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Interview mit Luis Moya von Poema Arcanus

Interview mit Luis Moya von Poema Arcanus

Seit einigen Jahren schon gelten die Chilenen von POEMA ARCANVS als Geheimtipp, wenn es um progressiven Death / Doom Metal geht. Im vergangenen Jahr haben sie mit "Transient Chronicles" ihr mittlerweile fünftes Album veröffentlicht und zeitgleich das 20-jährige Bandjubiläum gefeiert. Grund genug für mich, mir Drummer Luis Moya zu schnappen, um mit ihm ein wenig über das neue Album, die vergangene Europa-Tour und generell über den Doom Metal aus Chile zu sprechen.

Malte H.: Sollen wir anfangen?

Luis: Yeah!

Malte H.: Ich denke, dass einige unserer Leser POEMA ARCANVS noch nicht so gut kennen. Ich würde dich zu Beginn also darum bitten, deine Band kurz vorzustellen.

Luis: Also, hier ist Luis (Drummer) von POEMA ARCANVS, einer "Arcane Metal" Band! Wir wurden stets als Doom Metal bezeichnet, aber wir passen nicht ganz in diese Kategorie, also haben wir unsere Musik "Arcane Metal" genannt. Wir haben vor vielen Jahren in Chile als GARBAGE, GARBAGE BREED (alte Namen) angefangen irgendeine Art von Grindcore zu spielen. Wir haben uns dann zunehmend in Richtung atmosphärischer Musik entwickelt und zeitgleich eine Prise Death hinzugefügt, im Laufe der Zeit kam dann ein progressiver Touch hinzu... ab da machte es Sinn den Namen zu POEMA ARCANVS zu wechseln, was übersetzt in etwa "geheimnisvolles Gedicht" bedeutet.

Malte H.: Ende letzten Jahres habt ihr Jungs euer fünftes Album "Transient Chronicles" veröffentlicht. Glückwunsch! Es handelt sich dabei um einen weiteren großartigen Output in der Ära von POEMA ARCANVS. Seid ihr mit dem Ergebnis zufrieden?

Luis: Ja, klar! Wenn man berücksichtigt, dass wir das Album in sehr kurzer Zeit erstellt haben und wir nicht daran gewöhnt sind, sowas zu machen... Wir haben immer eine lange Zeit gebraucht, um eine Scheibe zu veröffentlichen, da wir die Musik reifen lassen wollen, sozusagen. Jedenfalls sind wir mit dem Resultat sehr zufrieden.

Malte H.: Soweit ich das überblicken konnte waren die Reaktionen von Presse und Fans sehr gut. Ist es euch wichtig, was all die Metalzines so über euer Album schreiben? Lest ihr die Reviews? Ich kenne einige Bands, die sagen, dass sie der ganze Kram, der geschrieben wird, nicht interessiert.

Luis: Wir sind froh, dass wir sehr gute Reviews bekommen und ja, wir lesen sie... aber das bedeutet nicht, dass wir unsere Musik für die Medien oder so machen. Wir machen genau die Musik, die wir machen wollen und sie entsteht für jeden von uns auf natürliche Weise; wir folgen keinen Trends, nichtmal einem bestimmten Stil, wir sind offen dafür, die Musik zu machen, von der wir denken, dass sie gut für uns ist. Also, wenn jemand sie mag, dann ist das cool, wenn jemand sie nicht mag... dann ist das auch cool!

Malte H.: Ja, das verstehe ich.
Und weil es sehr schwer ist, eure Musik einzuordnen, ist es auch extrem schwer, all die verschiedenen Aspekte, die Teil eures Sounds sind, zu beschreiben. Ich weiß, dass es nicht leicht ist, aber wie würdest du den Sound von "Transient Chronicles" in einigen wenigen Worten jemandem beschreiben, der noch nie einen Song von POEMA ARCANVS gehört hat?

Luis: Uff, das ist wirklich schwer zu beantworten, da "Transient Chronicles" eine natürliche Entwicklung aus den letzten Alben ist... jede vorherige Produktion hat ihren eigenen Geschmack, für uns sowie für die Hörer. Ausgehend von den Meinungen, die wir während unserer Europa-Tour gesammelt haben, würde ich "Progressive Doom-Death" sagen. Der wichtigste Grund für mich ist jedoch, dass, obwohl wir verschiedene Platten mit verschiedenen Geschmäckern gemacht haben, wir immer nach POEMA ARCANVS klingen.

Malte H.: Absolut! Aber seit Michel Leroy die Band verließ, hat eure Musik eine straightere Richtung eingeschlagen, denke ich. Sie hat sich entfernt von der eher experimentellen Musik wie ihr sie auf "Iconoclast" und insbesondere auf "Telluric Manifesto" gespielt habt. Ich weiß, dass Michel die Band aufgrund von Meinungsverschiedenheiten darüber, wie POEMA ARCANVS klingen sollte, verlassen hat.
Wie hat sich sein Rücktritt auf das Songwriting der Band ausgewirkt und warum habt ihr euch dazu entschieden, keinen neuen Keyboarder in die Band zu nehmen?

Luis: Was du sagst ist richtig! Du weißt es besser als ich!!! Hahaha... ja, "Telluric Manifesto" war das experimentellste Album, das wir machen wollten und auch nichts darüber hinaus. Michel war jedoch zu sehr in diesem experimentellen Zeug drin, sodass wir uns dazu entschieden, unterschiedliche Wege zu gehen und, ja... wir wollten unbedingt zurück zu straighterer, direkterer, simplerer Musik. Auf der anderen Seite war Michel ein großartiger Komponist. Aktuell haben wir das Keyboard in den Hintergrund gerückt und jeder von uns bringt seine eigenen Ideen und Songs mit ins Studio.

Malte H.: Nichtsdestotrotz sind einige Keys auf "Transient Chronicles" vertreten, die von Don Zaros von den mächtigen EVOKEN eingespielt wurden. Wie kam es dazu?

Luis: Genau! Don stand mit Igor [Leiva; Anm. d. Verf.] oder Claudio [Carrasco; Anm. d. Verf.] in Kontakt, glaube ich... und ich denke, dass es bei einem freundschaftlichen Gespräch dazu kam. Soweit ich weiß war er schon immer ein Fan von POEMA ARCANVS und wollte etwas mit uns machen... auf der anderen Seite wollten wir ausgearbeitetere Keyboards in einem bestimmten Song... es kam also genau zur richtigen Zeit dazu!

Malte H.: Das ist verdammt cool. Don und EVOKEN sind die reinsten Bestien, haha! Wo wir gerade mehr oder weniger beim Thema Lineup sind: Mit Pablo Tapia hat die Band einen neuen Bassisten. Was ist mit Juan Pablo Vallejos passiert? Ich las, dass er der neue Bassist der chilenischen Thrash Band NECROSIS ist (oder war)?

Luis: Ja, aber auch NECROSIS hat er bereits wieder verlassen, hahaha... Er spielt nun bei SACRAMENTO und einer anderen Band namens IDOL, zusammen mit einem ex-CRIMINAL Gitarristen.

Malte H.: Aber warum hat er POEMA ARCANVS verlassen?

Luis: Er wollte lieber was machen, was mehr nach vorne geht und außerdem war er wohl auch etwas von der "Ernsthaftigkeit" der Band gelangweilt.

Malte H.: Ich verstehe, das ist schade.
Aber wo wir gerade von "Ernsthaftigkeit" sprechen: Die Texte sind seit jeher ein wichtiger Teil der Musik von POEMA ARCANVS. Sie sind dunkel, tiefergehend, manchmal jedoch auch mit einer Prise Ironie versehen, denke ich. Was sind die Einflüsse für eure Texte?

Luis: Also, ich schreibe keine Texte, aber, ja, sie sind dunkel und tiefergehend, hoffnungslos und zudem versehen mit Wut und Frustration... aber am meisten handeln sie von Erfahrungen aus dem wirklichen Leben und all seinem Scheiß.

Malte H.: Gibt es Bands, die den Sound von POEMA ARCANVS beeinflusst haben?

Luis: Ja, natürlich... VOIVOD, PARADISE LOST, RUSH, CANDLEMASS, MORBID ANGEL, um nur einige zu nennen, aber wir streben stets danach unseren eigenen Sound zu entwickeln.

Malte H.: Lass uns über eure Tour Ende des letzten Jahres sprechen. Es war das erste Mal, dass ihr in Europa gespielt habt, richtig?

Luis: Genau genommen nicht für mich, es war meine zweite Tour in Europa. Die erste war damals in 2009 als Tour-Drummer für PROCESSION. Aber ja, für POEMA ARCANVS war es das erste Mal. Wir hatten kurz nach dem Release von "Iconoclast" bereits die Chance dazu, aber zu der Zeit sind viele Probleme aufgetreten.

Malte H.: Ah, okay. Nun, wie ist dein Eindruck von den europäischen Metalheads verglichen mit den chilenischen Metalheads? Gibt es Unterschiede?

Luis: Chilenische Metalheads sind verrückte Dreckssäue!!! Europäische Metalheads sind entspannter, respektvoll, aber ebenfalls klasse!

Malte H.: Wir haben uns auf dem Schlachtfest in Aurich getroffen, wo ihr Jungs vor irgendwas wie 100 Leuten oder so gespielt habt. Es war eine tolle Show, aber ist es nicht merkwürdig, so weit zu reisen, um dann vor so einer kleinen Gruppe von Leuten zu spielen?

Luis: Ja, es war so eine Art lokaler Gig und wir erwarteten viele solcher Auftritte, ähnlich wie in Chile außerhalb von Santiago. Wir haben auch auf den Dutch Doom Days und dem Doom Over Vienna gespielt, wo das Publikum deutlich größer war. Aber sei es drum, mir ist das egal, Aurich war KLASSE!

Malte H.: Haha, das kann ich so unterschreiben! Ihr Jungs habt auf dem Schlachtfest häufig außerhalb des Backstage-Bereichs rumgehangen und mit euren Fans sowohl außerhalb der Halle als auch am Merch-Stand geredet, was ziemlich cool war. Wie wichtig ist euch mit den Fans in direktem Kontakt zu stehen und deren Feedback zu bekommen?

Luis: Das ist eines der wichtigsten Dinge! Das Feedback der Fans ist immer wunderbar und gibt uns das Gefühl, dass wir unsere Zeit nicht verschwenden... es ist mühsam eine Band fernab des Mainstreams zu haben und solche Art Platten, Touren etc. zu machen.

Malte H.: Ihr wart zusammen mit THE OUTSIDE auf Tour. Wie kam es dazu? Kanntet ihr Alberto und Sergio, die beide ebenfalls Chilenen sind, schon vorher?

Luis: Sicher, wir sind Freunde und hatten vorher auch schon zusammen in Chile gespielt... und trotz des unterschiedlichen Stils beider Bands unterstützen wir uns alle gegenseitig.

Malte H.: So sollte Metal auch sein, oder? Die selbe Leidenschaft teilen, sich gegenseitig helfen und es ist dabei egal, ob man Doom oder Death oder Black oder Wasauchimmer-Metal spielt.

Luis: Klar ist es das!!! Das ist die ganze Idee dahinter!!!

Malte H.: Haha, absolut! Wir nähern uns dem Ende des Interviews. Bevor wir zum Schluss kommen, lass uns noch ein wenig über Doom Metal in Südamerika bzw. Chile reden. Fragt man irgendeinen Doom-Verrückten nach Doom aus Südamerika ist POEMA ARCANVS einer der ersten Namen, die genannt werden. Es scheint als hättet ihr eine Art Pionier-Rolle inne, wenn es um Doom Metal in Chile geht. Würdest du dem zustimmen?

Luis: Nun, POEMA ARCANVS war die erste Band, die diesen Stil gespielt hat, denke ich... aber es tauchten schnell viele gute Bands auf, MAR DE GRISES, PROCESSION, MOURNERS LAMENT, um nur einige zu nennen. Wir haben zudem häufig zusammen gearbeitet und zusammen gespielt, wir sind auch alle Freunde.

Malte H.: Wie du bereits sagtest gibt es viele gute Doom Bands aus Chile. Es scheint als gäbe es eine kleine aber feine Szene in eurem Land. Und es scheint außerdem so, als seien all diese Bands auf der einen Seite exzellent in ihrem Stil und auf der anderen Seite ist es bei jeder Band schwer, sie einzuordnen. Zum Beispiel POEMA ARCANVS, die bereits erwähnten MAR DE GRISES oder UARAL mit ihrem eher folkigen Doom. Ist das so eine Art Markenzeichen für chilenischen Doom? Schwer einordenbar zu sein?

Luis: Ja, vielleicht. Wir unterscheiden uns etwas vom Rest Südamerikas... andere Länder sind eher auf Hard Rock oder "tropisch", wenn du so willst. Wir haben viel Regen, Nebel... Winter, Schnee, was sich für die Musik, die wir machen, irgendwie richtig anfühlt... und du hast Recht, es gibt viele tolle Doom Bands in Chile, aber das gute daran ist, dass wir alle unterschiedlich sind.

Malte H.: Ihr Jungs wart bei Aftermath Music, einem europäischen Label, unter Vertrag als ihr "Timeline Symmetry" veröffentlicht habt. Aktuell seid ihr bei Australis Records, einem chilenischen Label, soweit ich weiß. Was ist mit eurem Deal mit Aftermath passiert?

Luis: Nun, wir hatten das Gefühl, dass Aftermath letztendlich nicht wirklich in unserer Art von Musik drin waren... aber am Anfang war es klasse und nun brauchten wir einen Wechsel, einen frischen Denkansatz und so haben wir uns entschieden, zu einem chilenischen Label zu gehen, um zu sehen, was passiert.

Malte H.: Alles klar! Lass uns noch ein letztes Mal zurück zu den alten Tagen gehen: Wie kamst du damals zum Metal? Und was war (oder ist) für dich der Grund solch doomige Musik zu spielen?

Luis: Ich habe Metal natürlich schon immer gemocht, das ist für mich der einzige Weg Musik zu machen! Ich habe allerdings nie Doom-Zeug gehört bis ich ein paar Freunde hatte, mit denen ich das spielen konnte... auf der anderen Seite mochte ich auch Jazz-Fusion und Progressive-Zeugs als Drummer. Der Doom-Stil gibt mir die Chance, viele Dinge ins Drumming einzubringen.

Malte H.: Ich schätze, dass das für jeden, der nicht selber Drummer ist, nicht so leicht zu verstehen ist. Ich glaube, viele Leute denken, dass Doom Metal für Drummer extrem langweilig sein muss, da das Tempo so verdammt langsam ist, haha!

Luis: Ja, aber wir spielen mit vielen Tempowechseln und so einem Zeug.

Malte H.: Natürlich! Das ist der Punkt, der die Musik von POEMA ARCANVS so interessant macht. Sie ist voller Dynamik und Energie und auf der anderen Seite extrem emotional.
Um die Sache abschließend zusammenzufassen habe ich fünf Stichwörter für dich. Schreib einfach die Dinge auf, die dir beim Lesen als erstes in den Sinn kommen:

Luis: Santiago de Chile: Smog
Doom Metal: Emotional
Mar de Grises: Freunde
Europa: Bier
Deutsches Bier: Klasse!

Malte H.: Haha. Das wars. Wir haben das Ende erreicht. Ich danke dir für deine Zeit und wünsche dir und POEMA ARCANVS alles Gute!
Die letzten Worte dieses Interviews gehören dir. ;)

Luis: Vielen, vielen Dank für das Interesse und die Unterstützung! Entschuldige, dass ich nicht der gesprächigste Typ für ein Interview bin... JAJAJA... wir treffen uns mit Sicherheit in Europa nochmal wieder!!!

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