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Interview mit Christos Antoniou und Sotiris Anunnaki V von Septicflesh

Interview mit Christos Antoniou
und Sotiris Anunnaki V

Das Interview führte: Daud B. am 09.06.2011 

Septicflesh haben seit April 2011 ein - man kann es nicht anders nennen - neues Meisterwerk veröffentlicht. "The Great Mass" knüpft an die so noch nie da gewesene Symbiose von orchestralen Bestandteilen und extrem-metallischer Brutalität des Vorgängers "Communion" an, und vergisst dabei tatsächlich nicht, noch einen Schritt vorwärts zu machen. Die Saitenfraktion des griechischen Ausnahme-Vierers Sotiris Anunnaki V. und Christos Antoniou nahm sich die Zeit uns ein paar Fragen zu beantworten, die uns unter den Nägeln brannten.

Hati B.: Hey Jungs! Wie geht's?

Christos Antoniou: Wir fühlen uns großartig und wir sind bereit "The Great Mass" in unseren Shows zu entfesseln und vor unseren Fans aufzutreten.

Hati B.: Euer neues Album ist seit April erhältlich. Ich persönlich mag es sehr, also meinen Glückwunsch! Wie war die allgemeine Resonanz?

Sotiris Anunnaki V: Den unglaublichen Reaktionen der Presse und der Fans nach zu urteilen, übertrifft das neue Album alles, was wir bisher gemacht haben.

Hati B.: 2007 habt ihr euch nach einer Pause wieder zusammengefunden. Seitdem habt ihr bereits zwei Mal mit dem mit dem Philharmonischen Orchester Prag zusammengearbeitet. Wer war im Wesentlichen für die Kooperation verantwortlich?

Christos Antoniou: Ich bin für die orchestralen Parts auf beiden Alben zuständig. Wir haben eine einzigartige Verbindung zu diesem Orchester und sehen es als fünftes Bandmitglied an. Ihr Einsatz und ihre Darbietung übertrifft unsere Erwartungen und ich bin mir sicher, dass wir auch weiterhin mit ihnen kooperieren werden.

Hati B.: Die Einbindung des Orchesters gab eurem Sound eine neue Note. Denkt ihr, das ist die natürliche Weiterentwicklung nach "Sumerian Daemons", oder seht ihr es mehr als Symbol eines Neuanfangs?

Christos Antoniou: Ich bin fest davon überzeugt, dass "The Great Mass" in Sachen Orchestrierung einen neuen Weg einschlägt, und die Komposition eine frische Brise in den Symphonic Metal bringt - und das nicht nur in unsere Musik. Es markiert unsere neue Ära und unsere Entwicklung im Gebrauch des Orchesters.

Hati B.: Könntet ihr uns eine kurze Erläuterung zum lyrischen Konzept von "The Great Mass" geben?

Sotiris Anunnaki V: Wir haben uns entschieden das Wort "mass" hervorzuheben, da es auf vielfältige, interessante Weise verwendet werden kann. Ich habe mir das Album als eine Art musikalische schwarze Messe vorgestellt, komponiert aus der Vereinigung zehn verschiedener Psalmen, die spirituelle Freiheit verherrlichen und religiöse Symbole zerlegen. Auf der anderen Seite ist "mass" auch ein Fachbegriff der sinfonischen Musik und es gibt Werke klassischer Komponisten, die derart benannt sind. Natürlich gibt es noch zahlreiche weitere Bedeutungen, wie zum Beispiel "die große Masse des Universums", "die große Masse an Menschen, die auf dieser Erde leben", usw.

Hati B.: Warum habt ihr verschiedene Cover für euer Album gewählt und wofür stehen die Motive?

Sotiris Anunnaki V: Seth hat viel Zeit mit dem Erstellen des Artworks, der Wahl der Themen und den Symboliken in den Texten verbracht. Am Ende kam etwas dabei raus, das er aus vielen interessanten Ebenen arrangiert hatte und wir deswegen aus jedem kleinen Detail ein Cover hätten machen können. Das Gesamtkunstwerk dreht sich um eine grauenvolle Götterstatue, bestehend aus Marmor und Fleisch, die mitten in einer verfallenen Kathedrale sitzt. Der untere Teil des Körpers bildet eine dreieckig geformte Masse aus menschen- und tierähnlichen Figuren, die sich einem selbst-kannibalischen Symposium hingeben. Seth hat es geschafft einen aufregenden Makrokosmos aus einem visuell ansehnlichen Mikrokosmos zu erschaffen.

Hati B.: Wie lief der Songwriting-Prozess? Standet ihr unter hohem Druck, wegen der hohen Erwartungen, weil "Communion" bereits so ein starkes Album war?

Sotiris Anunnaki V: Erwartungen für das neue Album gab es in der Tat und das setzte die Latte hoch. So gab es am Anfang schon etwas Druck. Das Gute an SEPTICFLESH ist jedoch, dass alle vier Bandmitglieder Songs komponieren und Ideen einbringen. Wir hatten also einen gewaltigen Ideen-Pool aus dem wir schöpfen konnten. Wir entschlossen uns, mehr mit den symphonischen Arrangements zu experimentieren und viele musikalische und emotionale Ebenen für die Songs zu schaffen. Andererseits haben wir auch nicht den Aspekt der Brutalität aus den Augen verloren. "The Great Mass" ist zum bislang intensivsten und vielfältigsten Album von SEPTICFLESH geworden. Je öfter man es hört, desto mehr Dinge kann man darin entdecken.

Hati B.: Welcher Song war am schwersten zu komponieren, welcher am einfachsten?

Christos Antoniou: Es gibt kein einfach und schwierig beim Komponieren eines Songs. Der "Richter" ist dein Ohr und du musst deiner Fantasie freien lauf lassen um etwas "Einzigartiges" zu erschaffen. Schwierigkeiten gibt es vielleicht bei der Performance, aber nicht bei der Inspiration.

Hati B.: Gibt es irgendwelche Anekdoten über die Aufnahmezeit?

Christos Antoniou: Es gab so einige lustige Momente bei den Aufnahmen, aber keine, die ich hier erwähnen könnte. Außerdem habe ich sehr intensiv am Orchester gearbeitet und den Großteil der Aufnahmen verpasst.

Hati B.: Nach über 10 Jahren würde ich euch immer noch als Geheimtipp einstufen. Das neue Album ist ein großer Schritt in die richtige Richtung und hat euch sicherlich neue Fans verschafft. Wie würdet ihr jemandem euren Sound beschreiben, der eure Musik noch nie gehört hat?

Sotiris Anunnaki V: Obwohl ein paar Worte nicht genug sind, um die breite Palette an Emotionen zu beschreiben, werde ich es grob umreißen. Unsere Musik kombiniert Brutalität mit dunkler Romantik, die mit melancholischen Melodien erzeugt wird. Darüber hinaus gibt es ein dominierendes symphonisches Element, das in der Musik ein Soundtrack-Feeling von epischen Ausmaßen erzeugt. Es ist düstere, extreme und visuelle Musik, die dem Betrachter bizarre Bilder im Kopf entstehen lässt.

Hati B.: Auch wenn das Album als Ganzes gesehen werden sollte, gibt es verschiedene Typen von Songs. Wir wissen, dass ihr spannungsgeladene und brutale Soundkulissen kreieren könnt, aber dann wird man mit wirklich melodischen Stücken wie "Therianthropy" überrascht. Wie kommt das?

Sotiris Anunnaki V: Die melodischen Elemente sind etwas sehr Charakteristisches für unseren Sound, ja sogar für unsere Band. Es ist ein wesentlicher Teil unserer Persönlichkeit, die wir nutzen um starke Emotionen zu erzeugen. Wir haben schon immer den Gebrauch verschiedenster physiologischer Farben bevorzugt, anstelle uns nur auf Schwarz zu beschränken. Ich glaube, dass eine gut platzierte, gefühlvolle Antithese tragischer und effektiver sein kann als jede Monotonie.

Hati B.: Ich war etwas enttäuscht, als ich sah, dass ihr keinen Song auf dem Album habt, der die 7-Minute-Marke überschreitet. War es von euch so geplant, dass ihr keinem der Songs mehr Platz einräumen wolltet als den anderen, so dass das Album als Einheit funktioniert?

Christos Antoniou: Nicht wirklich. "Communion" war mit unter 40 Minuten auch relativ kurz. Wir setzen uns da eigentlich keine Grenzen und wollen unsere Qualitäten auf diese Weise nicht einschränken. Ehrlich gesagt haben wir uns noch nie über die Länge der Songs Gedanken gemacht.

Hati B.: Ich habe gelesen, dass du, Sotiris, nicht mit auf Tour gehst und deine Passagen daher vom Band kommen. Ist das auch der Grund, wieso man dich nicht noch öfter auf "The Great Mass" hat singen lassen?

Sotiris Anunnaki V: Ich sehe mich selbst als eine Art Schauspieler, der sich auf eine bestimmte Rolle spezialisiert hat. Es gibt also auch andere Schauspieler, die zum Einsatz kommen können, mit unterschiedlichen Stärken. Bei "The Great Mass" hatten wir neben dem Hauptgesang von Seth und meinen Vocals die Option zwei verschiedene weibliche Sängerinnen, einen Jungensopran und einen gesamten Chor zu verwenden. Also haben wir unsere Entscheidungen danach gerichtet, wie das Resultat aussehen sollte. Natürlich hatte ich auch im Hinterkopf, dass ich nicht auf der Bühne dabei sein kann und daher habe ich darauf geachtet, nicht gleich auf allen Songs zu erscheinen. Ich glaube am Ende singe ich wirklich an den angebrachtesten Stellen und trage dabei etwas Vitales zum Endergebnis bei.

Hati B.: Ist es schwierig die orchestralen Stücke bei den Live-Auftritten einzubringen? Da ihr ja kein Orchester mit auf Tour habt, nutzt ihr diese Chance um die Songs auf andere Art und Weise zu interpretieren?

Christos Antoniou: Ein Orchester zu engagieren ist nicht machbar. Des Weiteren wäre ein Keyboard-Spieler nicht in der Lage dem Effekt eines Orchesters gerecht zu werden. SEPTICFLESH können nicht ohne Orchester auftreten, was zwangsweise bedeutet, dass die meisten Teile immer noch über Playback eingespielt werden. Derzeit ist das unsere einzige Möglichkeit, auch wenn Überlegungen da sind ein Live-Orchester zu integrieren, aber dafür ist es noch zu früh.

Hati B.: Was habt für die Zukunft geplant?

Christos Antoniou: Wir haben zwei Auftritte in Zypern und dem Hellfest (Frankreich) hinter uns und sind zur Zeit auf einer großen Tour in den USA mit Children of Bodom, Devin Townsend und Obscura. Bald werden wir auch wissen, ob wir in Europa noch eine Tour mit namhaften Bands dranhängen können. Wir sind zur Zeit in der besten Phase und Form unseres Lebens! [Anm.d.Verf.: Die "Surtur Rising"-Tour" mit Amon Amarth und As I Lay Dying ist inzwischen bestätigt. >> Tourdaten]

Hati B.: Ich danke euch für das Interview. Ihr habt das letzte Wort!

Sotiris Anunnaki V: Wir danken dir auch. Keep the dark flame burning!

 
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