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 Interview mit Darkane
 
  Das Interview führte: Uwe K. am 20.01.2009



Was einen nicht umbringt, macht einen bekanntlich nur noch stärker. Diese Floskel könnte besser nicht passen als auf die schwedischen progressiv Thrasher von Darkane. Schon seit knapp einer Dekade unterwegs avancierte man prompt mit dem ersten Release "Rusted Angel", damals auf War Music, zum Kritikerliebling. Nur, was die Presse mag muss nicht zwangsläufig beim Konsumenten auf Gegenliebe stossen, womit diese Ausnahmeband trotz behaarlichen Veröffentlichungstakt immer noch einen vermeintlichen Undergroundstatus inne hat.

Ebenfalls schwer gebeutelt durch insgesamt drei Sängerwechsel in der Bandhistorie konnte man trotzallem dank der konsequenten Arbeitsweise und Steigerung der eigenen musikalischen Identität dieses, für einige Bands eher tödliches Dogma, ohne grössere Blessuren verkraften.

Mittlerweile erfreuen sich Darkane dank der steigenden Offenheit der breiten Masse für technischanspruchsvollere Klänge immer grösserer Beliebtheit und dank des Lizenzdeals mit Massacre Records in Europa für das aktuelle Werk "Demonic Art" dürfte mit promotieller Wirkung auch der letzte Dorfmetaller endlich in den Genuss des Klangkosmos der Schweden kommen.

Um soviel Engagement zu unterstützen schickten wir Gitarrenvirtuosen Christofer ein paar Fragen, um die Bandgeschichte und das leidige Thema Musik"business" ein wenig näher zu beleuchten.


Uwe K.: Zuerst einmal herzlichen Glückwunsch zum zehnten Band-Jubiläum! Wenn du auf eure Karriere zurückblickst, was war der beste und was der schlimmste Moment, an den du dich erinnerst? Habt ihr irgendetwas Besonderes geplant, um diesen persönlichen Event zu feiern?

Christofer: Danke! Ich denke, der beste Moment war Anfangs, als wir für diese wirklich riesigen Festivals gebucht wurden, wie das Dynamo Fest, wo wir vor 15.000 Leuten spielen konnten. Dann für unsere Japan-Tour 2002 gebucht zu werden, mehr noch, unsere erste Amerika-Tour 2005. Die schlimmste Zeit hatten wir wohl 2004, als Peter derart Schmerzen in den Händen bekam, dass er für fast ein Jahr keine Drums spielen durfte
.Wir wollten zu unserem Zehnjährigen eigentlich eine Live-DVD herausbringen, aber Nuclear Blast wollte, dass wir bis zur Veröffentlichung von "Demonic Art" damit warten, aber hoffentlich wird das Teil noch bis Sommer 2009 veröffentlicht.


Uwe K.: Nach all den Jahren sind Darkane immer noch eher eine Underground-Band, obwohl ihr mit fünf Veröffentlichungen im Gepäck doch recht produktiv wart. Denkst du, es wäre für euch wichtiger, mehr auf Tour zu gehen so dass ihr von der Metal-Szene noch mehr Beachtung bekommt?

Christofer: Das wäre es vermutlich. Je mehr Präsenz, desto mehr Erfolg... meistens. Aber man kann seinen Lebensunterhalt nicht mit Thrash Metal verdienen, deshalb haben wir alle reguläre Jobs, und daher können wir nicht so viel touren, wie wir eigentlich wollten.


Uwe K.: Es ist auch schon lange her, seit ihr das letzte Mal durch Deutschland getourt seid. Wann können wir ein paar Shows von euch in unserer Gegend erwarten, oder habt ihr schlechte Erfahrungen mit vergangenen Deutschland-Shows gemacht?

Christofer: Wir haben nur gute Erfahrungen in Deutschland gemacht, ausser dass ich mich vor der Show in München versehentlich Backstage eingeschlossen habe, während bereits das Intro lief. Aber ich habe es dann doch noch auf die Bühne geschafft. Ich weiss nicht wann wir das nächste Mal in Deutschland spielen werden, wir haben Anfang 2009 eine USA-Tour geplant, so können wir hoffentlich ein paar coole Sommer-Festivals spielen oder vielleicht auch eine Tour im Herbst.


Uwe K.: Ihr habt einen neuen Sänger am Start. Während andere Bands sich nach dem Verlust ihres Frontmanns auflösen, macht ihr konstant weiter ohne irgendwelche Blessuren davonzutragen. Sind die instrumentalen Parts wichtiger als die Vocal-Parts, um euch zu definieren?

Christofer: Ich würde nicht sagen, dass sie wichtiger sind. Peter, Klas und ich sind diejenigen, die immer die Musik schreiben, und darauf fokussieren wir uns von Anfang an. Wenn die Musik dann geschrieben ist, beginnen wir an den Vocals zu arbeiten, meistens im Studio zusammen mit dem Sänger. Und da wir die Songwriter sind verändert sich der Stil von Darkane mit einem neuen Vokalisten nicht sonderlich, aber natürlich ist es trotzdem sehr wichtig einen guten Sänger zu haben, der die Musik versteht.


Uwe K.: Du hast eine eigene Website, auf der du für viele Darkane-Songs Tabs veröffentlichst. Gibt es deshalb irgendwelche Pläne, einen dritten Gitarristen ins Line-up zu rekrutieren, wie die mächtigen Iron Maiden?

Christofer: Was??? Nein! Würden wir denn einen weiteren brauchen?


Uwe K.: "Demonic Art" wurde in Europa von Massacre Records veröffentlicht, lizensiert von eurem Langzeit-Label Nuclear Blast. Ist ein solches Konzept deiner Meinung nach effizienter, um Bands besser zu unterstützen und den massiven Downloads im Netz entgegen zu wirken?

Christofer: Keine Ahnung wegen der Downloads, denn es ist egal auf welchem Plattenlabel du bist. Es findet immer alles irgenwie seinen Weg ins Netz. Nuclear Blast Europe wollten uns an Massacre lizensieren, da sie uns nicht die Priorität geben konnten die wir und sie wollten. Daher nahmen sich Massacre unserer an, um uns mehr Stellenwert einzuräumen und darüber sind wir sehr glücklich. Nuclear Blast betreut uns aber immer noch in den Staaten.


Uwe K.: Gibt es ein tieferes Konzept auf "Demonic Art"? Wenn man sich eure älteren Scheiben so anschaut, so scheint es, dass sich jedes Album mit einem spezifischen Thema befasst.

Christofer: Es gibt drei verschiedene Textschreiber auf "Demonic Art" und jeder hat seine eigene Vorgehensweise bei den Lyrics, daher gibt es nicht so wirklich ein Konzept. Peter und ich mögen es, über dunkle, geistige Verzweiflung zu schreiben, während Jens auf dem Album über Religiöses Zeug schreibt. Der Song "Demonic Art" ist eine Fortsetzung des Songs "Organic Canvas" von unserem vorherigen Album "Layers Of Lies". Es geht um einen kranken Typen der Kunst aus Körpern kreiert. Jetzt ist er im Gefängnis, und der Text beschreibt seinen Drang, rauszukommen und seine Mission fortzuführen.


Uwe K.: Auf eurem ersten Album "Rusted Angel" handelte der Song "July 1999" von den Prophezeihungen des Nostradamus und dem vorhergesagten Ende der Welt. Jetzt - immer noch am Leben, gesund und munter - frage ich mich, warum ihr keinen Song über das Ende des Maya-Kalenders für 2012 schreibt, welches auch so einige Leute beunruhigt?

Christofer: Davon wusste ich ja gar nichts. Ich muss das mal anchecken. Es war aber mein Vater, der die Lyrics zu "July 1999" geschrieben hat, weil ihn das Thema sehr interessiert hat. Er wollte dass wir es tun, da aber nichts passierte entschied er sich, das Teil selbst zu verfassen, was unserer Meinung nach ziemlich cool war.


Uwe K.: Es gibt ja Pläne für eine DVD in 2009. Was können wir erwarten, eine Art visuelle Biografie oder das "Übliche" - Live-Dokumentation und Behind the Scene-Zeug?

Christofer: Es ist nur der übliche Kram... Hahaha! Sorry! Nein, aber ich denke wenn man ein Darkane Fan ist wird man diese DVD sehr interessant finden. Sie beinhaltet eine einstündige Show, gefilmt mit acht Kameras und professionell aufgenommen. Dann gibt es eine 45minütige Dokumentation mit Material aller Studio-Recordings die wir bis "Layers Of Lies" gemacht haben und es gibt 40 Minuten Tourmaterial, dass Vieles, das wir mit unseren eigenen Videokameras gefilmt haben, beinhaltet. Zum Beispiel gibt es einen Song von unserer allerersten Live-Show 1998, Clips von unseren Touren in Japan, Israel, Europa und den USA. Es wird wie eine Darkane-Bibel für den treuen Fan.


Uwe K.: In anderen Interviews sinnierst du oft über "Fast-Food-Metal". Welche neuen / modernen Bands empfiehlst du unseren Lesern, oder bist du komplett Old School und kümmerst dich nicht um musikalische Trends seit den frühen bis mittleren Neunzigern?

Christofer: Ja, das ist mein neuer Lieblingsausdruck. Leider, und das ist etwas auf das ich nicht sonderlich stolz bin, mag ich fast nie etwas neues, das ich zu hören bekomme. Das ist Scheisse, denn nichts ist mehr aufregend, es sei denn es sind Bands die ich über Jahre gemocht habe, die ein neues Album herausbringen. Ich meine nicht, dass alle neuen Bands Fast-Food-Metal fabrizieren, aber irgendetwas ist mit meinem Geschmack geschehen, was ich nicht erklären kann. Mit Fast-Food-Metal meinen wir, dass wir nicht wollen dass unsere Hörer unsere Musik nebenbei leicht konsumieren und danach direkt wieder vergessen, sondern eher dass sie anfangs ein wenig damit zu kämpfen haben bis sie sie mögen und dann bleibt das hoffentlich ein wenig länger erhalten. Wir hören oft, dass Leute um die zehn Durchgänge des Albums brauchen, bis sie es mögen und ich denke, das ist vielversprechend, denn sie werden somit nicht so schnell müde davon. Aber gleichzeitig verfehlen wir so potentielle Fans, die früher aufgeben könnten. Das ist das Darkane-Dilemma.


Uwe K.: Zurück zum "Fast Food": Was ist deine Leibspeise?

Christofer: Ich würde sagen, Mexikanisches Essen, so wie Tacos. Das ist nicht besonders anspruchsvoll, aber es macht mich immer glücklich wenn es auf der Karte steht.


Uwe K.: Alright, das war´s: Irgendwelche letzten Worte?

Christofer: Verehrt den Satan, bleibt dem Death Metal treu und verbreitet den Hass!!! ...Nur ein Späßchen. Behandelt jeden so, wie ihr selbst behandelt werden wollt, und bitte checkt unser neues Album "Demonic Art" an! Stay Metal!








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