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Interview mit Stefan

Interview mit Stefan von Obscure Infinity

Das Interview führte: Sascha S. am 13.03.2012 

Sascha S.: Hallo erstmal. Bitte stelle dich und deine Band kurz vor, bevor wir richtig anfangen.

Stefan: Tja, wir sind Obscure Infinity aus dem schönen Westerwald. Gegründet wurde die Band Anfang 2007 von Jules (Gesang) und mir (Gitarre). Kalle (Bass) stieß dann kurz darauf zu uns. Die Idee, eine Band zu gründen, war schon weitaus länger geboren. Es hat dann jedoch einige Zeit gedauert, bis wir die Idee in die Tat umsetzten. Der Kurs war allerdings von Anfang an klar: Death Metal im traditionellen Sinne.

Sascha S.: Wie fing es damals mit Obscure Infinity an? Kennt ihr euch noch aus der Schule oder wie habt ihr euch zusammen gefunden?

Stefan: Jules und ich kommen aus demselben Ort, daher kennen wir uns schon lange Zeit. Und so kamen wir irgendwann ins Gespräch darüber, ob man nicht eine Band gründen sollte. So nahm alles seinen Anfang.

Sascha S.: Wie entsteht ein Obscure Infinity Song? Wer schreibt die Lyrics? Wer übernimmt das Songwriting?

Stefan: Ich schreibe die Musik für die Band und mittlerweile übernimmt Jules das Verfassen der Texte. Es gibt kein spezielles Schema, wie ein Song entsteht. An manchen Songs sitze ich ziemlich lange, bis sie fertig sind, andere können von ihrem groben Aufbau her innerhalb von einer halben Stunde entstehen. Mir ist die Stimmung, die eine spezielles Riff erzeugt, sehr wichtig. Oft ist es dann auch dieses bestimmte Riff, um das herum sich dann ein Song aufbaut. Dabei ergibt eine Idee die nächste, bis ein - hoffentlich schlüssiges - Gesamtes entsteht. Dann fangen wir an, die neuen Songs einzustudieren und Jules schreibt die Texte dazu.

Sascha S.: Old School Death Metal scheint gerade eine Art Wiedergeburt zu feiern!? Wie seht ihr das?

Stefan: Ja schon. Im Moment ist es toll zu sehen, wie viel neue, starke Bands aufkommen. Naja, aber es ist und bleibt dennoch eine Undergroundbewegung, zumindest wird ein Death Metal Boom wie Anfang der Neunziger meiner Meinung nach ausbleiben. Solange das Gros der Bands solch qualitativ hochwertigen Veröffentlichungen vorweisen kann, ist es doch toll, dass auch gerade viele junge Leute dem traditionellen Death Metal frönen. Dennoch wehre ich mich dagegen, diese Bewegung einen Trend zu nennen. Verdammt, wer erzählt so einen Blödsinn? Schaut euch mal die Konzerte von den Underground Bands an! Diese Art von Musik zieht halt nicht viele Leute und wer sich dieser Art von Musik verschrieben hat, der tut das mit vollem Herzblut und nicht, weil es irgendwie "trendy" ist...

Sascha S.: Eigentlich ist euer OSDM ja eher Mucke von alten Säcken für alte Säcke... ihr seid ja nun nicht gerade sonderlich alt. Wie kam euer Sound zustande?

Stefan: Das ist sehr nett von dir. Ich werde diesen Monat 33 Jahre alt... als Jungspund gehe ich wohl nicht mehr durch, haha. Ich höre diese Musik schon seit 1990. Ich hab also das meiste noch hautnah miterlebt. Mit den dann aufkommenden modernen Strömungen ab Mitte/Ende der Neunziger konnte ich nix anfangen. Irgendwann dachte ich mir also, warum machst du nicht selbst die Musik, die du liebst und die keiner mehr spielt. Naja, mittlerweile gibt es ja wieder genügend Bands dieser Stilrichtung.

Sascha S.: Meinst du damit diese ganzen Core beeinflussten Sachen oder welche Strömungen meinst du?

Stefan: Nein, damit meine ich, dass der Death Metal sich ab da nach und nach in eine neue Richtung entwickelt hat, die mir einfach nicht mehr zugesagt hat. Es ging plötzlich immer mehr um Technik als um Atmosphäre. Die Musik sollte auf cool getrimmt werden und verlor dabei immer mehr ihre modrigen Wurzeln. Dann meine ich aber natürlich auch den aufkommenden Nu Metal Trend, mit dem ich natürlich nichts anfangen konnte oder kann. Und dann kam das ganze Core Zeugs auf... ziemlich langweilige Musik, wie ich finde. Ach ja, und natürlich Sonic Syndicate, meine allergrößte Hass Band überhaupt... wie kann man nur so eine beschissene Musik machen und damit auch noch Geld verdienen. Schon die Erwähnung des Bandnamens löst bei mir einen Würgreiz aus, haha...

Sascha S.: In Deutschland gibt es meiner Meinung nach viele hoffnungsvolle, junge Bands. Was meint ihr, verdient der deutsche Underground mehr Beachtung?

Stefan: Ja schon, wir haben hier einige Bands, die echt mehr Beachtung verdienen. Hört euch beispielsweise mal CHARON an. Klasse Band! Klar, hier ist es nicht so wie in Schweden, wo sich stündlich ne neue Band gründet. Unser Underground ist da eher klein, aber fein, hehe.

Sascha S.: Euer letztes Album "Dawn Of Winter" ist ja schon fast als eine Art Hommage an die alten Helden zu sehen. War das beabsichtigt oder kam das beim Songwriting einfach so durch?

Stefan: Wir wollten ein Album, das nach Death Metal klingt, wie er damals von Bands wie beispielsweise UNLEASHED, GRAVE, AUTOPSY oder DEATH gespielt wurde. Wir wollten aber kein reines Klonalbum abliefern, sonst hätten wir auch ein Coveralbum machen können. Ich denke schon, dass wir einen guten Mittelweg zwischen Nostalgie und eigenem Anspruch gefunden haben.

Sascha S.: Das habt ihr definitv! Was anderes... Obscure Infinity spielen obskuren Death Metal und sind bei Obscure Domain unter Vertrag. Obscure Domain ist ja ein relativ neues Label das sich offensichtlich dem Nostalgischen Death Metal verschrieben hat. Erzähl doch mal was über das Label. Seid ihr zufrieden?

Stefan: Obscure Domain sind ein kleines aber feines Label, das von den beiden Death Metal Besessenen Hacker und Sönke betrieben wird. Die beiden sind wirklich sehr engagiert, wenn es um diese Spielart des Death Metals geht. Die beiden sind ja auch schon seit Urzeiten im Underground unterwegs und kennen allerhand Leute. Wir sind sehr zufrieden, bei ihnen unter Vertrag zu sein.

Sascha S.: Euer neues Album "Putrefying Illusions" ist ja gerade in der Mache. Wie weit ist es denn bereits? Wie wird es klingen?

Stefan: Das Album ist bereits aufgenommen. Im Moment befinden wir uns im Mixing Prozess. Anfang April geht es dann nach Schweden. Dort bekommt es das Mastering im Necromorbus Studio. Wir sind bisher sehr zufrieden mit dem Resultat. Die neuen Lieder können einiges und ich denke, dass wir mit dem neuen Album "Dawn Of Winter" toppen können. An der musikalischen Ausrichtung hat sich nichts verändert, "Putrefying Illusions" ist purer Old School Death Metal. Meiner Meinung nach klingt das Album mehr aus einem Guss im Vergleich zu unserem Debüt. Auch haben wir uns diesmal mehr Zeit beim Einspielen gelassen. "Dawn Of Winter" ist ja doch an einigen Stellen arg holprig, einfach weil wir es aus verschiedenen Gründen recht rasch einspielen mussten.

Sascha S.: Wieso das? Geldmangel, Zeitmangel oder was war der Grund?

Stefan: Ach, das ist eine lange Geschichte: Eigentlich nimmt Nils von Weird Fate ja all unsere Musik in seinem Klangkerker Studio auf. Als wir aber "Dawn Of Winter" einspielen wollten, hatte er einfach viel um die Ohren und wir mussten uns nach einer Alternative umschauen. Wir nahmen das Album dann am Ende bei zwei Typen auf, die sich leider im Rückblick als totale Nichtskönner entpuppten. Sie haben einen Haufen Scheiße aus unserer Musik gemacht und wir wussten beim ersten Hören des "fertigen" Albums, dass wir alles nochmal einspielen und diese Aufnahme als Müll abhaken müssen. Nils musste also einspringen, obwohl er so wenig Zeit hatte und so wurde das Album ein zweites Mal komplett neu aufgenommen und das innerhalb kürzester Zeit. Das ist der Grund, warum einiges so charmant unperfekt klingt, ähem...

Sascha S.: Ihr dürftet ja letztes Jahr auf dem NRW Deathfest zusammen mit z.B. ASPHYX oder ENTRAILS spielen was ja schon ne ziemlich große Nummer ist. Gibt es einen Gig der dir besonders im Gedächtnis geblieben ist?

Stefan: Es war sicherlich cool, mit einer Band wie ASPHYX zusammen auf einem Festival zu spielen. Martin Van Drunen trug ja auch ein Shirt von uns bei ihrem Auftritt. Wirklich coole Geste von ihm! Ein Auftritt, der mir besonders im Gedächtnis hängen geblieben ist, hmm...wahrscheinlich unser Auftritt in Italien, da ist nämlich alles schief gegangen was schief gehen konnte, haha... aber dennoch waren die Leute dort saucool drauf und haben trotzdem applaudiert, obwohl wir nix auf die Reihe bekommen haben an diesem Abend, haha...

Sascha S.: Wie steht's mit einer Tour oder Festivalauftritten?

Stefan: Es ist für dieses Jahr noch eine kleine Tour geplant. Bis jetzt ist aber leider noch nichts konkret, deswegen kann ich dazu zu diesem Zeitpunkt noch nichts sagen. Wir spielen auf dem Fuck The Nazi Scum Festival in Torgau und auf dem From Dusk Till Dawn Festival in Neidenbach bei Bitburg. Daneben sind weitere Einzelkonzerte geplant, wie etwa im April in Döcklitz. Außerdem haben wir gerade die Zusage für ein weiteres Festival erhalten, allerdings dürfen wir dazu momentan noch nichts sagen.

Sascha S.: Inzwischen wissen wir, dass es das Party.San sein wird, das ja zum ersten Mal eine eigene Bühne für aufstrebende, junge, deutsche Bands haben wird! Beide Daumen nach oben dafür! Besten Dank für deine geopferte Zeit. Möchtest du am Schluss noch was loswerden?

Stefan: Ich danke dir für dieses Interview! Wir wissen die Unterstützung zu schätzen! Unser zweites Album "Putrefying Illusions" wird Mitte diesen Jahres auf den Markt kommen. Wäre cool, den einen oder anderen Deathbanger bei einem unserer Auftritte zu sehen! Cheers!

Sascha S.: Ich für meinen Teil werde beim Party.San in der ersten Reihe stehen... versprochen!!!

 
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