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Interview mit Antonio Jimenez

Interview mit Antonio Jimenez

Das Interview führte: Sascha S. am 04.11.2011 | Das Interview übersetze Bianca P.

Sascha S.: Erzähle uns zunächst etwas über deine Person. Wo bist du geboren und aufgewachsen? Du bist in den Staaten zur Schule gegangen, oder?

Antonio: Das stimmt. Um es ein bisschen abzukürzen: Ich bin in Guadalajara, Mexiko geboren und kurz danach mit in die USA genommen worden. Ich lebte in Kalifornien, bis ich 7 Jahre alt war und ein großes Erdbeben meine Familie zum Umzug nach Arizona zwang. Dort lebte ich, bis ich 18 wurde und zurück in meine Heimat zog, um wieder mit meiner Familie vereint zu leben.

Sascha S.: Welches Equipment benutzt du?

Antonio: Ich benutze einen Macintosh und Windows Computer, um meine Designs zu machen. Ich neige dazu zwischen den beiden zu wechseln, um das 3D-Rendering zu machen und die simple Bearbeitung dann an meinem Mac durchzuführen. Die Programme, die ich am liebsten benutze sind Terragan, Corel Painter und die Adobe Programme, wie z.B. InDesign, Photoshop, Illustrator und Bridge.

Sascha S.: Wann und wo hast du damit angefangen solche Artworks zu erstellen?

Antonio: Ein Jahr nachdem ich an der High School anfing, brauchte ich Geld und durch Selbsterkenntnis wurde mir klar, dass ich gut zeichnen konnte, also begann ich Logos für Bands zu machen, die ich kannte.

Sascha S.: Bitte erzähl uns etwas über den Arbeitsprozess. Malst du die Bilder zuerst? Ist alles digital oder benutzt du immer noch Füller oder Bleistifte?

Antonio: Also, für Logos und die Artworks habe ich unterschiedliche Methoden, lass mich bei den Logos beginnen. Ich fertige Skizzen an und entscheide anschließend ob ich sie mit Fonts in Photoshop weiter ausarbeite oder sie komplett selbst zeichne. Wenn ich sie selbst zeichne, gehe ich nochmal mit einem Stift drüber und scanne sie dann ein. Nach dem einscannen, perfektioniere ich und füge Effekte via Photoshop hinzu. Bei Artworks skizziere ich die Idee immer erst aus. Dann entscheide ich, ob ich Corel zum malen benutze, 3D-Rendering oder einfach nur eine Fotomanipulation einsetze, da ich alle drei Verfahren für die Artwork-Erstellung benutze.

Sascha S.: Für europäische Kunden sind deine Preise sehr niedrig. Wie kannst du so qualitativ hochwertige Artworks für derart wenig Geld anbieten? Ist das Leben in Mexico so günstig?

Antonio: Mir ging es immer eher darum die Szene zu unterstützen, weswegen ich, ohne Rücksicht auf die Bilanz, immer niedrige Preise angesetzt habe, um sie für jede Art von Band erschwinglich zu halten. In Mexico können sich viele Bands hochwertige Produkte nicht leisten, also versuche ich, alles in einem guten Verhältnis zu halten. Wegen größerem Fachwissen und der Nutzung von mehr Programmen wird der Preis nächstes Jahr steigen. Trotzdem werden sie immer noch bezahlbar bleiben und preisgünstige Artworks mit hoher Qualität und professionellem Service sein.

Sascha S.: Wer war dein berühmtester Kunde?

Antonio: Der bekanntesten Kunden die ich hatte, waren ANNOTATIONS OF AN AUTOPSY und ich habe mit einem Angestellten von METAL BLADE RECORDS zusammengearbeitet um ein persönliches Logo zu erstellen.

Sascha S.: Was sind die besten und schlechtesten Kunstwerke, die du bisher geschaffen hast?

Antonio: Eins meiner liebsten Stücke, das mich stolz macht ist das DEATHLOCK und COVERED IN SCARS Artwork, das sehr viel Zeit in Anspruch genommen hat, um so eine hohe Qualität und ein professionelles Resultat zu erzielen. Was schlechte Werke anbelangt, liefere ich meines Erachtens immer die besten Produkte an alle meine Kunden, aber als ich anfing gab es natürlich einige sehr einfache Album Cover, die nicht gerade die Besten, dafür aber wegbereitend für eines meiner ersten Cover waren.

Sascha S.: Was ist die extremste Arbeit, die du je gemacht hast und wer hat sie in Auftrag gegeben?

Antonio: Das Extremste, das ich bisher gemacht habe, war für SERENE MOLESTATION, eine Band aus Kanada. Der Auftrag bestand darin die groteskeste und sexuell düsterste Szene zu kreieren, die ich mir vorstellen konnte. Ich machte bei diesem Werk also genau das, indem ich eine sehr blutige Sexszene mit einer gewissen Note umsetzte, die sie besonders obskur erscheinen lässt!

Sascha S.: Ist es für einen bluthungrigen, homosexuellen, goregrind Besessenen nicht schwierig im katholischen Mexiko zu leben?

Antonio: Naja, ich kann dir sagen, dass ich in der mexikanischen Metal Community gut akzeptiert werde, da ich keine negativen Reaktionen bekomme, was meine sexuellen Vorlieben angeht - was gut ist, weil es für niemanden eine Rolle spielen sollte. Mexiko hatte schon immer eine merkwürdige Schwulenszene, mit dem Motto: Wenn du dich outest, zeig es, wenn nicht, versteck es. Wenn also Mexikaner normalerweise an Homosexuelle denken, sind sie für sie extravagant und zeigen ihre Sexualität, was ja nichts Schlechtes ist. Diese Denkweise bringt nur leider die nicht extravaganten dazu ihre Homosexualität zu verbergen. Die Resonanz in Phoenix auf meine Sexualität war grausam, und es zeigte, wie viel Abscheu in der Szene dort herrschte. Das ist aus meiner Sicht der Grund, warum die lokalen Shows mittlerweile unbesucht bleiben. Dort herrscht zu viel Hass.

Sascha S.: Erzähl uns etwas über deine Band INFEXXXION RENAL. Das Sicke Cover ist fertig, aber wo ist die CD? Ich hab mir ein paar Songs auf deiner Myspace-Seite angehört... lustiges Zeug ;)

Antonio: Wir sind zurzeit im Studio und ich habe bereits zwei Songs bei mir, wenn du mal reinhören möchtest. Wir sind alle eine Familie, also entschied ich mich ihnen zu helfen, als ich nach Mexiko kam. Wir spielen einen Mix aus technischem, Gore, Porno und Grind Metal. Wir verfolgen unseren eigenen Stil und planen unsere erste EP diesen Dezember zu veröffentlichen!

Sascha S.: Letzte Frage. Würdest du deinen Stil ändern, wenn dir jemand genug Geld bieten würde?

Antonio: Ich würde niemals meinen Stil ändern, aber ich studiere zurzeit Digital Design, womit ich zunächst für Klienten aller Art und für Betriebe, Gewerbe und Musik Gruppen aus allen Genres arbeiten werde. Metal werde ich trotzdem immer mit Brutal Disorder Logos bearbeiten, egal was passiert. Vielen Dank für das Interview und ich hoffe, dass ich eines Tages mit meiner Kunst durch Europa touren und viele meiner Klienten in Übersee treffen kann!

 
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