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Bericht:

30.06.2012

Rock Hard Festival 2012 - 10th Anniversary


BildSame Procedure as every Year - Heißt es auch in diesem Jahr. 10 Jahre Rock Hard Festival sind Grund genug dem Open Air, welches mittlerweile aus der hiesigen Festival Landschaft nicht mehr wegzudenken ist, einen Besuch abzustatten.

Der Opening Slot geht dieses Jahr an DEATHFIST. Die Thrasher aus dem Bergischen beackern nun bereits seid einigen Jahren den heimischen Untergrund, und so findet sich gemessen an der frühen Stunde bereits eine nicht unerhebliche Anzahl Mosher vor der Bühne ein. Der Kerry King Lookalike an der Klampfe garniert das Ganze deshalb, den ganzen überaus souveränen Gig über, folglich mit einem breiten Grinsen.

BildDie folgenden JEX THOTH finde ich dann angesichts des grassierenden Retrowahns nicht ganz so spannend. Allerdings garniert die Band ihren Sound immer mal wieder mit leichten Doomeinsprengseln, und die sich wie eine Schlange windende Frontfrau und Namensgeberin Jex, trägt mit ihrer leicht spacigen Performance und der theatralischen Gestik dazu bei, dass auch das Auge auf seine Kosten kommt.

Die Göteburger RAM bieten dann nicht etwa Melo-Death, sondern astreinen, traditionellen Metal. Ohne viel Gequatsche und Gelaber zwischen den Songs. Nicht wirklich originell, aber zumindest ein Crowdsurfer und zahllose Pommesgabeln sind zu dieser immer noch unchristlich frühen Uhrzeit in der Luft.

"We are KRISUIN", "We play Hard!, "We play fast" - Das sind keine leeren Versprechungen sondern das Normalprogramm bei den Brasilianern. Mit unmenschlicher Präzision und Geschwindigkeit feuern die drei Brüder ihre Soundgeschosse in den Betongrund des Amphitheaters.Ganz Groß!

BildKvelertak

Das Feuer, das die Gitarrenarmee von KVELERTAK nunmehr entfacht, springt innerhalb von Millisekunden auf das Publikum über. Mit nur einem Album in der Hinterhand und einer Single, hat man es tatsächlich zum Co-Headliner des ersten Tages gebracht. Völlig zurecht, wie die sechs Norweger im Verlauf ihres Auftritts beweisen. Die Melange aus Punk,Black Metal und Thrash mit einer ordentlichen Prise Dreck und Rock 'n' Roll ist für mich die erste dicke Überraschung des Festivals.

BildTURBONEGRO fällt dann die Aufgabe zu, die Partystimmung die ihre Landsmänner vor ihnen verbreitet haben noch zu übertreffen. Wer allerdings Songs wie "All my Friends are Dead" oder "I Got Errection" im Repertoire hat, kann selbst vor Scheintoten rocken. Neusänger Duke hat die Meute auch über die gesamte Spielzeit im Griff, die allerdings leider 15 Minuten früher endet - etwas schade, Spaß hats aber allemal gemacht.

Totenkopfmasken bei 20 Grad sind bestimmt kein Vergnügen - aber die Schweden von DR. LIVING DEAD scheißen drauf, und wecken die ersten Headbanger mit ihrer feinen Mischung aus Suicidal Tendencies / SOD Mosh Attaken mit Slayer-Kante. Sehr Geil. Auf der Bühne ist ständig Bewegung und Action, die sich auch sofort auf die Crowd überträgt. Auch ein zickiger Gitarrengurt kann die Totenköppe nicht stoppen, und so spielt der Gitarrist den Song einfach auf Knien zu Ende. Sportlich!

BildChris Birx, seines Zeichens Frontmann von MOTORJESUS, betritt als dann die Bühne bewaffnet mit einer prall gefüllten Alditüte. Mit den Worten "Ich war beim Angelripper in der Lehre und der hat mir gesagt - bring den Leuten was mit" - gibt es erstmal Freibier und Hörnertee für die erste Reihe. Mehr gibt es eigentlich nicht zu erzählen, außer, dass Motorjuppes vor Spielfreude förmlich explodieren. Nächstes Jahr bitte wieder, nur weiter hinten im Billing!

Die darauf folgenden PORTRAIT können mit ihrem leidlich originellen, von King Diamond / Mercyful inspirierten Sound, zu keiner Sekunde an die geniale Partystimmung der Motorköppe anknüpfen. Das sieht ein Teil des Publikums ähnlich und so leert sich das Betongrund zusehends.

HELL sind mir bis zu ihrem Auftritt kein Begriff gewesen. Man hat mal vor zwei Dekaden ein vielbeachtetes Album auf den Markt geworfen, versank dann aber in der Versenkung. So wirklich bleibt dann auch nichts hängen, zumindest gibt es auf der Bühne einiges zu sehen in Form von zentimeterdicker Schminke, Mönchskutten und ähnlichem Brimborium. In ihrer Übertriebenheit ist die Show durchaus unterhaltsam - mehr aber auch nicht.

BildHell

Ohne Schnörkel und Firlefanz besorgen es dann UNLEASHED den Massen. Oberwikinger und Frontmann Jonny hat wie so oft die Massen bereits beim Opener im Griff. Es gibt in der Szene eine ganze Armada Bands, die technisch versierter und anspruchsvoller zu Werke gehen, aber die Intensität von UNLEASHED Auftritten sucht Ihresgleichen.

Bild"30 Jahre - und wir zucken noch" verkündet TANKARD Frontsau Gerre. Was die Appelwoi Fetischisten da bringen ist natürlich mehr als nur Zucken. Unter einer gnadenlos brennenden Nachmittagssonne gibt es einen gesunden Querschnitt aus drei Dekaden Fun Thrash. Zur finalen Abrissbirne "Freibier" schiebt man stilecht einen Thron aus Bierkästen auf die Bühne.

Prog ist zwar Grundsätzlich meine Baustelle, doch wirken PSYCHOTIC WALTZ zwischen den Bämbes Thrashern von TANKARD und den übermächtigen BOLT THROWER etwas deplatziert, aber man ist ja flexibel. Die Amerikaner sind einfach unfassbar geniale Musiker und so bleibt die große Flucht aus dem Amphitheater aus, obwohl die Musik der fünf Proggis alles andere als leicht verdaulich ist.

BOLT THROWER legen dann das Amphiteater sprichwörtlich in Schutt und Asche. Gab es schon im Vorfeld am bandeigenen Merchstand eine erbitterte Schlacht um die begehrten BOLT THROWER Leibchen, so überrollen die fünf Briten von der Bühne aus ihre Anhänger. BOLT THROWER untermauern wie so oft ihren Ruf als gnadenlose Death Metal Kriegsmaschine - folglich bleibt kein Stein auf dem anderen. Gänsehaut pur. Bleibt zu hoffen, dass die Herren und Dame(n) uns in dieser Form noch lange erhalten bleiben. Ein neues Album wäre natürlich auch nicht zu verachten.

BildBolt Thrower

Wer im blau-weißen Gelsenkirchen in gelb-schwarzen Klamotten unterwegs ist, der benötigt Eier. ALPHA TIGER haben Eier. Mich packt der US-Speedmetal der Sachsen zwar nicht unbedingt an den selbigen, aber unterhaltsam ist das dargebotene allemal.

BildMit '77 gibt es dann eine faustdicke Überraschung. Ich verwette meine Kutte, dass nicht mal 50 Leute im mittlerweile gut gefüllten Amphitheater schon vorher was von der Truppe gehört haben. Ihr klar AC/DC beeinflusster Sound verkommt zur keiner Sekunde zur gesichtslosen Kopie, sondern sorgt allenthalben für Begeisterung, gereckte Fäuste und Gezappel. Besonders Gitarrist LG hat ordentlich Spaß in den Backen und ist mehr in der Luft oder im Publikum unterwegs als auf der Bühne. Mehr Rock 'n' Roll geht fast nicht.

Die folgenden HIGH SPIRITS wiederum können mich gar nicht begeistern – klar, der Fuß wippt mit, aber der doch arg gesichtslose Metal der Amerikaner treibt mich an den Bierstand.

Zu GRAVEYARD zieht es mich dann allerdings wieder nach vorne. Der psychedelisch angehauchte Sound der Schweden passt in den Sonnenschein wie die Faust aufs Auge. Klar, auch hier regiert wie schon bei '77 die Retrokeule, aber mit ihren lässig lockeren Riffs, und den allgegenwärtigen Reminiszenzen an die glorreiche Zeit des Psychedelic Rock, setzt man sich locker von der Masse ab. Garniert wird das Ganze von einer unglaublich tight agierenden Rythmusfraktion. Das Rundumsorglospaket hat seinen Bestimmungsort nicht verfehlt.

BildGraveyard

Pünktlich zu GIRLSCHOOL geht die Stimmungskurve wieder leicht in den Keller. Nach 30 Jahren Bühnenerfahrung sieht das auf den ersten Blick nicht aus, was die vier Damen da bieten. Das Intro ist gerade durch, aber auf der Bühne herrscht gähnende Leere. "Unsere Enid ist ein wenig schüchtern" entschuldigt sich Sängerin Jackie. Die anfangs vermisste Kurve kriegt man allerdings später doch noch - trotz eines getöteten Amps. Erfahrung zahlt sich schließlich aus.

BildMAGNUM gehören zwar nicht zu meinem täglichen Speiseplan, doch Bob Catley verfügt über eines der begnadetsten Stimmorgane im ganzen Business. MAGNUM sind absolute Vollblutmucker und das merkt man dem Auftritt nach den ersten Takten bereits an. Der Aktionsradius von etwa vier Bierdeckeln pro Musiker wirkt zwar etwas luschig, allerdings macht man das ganze mit zentnerweise Charisma und Spielfreude wieder wett.

Den nun folgenden Überraschungsgast verpasse ich leider. Bierdurst und Hunger haben bei mir Priorität. Klingt hart, ist aber so ;-) Den frenetischen Reaktionen des Publikums, die vom Theater in Richtung meines Grills wehen nach zu urteilen, machen BULLET - die ja gefühlt mittlerweile auf jedem 2. Rock Hard Festival zu Gast sind - ihre Sache mehr als gut.

Den Co-Headliner Platz besetzen Anno 2012 also UNISONIC. Ich sags mal so: Ich kann Kiske nicht ab - und seine völlig belanglose Truppe schon gar nicht. An dieser Stelle hätte ich lieber GRAVEYARD oder TANKARD gesehen und nicht diesen heuchlerischen "ich passe nicht in die Metal Szene"-Gockel. Unverständlich wie man eine Band einladen kann, die bis auf einen Song "Unisonic" nur gesichtsloses Material mitbringt. Klar, die HELLOWEEN Klassiker am Ende reißens dann doch noch raus, aber ein fader Beigeschmack bleibt.

BildAuch die Headliner-Besetzung in Form von WASP zaubert mir immer noch ein dickes Fragezeichen auf die hohe Stirn. Man ist zwar auch bereits geschlagene 30 Jahre unterwegs, allerdings hat man es irgendwie nie so wirklich aus der zweiten Reihe geschafft. Das sieht das Publikum allerdings klar anders und glänzt mit Anwesenheit. Nicht so glänzend finde ich das überhebliche Getue von Herrn Lawless - weigert er sich doch die bei einem Preisauschreiben gewonnene Gitarre seinen Fans persönlich zu überreichen. Fannähe sieht anders aus. Auf der Habenseite hat man allerdings Überklassiker wie "I wanna be somebody". Über die Livequalität der Band gibt es zudem auch keinen Zweifel – belegt wird das ganze erwartungsgemäß von zahllosen Pommesgabeln, Luftgitarren und kreisenden Matten. Alles in Allem sauber eingelocht.

Zur Rock Hard Festival 2012-Galerie: www.killershots.de (Autor(en): Sebastian F.)
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