Metal.tm - Musik Community, Portal & Magazin
Interview mit Burial Vault

Interview mit Burial Vault

Nach ihrem Auftritt am 26.04.2013 im JuZ Wittmund fanden sich sämtliche Mitglieder der Papenburger Melodic Death Metal Band BURIAL VAULT irgendwann nach Mitternacht plötzlich in den heimischen vier Wänden von Kollege Sascha S. wieder. Angelockt durch guten Whisky und dem Versprechen auf gute Verpflegung, machten sich die Jungs auf dem Sofa breit, um ein paar Fragen zu beantworten. Bei Oliven, Bier und (schlechten, trashigen) Filmen, die nebenbei liefen, entwickelte sich ein interessantes wie unterhaltsamtes Gespräch, wobei Nüchternheit nicht mehr garantiert werden konnte. Die schriftliche, gekürzte Fassung gibt es im Folgenden für euch hier zu lesen. Wer sich die unzensierte Audiodatei zu Gemüte führen möchte folgt am besten dem folgenen Link: http://www.youtube.com/watch?v=3wfeLndwDNM Viel Spaß!

Malte H.: Ihr veröffentlicht am 24. Mai 2013 euer zweites Album "Incendium". Seid ihr schon aufgeregt? Es ist ja schon ein ziemlich besonderes Album, da es euer erstes Konzeptalbum ist.

Raimund: Ja, auf jeden Fall. Wir haben uns dieses Mal auf jeden Fall mehr Zeit für die Vorbereitung genommen und sind die ganze Sache ein bisschen anders angegangen. Wir haben bei der "Ekpyrosis" ja schon Lieder in Hinblick auf ein Album konzipiert, um die Bandbreite der Band auszunutzen, aber jetzt war es so, dass erst das Konzept erstellt und dann die Musik geschrieben wurde und ich denke, dass es dann mehr so gewesen ist, dass das Konzept eine gewisse "Vorleistung" gebracht hat, in welche Richtung jedes Kapitel musikalisch gehen könnte. Weil wir auch wollten, dass das Konzept hörbar für den Hörer ist, ist der Aspekt dann auch irgendwo mit eingeflossen. Es gibt Melodien, die sich im Prinzip an anderer Stelle wiederholen.

Malte H.: Genau, das ist mir auch aufgefallen. Zu Beginn taucht eine Melodie auf, die in dem Song, den ihr als erstes ausgekoppelt habt, "Catharsis", wieder aufgegriffen wird.

Tobias: Das ist beim zweiten Song "A Blind Follower And A Watchful Hound". Die Melodie taucht bei "Catharsis" wieder auf. Und vom Intro "The Stench Of Burning Thoughts", die Melodie taucht bei "Surveillance Web" wieder auf.

Malte H.: Es ist ja auch so, dass, wenn man sich die Songs oder die Songtexte vom ersten Album anhört, auffällt, dass ihr zum einen sehr sozialkritische Texte habt, und zum anderen das Thema der Gedankenfreiheit im letzten Song der "Ekpyrosis", "Those Things Which Were Thought Can Never Be Unthought", auftaucht. Der Song geht thematisch so in die Richtung, in die das neue Album geht. Gerade weil es der letzte Song der "Ekpyrosis" ist: War das ein kleiner Deut auf "Incendium"?

Raimund: Ich würde dir das so unterschreiben und es ist auch schön, dass dir das aufgefallen ist. Letztendlich war das ja sozusagen unsere eigene Dystopie und jetzt haben wir uns an Fremdmaterial gewagt, das wir als Grundlage für das neue Album genutzt haben.

Malte H.: "Fahrenheit 451" von Ray Bradbury.

Raimund: Richtig, genau.

Tobias: Aber auch bei "Those Things Which Were Thought Can Never Be Unthought" war es bei uns so, dass die Kurzgeschichte zuerst stand und der Song wurde darauf mehr oder weniger angepasst. Der Song an sich ist auch ziemlich komplex aufgebaut, so wie das neue Album eigentlich auch.

Malte H.: "Incendium" ist wahrscheinlich eure bisher vielschichtigste Komposition. Es gibt viele verschiedene Aspekte, die aufgegriffen werden. Zum Beispiel Akustikgitarren und Klargesang. Wie viel Zeit habt ihr insgesamt in das Konzept und das Album investiert?

Raimund: Als die "Ekpyrosis" rauskam muss man dazu sagen, war das Material schon fast zwei Jahre alt. Wir haben sie 2010 aufgenommen und haben zu dem Zeitpunkt auch ein paar personelle Änderungen in der Band gehabt. Es war zum Beispiel so, dass unser ehemaliger Schlagzeuger Daniel aus persönlichen Gründen aus der Band aussteigen wollte. Er blieb jedoch solange bei uns, bis wir jemand neuen gefunden haben, der passt. Es war für uns schon ein schwerer personeller Wechsel, da Daniel von Anfang an dazugehörte.
Wir haben uns mit der Suche dann auch Zeit gelassen, auch bevor wir nach Labels und so gesucht haben. Die Band war erstmal wichtiger als der aussenstehende Aspekt. Und deswegen haben wir ein bisschen Zeit in die Suche nach einem neuen Schlagzeuger investiert und haben noch ein paar Auftritte mit Daniel gespielt, weil er das auch definitiv verdient hatte. Dann haben wir Immo gefunden und haben uns dann eigentlich erst um die weitere Arbeit gekümmert. Somit hatten wir diese ganze Zeit schon, um uns Gedanken zu machen, wo es hingeht. Es gab auch da schon Lieder, die im Raum standen, die wir dann letztendlich sozusagen über den Haufen geworfen haben. Mit Immo hatten wir dann wieder ein festes Lineup und haben dann gesagt, dass es spannend wäre, wenn wir das Gefühl so ein bisschen zusammenschweissen und einfach alle das gleiche Buch lesen und dann bauen wir das Konzept auf. So kann jeder im Prinzip auch seinen Weg zu den Texten finden, die dann ja hauptsächlich von mir oder von Tobias und mir in Kooperation kommen. So können die anderen aber trotzdem irgendwie ihren Senf beitragen. Das war im Prinzip das, was dahinter stand.
Summa summarum haben wir dann irgendwann dieses Konzept aufgestellt, auf dem wir die Musik aufgebaut haben, weil Tobias erst danach wirklich angefangen hat zu komponieren - gezielt auf diese Abschnitte, die vier Kapitel, die wir draus gemacht haben. Aber jeder Song für sich ist ja auch nochmal ein kleiner Abschnitt der Geschichte. Wir haben vorher auch kleine Kurzgeschichten geschrieben.
Zusammenfassend kann man sagen, dass wir eigentlich seit der "Ekpyrosis" daran sitzen und es war schon ein langer Prozess bis dahin.

Malte H.: Wo du die personellen Veränderungen ansprichst. Es ist ja so, dass ihr das neue Album mit Amko, eurem ehemaligen Bassisten, aufgenommen habt. Wie kam es dazu, dass Amko den Bass eingespielt hat, obwohl ihr ja David jetzt fest in euer Lineup aufgenommen habt?

Raimund: Wir sind eigentlich noch ganz regulär mit dem Lineup mit Amko ins Studio gegangen und es war im Prinzip so, dass Amko für seinen weiteren Werdegang gesagt hat, dass er nicht weiß, wie sehr er die Band da mit einbeziehen kann und hat sich in dem Sinne gegen die Band entschieden und ist nach Süddeutschland gegangen. Er hat uns dann im Studio so nach und nach davon in Kenntnis gesetzt und wir haben uns danach dann auf die Suche begeben. Auch wenn das Album im Prinzip jetzt kommt, ist es damals so für diese fünf Personen entstanden, muss man sagen.

Tobias: Es ist ja auch schon vor einem Jahr aufgenommen worden. Ungefähr so. Naja, fast ein Jahr. 11 Monate... [überlegt] 10 Monate... [überlegt weiter] August... September... okay, 9 Monate!

[alle lachen]

Raimund: Jedenfalls im August / September letzten Jahres ist es entstanden.

Malte H.: Also so die Zeit, bevor David fest zu eurem Lineup dazustieß. [an David gewandt] Du warst ja erst nur Live-Bassist.

David: Ja, Session-Bassist. So seit Oktober ungefähr.

Malte H.: Es kam dann ja auch erst später dazu, dass du fest ins Lineup aufgenommen wurdest.

David: Genau, es war erst mehr so als Probe gedacht, um zu gucken, wie gut ich überhaupt in die Band reinpasse, ob das insgesamt überhaupt funktioniert. Und ich bin ziemlich froh, dass sie sich dann letztendlich dafür entschieden haben, mich mit aufzunehmen.

Malte H.: Du bist ursprünglich Gitarrist. Du kommst ja von NAMRASIT, einer Black Metal Band. Hast du vorher schonmal Bass gespielt?

David: Es war so, dass es das erste Mal überhaupt war, dass ich einen Bass in der Hand gehabt habe. Alex hatte mich gefragt und mir dann die Noten für zwei Songs gegeben und die habe ich dann erst mit der Gitarre gelernt, weil ich keinen Bass Zuhause hatte. Erst ein paar Tage später habe ich dann einen Übungsbass bekommen. Und so hat sich das dann langsam entwickelt, aber mittlerweile habe ich das auch ziemlich gut drauf.

Malte H.: Wo wir jetzt so viel über das neue Album geredet haben, mögt ihr kurz das Konzept dahinter erklären? Ich denke mal, nicht jedem ist "Fahrenheit 451" ein Begriff.

Raimund: Für uns war von vornherein klar, dass wir eine Dystopie als Grundlage haben wollten, weil es im Prinzip einen Ausblick auf eine nahe Zukunft gibt, mehr oder minder, und gewisse Entwicklungen im Prinzip jetzt schon spürbar sind. Und das spannende an "Fahrenheit" war, dass das Buch schon seine Jahre auf dem Buckel hat, sich jetzt jedoch aktueller denn je anfühlt.

Tobias: "Fahrenheit 451" wurde ja auch schon 52 oder 54 (53, Anm. d. Verf.) geschrieben und es ist Wahnsinn, wenn man überlegt, was er sich damals schon alles gedacht hat.

Raimund: Das ist wie Orwell mit "1984" mit dem Big Brother im Prinzip...

Tobias: Wir hatten ja auch erst überlegt, das zu nehmen.

Malte H.: Der Faber.

Raimund: Genau, den haben wir im Prinzip auch gestrichen. Aber nicht wegen des Films. [lacht] Wir haben auch gemerkt, dass es zu viel Stoff wird. Wir hätten eine Doppel-CD machen können. Auch die letzten Kapitel des Buches haben so einen gewissen "Öko"-Aspekt, der auch sehr spannend ist. Wo der Protagonist zu den Lesenden oder den Belesenden kommt, die sich all ihre Bücher merken und so... den ganzen Aspekt haben wir ausgeklammert. Unser Konzeptalbum endet damit, dass der Ausblick gegeben wird, dass, wenn dieses Lesen unterbunden wird, eine gewisse Kraft entsteht, weil den Menschen etwas fehlt und das mündet im Krieg. Das ist für uns schon der Abschluss. Das soll auch nicht heißen, dass wir den Rest des Buches als unwichtig erachten, aber irgendwo muss man seine eigene Eingrenzung treffen und es erschien uns so, wie es ist, schlüssig.

Malte H.: Ich denke mal, die Dystopie ist ein sehr aktuelles und wichtiges Thema. Was man auch an einer Band wie Iced Earth, deren letzten Album "Dystopia" heißt, sieht. Ich denke mal, ihr würdet dem zustimmen?

Tobias: Definitiv, ja.

Raimund: Die Dystopie ist auch eine ganz spannende Version der Science-Fiction, weil der Ausblick in gar keine weite Zukunft geht, sondern im Prinzip immer relativ greifbar bleibt. Zumindest bei prominenteren Dystopien. Da gibt es sicherlich auch Unterschiede, aber wie du schon sagtest, es ist da relativ greifbar und wenn man bedenkt, wie viele Jahre diese Dystopien teilweise schon auf dem Buckel haben,ist es unglaublich, was damals schon zwischen den Zeilen vorhergesehen wurde. Fast wie Jules Verne, der von "In 80 Tagen um die Welt" gesprochen hat.

Malte H.: Ihr habt das Album wieder bei Jörg Uken aufgenommen. Wie zufrieden seid ihr mit dem Ergebnis? Ich finde, euer Sound ist ein bisschen voluminöser geworden.

Tobias: Es ist schon ein bisschen perfekter geworden als beim ersten Mal. Wir hatten ja auch mehr Zeit im Studio und man hatte schon ein paar mehr Versuche, um irgendwas einzuspielen. Es war jetzt nicht so wie ein "One-Take-Wonder", einmal spielen und dann passt das schon. Da haben wir uns schon ein bisschen mehr Mühe gegeben und auch beim Sound selber; um speziell den Gitarrensound auszuwählen haben wir uns schon ein paar Stunden Zeit gelassen.

Raimund: Wir sind kritischer rangegangen. Da gab es zum Beispiel einen Intro-Part vom Schlagzeug, der im Prinzip ganz im Studio entstanden ist. [an Immo gewandt] Vielleicht kannst du dazu was sagen?

Immo: Jörg hat sich eigentlich immer guter Meinung zu den Songs geäußert und wir haben halt auch die Chance gehabt, mal was auszuprobieren, weil wir ordentlich viel Zeit hatten. Und bei einem Song hat Jörg dann halt vorgespielt, wie man es machen könnte und ich habe es dann nach Gefühl interpretiert und so entstand im Studio ein neues Intro zu einem Song. Da haben wir auch durch die Zusammenarbeit mit Jörg viel schaffen können.

Malte H.: Also würdest ihr schon sagen, dass es dieses Mal kritischer und auch produktiver war, dadurch, dass ihr mehr Zeit hattet?

Raimund: Ich denke, Jörg war in dem Sinne dieses Mal noch mehr involviert als in die "Ekpyrosis", hat hier und da auch sehr kritisch was gesagt und es war an uns zu sagen, was wir davon umsetzen und was nicht. Es ist immer sehr fruchtbar, Jörg ist ein sehr kompetenter Produzent und für uns schon sowas wie ein Kumpel, wir waren auch neulich noch auf seinem Geburtstag. Es ist eine ganz tolle Arbeitsweise, die da entstanden ist und man hat dieses Mal wesentlich mehr seinen Input genossen.
Man muss dazu sagen, dass wir ein kleines Studioprojekt zwischen "Ekpyrosis" und "Incendium" gemacht haben, um uns ein bisschen loszuspielen. Das waren drei Songs, wo wir uns gewisse Einschränkungen gesetzt haben, ich will das auch gar nicht weiter ausweiten, aber da war Jörg auch schon dran beteiligt. Wir waren also schon das dritte Mal bei ihm und das hat sich sehr bemerkbar gemacht. Es war viel vertrauter, man hat hier und da seine Meinung zugelassen, man hat sich aber auch mehr getraut, ihm zu sagen, dass man das und das eher nicht so will. Da war Jörg aber auch wirklich sehr kooperativ und hat das auch akzeptiert. Es war wirklich eine spannende Zusammenarbeit, weil wir so viel Zeit hatten und weil das Album irgendwie unter anderen Bedingungen entstanden ist, als die "Ekpyrosis".

Tobias: Obwohl es bei "Ekpyrosis" auch ganz spannend war, dass Album innerhalb von nur einer oder anderthalb Wochen aufzunehmen. Wir haben eine Woche aufgenommen und eine halbe Woche gemischt und dann war das fertig. Es ist irgendwie auch schön, wenn es so kurzfristig, spontan, entsteht. Dieses Mal hatten wir ziemlich viel Zeit, um alles ordentlich zu richten.

Malte H.: In so einem Studio passiert ja immer sehr viel... und sicherlich auch viel witziges. Gibt es da irgendwas, was ihr mit uns teilen wollt? Irgendwas, was euch besonders im Gedächtnis geblieben ist? Es kann ja auch immer was schiefgehen...

Alexander: Also, das erste woran ich denke, ist der Höhenflug von Tobias, Amko und mir, wo wir auf einen 7 Meter hohen Schornstein geklettert sind.

Tobias: Haha, genau. Und Bier getrunken haben.

Malte H.: Da muss man sich jetzt fragen: Wieso? [lacht]

Alexander: Weiß ich nicht. Es war mal eine angenehme Abwechslung. Man sitzt mehrere Stunden lang in einem Raum mit dem Produzenten zusammen – das soll jetzt nicht so klingen, als ob es keinen Spaß gemacht hat – aber irgendwie war es wohl geil, dass man danach mal ein bisschen rausgekommen ist. Im Endeffekt verbringt man auch viel Zeit mit Kollegen und Bandmitgliedern und im Allgemeinen kann man diese Zeit eigentlich nicht missen. Also, ich persönlich fand das so eines der Highlights am Rande der Songs.

Tobias: Vor allem haben wir einen Strauch gefunden, der sah aus wie Krümelmonster. [lacht]

Alexander: Den haben wir auch noch dokumentiert. Ist auch alles auf Band.

Malte H.: Wart ihr nüchtern? [lacht]

Raimund: Also... im Studio, wenn wir aufgenommen haben?

Malte H.: Unter anderem.

Raimund: Da ja, definitiv. Aber wir waren danach nicht unbedingt nüchtern. Derjenige, der gerade nicht dran war, hat auch durchaus mal einen gekippt.

[alle lachen]

Malte H.: Und irgendwann endete es auf Schornsteinen...?

Raimund: Ja, richtig... ich habe mich aber nicht getraut, muss ich ganz ehrlich sagen.

Alexander: Und kein Vandalismus, es ist nichts zu Bruch gegangen. Wir haben einfach nur die Grenzen erprobt.

Tobias: Aber auf einmal ist da die Heizung angegangen... wir haben uns tierisch erschrocken.

[wieder lachen alle]

Malte H.: Aber ihr habt es ja alle heile überstanden offensichtlich... also zwei von drei auf jeden Fall. Bei Amko weiß ich das nicht, der ist ja nicht hier.

Tobias: Das ist der eigentliche Grund. Es gab nur in Baden-Württemberg führende Kliniken, die seine Sturzkrankheit therapieren können.

[alle lachen]

Malte H.: Was würdest ihr sagen sind die Unterschiede zwischen "Ekpyrosis" und "Incendium"? Vom Aufnahmeprozess aber auch vom Feeling des Albums her?

Raimund: Unabhängig vom Sound finde ich für meinen Teil ist es bunter und irgendwo strukturierter, aber auch in der Herangehensweise, weil man gezielt mit dem Konzept im Hinterkopf gearbeitet hat. Das sind so die wesentlichen Unterschiede. Das Konzept ist ein maßgeblicher Unterschied. Sicherlich der Sound...

Tobias: Das Lineup ist auch anders.

Raimund: Ja, wirklich, da hat sich Immo auch auf jeden Fall verwirklicht. Und dieses kleine Studioprojekt, das wir vorher gemacht haben, hat, glaube ich, noch eingewirkt.
Weil beim Studioprojekt, um es jetzt vielleicht doch nochmal ein bisschen zu thematisieren, haben wir versucht, uns ein bisschen loszuspielen. Wir haben eine andere Gitarrenstimmung benutzt, wir haben uns weniger Zeit gegegeben, wir haben versucht, zu experimentieren, indem wir uns in gezielte Genreschubladen packen. Wir hatten mit Spoken Word Parts da schon experimentiert und sogar mit Synthies im Hintergrund und so weiter. Das ist jetzt vielleicht alles nicht mit auf dem Album drauf, aber irgendwo ist es beeinflusst worden.

Immo: Ursprünglich war es auch nicht angedacht, dass wir mit Jörg aufnehmen. Das war ein Wochenende und am Freitag des selben Wochenendes hat uns die Person, mit der wir eigentlich aufnehmen wollten, abgesagt und dann konnten wir ziemlich kurzfristig noch für das Wochenende bei Jörg einen Studiotermin ergattern.

Raimund: Um das jetzt nicht falsch zu verstehen, das bezieht sich immernoch auf unser kleines Studioprojekt. Das Album haben wir ganz gezielt bei Jörg aufgenommen. Es hat aber auch positiv dazu beigetragen, dass wir dieses Studioprojekt bei Jörg aufgenommen haben. Die Aufnahmen, die am Ende bei dem Studioprojekt rauskamen waren uns auch nicht so wichtig, wie das Experimentieren selbst.

Malte H.: Wenn man jetzt das Songwriting zwischen den Demos vorher, "Ekpyrosis" und "Incendium" vergleicht, was sind da so die Unterschiede?

David: Man merkt schon wirklich, wie sich die Band entwickelt hat. Bevor ich noch kein Teil der Band war, war ich ein großer Fan. Die waren eigentlich DIE Metal-Band von Papenburg. Ich hab alles von denen verfolgt und so konnte man wirklich miterleben, wie sie sich entwickeln. Wie alles viel komplexer wurde, Songwriting, Riffs, Struktur der Songs und sowas.

Tobias: Ja, auf "Ekpyrosis" waren eigentlich die komplexesten Songs. "Those Thoughts..." war eigentlich der komplexeste Song überhaupt bei "Ekpyrosis". Und bei "Incendium" ist eigentlich kein Song drauf, der so komplex ist, wie die, weil bei "Incendium", wie gesagt, das komplette Konzept vorher schon stand, für jeden Song gab es eine Kurzgeschichte und darauf wurde das Songwriting mehr oder weniger angepasst. Von daher ist das alles schon ein bisschen kompakter geworden. Wenngleich die technischen Fähigkeiten ein bisschen mehr zu Vorschein kommen. Aber das ist ja normal.
Und was ganz wichtig war ist einfach die komplette Dynamik. Man versucht ja irgendwie trotzdem sich in die ganze Geschichte einzufühlen und irgendwie zu versuchen, für jeden Song die richtige Stimmung zu finden und die ganzen Kontraste zu schaffen. Wie gesagt, auch mit den gleichen Melodien, die teilweise in komplett anderen Kontexten auftauchen, komplett anders dargestellt werden. Das zieht sich durch das ganze Album, auch wenn man es nicht offensichtlich wahrnimmt. Selbst wenn man es nur unterbewusst wahrnimmt, macht es das ganze Album doch mehr zu einem großen Ganzen. Etwas, was das ganze ein bisschen bindet.

Malte H.: Zu so einem Konzeptalbum gehört ja auch immer das Coverartwork. Ich weiß jetzt nicht, wer der Künstler war, das stand auf meinem Info-Sheet nicht drauf...

Raimund: Ben Borucki heißt der.

Malte H.: Was könnt ihr dazu sagen? Habt ihr ihm das Konzept vorgestellt und er hat das Artwork entwickelt oder wie lief das Ganze?

Tobias: Er hatte teilweise auch die Musik.

Raimund: Ja, genau. Wir hatten das Album fertig aufgenommen und sind quasi dann erst an das Artwork gegangen. Wir haben ihm die Texte gegeben und wir haben ihm gesagt, worauf das Konzept aufbaut und er hatte selbst auch tolle Ideen. Wir haben ihm für das Cover eine relativ eindeutige Vorgabe gegeben und für alles weitere, das Sleeve-Design, hatte er unglaublich coole Ideen. Wir haben ihn da machen lassen. Und wenn etwas in die falsche Richtung ging, konnten wir ihm das auch sagen. Das war eine sehr interessante Zusammenarbeit, auf einer ganz anderen Ebene als mit Jörg Uken, wo wir selber etwas beitragen. Wir sind ja im Prinzip diejenigen, die was leisten, was aufgenommen, konserviert und von ihm weiter verarbeitet wird.
Aber da war es so, dass wir die reinen Inputgeber waren und er hat auf Basis von dem, was wir schon gemacht haben, "weitergedacht" bzw. interpretiert. Das war schon sehr spannend und eine tolle Zusammenarbeit.

Tobias: Der ganze Prozess des Artworks hat ja auch ein halbes Jahr oder so gedauert.

Raimund: Da haben wir uns echt Zeit für genommen.

Malte H.: Wenn man ein schönes Artwork hat, stellt sich ja auch immer die Frage nach einer Vinyl-Version. In Planung?

Tobias: Es wäre schon spannend. Definitiv. Das Problem ist halt, dass man vom Mix, vom Sound her, was extra anfertigen lassen müsste, da der Mix, der auf CD gepresst ist, ein anderer wie später bei der Vinyl ist. Weil die Abnahmetechnik eine ganz andere ist.

Raimund: Also, wenn die Nachfrage da wäre... Mittlerweile ist es bei jüngeren Bands ja eher so, dass es erst ab einer gewissen Größe Richtung Vinyl geht. Ich glaube aber, es würde auch allgemein zur Musik passen bzw. eine andere Facette aufdecken. Und irgendwie finde ich auch, dass Vinyl eine ganze Ecke mehr Respekt schafft. Gerade in Zeiten von Downloads, wo man die Musik per se auf dem Computer hat und so weiter. Vinyl ist einfach unverfälscht und echt. Eine Sache, mit der man sich vielleicht noch mehr auseinandersetzt.

Malte H.: Ich würde jetzt prinzipiell daraus schließen, dass diese ganze iTunes / Download - Geschichte eher nicht das ist, was ihr so favorisiert?

Raimund: Wenn man sich für Musik interessiert und man hat Lust auf eine gewisse Band, dann schafft das einen einfachen Weg, um an diese Musik ranzukommen. Das ist das Schöne und das kann man auch niemandem vorwerfen. Man hat vielleicht von der und der Band einen Song gehört und finden den cool und man will jetzt das Album hören, dann ist Streaming und Downloading ein unheimlich praktischer Weg, um dann daran zu kommen. Aber das Problem ist, dass die Wertschätzung dafür verloren geht. Man kommt ja ganz schnell ran. Was ist denn das wert?
Es ist eine Datei. Ein Word-Dokument, das ich halbherzig runtergetippt habe, ist auch eine Datei. Und wenn ich zwei Striche in Paint gekritzelt und es gespeichert habe, weil ich meine, ich muss das machen, dann ist das auch eine Datei. Und dazwischen steht dann Musik, die im Prinzip gedauert hat. Der Prozess hat gedauert, man hat der Sache Zeit gegeben, um zu reifen, man hat Zeit investiert, um es aufzunehmen, es zur Perfektion zu bringen oder nochmal Dinge zu ändern. Der ganze Prozess wird damit nicht mehr gewürdigt, weil es eine Datei ist, die man runterlädt.

Tobias: Ja, aber ich glaube trotzdem, dass es Menschen gibt, die eine MP3-CD wie eine richtige CD würdigen. Das ist eine Sache der Auffassungsgabe. Heutzutage gibt es genug Menschen, die sind das von Anfang an gewöhnt, sind mit diesem Medium aufgewachsen und die kennen es nicht anders. Und für die ist das dann genauso viel Wert wie eine richtige CD. Das ist dann auch in Ordnung. Vielleicht können wir uns das so nicht vorstellen.

Malte H.: Wir wären dann auch schon bei der letzten Frage angelangt.
Wenn man ein neues Album rausbringt und bei einem Label unter Vertrag ist, stellt sich auch immer die Frage nach einer Tour, um das Album zu vermarkten. Wie sieht es da bei euch aus?

Raimund: Ganz konkrete Pläne gibt es da jetzt noch nicht. Wir hatten über das Label auch zwei Tourangebote, die wir leider abschlagen mussten, weil es sich mit unseren privaten Terminkalendern nicht vereinbaren ließ. Wir hätten auf jeden Fall Bock, sowas mal zu machen, und wir hoffen auch, dass wir im Support für dieses Album noch ein paar Auftritte spielen können, aber es gibt leider keine konkrete Tour.

Malte H.: Ich würde sagen, das wars! Ich bedanke mich für eure Zeit, hier mitten in der Nacht. Ich habe keinen Plan, wie spät es ist, aber es ist spät.

Raimund: Es ist halb 4...

Malte H.: Vielen Dank für drei Stunden eures Lebens!

 
 Besucher heute: 691    
(metal.tm beta v0.874)