Metal.tm - Musik Community, Portal & Magazin

Bericht:

12.07.2013

With Full Force 2013 - Die Jubiläumssause


Samstag, 29. Juni 2013

Sascha: Samstag fiel mir das aufstehen sehr schwer, aber was solls - am besten gleich 'n Bier oder 'nen schönen Rotwein zum Frühstück und der Tag kann kommen. Und wie der Tag kam, der Weg zum Gelände musste schon mehr oder weniger in Schräglage gemeistert werden. Punkt 14:00 Uhr waren aber alle soweit wieder klar, dass sie die Kings of Nothingcore aus Frankfurt abfeiern konnten: A.O.K standen auf der Bühne. Genauso wie Donnerstags bei HATEBREED war es auch hier so, dass ich die Band zum gefühlten 10ten Mal gesehen habe, aber wat solls, die machen eh immer Laune... und das war auch auf dem 20sten Full Force nicht anders. Die Herren Graf und Bernd sind immer noch total bescheuert und werden wohl auch nie erwachsen werden. Gut so! Neben dem obligatorischen Salat gab es dieses Mal auch einen armen Kerl der sich ohne Hose in den Pit stellen musste und alle sollten auf ihn zu rennen und ihm ans Gemächt packen wenn die Musik startet. Keine Wall-of-Death sondern wohl eher eine Schwanz-of-Death, oder so ähnlich. Lustig wars aber, zumal ihm nichts passiert ist und kurz danach Sänger Peter auch noch in den Moshpit gesprungen ist. Bester Auftritt den ich bisher von dieser Band gesehen habe! Da ich mir mit Zeltplatz-Kamerad Max ordentlich einen gelötet hatte und wir schon mal da waren, haben wir uns auch gleich noch die weiteren Bands angetan. HÄMATOM, ADEPT, HELLYEAH, COAL CHAMBER und DEEZ NUTS namentlich, wobei die Gewinner des Tages ganz klar COAL CHAMBER hießen.

BildHämatom

Während Sascha bereits die Frankfurter Spaßformation A.O.K. verfolgte, befand ich mich noch auf dem Campingplatz um Dosenfutter zu frühstücken. Auch wenn das With Full Force kulinarisch einiges zu bieten hatte, mussten auch wir ab und zu mal an den Geldbeutel denken. Pünktlich zu HÄMATOM verschlug es mich dann aber doch vor die Bühne. Dort war zwar noch nicht ganz so viel los (vermutlich die Knüppelnacht-Nachwehen), dennoch schafften es die Franken eine Menge guter Laune zu verbreiten und lieferten damit nicht nur eine gute Show, sondern auch einen guten Start für den Festival-Samstag. Nach diesem gelungenen Einstand, könnte man meinen, dass es das schwedische Post-Hardcore-Gespann ADEPT nun schwer hatte, die Menge bei Laune zu halten. Falsch gedacht! Das Gegenteil ist der Fall, Robert Ljung und seine Jungs lockten sogar noch mehr Schnarchnasen aus ihren Zelten und spielten ein energiegeladenes Set, welches ordentlich Stimmung verbreitete. War eigentlich auch nicht anders zu erwarten. Besonders gut: ein paar Männer mittleren Alters, die offensichtlich auf die nachfolgenden HELLYEAH warteten, tippten mir auf die Schulter und fragten, welche Band denn da spiele und woher sie kämen. Die Antwort lag mir prompt auf der Zunge und als Echo kam ein anerkennendes Nicken gefolgt von einem "gar nicht schlecht die Kerle" - na wenn das nichts ist! Als nächstes erschien die Hardrock-Superformation HELLYEAH auf dem Plan. Von vielen sehnsüchtig erwartet, füllte sich der Platz vor der Bühne zunehmend und die US-Amerikaner erfüllten die Erwartungen ihrer Fans in vollem Maße. Kraftvoll und gut gelaunt spielten die Fünf sich durch ihr Set und boten nicht nur was für die Ohren, sondern auch fürs Auge. Sänger Chad Lee Gray ist mit seinem schwarz-pinken Iro ein echter Blickfang und auch der Rest der Band kann sich durchaus sehen lassen. Dazu kam eine gelungene Performance, die Lust auf mehr macht - besser gehts nicht!

BildAuf die nachfolgenden Nu Metal Veteranen von COAL CHAMBER, war ich ganz besonders gespannt. Schließlich war es seit Dez Fafaras Einstieg bei DEVILDRIVER (2002) doch recht ruhig um die Band geworden und 2003 wurde die offizielle Auflösung bekanntgegeben. 2011 kam die Reformation und seit 2012 sind die Jungs wieder gemeinsam auf Tour. Während die Autogrammschlange für IN FLAMES (die eigentlich erst nach der Band anfangen sollten) ins unermessliche wuchs, lauschte ich also den Klängen des Old School Nu Metal und freute mich tierisch über diese einmalige Gelegenheit. Natürlich ließ ich es mir aber nicht nehmen mich auch rechtzeitig in die Schlange einzureihen... Sascha hatte einen gleichermaßen guten Eindruck von COAL CHAMBER und machte sich danach auf zu COCK SPARRER.

Sascha: Sänger Dez Fafara ist einfach eine Urgewalt und hat keine Probleme damit das Publikum auf Anhieb in seinen Bann zu ziehen. Ich fand COAL CHAMBER schon vor 15 Jahren geil und würde es begrüßen wenn sie sich dazu entschließen könnten eine neue Scheibe aufzunehmen. Danach stand ich dann das erste Mal am hellichten Tag im Zelt und konnte es kaum erwarten die Oi-Punk Initiatoren COCK SPARRER einmal live zu begutachten. Man muss die alten Songs einfach mögen und das taten offensichtlich alle anwesenden im Zelt, denn die Meute tobte, sang und freute sich einfach nur. Für eine Band die es nun tatsächlich schon 40 (!) Jahre gibt eine beachtliche Leistung.

Für mich war dagegen nach COAL CHAMBER erstmal Pause. Mein IN FLAMES Autogramm in der Hand begrüßte ich freudig meinen Mitstreiter, der mir netterweise meine Regenjacke mitgenommen hatte, denn so langsam wurde es echt abartig kalt. Der Festival-Samstag war zwar musikalisch ein echter Hammer, aber das Wetter war unter aller Kanone. Dazu gabs 'nen Energy und was zu mampfen, bevor wir uns pünktlich zu SODOM wieder vor der Bühne einreihten, welche allerdings erst mit 20 Minuten Verspätung anfingen. Der Grund war "ein schwerer Unfall", wie Onkel Tom Angelripper verkündete. Näheres konnte ich hierzu leider nicht in Erfahrung bringen, allerdings merkte man den Thrash-Titanen an, dass ihnen etwas auf dem Herzen lag. Onkel Tom schien weniger feierwütig und Bier gab es diesmal auch nicht. Schade! Dennoch machten Hits wie "Agent Orange" ordentlich Laune und ich ließ mich sogar zum Headbangen hinreißen.

BildSodom

Anschließend feierten SICK OF IT ALL eine riesengroße Party. Das Publikum erstreckte sich über das gesamte Gelände und alle, aber wirklich ALLE waren in Bewegung! Keiner blieb still stehen, als die Hardcore-Punker ihr Gute-Laune Set vortrugen. Schon seit 27 Jahren auf der Bühne und energiegeladen wie nie, schafften es die New Yorker nicht nur den größten Circle Pit des gesamten Festivals (nicht mal IN FLAMES konnten da mithalten), sondern auch eine ansehnliche Wall of Death heraufzubeschwören. Weiterhin schwelgte Lou Koller in Erinnerungen an das erste With Full Force, auf dem die Band bereits zugegen war und belohnte die Fans mit dem ersten SICK OF IT ALL Song ever: "My Life". Die Band hat an Energie und Dynamik in all den Jahren definitiv nichts eingebüßt und hätte für so viel Power durchaus einen Headliner-Slot verdient - davor ziehe ich meinen Hut!

BildSamstag-Abend 22:30 Uhr, während die Bühnentechnik noch einmal durchprobiert wurde erfolgte der Soundcheck und ich stand mitten in der Menge und wartete nur auf eins: the mighty IN FLAMES! Als langjähriger Fan konnte ich mir eine meiner absoluten Lieblingsbands einfach nicht entgehen lassen und als mit leichter Verspätung die ersten Klänge von "Sounds of a Playground Fading" erklangen, gab es für mich kein Halten mehr! Die Haare flogen wie wild, die Stimmbänder wurden strapaziert bis zum Abwinken und ich war einfach nur happy. Besonders als Anders Fridén ankündigte: "let's go back to the 90s, alright?" hämmerte mein Herz wie verrückt. Mit "Pinball Map","Trigger", "Cloud Connected", "The Hive" und "Take This Life" spielten die Schweden einige ihrer ganz großen Hits und ich kam aus dem Bangen gar nicht mehr heraus! Natürlich fanden auch neue Songs wie "Sounds of a Playground Fading", "Where the Deadships Dwell", "Fear Is the Weakness", "Ropes" und "Deliver Us" Platz in diesem Traumset.

Ich habe IN FLAMES schon einige Male gesehen, aber sie waren nie so gut, wie auf dem diesjährigen With Full Force! Weitere Highlights: Anders schappte sich eine Kamera aus dem Fotograben und knipste die Menge. Außerdem holte er einen Fan aus der ersten Reihe auf die Bühne und machte ein Foto vom Publikum mit dessen Digicam. Nicht zu vergessen: die Hommage an den Fan in der ersten Reihe mit dem gebrochenen Arm. So einen gut gelaunten Anders habe ich selten gesehen und außerdem fand er auch noch die richtigen warmen Worte für das langjährige Bestehen des Festivals und natürlich die Treue der Fans. Das gelungene Finale wurde dann von Pyros und Feuerwerk komplettiert. Göteborg-Metal von seiner besten Seite - ich feiere innerlich immer noch!

Damit ging der Force-Samstag für mich auch schon wieder zu Ende. KVELERTAK verpasste ich aufgrund der längeren Spielzeit von IN FLAMES und nach 1-2 Liedern von HAUDEGEN, hatte ich auch keine Energie mehr auf THE OTHER und SMOKE BLOW zu warten. Ich war hundemüde und musste den auf mich gefallenen IN FLAMES Crowdsurfer noch verdauen - Springerstiefel im Gesicht sind echt kein Spaß...

BildIn Flames
(Autor(en): Bianca P., Daniela A., Malte H., Sascha S.)
Tags:

Kommentare

Diese Kommentare im Forum anzeigen.    
Gastkommentar schreiben
Gastkommentare werden nach Prüfung freigeschaltet.
 

Anzeige

Facebook-Kommentar

 
 Besucher heute: 680    
(metal.tm beta v0.874)