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Interview mit Ollie von Cytotoxin

Interview mit Ollie

Das Interview führte:
Sascha S. am 24.08.2011 

Nachdem das erste Interview mit Sänger Grimo irgendwie abgedriftet ist (Cheers!) hier nun der zweite Versuch mit Drummer Ollie.

Sascha S.: Wie steht's im Hause Cytotoxin? Ihr habt ja für das erste Album ganze neun Monate gebraucht von Gründung bis Release. Da stellt sich schon fast die Frage ob die nächste Scheibe schon fertig ist?

Ollie: Hallo Sascha! Erst einmal danke, dass du uns hiermit die Möglichkeit gibst, ein Interview für metal.tm durchzuführen. Eure Seite ist einfach geil, immer schön aktuell und übersichtlich - sowas braucht unsere Metalwelt! Was Cytotoxin angeht: Wir sind eine sehr ehrgeizige Truppe und stets am werkeln. Aktuell arbeiten wir am 5ten und 6ten Song der neuen Platte und das Recording soll sich im Frühling nächsten Jahres abspielen. Wir hoffen diesmal, dass wir uns bis dahin endlich ein richtiges Tonstudio leisten können, da wir alle noch Studenten sind und leider noch kein Label im Rücken haben. An dieser Stelle möchte ich aber vor allem all unseren Fans danken, die bisher auf jedem Live-Konzert für eine unvergessliche Stimmung gesorgt haben. Gerade diese Leute sind der Grund weshalb wir für das kommende Album noch intensiver und brutaler zu Werke gehen werden als bisher! Danke dafür!

Sascha S.: Wieso habt ihr euch das Thema Tschernobyl rausgesucht? ihr seit doch alle ziemlich jung, Grimo kommt z.B. aus dem Vizemeisterjahr 1986 in dem die Katastrophe stattgefunden hat. Wäre nicht der 11te September oder was auch immer als Thema logischer gewesen?

Ollie: Die Thematik Tschernobyl und dessen Folgen stand schon weit vor der Gründung der Band fest. Ich hatte vor einigen Jahren ganz einfach die Idee, die im Metal üblichen Topics über Bord zu werfen und etwas neues zu versuchen. Die Geschehnisse rund um das Tschernobyl-Desaster sind extrem komplex und die Folgen bis heute wahrnehmbar. Vom menschlichen Versagen und Fehlentscheidungen angefangen, bis hin zur Wissenschaft und Technik sowie den politischen Geschehnissen ist es für uns einfach ein extrem spannendes und vielseitiges Themengebiet, welches jedoch auch sensibel behandelt werden muss. Irgendwann sprach ich mit Grimo über die Sache, der sich sofort interessiert zeigte und auch die Entstehung der Ambients vorantrieb, die diese Thematik sehr unterstützen. Der 11. September ist eine sehr heikle Sache. Ich bin gegenüber den Stellungnahmen der amerikanischen Regierung und den Medien sehr misstrauisch. Das Thema hat zwei Seiten, aber ich glaube,das was sich wirklich abgespielt hat, wissen möglicherweise nur sehr wenige und die Wahrheit wird wohl nie ans Tageslicht kommen. Genau das macht es so schwierig, sich darüber musikalisch zu äußern. Wir sehen uns mit unserer Thematik auch nicht als Atomkraftgegner/ -befürworter, sondern möchten einfach das musikalisch wiedergeben, was damals geschah und auf die Umstände hinweisen, die letztendlich zu dieser schrecklichen Katastrophe geführt haben.

Sascha S.: Also werdet ihr das Thema weiterführen?! ihr seid ja auch ziemlich daran gebunden oder Ihr besorgt euch ein neues Logo... um mal auf die Gasmasken zu sprechen zu kommen. Habt ihr mit dem Logo nicht die Befürchtung evtl. in die EBM/Industrial Szene gesteckt zu werden? Wie steht ihr denn überhaupt so zu anderen Musikrichtungen?

Ollie: Der Bandname und das Logo sind universell, jedoch werden wir die Thematik Tschernobyl weiterverfolgen, da sie extrem inspirierend ist und noch viel dazu gesagt werden muss. Grimo hat sich dafür extra neue Bücher besorgt und schreibt gerade die Texte für das kommende Album, während Fonzo und ich in unserer WG und mit V.T. im Proberaum an den neuen Songs feilen. In welche Szene uns die Leute stecken ist uns vollkommen egal. Aufgrund unserer Musik werden die Leute aber nicht auf die Idee kommen, uns in irgendeine "EBM- Szene" zu stecken. Wir sind im Death Metal zu Hause, haben jedoch alle einen sehr breiten Musikgeschmack. Das kann nur gut sein um neue Spieltechniken und Einflüsse zu gewinnen.

Sascha S.: Ist Fukushima ein Thema oder wird es vorerst bei Tschernobyl bleiben? Eigentlich ist es eh schade das die Texte bei den Vocals untergehen. Wenn man sich die einmal näher zu Gemüte führt haben die ja doch ziemliche Aussagekraft.

Ollie: Grimo gibt sich immer sehr viel Mühe beim Verfassen der Lyrics. Aufgrund des Gesangs ist es gar nicht immer so leicht, die passenden Wörter zu finden, die dann auch gut klingen. Grimo ist für uns eher eine Art stimmliches Instrument, welches die Wucht und die Brutalität der Musik perfekt unterstützen muss. Für mich ist er ein Naturtalent, da ich keinen anderen Sänger kenne, der so extrem ausdauernd, laut und hoch schweinepfeifen kann :). Leider haben wir nicht die Erfahrung und die finanziell technischen Möglichkeiten gehabt, das auf Platte so umzusetzen, wie es live klingt. Fukushima ist ein noch sehr junges Ereignis und daher schwer zu recherchieren. Wir haben wie gesagt mit dem Topic Tschernobyl noch einiges vor.

Sascha S.: Wieso stehen eigentlich nur vier Mitglieder auf eurer Homepage... wo ist LO und wieso hat nur Grimo so eine Hightech-Gasmaske? Ihr Anderen seht aus wie mutierte Schnorchels oder so...

Ollie: Lo ist ein langjähriger Freund von Grimo und einer der krassesten Typen die ich je kennenlernen durfte. Grimo und er hatten ein früheres Projekt namens "Dementedly". Lo ist selbstständiger Akkordmetzger, wird wieder Vater und baut gerade ein Haus. Leider kam er kaum noch zum Üben und war oft bei Proben durch seinen harten Job voll fertig, sodass wir uns von Ihm trennen mussten. Die Gasmasken die wir im Hintergrund tragen sind russische Schutzmasken vom Typ M41. Grimo versuchte anfangs damit zu singen und besorgte sich dann ein Exemplar mit mehr Platz. Letztendlich kamen wir aber zum Entschluss, dass wir ohne Masken auftreten. Auf den Bildern sollen sie lediglich zur Thematik beitragen.

Sascha S.: Was treibt ihr sonst so den lieben, langen Tag wenn ihr nicht gerade die Welt zu Grunde knüppelt?

Ollie: Also ich selber bin sehr beschäftigt mit meinem Maschinenbaustudium und meinem Job an unserer Professur. Zudem schreibe ich gerade an meiner Studienarbeit. Viel Zeit bleibt also nicht wenn man bedenkt, dass man dabei noch vier mal in der Woche zum Kraftsport geht, jeden Tag Schlagzeug übt und dazu noch zwei mal die Woche probt. Bei den Jungs sieht es zeitlich ähnlich knapp aus: V.T. hat gerade seine Bachelorarbeit in Technikkommunikation abgegeben und Grimo macht im Rahmen seines Sportwissenschaftsstudiums gerade ein Praktikum. Fonzo studiert Automobilproduktion und hat ebenfalls einen Nebenjob an der Uni. Wenn wir am Wochenende mal Zeit haben unternehmen wir etwas als Band zusammen. Auch Grimo betreibt Kraftsport, sodass wir uns auch oft gemeinsam die Hanteln in die Fresse knüppeln. ;)

Sascha S.: Sind Auftritte auf Festivals oder speziell im Ausland geplant? Irgendein bestimmtes Ziel für 2012 anvisiert?

Ollie: Also wir freuen uns sehr, dass wir bisher das Gahlen Mosht Open Air 2012 bestätigt bekommen haben. Wenn man bedenkt, dass dort dieses Jahr Größen wie Krisiun oder Vader gespielt haben, ist das für eine junge Band wie uns schon sehr geil! Unser Ziel ist es, irgendwann einmal auf dem M:O:A und dem Death Feast Open Air zu spielen. Außerdem denken wir fürs kommende Jahr über mehr Gigs in den alten Bundesländern nach, sowie eventuell in Tschechien oder den Niederlanden. Finanziell sind solche weit entfernten Gigs, sowie das geplante Recording der neuen Scheibe ohne Unterstützung jedoch extrem schwierig. Wir hoffen dass sich unsere Live-Shows in der Szene rumsprechen. Eine CD aufnehmen mit allen möglichen technischen und klanglichen Finessen kann heutzutage jeder. Viele Bands, gerade im extremen Sektor, haben top produzierte Alben, können dies in Realität jedoch gar nicht umsetzen oder bringen keine Power auf die Bühne.

Sascha S.: Ihr habt keine Shirts im Shop? Ist da was geplant oder kann man sogar schon welche auf euren Konzerten kaufen?

Ollie: Wir haben schon sehr viele Anfragen bezüglich Shirts bekommen. Wir arbeiten gerade am Design. Shirts werden also bald erhältlich sein - im Shop sowie zu unseren Live-Shows. Viele Metalfans sind es von den großen Bands gewohnt, ausreichend Support-Merch kaufen zu können - wir hingegen müssen deren Herstellung, wie unser Debütalbum selber finanzieren. Das ist leider nicht so einfach.

Sascha S.: Wenn du sagst ihr habt viele anfragen... kann man davon ableiten wo ihr am besten ankommt? Ich mein ihr werdet 'ne Fangemeinde zuhause haben und wo noch? Könnte mir vorstellen das die Japaner da wieder ganz vorne mit dabei sind!? Die stehen ja total auf extremes zeug.

Ollie: Unsere CD Bestellungen kommen aus den unterschiedlichsten Ecken der Welt, das freut uns vor allem im Zeitalter der Download-Piraterie. Ich weiß nicht recht wo wir am besten ankommen, ein Youtube-Kommentar ist schnell gemacht und lässt nicht auf direkten Support schließen. Letztendlich zählen die LIVE-Shows und ich denke diese hat bis jetzt kaum ein Besucher bereut.

Sascha S.: Kann man schön auf eurem Youtube-Channel sehen, oder erahnen viel eher. Habt ihr vor ein Video zu machen oder wenigstens eine Liveaufnahme? Die Dinger auf Youtube sind zwar lustig kann man aber qualitativ nicht auf CD pressen wie ich finde.

Ollie: Wir haben die Erfahrung gemacht dass es sich lohnt, jedes mal eine Cam dabei zu haben. Durch den Sound und die schlechten Lichtverhältnisse ist es jedoch nicht immer möglich, gute Aufnahmen für unseren Channel zu bekommen. Wenn die Qualität halbwegs in Ordnung geht, stellen wir etwas online (Cytotoxin auf Youtube)- aber die Aufnahmen sind von vorn herein nicht für eine CD oder so bestimmt. Eventuell kommt nach dem nächsten Album ein Musikvideo.

Sascha S.: Ich habe in meinem Review den Song "RBMK-1000" als mit Musik untermaltes Hörspiel bezeichnet. Liege ich da sehr falsch... ?

Ollie: Nein da liegst du vollkommen richtig. Auf dem Album ist das Stück die Ruhe vor dem letzten Sturm. Diesen Ambient-Stil werden wir auch weiterverfolgen. Wir haben schon einige Ideen für die kommende Platte vorbereitet. Live spielen wir den Song immer mit Vocals, den Fans gefällts und es wird ordentlich geschunkelt.

Sascha S.: Butter bei die Fische! Was ist dein schlimmster/peinlichster Lieblingssong? und wie steht's mit Filmen? "RBMK-1000" könnte man super mit altem Archivmaterial unterlegen und das als Lehrfilm an die Bundeswehr verkaufen...

Ollie: Hehe... so hab ich den Song noch nicht betrachtet! Zu dem Lieblingssong… Naja, ich hör ab und zu die Ursprung Buam... Song von denen gefällig? Der "Zillertaler Bravourjodler"! Kann ich jedem nur empfehlen! ;)

Sascha S.: Welche Musiker/Bands haben euch im einzelnen inspiriert selbst Musik zu machen?

Ollie: Grimo haben rein gesangstechnisch Jan Chris de Koeyer (Gorefest, Angel Ochoa, Cephalotripsy), Frank Mullen (Suffocation) und Piotr "Peter" Wiwczarek (Vader) beeinflusst. Ich glaube Fonzo ist damals durch Bands wie Metallica und AC/DC auf den Metal und das Gitarrenspiel aufmerksam geworden. V.T. ist, als er noch klein war, durch Bad Religion zur Gitarrenmusik gekommen. Darauf hin lernte er Klampfe und spielte in einer Punkrockband. Später merkte er aber, dass Bass einfach bässer ist :). Ich selbst habe als Kleinkind sehr oft Musik mit meinem Vater im Wohnzimmer gehört. Dabei waren Bands wie Toto, The Band, die Dire Straits und Musiker wie Eric Clapton, Sting und viele mehr, die mein musikalisches Gehör geprägt haben. Mit 12 habe ich dann angefangen Klavier zu lernen. Drums spiele ich erst seit 2007 und bringe mir alles selbst bei. Helden für mich sind vor allem Marco Minnemann (ex-Necrophagist), Thomas Lang, Romain Goulon (Necrophagist) und George Kollias (Nile). Ich danke Dir und metal.tm für dieses coole Interview und hoffe, dass wir mal wieder voneinander hören! Lass BALLERN! ;)

 
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