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 Interview mit Fenriz von Darkthrone
 
  Das Interview führte Uwe K. am 28.11.2008



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Black Metal ist zugegebenermassen auch nicht mehr das was es mal war. Wo alterwürdige Bands sich scheinbar selber persiflieren, kommt eine Kapelle wie einem gefrusteten Schreiberling gerade recht.
1986 eigentlich als Death Metal-Band gegründet, entwickelte man sich schnell zu einer der einflussreichsten Black Metal-Kapellen weit über die Grenzen Norwegens hinaus, und zählt zu den wichtigsten Vertretern dieser musikalischen Spielart. Trotz der dubiosen Vorwürfen Mitte der 90er seitens eines populären, deutschen Magazins, konnte man sich davon erholen und scheint über die letzten Jahre mit weitaus mehr Eiern in der Hose kontinuierlich, überraschende Platten zu produzieren. Dabei mutierte das Duo Infernale Nocturno Culto und Fenriz während den letzten Veröffentlichungen immer mehr zu einem rotzigen Old School- und Punkrockbastard, die scheinbar die musikalische Entwicklung ab anfang/mitte der 90er Jahre vollkommen in ihrer Holzhütte verschlafen haben.
Aufgrund des aktuellen Werkes "Dark Thrones And Black Flags", welches über Peaceville veröffentlicht wurde, musste zwangsläufig ein Gespräch mit Fenriz her, der seinem Ruf als Bewahrer des handfesten Metals mehr als gerecht wurde. An dieser Stelle möchten wir den Metal-Verdienstorden an einen der schillerndsten und sympathischten Herren unserer Lieblingsmusikgattung vergeben!



Uwe K.: Hell-O! Zuerst einmal Glückwunsch zu eurer neuen Platte. Hatte viel Freude daran, sie mir anzuhören, und darüber hinaus denke ich, dass das Artwork und die Linernotes in eurem Booklet saukomisch sind! Heutzutage scheint sich keiner mehr um das ganze Paket Gedanken zu machen, deshalb ist es eine gute Sache für einen Musikliebhaber, sich die Zeit nehmen zu können und das Booklet zu lesen, während das Album läuft. Würdest du sagen, dass die ganze Musikindustrie nicht mehr so viel Arbeit in ihre Veröffentlichungen steckt wie in den Alten Tagen?

Fenriz: Wenn es in den Alten Tagen darum ging, Arbeit in einen Release zu stecken, lag es einfach daran, dass einige Bands viel an Informationen preisgeben wollten, während Andere es bevorzugten, wenig Informationen unterzubringen.
Das ist aber nicht mein Ding. Mein Ding ist: Jetzt, wo ich mich auch mit der visuellen Seite befasse (von 1996 bis 2006 war ich visuell nicht interessiert), wollte ich unseren Naturbezug und unsere Musikinteressen hervorheben. Ich belasse es dabei so echt, dass es weh tut. Natürlich wollen die Kids Disney-Corpsepaint-Photos, aber davon gab es bereits 1993 zu viele, deshalb will ich, wenn ich jetzt die Booklets mache, dass sich alles nur um unsere Interessen dreht.


Uwe K.: Was ist deine Meinung über die sogenannte Black Metal-Szene anno 2008? Ich meine, Satyricon sind in die Norwegischen Top-Ten-Charts eingestiegen, Gaahl hatte sein Coming-out, Shagrath von Dimmu Borgir heiratete Nicolas Cage's Ex-Frau... Ist der Black Metal noch "böse"?

Fenriz: Wir waren 2005 mit unserer Single "Too Old Too Cold" auch in den Top Ten, in Dänemark auch. Das liegt daran dass das Metal-Publikum sehr treu ist und die Releases direkt auch kauft, sobald sie rauskommen. Satyricon haben dank der Indie PR Company in Norwegen das mega-dicke Geld im Rücken, daher ist ihnen Ruhm und Glück sicher.
Jedenfalls sind wir hier viele Bands in Norwegen, die nie aufgehört haben zu spielen, es ist nur natürlich, dass viele Leute uns kennen und dass wir viele unterschiedliche Fans haben, denn es wäre Fake und künstlich, ein Leben lang immer nur denselben Stil zu spielen, es ist Natürlich sich zu verändern. Sich Nicht zu verändern, das ist christlich.


Uwe K.: Während der letzten Jahre wandelten sich Darkthrone mehr und mehr zu einer Punk-esken Old-school-Metal-Band. Würdest du deine Band mehr als Punk-Band oder als Black Metal Act beschreiben? Oder einfach nur als verdammt Old-School?

Fenriz: Wir spielen quer durch die Metal-Historie, aber keine Stile nach '93, wie Cyber Metal, Nu Metal, Pagan Metal, wie auch immer man die typischen Stile nach '93 nennen mag, wir spielen sie Nich, ich mag sie nicht sonderlich. Ich mag auch keinen modernen Click-Drumsound und Pro Tools oder einfach alles was moderner klingt als Morbid Angel's "Altars Of Madness". Alles was noch mehr nach Plastik klingt (wie 99% des Metal nach 1990) schalte ich einfach aus.


Uwe K.: In Zeiten wo fast jede Band versucht, die bestmögliche Produktion für ihre Scheiben zu haben, klingt eure Produktion mehr nach einem richtig mülligen Demotape, aufgenommen in einem Proberaum der '80er Jahre. Ist das eine Art Statement an die überproduzierte Musik von heute?

Fenriz: Ich hab´ hunderte von 80er Demotapes zuhause und unsere Alben klingen nach guten Demotapes, und nicht wie ein Rehearsal. Vielleicht hast du dir zu viel modernes Plastik angehört, aber ich hoffe nicht. Es gibt eine ganze Sektion im Underground die wie wir klingen, das ist unsere Heimat und wir mögen es roh. Ich verstehe den Punkt nicht, viel Verzerrung auf der Klampfe zu haben wenn du das Endprodukt nicht roh haben willst. Sorry, aber Cradle Of Filth klingen nicht roh, sondern in meinen Ohren einfach überproduziert.


Uwe K.: Ich habe mir über den Tiel des Albums Gedanken gemacht, "Dark Thrones and Black Flags". Siehst du Darkthrone als die "Black Flag" Norwegens (angelehnt an die Amerikanische Hardcore-Punk-Band) oder was ist die Bedeutung des Titels?

Fenriz: Nein, es ist ein Titel, der einfach in meinem Kopf gut klingt. Vor 75 Jahren bedeutete in der Ukraine eine gehisste Schwarze Flagge, dass alle Leute in einem Dorf tot sind.


Uwe K.: Black Metal war immer naturverbunden. Wo sind deine Lieblings-Wanderplätze?

Fenriz:Das sind 1560 Quadratkilometer Wald in Norwegen. Typischer nördlicher Wald, wo Tannenbäume vorherrschend sind. Das ist meine Lieblingsnatur. Dieses Jahr hatte ich 36 Zelt-Trips von April bis September, das ist ein neuer Rekord.



Uwe K.: Vor ein paar Wochen bin ich mit ein paar Kumpels im Fockenbachtal-Wald nahe Koblenz hier in Deutschland gewandert.Obwohl die Umgebung atemberaubend schön war, hatten wir ein wenig Angst, uns zu verlaufen, von Wildschweinen attackiert zu werden oder zu verhungern. Kannst du unseren Lesern ein paar Survival-Tips geben?

Fenriz: Yeah, die Wildschweine sind ein Problem, bisher hatten wir keine, aber sie kommen nun von der Schwedischen Grenze herüber, was bedeutet, dass wir eine Strategie finden müssen, uns in den Nächten abzusichern und unsere Verpflegung sicher zu verstauen. Das ist auch die einzige Gefahr in diesen Teilen der Wälder, außer dass man Elche nicht verärgern sollte. Um Oslo herum gibt´s auch keine Bären, nur ein paar verstreute Wölfe, die aber nicht gefährlich sind.


Uwe K.: Ich habe gehört, dass man in Norwegen an Büdchen und Kiosks aufgrund der stark christlich beeinflussten Politik kein Bier kaufen kann? Ist diese christliche Politik der Grund, warum so viele Black Metal-Bands die Kirche hassen?

Fenriz: Christen haben keine Macht über mich, aber es ist wirklich ärgerlich mit den Beschränkungen des Bierverkaufs. aber: Oslo wird immer mehr zu einem Scheißloch und es würde mit 24-Sunden-Alkoholverkauf nur noch viel schlimmer.
Jesus hat in unserer Metal-Welt nichts zu sagen, aber moderner Metal ist das Problem. Daher ist Darkthrone eine Alternative zu den Horden moderner Metal-Gruppen. Wir bekämpfen sie mit Bands wie:

    Repellent, Hevn, Coffin, Hellshock, Razor Fist, Trench Hell, Whip, Chemikiller, Hellrealm, Hellish Crossfire, Banished Force, Slogstorm, Enslaved, Blüdwülf, Death Beast, War Crimes, Bastardator, Creep Colony, Tyrant, Nattefrost, Corrupt, World Burns To Death, Nekromantheon, Enforcer, Nocturnal, Jex Thoth, Deathroner, Sonic Ritual, Mäniac, Morne, Alpha Centauri, Demons Gate<7b>, Doomed Beast, Resistance, Karnax, Evil Army, Witch, Virus, Aura Noir, Orcustus, Lonewolf, The Devils Blood, Farscape, Vomitor, Old, Deathhammer, Em Ruinas, Salute, The Batallion, Zemial, Gasmask Terrör, Eidomantum, Portrait...
Das sind alles aktive Bands, die ich unterstütze.


Uwe K.: Wird es irgendwie die Möglichkeit geben, Darkthrone in naher Zukunft Live zu sehen, oder bevorzugt ihr es, eine Studioband zu sein?

Fenriz: Abgesehen davon dass wir die Cafes von Travemünde von April bis Juni 2009 bereisen werden, werden wir wie üblich nur Studioalben machen. Seit ich ein Kid in den 70ern war, war es mein einziger Traum, Alben aufzunehmen. Nicht live zu spielen. Ich hasse Menschenansammlungen, und dann für Menschenmassen spielen? Nein danke! Wir sind wie Bathory - No Live!


Uwe K.: Es scheint, dass viele Metalheads und Punks nicht gut miteinander auskommen. Es ist fast unmöglich, Metalfreaks auf Punk-Konzerten zu sehen und umgekehrt. Wie ist die Underground-Szene da in Norwegen, sind die Kids dort vereint?

Fenriz: In den 80ern wurden Voivod mit einem Mix aus hässlichem Punk und Metal berühmt. Die 80er Metal Szene war da ganz klar die Beste. Wenn eine Band heute Alben wie Voivod´s "War And Pain" oder "Rrroooaaarrr" herausbringen würde, würde sie den Underground niemals verlassen. Das ist der Beweis, dass die heutige Szene, geschwächt nach allem was in den 90ern so passierte, ausgewimpter, seelenloser und geschichtsloser ist. Das schließt auch das Publikum, den Markt und den "Overground" mit ein.
Der Underground der frühen Metalstile ist nach wie vor roh und voller Seele. Nachdem die Berliner Mauer abgerissen wurde, bauten die Metal-Stile Mauern zwischen die Genres. Nur Death Metal-Leute auf Death Metal Shows etc.
In den 80ern war es natürlich, dass alle rotzigen Stile interagierten. Das jedenfalls ist meine Heimat.
In Norwegen hörten zumindest die alten Black Metal-Leute immer nur das was sie wollten, es gab keine Regeln. Ausser keinen modernen Metal zu hören, hahahahaha.


Uwe K.: Mir ist, wenn ich so ins Booklet schaue, aufgefallen, dass ihr es mögt, ziemlich viel über alte Bands und Scheiben zu erzählen. Nun, da der Oldschool-Thrash Metal wieder lebt, welche Band aus früheren Zeiten würdet ihr gerne wiedervereint sehen?

Fenriz: Hahaha, ich bin auch gegen Re-Unions. Wenn eine Band aufhört... nun, ich denke dann gibt es auch einen Grund warum sie das tut. Jedenfalls schaue ich mir große Bands nicht live an, wenn ich nicht unbedingt MUSS (Pflicht-Gigs, weil ich die Leute in der Band kenne... ich versuche jedenfalls trotzdem immer davon wegzubleiben).
Ich würde mich eher auf Bands fokussieren, die niemals aufgehört haben, aber auch nie groß geworden sind. Wie Sadistic Intent. Nun, DAS ist eine großartige Band!
Über Re-Unions kann ich mich nur kaputtlachen. Und wenn die versuchen, etwas wie ihre alten Sachen aufzunehmen, dann haben sie nicht mehr die Eier, Fehler zu machen, einen rohen Sound zu haben. Stattdessen nutzen sie die Hilfe moderner Technologie und werden so ultra-langweilig.


Uwe K.: Danke für deine Zeit, mach´s gut!

Fenriz: Danke dass DU dir die Zeit genommen hast. Sorry, dass ich so ein angepisster Typ in Sachen moderner Metal bin, aber ich habe meinen geliebten Thrash Metal so um 1988 / 1989 sterben sehen, dann Death Metal 1990 / 1991 und danach den Black Metal seit 1994. Ursprünglich hatten diese Stile ROHEN Sound, nun haben fast alle einen modernen Sound.
Mach´s gut!

UND VERGISS NICHT, MANILLA ROAD ZU HÖREN!!!


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