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 Interview mit Cult von DeathChain
 
  Das Interview führte: Markus Z. am 31.10.2008






Markus Z.: Servus! Danke dir, dass du dir Zeit nimmst, dieses kleine Interview zu machen. Wie laufen die Dinge denn so im DEATHCHAIN-Camp?

Cult: Hallo Markus! Es läuft alles super, danke der Nachfrage. Zur Zeit betouren wir Finnland bis Ende des Jahres um das neue Album zu promoten. Bisher waren die Gigs alle großartig und wir lieben es, das neue Material zu spielen. Also alles in bester Ordnung.


Markus Z.: Kannst du für die Leute, die nicht viel über euch wissen, eine kurze Zusammenfassung euerer Historie geben?

Cult: Nun, DEATHCHAIN wurde 1997 in Finnland gegründet und haben bislang vier Full-length-Alben veröffentlicht. Ich bin im Januar 2008 zur Band gestoßen, also bin ich quasi der Neue. Ich kenne Corpse (den Gitarristen) aber seit den guten alten Zeiten. Wir spielen schnellen, aggressiven Death- / Thrash Metal, der auch einige Black Metal-Elemente beinhaltet.


Markus Z.: Das neue Album "Death Eternal" ist ein geiler old-school-Blast des Death- / Thrash Metals. In wiefern unterscheidet es sich von den Vorgängern?

Cult: "Death Eternal" kombiniert die besten Aspekte all unserer vergangenen Scheiben und geht auch einen Schritt weiter in das Unbekannte hinein. Es gibt viele Hooks in den Riffs und zwischen den Songs viel Variation. Es führt die kranke Atmosphäre des dritten Albums "Cult Of Death" weiter, aber kombiniert das mit den effektiven Songstrukturen der ersten beiden Alben. Wir finden, es ist definitiv das bisher dynamischste und reifste DEATHCHAIN-Album.


Markus Z.: Wie ich finde, gibt es viele verschiedene Einflüsse in eurer Musik. Death Metal, Thrash Metal, vom Feeling und Haltung her sogar etwas Black Metal, aber alles auf eine erfreulich unmoderne Art und Weise, was in diesen Zeiten sehr frisch und eigen daherkommt. Wie siehst du das? Hörst du dir auch moderne Metal-Formen an, und was bedeutet "Metal" für dich persönlich?

Cult: Corpse ist das Mastermind hinter dem Sound von DEATHCHAIN und er ist derjenige, der die Band in ihre Richtung lenkt. Wir alle fügen unsere Beiträge und persönlichen Einflüsse dem hinzu. Ich denke mal, wir alle stehen auf Death / Black / Heavy / Thrash Metal-Zeug der 70er, 80er und 90er Jahre. Es gibt auch gute neue Bands, aber wenn man nicht gerade die Zeit dafür hat, nach ihnen Ausschau zu halten, versinken sie alle in der Flut nicht so interessanter Releases. Für mich persönlich ist "Metal" ein Kanal um gegen den Status Quo zu rebellieren, ein Kanal, den ich nutzen kann um auf meinem Satanischen Pfad voranzuschreiten. Er gibt mir so viel, dass ich wirklich mich selber dem widmen will, um etwas zurückzugeben, wenn du verstehst, was ich meine.


Markus Z.: Wenn ich mir das schicke Artwork und die Songtitel anschaue, entdecke ich einen starken antiklerikalen, dunklen und okkulten Anstrich darin. Was ist das Konzept hinter den Lyrics?

Cult: Die Texte behandeln vieles aus den Schriften von H.P. Lovecraft, dem Necronomicon usw. Abseits davon beinhalten die Lyrics einiger Songs diese Art symbolischer Kritik an der Menschheit und der Religion, und wie du dir denken kannst, handeln die Lyrics auch vom Tod. Sie werden von unserem Sänger Khaos und von Corpse geschrieben, deshalb möchte ich nicht in die tiefere Bedeutung der Texte eindringen. Aber so kann man´s sehen: Lovecraft, Tod, gegen den Menschen.


Markus Z.: Der letzte Song auf "Death Eternal", "Incantations Of Shub-Niggurath", hat ein leicht orientalisches Feeling, wobei ich finde, dass das ziemlich cool herüberkommt. Wie seid ihr darauf gekommen?

Cult: Corpse und ich haben im Januar angefangen, "Incantations Of Shub-Niggurath" zu komponieren, direkt nachdem ich von Madrid nach Finnland gezogen war. Corpse hatte bereits einige Riffs zusammen, darunter das Eröffnungsriff, deshalb haben wir begonnen, den Song ab dort weiter aufzubauen. Wir wussten sofort, das er ein epischer Song für das Ende des Albums werden sollte, und Corpse hatte von vornherein die Idee des akustischen Intros im Kopf. Aber wir haben diesen Part nie geprobt, bis wir schon dabei waren, das Album aufzunehmen. Der Song ist aber sehr schön geworden der butterweich von einem ins andere Thema geleitet, mit einer orientalischen, mystischen Note.


Markus Z.: In Finnland scheint Metal sehr beliebt zu sein. "Death Eternal" hat in den Finnischen Album-Charts sogar den 13. Platz geschafft. Was glaubst du, woran das liegen mag?

Cult: Metal ist in Finnland momentan richtig groß. Ich denke, das passt in gewisser Weise zur Finnischen Mentalität. Aber zurzeit ist es völlig übertrieben, weil die Medien und die Musikindustrie einfach ihr Ding mit dem Metal durchziehen, dadurch geht natürlich die Originalität und die widerspenstige Attitüde verloren. In Finnland haben wir eine starke Fanbasis aber leider können wir das vom Rest Europas nicht behaupten. Deshalb, lechzen wir danach, in Europa, in den Staaten, in Asien oder sonstwo zu touren, hah!


Markus Z.: Bitte beschreib´ mal den Prozess des Songschreibens bei DEATHCHAIN. Werkelt ihr gemeinsam als Band an den Songs, oder entwickeln nur einzelne Mitglieder die Musik?

Cult: Corpse und ich sind diejenigen, die die Riffs machen, die große Mehrheit kommt dabei von Corpse.



Wenn wir einige Zutaten zusammen haben, stößt Kassara (unser Drummer) bei den Proben zu uns und wir Drei arrangieren dann den Song. Danach denken sich Corpse und Khaos die Vocal-Arrangements aus. Als ich zur Band hinzukam, habe ich mich echt gefreut, dass meine Ideen willkommen waren und ich eine Menge an Verantwortung bekommen habe.


Markus Z.: Der Sound von "Death Eternal" ist in diesen Zeiten als sehr frisch zu bezeichnen. Kraftvoll und klar, aber nicht poliert. Seid ihr mit dem Ergebnis zufrieden? Erzähle uns etwas über die Recording-Sessions. Habt ihr euch völlig auf die Musik konzentriert oder auch mal ordentlich Party gemacht?

Cult: Die Drums haben wir in einem Studio in Kuopio (wo Corpse und ich leben) aufgenommen, danach waren wir mit unserem Soundengineer Jari "Tupi" Tuomainen für 2,5 Wochen in einer Hütte mitten im Wald, direkt an einem See. Es war im Sommer und das Wetter war wirklich schön, ein perfekter Platz um sich völlig von allem zu isolieren und unseren Fokus auf die Kreativität zu legen. Unter der Woche haben Tupi, Corpse und ich aufgenommen, BBQs abgehalten und in der Sauna geschwitzt, und während der Wochenenden kamen die anderen Jungs herüber um ihre Parts aufzunehmen, zu saufen etc. Alles in Allem waren wir sehr fokussiert und die Atmosphäre war durchgehend großartig. Und wir sind mit dem Resultat definitiv zufrieden!


Markus Z.: Lass uns über die Live-Seite von DEATHCHAIN reden. Was können wir erwarten, wenn wir eine DEATHCHAIN-Show besuchen? Sind eigentlich schon Touren geplant?

Cult: Wenn ihr uns live zu sehen bekommt, stellt euch darauf ein, dass eure Ohren bluten und eure Köpfe bangen werden. Jetzt haben wir vier Background-Vocals (Corpse, Kuolio unser Basser, ich und unser besonderer Backing-Vocalist A. Boman) und eine coole Setlist mit viel verschiedenem Material. Wir fühlen uns bei den Gigs stärker als je zuvor. Wie bereits erwähnt, spielen wir bis Ende des Jahres Gigs in Finnland, aber für nächstes Jahr versuchen wir auch außerhalb etwas auf die Beine zu stellen.


Markus Z.: Welche war eure Beste und welche eure schlechteste Show? Kannst du uns ein paar lustige Tour-Anekdoten erzählen? Du weißt schon, dieses Sex-Saufen-Metal-Ding ;-)

Cult: Hehe, ich bin weniger als ein Jahr in der Band, deshalb ist dies eine lustige Frage. Ich habe viele verrückte Stories über ältere DEATHCHAIN-Gigs gehört, besonders über die Europatour mit Destruction und Candlemass. Die Atmosphäre im DEATHCHAIN-Tourbus und Backstage ist, um es gelinde zu sagen, völlig pervers und irre. Für mich ist jede DEATHCHAIN-Show wichtig, egal wie viele Leute zuschauen, obwohl es schon sehr schön ist, wenn ein großes Publikum da ist, die technische Seite gut funktioniert... Letztes Jahr, als ich noch nicht in der Band war und für eine Woche Finnland besucht habe, haben die DEATHCHAIN-Jungs mich danach gefragt, mit ihnen einen Zugabe-Song beim Jalometalli Festival in Oulo zu spielen. Das war großartig, weil DEATHCHAIN nach Rotting Christ und vor Testament spielten. Danach sind wir direkt in den Whirlpool gesprungen. Nicht schlecht, dahin zu fahren, nur um einen Song zu spielen, nicht wahr? Ich hoffe, irgendwann (bald) werde ich auch ein paar coole Stories über Gigs in Deutschland auf Lager haben, wobei die Anderen bereits dort auf Tour waren.


Markus Z.: Wie sehen eure Zukunftspläne aus? Habt ihr schon neues Material geschrieben? Was denkst du, wie sich die Musik von DEATHCHAIN in der Zukunft entwickelt, was können wir erwarten?

Cult: Ich glaube, Corpse denkt sich bereits ein paar Dinge für unser nächstes Album aus, und vielleicht fühlen wir uns nach der Finnland-Tour inspiriert, neues Zeug einzuproben. Wir wissen nicht wie es ausfallen wird, außer dass es tiefer und tiefer in die Abgründe des Wahnsinns führen wird.


Markus Z.: Wo liegen eure Interessen neben dem Metal? Beeinflusst euer Alltag die Musik von DEATHCHAIN in irgendeiner Weise?

Cult: Alle Bandmembers haben heutzutage die unterschiedlichsten Routinen, denke ich mal. Ich lese sehr viel und bin mit meiner anderen Band beschäftigt. Wenn wir proben, oder nach den Gigs oder so, saufen wir und haben eine gute Zeit. Und den Kater kurieren wir, indem wir XBox360 zocken und Dr. Pepper trinken. Weißt du, unser Alltag beeinflusst die Bandangelegenheiten nicht wirklich, weil jeder für sich irgendwie damit klarkommt. Natürlich ist es immer besser, wenn man in einer Situation ist, in der man sich über alltägliche Dinge keine Sorgen machen muss und alle Energie für die Musik übrig hat.


Markus Z.: Jetzt zu einer nicht allzu ernsten, aber doch herausfordernden Frage: Wenn du eine Sache an der Welt ändern würdest, was wäre das? Alkohol billiger machen, Rap-Musik verbieten, oder...? Lass deiner Kreativität freien Lauf, hehe.

Cult: Mich selbst zu verändern, das halte ich für sehr, sehr wichtig. Denn durch Eigenveränderung und esoterisches, alchemisches Wirken, verändert sich auch alles andere und Jedermann genauso. Aber zu deiner Frage... Hmm... Wenn ich irgendetwas an der Welt ändern könnte, ich denke dann hätte jeder Tag 72 Stunden anstatt nur 24. No rest for the Wicked!


Markus Z.: Danke für das Interview und viel Erfolg mit "Death Eternal", es hat mich sehr beeindruckt. Nun gehen die letzten Worte an dich.

Cult: Freut mich, dass dir das neue Album gefallen hat! LIFE ETERNAL, DEATH ETERNAL!
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