Metal.tm - Musik Community, Portal & Magazin

Bericht:

09.10.2015

Party.San Metal Open Air 2015 - Hell is Here...


Bild...oder die Höllenhitze von Schlotheim.
Über Vorzüge und nicht vorhandene Nachteile bzw. Unzulänglichkeiten des mit Abstand besten Extrem - Festivals in Deutschland zu philosophieren schenken wir uns an dieser Stelle, zumal dieses im Vorbericht ausführlich abgehandelt wurde.

In den Jahren 2007 und 2010 sahen sich die Veranstalter mit fiesester Regen und Schlammproblematik konfrontiert und wussten dieses zu lösen, in letzter Konsequenz auch mit einem Standortwechsel. Heuer kam die Hölle erneut von oben, allerdings in Form von sengender Hitze und Rekordtemperaturen. Kostenlose Wasserstellen, davor installierte Rasensprenger und gut gekühlte Getränke zu mehr als fairen Preisen machten die HitzeHölle aber durchaus verträglich.

Obgleich auch in diesem Jahr vielversprechende Headliner gebucht wurden, hatten diese am Ende nicht die Durchschlagskraft wie die der vergangenen Jahre. Allerdings wusste gerade die sogenannte Midcard mit dem ein oder anderen Schmankerl zu überzeugen. Und wer macht ein Festival schon an den Headlinern fest?.

BildMidnight
Donnerstag:

Die Sonne ballert, DEGIAL ballern mit. Das Corpsepaint hält, das Ballerduell gewinnt allerding die Sonne. Noch.

Selbiges gilt für MORBUS CHRON, auch hier gewinnt die Sonne. Leichte technische Probleme machen die Sache leider nicht einfacher.

Spätestens bei MIDNIGHT ist aber auch das Publikum in Schlotheim angekommen: Die Amis treffen mit ihrem Black'n'Roll genau den Nerv zur richtigen Zeit, wirbeln trotz der Gluthitze wie blöd über die Bühne, scheinen unter ihren Kapuzen nicht einmal zu schwitzen und fahren letztlich verdienten Jubel ein. Um dem ganzen noch die Party-Krone aufzusetzen wird kurzerhand noch der Bass in Brand gesteckt. You Can't Stop Steel!

Je früher der Abend, je schöner die Gäste: Meine 80er Faves NUCLEAR ASSAULT betreten grinsend die Bühne und sind - ich darf es vorweg nehmen - mein persönliches PSOA Highlight. Optisch zwar durchaus in die Jahre gekommen zeigen die New Yorker SÄMTLICHEN Jungspunden wie ordentlicher Thrash Metal vorgetragen wird. Ob "Sin", "My America" oder das unvermeidliche "Buttfuck": So und nicht anders geht das! Ein Wort noch zu Sänger/Gitarrist John Conelly: Dieser Mann ist jenseits der 50, singt in einer alles andere als einfachen Tonlage und hat nicht einen Aussetzer, Schwachpunkt oder schrägen Ton dabei. Hammer!

BildSecrets of the Moon

Nach so einer Spaß und Stimmungsgranate haben es SECRETS OF THE MOON doppelt schwer, zumal die Temperaturen immer noch einer finnischen Sauna gleichen. Zu gewollt anspruchsvoll, stellenweise zu verzettelt wirkt ihr auf Tonträger absolut innovativ anmutender Black Metal an dieser Stelle. Falsche Band zur falschen Zeit beim falschen Wetter. Diese Show wird den Osnabrückern nicht gerecht. Schade.

Nachdem THE RUINS OF BEVERAST komplett an mir vorbeigelaufen sind, wird PSOA 2015 erneut Zeuge eines PRIMORDIAL Triumphzuges. Wäre die Musik, die Show, die Performance von Allen Averill nicht so faszinierend wäre es fast schon langweilig jedesmal darüber zu berichten. Hier stimmt einfach alles, Songauswahl, Stageacting, Sound und die Attitüde. Die Sonne hat mittlerweile auch Feierabend gemacht. Wie sagte Alan Averill vor einigen Jahren so schön? "Some Music Still Stands For Something". Punkt.

Verhältnismäßig moderate Temperaturen, ein aufgestacheltes Publikum, angemessener Alkoholpegel: Mehr als gute Voraussetzungen für die Polen BEHEMOTH. Wenn nur dieser übertriebene, rockstarmässige und auf fast eine Stunde ausgeweitete Soundcheck wäre. Als es dann endlich losgeht ist die Luft irgendwie raus. Daran ändert weder die ausgefeilte Show mit exquisitem Licht und ordentlich Pyros, noch Granaten wie "Conquer All" was.

BildPrimordial
Freitag

Während ich CLITEATER und VANHELGD noch gepflegt verschlafe, sind GEHENNA mein persönliches Samstagsfrühstück. Gefälliger, angeschwärzter RocknRoll, ganz nett, weltbewegend aber nicht.

AETERNUS sind so gar nicht meins, SOULBURN schon viel mehr. Rangierten die Tulpen-Deather in den 90ern bei mir eher unter "netter Durchschnitt" hat sich diese Band nach ihrer Reunion offenbar einiges vorgenommen und ballert die Songs ihres Comeback-Albums "The Suffocating Darkness" mit ordentlich Schmackes in die Hitze.

Viel wurde geschrieben über die Thüringer Death Metal Hopefuls DESERTED FEAR Das kommt soweit schon hin, einfach so kommt man nicht zu MainStage-Ehren auf dem Party-San. So wird diese blutjunge Band nach zwei starken Alben ihrem guten Ruf auch absolut gerecht. Schön anzusehen wie die Show von Song zu Song immer mehr Fahrt aufnimmt, die Band – mitgerissen von ihrer eigenen Wucht - das Publikum immer mehr aufheizt und danach völlig platt von der Bühne wankt. Höhepunkt: das alles zerfetzende "My Empire".

Bild

POSTMORTEM sind Stammgäste auf dem Party-San, wesentlich erfahrener als Deserted Fear, im Schnitt 20 Jahre älter und können auf eine Reihe starker Alben zurückblicken. Vom Brutz und Brakel Stand direkt auf die Showbühne sozusagen. Offenbar treffen sie aber mit ihrem eher schlichten Death/Thrash nicht den Nerv aller im Publikum. So tun sich leider verglichen mit Deserted Fear einige hässliche Lücken auf. Schade eigentlich, an der Show der sympathischen Berliner kann es nicht gelegen haben.

Mesopotamien Metal. Auch MELECHESH um Fronter Ashmedi gastieren nicht zum ersten Mal hier. Eben jener kreischt und schreit sich auch ordentlich die Seele bei "Multiple Truths" oder "Rebirth Of The Nemesis" aus dem Leib. Trotz des teilweise sperrigen Materials fahren Melechesh verdienten Applaus ein.

BildMelechesh

Aggaloch werden von mir gepflegt verpasst. Somit weiter mit dem Stammgast überhaupt auf dem Party-San: Martin Van Drunen. Heuer am Start mit ASPHYX mit Desasters Husky an den Kesseln. 2007 war die Reunion live noch eine absolute Offenbarung für mich, 2015 hat sich das leider etwas abgenutzt. Was nicht heißen soll, das "The Rack" beispielsweise irgendwie an Brutalität verloren hat. Wo das gesagt ist sei angemerkt, daß Asphyx selbstverständlich nach wie vor einen Großteil der Konkurrenz an die Wand spielen könnnen und das auch genau auf diesem Festival tun. Aber dazu später mehr.

Nachdem BLOODBATH mit Akerfeldt vor einigen Jahren entäuschend blass blieben ist die große Frage, ob sich mit Nick Holmes am Mikro etwas daran ändert. Zugegeben war ich im Vorfeld eher skeptisch. Das war ein Fehler. Old Nick hat mich in den Arsch getreten, und zwar richtig. In ein Priestergewand gehüllt und mit ordentlich Blut besudelt singt dieser - getragen von einer überaus tighten Band - unerwartet brutal und intensiv sowohl Material vom aktuellen Album "Grand Morbid Funeral" als auch Klassiker wie "Breeding Death". Hab ich in dieser Form niemals erwartet. Absolut beeindruckend.

BildBloodbath

Objektiv zu sein hab ich mir vorgenommen. Wirklich. Und trotzdem würde ich am liebsten allen Trinkhorntragenden Freizeit-Wikingern ebenjene Behältnisse mit dem dicken Ende zuerst in den Arsch rammen. So, jetzt isses raus. Wo das gesagt ist bleibt festzuhalten, daß ENSIFERUM auf dem Party-San polarisieren. Freilich, musikalisch und spielerisch gibt es nichts auszusetzen. Aber diese Fröhlichkeit reißt mich und etliche Andere nicht mit. Vielleicht bin ich auch nur nicht besoffen genug. Da bietet sich dieser Gig durchaus an genau das genau jetzt zu ändern.

Jetzt ist es an den Headlinern CANNIBAL CORPSE, hier noch ordentlich einen draufzusetzen. Angesichts ihrer Reputation und ihrer zahlreichen Klassiker-Alben sollte das ein leichtes sein. Ist es aber nicht. Cannibal Corpse machen erstmal den gleichen Fehler wie am Vortag Behemoth und nerven ein eh schon ausgelaugtes Publikum mit einem übertrieben in die Länge gezogenem Soundcheck. Den dann folgenden Gig kann man wohl am besten als „Dienst nach Vorschrift“ bezeichnen. Vorhersehbar in der Songauswahl, hölzern beim Stageacting. Freilich, rein instrumental brennt hier nichts an, alles ist tight wie eine Stretch Jeans in den 80ern, aber das letzte Aha-Erlebnis, die finale Überraschung fehlt. Das der Corpsegrinder bis kurz vor Schluss auf Ansagen oder Interaktion mit dem Publikum komplett verzichtet passt da ins Bild. Gegen Asphyx und vor allem Deserted Fear stinken Cannibal Corpse am Ende ab, so deutlich muss das leider gesagt werden.

BildKrisiun
Samstag

Gottlob muss ich nicht in einem Zelt nächtigen wo ab ca. 8 Uhr morgens die Temperaturen einen erholsamen Schlaf unmöglich machen. Nein, ich darf mein durchgeschütteltes Haupt in einem Hotelbett zur Ruhe legen. Dort kann ich wesentlich länger schlafen und somit geht der Samstag für mich erst mit KRISIUN los. Und wie. Brasilianischer Death Metal auf 45rpm. Es ist immer wieder beeindruckend, wie diese Band mit nur 3 Leuten jedes noch so kleine Soundloch gnadenlos zupflastert. Das kriegen andere nicht mit 5 Leuten hin.

TOXIC HOLOCAUST sind zum zweiten Mal zu Gast und machen ihre Sache erheblich besser als beim letzten Mal. Ihr primitiver Old School Thrash mit angenehmer Schwärze und Chaosfaktor kommt überraschend gut an. Die Gitarren sägen herrlich, die Drums bollern wie in den 80ern. "Awaken The Serpent" und "666" bringen das Publikum erstmals an diesem Tag zum Ausrasten.

ROTTING CHRIST gibt es auch nicht seit gestern, die Griechen blicken auf eine ordentliche Anzahl Alben und Touren zurück und haben sich dabei mit einem sehr eigenständigen Sound etabliert. Trotz aller Bemühungen zündet dieser bei einem Großteil des Publikums leider nicht. So müssen leider etliche abwandernde Zuschauer beobachtet werden. Weder aktuelles noch altes Material kann daran etwas ändern.

BildRotting Christ

Die Finnen GHOST BRIGADE können da - trotz erheblich ruhigeren Songs - wesentlich besser Punkten. Ihnen gelingt allerdings auch das Kunststück, eher getragene Nummern überaus luftig anzubieten. Wann immer Ghost Brigade in poppige Gefilde abdriften wirkt das immer echt und authentisch und kommt selbst auf einem Extrem Metal Festival gut an. Cooler Gig.

Gut ankommen tun auch KATAKLYSM. Der Einstieg "To Reign Again" sorgt sofort für klare Verhältnisse, ich persönlich finde sie aufgrund des vorhersehbaren Songwritings und der bis zum Exitus getriggerten Drums wesentlich poppiger als Ghost Brigade je sein können und verziehe mich.

BildMayhem

Was bleibt vom MAYHEM Gig im Gedächtnis? Vor allem eins: Die Erkenntnis, dass die ganze Sache ein Schuss in den Ofen war. Der Funke will zu keinem Zeitpunkt irgendwie übersrpringen, der Sound macht selbst eingefleischten Kenner unmöglich einzelne Songs zu erkennen und die Band wirkt vollkommen lustlos. Da kann Attila Cshihar (der heuer eher konservativ gekleidet ist, geradezu underdressed) mit seiner Psycho-Performance auch nichts mehr retten.

Mit MY DYING BRIDE wird jetzt ein weiterer Kontrapunkt ins Rennen geschickt. Und das scheint hier zu funktionieren. Sicher, Aaron Stainthorpe´s Party Faktor ist gleich Null, es wird nicht über die Bühne gefegt, keine Instrumente angesteckt und kein Blut vergossen. Hier stehen die doomigen, fast schon verträumten Songs im Vordergrund die (speziell von Sänger Stainthorpe) völlig in sich versunken präsentiert werden. Und verdächtig viele ältere Semester sind sich des Einflusses von My Dying Bride bewusst und harren vor der Bühne aus. Experiment gelungen.

SAMAEL als Headliner mit einer speziellen "Ceremony Of Opposites" Gedächtnis-Show spielen zu lassen kann man durchaus auch als Experiment sehen. Ist dieses auch gelungen? Am Ende wohl nur teilweise. Dieses Album war wegweisend, keine Frage. Die dazugehörige Tour ist mir auch im Gedächtnis geblieben. Und genau das ist der Punkt: So sehr sich Samael auch mühen, die Atmosphäre von damals heraufzubeschwören, es mag nicht so ganz gelingen. Die Tatsache, daß Samael hier durchaus motiviert zu Werke gehen ändert leider nichts daran, daß weite Teile der Fans zum einen von dem Fehlen echter Drums abgeschreckt werden und zum anderen nach den drei oder vier Tagen im Glutofen von Schlotheim schlicht am Ende sind.

BildSamael
(Autor(en): Eiko T.)
Tags:

Kommentare

Diese Kommentare im Forum anzeigen.    
Gastkommentar schreiben
Gastkommentare werden nach Prüfung freigeschaltet.
 

Anzeige

ALTERNATE - Hardware, Software, Entertainment

Facebook-Kommentar

 
 Besucher heute: 790    
(metal.tm beta v0.874)