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24.07.2013

Rockharz 2013 - Sommer, Sonne, Saugute Laune


BildGenau wie das With Full Force, feierte auch das Rockharz dieses Jahr sein zwanzigjähriges Bestehen und auch hier wieder eine Festivalpremiere für mich. Beim bloßen Gedanken an die Reise ins beschauliche Ballenstedt, fingen meine Augen zu Glänzen an, denn das Spitzenline-up konnte sich für den besonders fairen Ticketpreis von knapp 77 Euro mehr als sehen lassen. Noch dazu - keine Bandüberschneidungen! Als dann auch noch die Wettervorhersagen bestes Sommerwetter versprachen gab es kaum noch Zweifel, dass das Rockharz das beste Festival des Jahres werden würde.

Mittwoch, 10. Juli 2013

Voller Vorfreude machten wir uns am Mittwoch-Abend nach Feierabend also auf in den Harz. Die ca. 4-stündige Autofahrt sorgte zwar dafür, dass wir die ersten Bands der Warm-Up Party, welche auf der neuen Devil's Wall Stage statt fand, leider verpassen würden, aber dennoch waren wir guter Dinge. Die Fahrt verlief ohne große Vorkommnisse und wir lagen gut in der Zeit (der Presse Check-In sollte nur bis 22 Uhr geöffnet haben). Bereits im Harz stellten wir dann fest, dass wir noch tanken mussten - einziges Problem: kilometerweit keine Tankstelle in Sicht! Wir mussten kurz vor Ballenstedt tatsächlich noch einmal umdrehen, um in Werningerode zu tanken. Wohl einer der Nachteile des doch recht abgeschiedenen Festivalstandortes. Dennoch erreichten wir den Flugplatz noch rechtzeitig um 21:30 Uhr und der Check-In klappte problemlos. Endlich auf dem Gelände angekommen, hörten wir noch die letzten Töne der DIMPLE MINDS, während wir bekannte Gesichter begrüßten. Natürlich auch diesmal mit von der Partie, unsere Fotografin Daniela Adelfinger. Die Atmosphäre war gut und alle freuten sich auf ein schönes Festivalwochenende.

BildNachtgeschrei

Nach einer kleinen Umbau-Pause eröffneten MEGAHERZ dann mein diesjähriges Rockharz. Vor der Bühne tummelte sich, trotz Anreisetag, schon eine beachtliche Menge. Diese hatte offensichtlich während der vorherigen Bands schon Blut - oder besser gesagt Bier - geleckt, denn die Stimmung war auf dem Höhepunkt. Während des Soundchecks hatten die Leute sichtlich Spaß und umjubelten den "Holländer" als dieser die Worte "F*cken", "Saufen" und "Rock 'n' Roll" ins Mikro rief. Das anschließende "mehr gibt's nicht" wurde mit einem Lachen quittiert und die nachfolgenden Mitsingchöre zeugten von jeder Menge gute Laune. Bei so viel Witz verzieh man den Münchener Herzbuben, die ca. 15 Minuten zu spät auf der Bühne erschienen, nur zu gerne. Mit "Jagdzeit" starteten die NDH-Veteranen in ein mit Hits gespicktes Set, welches kaum Wünsche offen ließ. Besondere Höhepunkte boten die Songs "Dein Herz schlägt", "Kopfschuss", "5. März" und der Rausschmeißer "Miststück". Das Publikum ließ sich von den Ansagen von Sänger Lex mitreißen und belohnte sein "ich will eure Hände sehen" mit Klatsch- und Winkeinlagen, bevor es ihn beim Song "Herz aus Stein" sogar auf Händen trug. Insgesamt ein sehr starker Auftritt, nur leider waren die Gitarren meiner Meinung nach falsch abgemischt und plätscherten eher im Hintergrund vor sich hin. Besonders deutlich wurde dies bei meinem Lieblingssong "5. März" - sehr schade.

BildMegaherz

Nachdem MEGAHERZ die Bühne verlassen hatten, wurden die verbliebenen Festivalbesucher auch recht schnell vom Platz gejagt. Während es in den vorangegangenen Jahren noch ein Partyzelt gab, wurde das Gelände dieses Jahr immer pünktlich geschlossen. Später erfuhr ich, dass das Partyzelt sich wohl nicht rentiert hatte und man daher lieber das Main Stage Gelände erweitert und die Devil's Wall Stage ins Leben gerufen hatte. Egal, echte Metalheads feiern einfach auf dem Campingplatz weiter und ich persönlich war einfach nur müde und durchgefroren. Trotz der warmen Temperaturen am Tage, waren die Nächte nämlich immer noch sehr kühl. Somit verzogen wir uns zum Schlafen ins Auto - Donnerstag war schließlich auch noch ein Tag.

Donnerstag, 11. Juli 2013

Und was für einer! Mit KREATOR sollte am Donnerstag-Abend mein persönlicher Hauptheadliner spielen und auch tagsüber hatte das Line-Up schon viel zu bieten. Der Morgen startete allerdings erstmal gemütlich mit Kaffee und Käsebrötchen im Frühstückszelt. Zu einem sensationellen Preis von nur 5 Euro, konnte man hier auch ein sogenanntes "Katerfrühstück" bestehend aus Bismarck-Brötchen und Kaffee (0,3l) erwerben - top! Schnell kam man bei so viel Gemütlichkeit mit anderen Festivalbesuchern ins Gespräch und stellte fest, es ist definitiv kein Gerücht, dass das Rockharz durch eine freundliche und familiäre Atmosphäre gekennzeichnet ist. Dieser Eindruck bestätigte sich bei einem anschließenden Spaziergang über die Campinggrounds zusätzlich. Die Besucher waren durchweg aufgeschlossen und freundlich, wenn auch manchmal ein wenig durchgeknallt. Außerdem traf man sowohl Jung als auch Alt und alle feierten gemeinsam. So eine tolle Atmosphäre habe ich bisher auf noch keinem Festival erlebt, daher an dieser Stelle ein ganz großes Lob und ein dickes Dankeschön an alle Besucher, die dies möglich machten - macht weiter so!

BildWährend um 14 Uhr die Rock Stage von den GRAILKNIGHTS eröffnet wurde, machte ich mich auf zur Backstage-Führung. Jens Martin Baumgartner nahm sich freundlicherweise die Zeit uns mal hinter die Kulissen Blicken zu lassen und versorgte uns mit haufenweise Infos zur Organisation des Rockharz. Besonders hervorzuheben ist hier das durchdachte Sicherheitssystem, welches einem Festival dieser Größenordnung weit voraus ist. Unter anderem können im Notfall alle 12.000 Festivalbesucher evakuiert und auf dem Gelände untergebracht werden. Außerdem haben die Veranstalter sich viele Gedanken zur Hygiene gemacht. Da die Infrastruktur rund um den Flughafen eher bescheiden ist, gibt es z. B. ein riesiges "Scheißekissen", in dem der Abfluss der WC- und Duschcontainer zunächst einmal gesammelt und später dann abtransportiert wird. Außerdem arbeitet das Rockharz mit der Organisation iRock zusammen, welche sich mit der Nutzung von innovativen Energien auf Festivals auseinander setzt. Sehr unterstützenswertes Projekt - weitere Informationen findet ihr hier: www.irock-netzwerk.de. Wie gut das Sicherheitssystem des Festivals wirklich funktioniert, wurde deutlich, als eine Festivalbesucherin am Freitag mit schweren Verbrennungen in eine Spezialklinik für Brandverletzte ausgeflogen wurde. Hier wurde schnell und konsequent gehandelt. Vorbildlich!

BildAufgrund der Führung verpasste ich leider auch die Punkformation TOXPACK, welche aber schon eine Menge Zuschauer anlockte, ebenso wie AUDREY HORNE. Für mich gab es allerdings erstmal Mittagessen und ich begab mich erst zu OHRENFEINDT auf den Platz. Die Rotzrock-Granaten aus St. Pauli sorgten wie erwartet für ordentlich Gute-Laune und animierten das Publikum zum Mitmachen. Immer wieder rief Sänger Chris Fragen in die Menge und ließ unter anderem Frauen gegen Männer antreten. Die Fans stiegen voll drauf ein und feierten bei Hits wie "Motormädchen" und "Rock 'n' Roll Sexgott" eine riesengroße Party. So muss es sein. Die nachfolgenden VADER interessierten mich eher weniger, weshalb ich mir die Zeit lieber mit einem Bierchen vertrieb und schon mal die Merchpreise abcheckte, welche mit 18 Euro für Shirts und 35 Euro für Zipper absolut gerechtfertigt waren. Dabei fiel mir auch auf, dass besonders die Zipper heißbegehrt waren, da diese bereits jetzt (am Donnerstag!) ausverkauft waren! Auf Nachfragen erhielt ich die Info das leider auch keine mehr nachgeliefert werden würden und somit gab's für mich diesmal nur ein Top. Anschließend ging es mit UNEARTH weiter. Die Massachusetts Metalcoreler fanden mit ihrer Mischung aus Metalcore und Melo-Death gehörig Anklang und prügelten sich voller Freude durch ihr Set. Als genereller Fan der Band konnte ich diese Reaktion durchaus nachvollziehen, auch wenn die Jungs auf mich leider ein wenig eintönig wirkten. Als nächstes spielten MONO INC. Die Dark Metaller zeigten sich auf der Bühne wie immer gut gelaunt und zogen ihr Ding durch. Das Publikum machte mit, wenn auch eher verhalten und einige wenige ließen sich sogar zum Tanzen hinreißen. Beim IGGY POP Cover "The Passenger" sanken aber auch die letzten Hemmschwellen und alle sangen lauthals: "lalalala lala lala". Das klappte so gut, dass die Band spontan noch ein paar Aufnahmen für eine neue Folge Mono Inc. TV machte (zu finden gibt's die hier: https://www.youtube.com/watch?v=X2hInRXOCi4). Dafür zeigte die Menge auch gerne ihre Hände und winkte 'ne Runde. Mit "Heile, Heile Segen" wurde auch ein neuer Song der am 8. August erscheinenden Platte "Nimmermehr" vorgestellt, aber das absolute Highlight blieb nach wie vor "Voices of Doom".

BildMono Inc.

Weiter ging's mit dem DEVIN TOWNSEND PROJECT. Nachdem der Kanadier in den letzten Monaten besonders viel Reden von sich gemacht hatte und der Auftritt auf dem Rockharz zu einer der wenigen Shows in Europa dieses Jahr zählte, war ich ganz besonders gespannt auf diesen Act. Devin ist ein sehr sympathischer Kerl und besonders seine Ansprache am Anfang berührte: "Normally, people don't understand what we're doing and the last time we've been playing here they hated us. But I've got the feeling that it's going to be different with you guys", sagte er und sollte damit leider nur zum Teil Recht behalten. An dieser Band schieden sich wortwörtlich die Geister. Während die einen gebannt dem anspruchsvollen Gefrickel lauschten, fragten andere sich was diese Formation da eigentlich gerade zu suchen hatte. Zugegeben konnten die Kanadier mich auch nicht wirklich erreichen. Technisch kann man zwar nicht meckern, aber live zieht das einfach nicht - sorry guys... (Anmerkung: Ich habe im Nachhinein erfahren, dass der eigentliche Gitarrist ausfiel und das DEVIN TOWNSEND PROJECT daher ungeplanter Weise nur zu dritt auftreten konnte - Respekt dafür, aber an meiner Meinung ändert das leider nichts.)

BildNoch während Devin und seine Mannen auf der Bühne standen, füllte der Platz sich zusehend. Sowohl vor der Rock Stage als auch vor der Dark Stage. Die Fans machten sich bereit für die beiden Headliner des Donnerstag-Abend und dazu erschienen sie in Scharen. Den Anfang machten SUBWAY TO SALLY, welche genau wie das Rockharz dieses Jahr ebenfalls ihr Zwanzigstes feiern. Zu diesem Anlass begrüßten sie die Fans mit einem Medley, welches von Feuer, Pyros und Nebel begleitet wurde, weshalb die Fotografen auch erst nach dem dritten Song den Graben stürmen durften. Es folgte eine Setlist, die durch die größten Hits der Potsdamer führte. Unter anderem mit dabei: "Eisblumen", "Wenn Engel hassen", "Sieben", "Schwarz in Schwarz" und natürlich als Rausschmeißer der Fanliebling "Julia und die Räuber". Da konnten auch die erwartungsvollen "Kreator" Zwischenrufe von der anderen Bühne die Laune nicht vermiesen (Anmerkung: interessanterweise sangen ebendiese KREATOR Fans genauso lauthals mit wie alle anderen...). Nachdem SUBWAY TO SALLY die Bühne verließen schlug mein Herz langsam Purzelbäume. Wenngleich schon öfter gesehen gehören KREATOR immer noch zu meinen Livehelden und absoluten Lieblingsbands. Gebannt starrte ich von der ersten Reihe aus auf die Bühne und ließ mich von den Jubelrufen der anderen anstecken. "Kreator, Kreator, Kreator, Kreator". Schon bevor die Band überhaupt auf der Bühne erschien kamen erste Crowdsurfer und viele versuchten irgendwie von hinten nach vorne zu drängeln, weshalb es in den ersten Reihen enorm eng wurde. Dann endlich, die ersten Töne des Intros "Mars Mantra". Mille stürmte auf die Bühne und die Menge flippte aus! Vom ersten bis zum letzten Song Spitzenklasse. Den Vorreitern des deutschen Thrash Metal sind die über 30 Jahre Bühnenpräsenz nicht anzusehen. Dynamisch und energiegeladen zocken sie ihr mit Hits überladenes Set und lassen sich dabei feiern (manchmal vielleicht auch ein bisschen zu sehr). Die Crowdsurfer kamen in Strömen und Wall of Death und Circle Pit durften natürlich nicht fehlen. Auch meine Haare flogen wie wild, wenn ich mich nicht gerade vor Crowdsurfern in acht nehmen musste und beim altbekannten Rausschmeißer "Flag of Hate" war ich schon fast traurig, dass die wilde Fahrt schon wieder ein Ende hatte. Total erschöpft, mit tonnenschweren Füßen, aber wunschlos glücklich machte ich mich auf meine Gefährten zu finden, welche mich mit einem fetten Grinsen im Gesicht und 'nem Bier in der Hand erwarteten. "Na, wie war's?" - "Einfach nur geil!". Leider gab es auch am Donnerstag keine Aftershow Party und so begab ich mich nach ein paar Bierchen auf dem Zeltplatz ins Land der Träume.

BildKreator
(Autor(en): Bianca P.)
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Kommentare

21.08.2013 12:57 Uhr Feuerzeichen
Definitiv ein Highlight-Festival...aaaber: direkt in Ballenstedt gibt es eine Shell-Tankstelle ;)
 
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