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 Interview mit Martin Thim von Exmortem
 
  Das Interview führte: Markus Z. am 10.12.2008



Diablo3 Gold von RandyRun
Neben Illdisposed bilden die schon seit 1992 aktiven Exmortem sicherlich die Speerspitze der Dänischen Death Metal-Bewegung. Auch wenn zwischen dem letzten Album "Nihilistic Contentment" und dem aktuellen Brecher "Funeral Phantoms" drei Jahre liegen, sind die finsteren Schergen doch stets eine Konstante geblieben, auch wenn sich die Musik mittlerweile vom durchrasenden Blast-Death Metal zu einer weitaus variantenreicheren, atmosphärisch dichteren Death Metal-Form gewandelt hat. Jedenfalls weiß mich "Funeral Phantoms" vollends zu überzeugen, daher klopfte ich mal freundlich bei Gitarrist Martin "Sigtyr" Thim an, um ein wenig Licht ins Dunkel der "Begräbnis-Phantome" zu bringen.

Markus: Hallo, Markus von Metal.tm hier. Glückwunsch zu "Funeral Phantoms", ein wirklich beeindruckendes Album. Zwischen "Funeral Phantoms" und seinem Vorgänger "Nihilistic Contentment" liegen drei Jahre. Warum hat es so lange gedauert?

Martin: Hi Markus, einfach gesagt sind wir sehr stolz auf das neuen Release, und es ist toll dass uns die Leute so großartige Reaktionen dafür geben! Nach "Nihilistic..." wurde es mir richtig klar, dass wir unsere Richtung ein wenig ändern mussten, deshalb haben wir uns viel Zeit gelassen, sozusagen die zukünftige Vision für die Band herauszuschälen. Ausserdem brauchten wir einfach eine Pause und unser Drummer war ein Jahr lang weg. Du weisst schon, ein Ding kam zum Anderen.


Markus: Bereits beim ersten Durchlauf von "Funeral Phantoms" wird klar, dass ihr viel mehr Wert auf Abwechslung legt als früher, gerade auch vom Tempo her. Was hat euch dazu gebracht, diesen Pfad in Richtung oftmals langsamerer, variierterer Klänge zu beschreiten?

Martin: Die Vorstellung, die wir von dieser Band haben ist es, wirklich gute Musik zu machen und wir möchten uns auf Stimmung und Atmosphäre konzentrieren, um das Death Metal-Feeling zu schaffen, nach dem wir suchen. Die Abwechslung, die Tempi, das Riffing etc müssen Teil unseres Sounds sein. Früher spielten wir richtig schnelle Musik, um die extremste und chaotischste Art von Death Metal die wir zu schaffen in der Lage waren zu fabrizieren, aber wir wissen jetzt, dass wir sogar noch extremere Musik machen können, in dem wir andere Einflüsse ebenfalls miteinbeziehen.

Markus: Erzähle uns etwas über die Aufnahmen. Soweit ich weiß, habt ihr "Funeral Phantoms" selbst produziert und habt nur beim Mischen und Mastern Hilfe bekommen. Ist es nicht ein hartes Stück Arbeit, Musiker und Produzenten in Einem zu sein? Ganz zu schweigen von all dem guten Aufnahme-Equipment, das man braucht...

Martin: Wir hatte eine klare Vorstellung vom Album und auch vom Sound, daher wussten wir, was wir wollten und was wir tun mussten, aber es war viel Arbeit und dauerte auch viel länger als gedacht. Wir landeten am Ende in drei verschiedenen Orten und gingen zum Mischen an einen vierten, aber das Resultat wurde so wie wir wollten und es macht wirklich keinen Unterschied ob der Raum in dem du aufnimmst blau ist oder rot, solange du weisst was du willst. Jedenfalls war es großartig die Zeit zu haben, um verschiedene Sachen auszuprobieren. Dieses Mal hatten wir die Vocals nicht vorbereitet, die Lyrics waren zwar schon geschrieben aber wir hatten bevor wir ans Aufnehmen gingen noch nicht entschieden, welche Texte wir für welchen Song benutzen würden. Es war wirklich cool auf diese Weise zu arbeiten, es blieb alles wirklich frisch.


Markus: Das Artwork ist richtig geil, es kooperiert perfekt mit den Stimmungen, die die Musik vorgibt. Wer ist der Gasmasken-Typ auf dem Cover, und für was stehen er und die anderen Gestalten im Booklet im Hinblick auf das Album?

Martin: Danke, wir sind auch sehr zufrieden mit der visuellen Seite, da sie perfekt zur Musik passt. Ich habe mit der Idee dafür sehr lange herumgespielt bevor das Artwork so wurde wie es sollte, aber ich bin sehr stolz auf das Ergebnis. Der Typ mit der Gasmaske ist einer unserer Phantome, wir nennen ihn den "General". Er ist quasi der Anführer des Packs. Wenn der Tag gekommen ist, an dem er vor dir steht, dann weisst du, es ist mit Sicherheit aus und vorbei! Jede der Kreaturen im Booklet steht für eines der Phantome.


Markus: Der Stil des Riffings auf "Funeral Phantoms" ist ziemlich einzigartig, denn es ist von stereotypem Death Metal-Geschredder weit entfernt und spielt viel mehr mit unterschiedlichen Akkorden, Grooves und Tonbeugungen und hat nebenbei eine mächtige Tiefe und Klarheit aufzuweisen. Geht atmosphärische Dichte vor den üblichen Wettlauf um mehr Geschwindigkeit und technische Wichserei, für die der Death Metal heutzutage oft steht?

Martin:Unser größtes Ziel ist es, echten Death Metal mit Feeling und Atmosphäre zu erschaffen, daher ist es sehr geil, dass die Leute das in diesem Album erkennen. Ich kümmere mich nicht um Geschwindigkeit oder technische Wichserei, wie du es so schön nennst, hehe. Es geht nur darum, gute Songs zu schreiben, das vergessen heutzutage viele Bands aus dem Genre. Wir stecken viel Arbeit in jedes einzelne Riff. The Riff is King!


Markus: Wie läuft bei Exmortem das Songwriting ab, und was sind für euch die Einflüsse, um kreativ zu sein?

Martin:Man kann von vielen unterschiedlichen Dingen beeinflusst werden, und das variiert von Person zu Person, da bin ich mir sicher. Jedenfalls arbeiten wir dieser Tage viel zusammen an dem Material. Früher habe ich fast alles allein gemacht, aber jetzt steuern Andreas (Gitarre) und ich jeweils 50% des Riffings bei, dann wird alles im Proberaum mit Kim (Bass) und Morten (Drums) zusammengebaut. Wir arbeiten nun schon lange genug zusammen um zu wissen, wann etwas richtig klingt. Ich muss aber sagen dass das Riffing natürlich extrem wichtig ist, denn um die Riffs bauen wir alles andere herum.


Markus: Lass uns mal über die lyrische Seite von "Funeral Phantoms" reden. Worum geht es da? Am Ende jedes Textes gibt es eine kurze Liner-note über den jeweiligen Song, lässt aber noch Spielraum für eigene Interpretationen. Was ist der Kern der Lyrics? Und wie wichtig erachtest du für Exmortem den Zusammenhang zwischen Musik, Texten und Gestaltung?

Martin:Die Verbindung zwischen Musik, Lyrics und dem Artwork ist extrem wichtig und ich glaube, dass es auf dem Album perfekt passt. Die Texte handeln von vielen Dingen, aber hauptsächlich werfe ich einen Blick darauf, wohin die Welt und die Menschheit steuert und drücke dies durch noch dunklere Lyrics aus. Ich werde von allem beeinflußt - Dokumentationen, Büchern, Zeitungen, sogar anderen Bands... Aber manchmal referiere ich auch direkt aus zum Beispiel Dante (Alighieri, italienischer Dichter des Mittelalters, schrieb u.A. die "göttliche Komödie" - Anm. d. Verf.), aber in einer neuen Art und Weise.


Markus: Wie sehen bislang eure Zukunftspläne aus? Sind eventuell schon Touren geplant, oder arbeitet ihr bereits an neuem Material? Habt ihr bereits eine Vorstellung, wie dieses verglichen mit "Funeral Phantoms" aussehen könnte?

Martin:Wir haben noch nicht angefangen, an neuem Material zu schreiben, aber wir haben so einige Ideen und wir werden unsere neue Richtung zukünftig noch weiter ausbauen. Wir haben in Dänemark einige Shows geplant, suchen aber immer noch nach Möglichkeiten für Touren und Festivals in Europa.


Markus: So weit ich weiss, spielt ihr auch noch in einer Menge anderer Bands, wie beispielsweise Horned Almighty und Black Dementia. Wie schaut es da aus, kann man von diesen Truppen etwas neues erwarten?

Martin: Simon und Kim spielen beide in Horned Almighty (roher, rockiger Black Metal) und haben soeben das neue Album fertig abgemischt. Morten spielt in Spectral Mortuary (brutaler Old-school Death Metal) und Black Dementia (roher und chaotischer Black Metal), aber ich weiss nicht was mit diesen beiden Bands gerade so los ist. Andreas und ich fokussieren uns voll und ganz nur auf Exmortem.


Markus: Um zum Ende zu kommen danke ich dir recht herzlich für diesen kleinen Chat. Deine üblichen letzten Worte?

Martin:Checkt für News und Tourdaten unsere Myspace-Seite (www.myspace.com/exmortem) an. Die Funeral Phantoms werden die Erde beherrschen... Es ist nur eine Frage der Zeit, das Ende ist nahe!


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