.

Bianca P.: Habt ihr bisher schon Liveauftritte gehabt? Was können Fans von euren Auftritten erwarten?

Wille: Wir haben nur hier und da ein paar Shows gespielt. Hoffentlich in Zukunft mehr. Was kann man von einer Liveshow erwarten? Kommt her und seht selbst.

Bianca P.: Gibt es einen bestimmten Ort oder ein Festival, wo du gerne spielen würdest?

Wille: Nicht wirklich.

Bianca P.: Spielst du lieber in einem kleinen Club oder auf einem großen Festival?

Wille: Spielt keine Rolle, ich spiele mehr oder weniger überall gern. Von Punk Rock Höhlen zu großen Festivals, es ist alles gut.

Bianca P.: Mit welchen Bands würdest du am liebsten die Bühne teilen?

Wille: SONS OF AEON? CARCASS würde passen!

Bianca P.: Was können wir in näherer Zukunft von SONS OF AEON erwarten?

Wille: Auftritte.

Bianca P.: Wir kommen zum Ende des Interviews. Gibt es etwas, was du euren Fans schon immer sagen wolltest?

Wille: Hehe, wir sind so eine neue Band, haben wir überhaupt Fans? Naja, falls wir sie haben, möchte ich einfach nur danke sagen, dass ihr uns ausgecheckt habt.

Bianca P.: Danke, dass du deine Gedanken mit uns geteilt hast. Ich wünsche euch viel Glück für die Zukunft - Die letzten Worte gehören dir.

Wille: Danke hierfür, ich weiß es zu schätzen. Gute Fragen.

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