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Bericht:

05.11.2012

Schlachtfest X - Ein geglücktes Jubiläum


BildDunkle Wolken sind in Ostfriesland ja nun weiß Gott nichts ungewöhnliches. Das begleitende Rumpeln sollte aber dieses Mal nicht von einem übereifrigen Donnergott stammen, sondern wummerte aus den Räumlichkeiten des JUZ Schlachthaus Aurich: Die Metalszene Ostfrieslands gab sich ein Stelldichein zum zehnjährigen Bestehen des Schlachtfests!


Freitag, 19.10.2012

Und was sollte das für ein Fest werden!
Mir persönlich war es zwar leider nur vergönnt, an einem von zwei Tagen anwesend zu sein, doch dieser erste Abend ließ mein Headbangerherz bereits mehr als beglückt zurück. Was nicht zuletzt an der ersten Band des Abends lag.
Die Thrashkapelle TOTAL VIOLENCE aus Kellinghusen demonstrierten den ostfriesischen Metalheads, dass Thrash Metal durchaus das Potential einer Renaissance hat. TOTAL VIOLENCE versorgten das Publikum mit herrlich old school lastigem Geknüppel, das die Herzen der Altkuttenträger (sowie auch die unseren) höher schlagen ließ. Wir hoffen (und glauben) jedenfalls, dass wir von dieser Band noch öfter hören werden!

BildEigentlich dazu gedacht, die Bühne zu räumen und mit neuem Equipment zu bestücken, folgte nach dem Auftritt die obligatorische Umbaupause (respektive Bierpause für den durstigen Langhaarträger). Und hier offenbarte sich leider eine einzige Schwäche des Schlachtfests: Das Bier war billig! Nein, nein, nicht schlecht, sondern wirklich gut, aber eben verdammt günstig (1,50 Euro pro Flasche), was für gewöhnlich folgenden Effekt auf eine Horde Headbanger hat: Sie bewegen sich nach draußen, knüpfen neue Kontakte und bewegen sich maximal noch nach drinnen, wenn Nachschub benötigt wird. Wir müssen gestehen, dass es uns nicht anders erging. Insofern bekamen wir die nachfolgenden THE OUTSIDE nur sehr am Rande mit, was wir jedoch hören konnten, überzeugte uns auch nicht sonderlich. Die Band mag ihre musikalischen Qualitäten haben, kam aber im Vergleich zu den Thrasherkollegen von TOTAL VIOLENCE eher ein bisschen langweilig und bieder daher.

BildDeutlich intensiver erlebten wir die Chilenen von POEMA ARCANUS. Im Gespräch sagte uns Drummer Luis Moya, dass die Band das erste Mal auf Deutschland-Tour sei. Umso erstaunlicher, dass eine der Doom-Größen Chiles Halt im beschaulichen Aurich macht.
Hatten wir anfangs die Befürchtung, dass POEMA ARCANUS vor den großen MASTER etwas Fehl am Platze sein könnten, da schleppender Death / Doom nicht unbedingt das ist, was der gemeine Death Metaller als Vorband von MASTER erwarten würde, muss man im Nachhinein sagen, dass sich die Chilen super in den Abend integrierten. Direkt der Opener "Raven Humankind" sorgte für viele rotierende Köpfe, was sich im Verlaufe des Sets, welches u.a. Klassiker wie "Iconoclast" und "Elixir" enthielt, auch weiter fortsetzte. Gesegnet mit einem druckvollen und klaren Klang überzeugten POEMA ARCANUS auf ganzer Linie und stellten sich, zumindest für uns, als Highlight des Abends heraus. Hoffen wir mal, dass das nicht die letzte Deutschland-Tour der Jungs aus Santiago de Chile war.

BildMaster
Den krönenden Abschluss des bisher sehr überzeugenden Abends bildeten die amerikanischen Death-Urgesteine von MASTER und machten - wie hätte es bei einer Band, die so lange im Geschäft ist, auch anders sein sollen - absolut alles richtig. Die Meute nahm es dankend an, der Platz vor der Bühne, der bei den Vorgängern eher mit ein wenig Unterbesetzung zu kämpfen hatte, war brechend voll; ein rundum gelungener Auftritt eines völlig zurecht eingesetzten Headliners.

BildFazit vom Freitag:
Wenn man auf einem Metalkonzert ist, den unglückseligen Job des Fahrers aufgebrummt bekommt und sich dennoch nicht eine Sekunde langweilt, kann es nur ein fantastisches Konzert gewesen sein! So auch der Freitagabend des Schlachtfests. Ich persönlich hoffe, dass sich diese Veranstaltung auch weiter hält. Auf Wunsch des Veranstalters soll ich übrigens noch erwähnen, dass Manfred, Mannie? Mechthild?, der Metalmarienkäfer, der schlichtweg beste Stempel war, den es jemals auf einem Metalkonzert gegeben hat. Als kleines Dankeschön für einen tollen Abend tue ich ihm den Gefallen. Prost!

(Jannes B.)

Samstag, 20.10.2012

Nach nur wenigen Stunden Schlaf und einem geruhsamen Nachmittag in den heimischen vier Wänden ging es – zumindest für einen Teil der metal.tm Crew – erneut auf zum Schlachthof, um den zweiten Tag des Schlachtfests zu besuchen.
Da der Kollege Jannes anderweitig beschäftigt war, musste ich unsere Fahne an diesem Abend alleine hochhalten. Und das in keiner sonderlich fitten Verfassung, was auch erklärt, wieso es von mir von diesem Abend keine Fotos gibt: Ich habe die Kamera schlicht daheim vergessen.

Schnell war klar: Um in die Gänge zu kommen würde ich zwei Dinge brauchen. Bier und einen guten Opener. Für ersteres war schnell gesorgt, letzteres lag in den Händen der Melodic Deather von BURIAL VAULT, die ihre Live-Qualitäten bereits zwei Wochen zuvor auf dem Full HD Festival unter Beweis gestellt hatten. Nach dem professionellen und guten Gig in Hinte mussten die Papenburger nun also zeigen, ob sie einfach nur einen guten Tag erwischt hatten oder wirklich bereits in so jungen Jahren so sicher auf der Bühne sind.
BURIAL VAULT lassen von Anfang an keine Zweifel aufkommen, dass es sich bei ihnen um keine Eintagsfliege handelt. Über ein eindrucksvolles Rhythmusfundament, welches von Drummer Immo Groeneveld und wie schon in Hinte NAMRASIT-Gitarrist David am Bass aufgezogen wurde, legten die beiden Gitarristen Tobias Schaub und Alexander Petri eingängige Melodien hin. Selbige finden sich auch auf dem Debüt "Ekpyrosis (Periodic Destruction)" wieder. Wo mir auf der Scheibe ein wenig der Druck fehlt, da die Produktion etwas zu sehr auf die Melodien ausgerichtet ist, sorgte der Sound im Schlachthof zumindest bei BURIAL VAULT am heutigen Abend dafür, dass die Musik nochmal eine Ecke beeindruckender aus den Boxen schallte.
Getragen von der Bühnenpräsenz von Sänger Raimund Ennenga, der mal wieder ordentlich seine Stimmbänder malträtierte, haben die Jungs das Zeug, noch viele Jahre im Geschäft dabei zu sein. Klasse Auftritt, gerne wieder!

Lange im Geschäft ist die folgende Band: OBSCENITY. Die Jungs aus Oldenburg zocken bereits seit 1989 fröhlich ihren Death Metal und haben mit "Atrophied in Anguish" in diesem Jahr ihr bereits achtes Album auf die Beine gestellt. Beste Voraussetzungen also für einen coolen Old School Death Metal Auftritt.
Leider war der Sound am zweiten Tag vom SCHLACHTFEST ein kleines Glücksspiel. Wo BURIAL VAULT von einem klaren und druckvollen Sound profitierten, mussten sich OBSCENITY der Launen der Tontechniker beugen. Viel zu sehr auf die Tiefen ausgerichtet dröhnte die Musik der Oldenburger aus den Boxen. Gitarren? Kaum wahrzunehmen. Melodien? Auch nicht wirklich hörbar. Gesang? Mit Sicherheit vorhanden, doch nur andeutungsweise rauszuhören.
Nach dem Auftritt schnappte ich einige Stimmen auf, die gerade den druckvollen "Auf die Fresse"-Sound von OBSCENITY geil fanden. Einfach, weil es wummerte und direkt nach vorne ging. Ich für meinen Teil muss jedoch sagen, dass die Musik durch den eigentlich immer gleichen Klangmix aus Bass und Bassdrum eintönig wirkte. Dafür konnte die Band eher weniger was, den Schuh muss sich die Tontechnik anziehen.
So jedenfalls konnten OBSCENITY mich nicht beeindrucken und auch nicht mitreißen. Schade, denn die Musiker waren gut bei der Sache.

Obwohl nach diesem Soundfiasko die Zeichen für den weiteren Verlauf des zweiten Festivaltags schlecht standen, wurden die nachfolgenden IZEGRIM für mich zum Highlight des Abend. Gesegnet mit einem auf einmal wieder klaren und energiegeladenen Sound gaben die Jungs und Fronterin Marloes ordentlich Gas.
Groovig, wuchtig und mit viel Spaß in den Backen rissen die Niederländer das Publikum schnell mit. Viele Mähnen kreisten und der Saal war ordentlich gefüllt. Die Spielfreude und gute Laune der Band übertrug sich auf die Menge vor der Bühne und bescherte den Anwesenden eine fette Party.
Selbst als dem dauerlachenden Gitarristen Jeroen eine Saite auf der Gitarre riss und er diese während des Songs (der professionell weitergespielt wurde) austauschen musste, ließen sich IZEGRIM ihre gute Laune nicht verderben. Einziger Kommentar dazu, vorgetragen in Deutsch mit typisch niederländischem Akzent: "Alles kaputt machen!", gefolgt von einem breiten Grinsen.
In der Tat hatten IZEGRIM an diesem Abend viele Lacher auf ihrer Seite. Und wer meint, Spaß hat im Death Metal nichts zu suchen, der darf ruhig irgendwo in der hintersten Ecke stehen und schmollen, während vorne die energiegeladene Party der Niederländer steigt. 1A!

Wie bereits am Vortag zu MASTER füllte sich der Schlachthof nach dem Auftritt von IZEGRIM noch ein bisschen mehr. Der Headliner an diesem Tag stand an. Niemand geringerer als die bis auf Sänger Adrie Kloosterward neu formierte Death Metal Walze SINISTER. Erst vor wenigen Wochen brachten die Niederländer mit "The Carnage Ending" ihr zehntes, hoch gelobtes Album auf den Markt.
Natürlich gab es einige Songs vom neuen Album an diesem Abend zu hören (u.a. der Titelsong und "Transylvania (City of the Damned)"), doch auch Alben wie "Afterburner" (Titeltrack, "The Grey Massacre") und "Diabolical Summoning" ("Sadistic Intent") kamen nicht zu kurz. Leider mussten sich SINISTER jedoch dem selben Schicksal beugen, wie bereits OBSCENITY ein paar Stunden zuvor. Der Sound war auch beim Headliner extrem dürftig. Zwar war es nicht ganz so schlimm wie bei den Oldenburgern, doch musste man sich eingestehen, dass die eigentlich starken Songs von SINISTER unter diesen Umständen alle ziemlich gleich klangen. Nämlich gleich matschig.
Kein Wunder also, dass sich die Reihen im Verlaufe des Sets immer schneller leerten. Eigentlich haben die Niederländer so was nicht verdient, doch nach zwei anstrengenden Tagen konnte ich die Besucher verstehen. Schade, denn insbesondere Sänger Adrie, der mit einer Mischung aus fieser und ulkiger Mimik die Blicke auf sich zog, hatte spürbar Lust auf den Auftritt.

Bild

Fazit vom Samstag:
Es blieben einige Fragezeichen zurück. Das größte Fragezeichen bleibt am Ende über dem Sound hängen. Gab es am Freitag kaum Gründe, sich zu beklagen, muss man die Leistung am Samstag Abend doch anzweifeln. Immerhin hatte die Hälfte der Bands arg darunter zu leiden.
Ebenso unschön war das Stroboskoplicht, welches am zweiten Abend äußerst experimentell eingesetzt wurde. Wurde es noch am Freitag bei POEMA ARCANUS an vereinzelt merkwürdigen Stellen genutzt, penetrierte das Blitzlicht beim Auftritt von SINISTER noch weiterhin die Augen, obwohl der Song bereits zu Ende war. Sehr merkwürdig. Zumal die Häufigkeit während des Auftritts der Niederländer wirklich etwas zu nerven begann.
Nimmt man den Sound an besagten Stellen raus und schert man sich auch wenig um das Stroboskoplicht, muss man letztendlich festhalten, dass die 10. Ausgabe des SCHLACHTFEST ein voller Erfolg war.
Der Schlachthof war angenehm gut besucht, die Bierpreise mit 1,50 Euro extrem fair, das Personal stets freundlich und die Bands insbesondere am Merch-Stand gesprächsbereit und gut gelaunt. So sollte es auch sein!
Dazu gab es tolle Auftritte von TOTAL VIOLENCE, POEMA ARCANUS, BURIAL VAULT und IZEGRIM. Nächstes Jahr sind wir auf jeden Fall wieder für euch vor Ort!

(Malte H.) (Autor(en): Jannes B., Malte H.)
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