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Bericht:

21.09.2009

Party-San 2009


BildAch ja, wie die Zeit doch rast. Wie gestern kommt es mir vor, als wir im Mai aufs erste Festival des Jahres 2009 reisten. Nun ist es bereits Anfang August und das letzte Open Air der Saison steht bevor. Wie in den vergangenen Jahren ist auch dieses Mal wieder das Party San unser Schlusslicht und ein optimaler Ausklang aus einem durchwachsenen Festivalsommer.

Kaum das Wacken Open Air verdaut, steht auch schon wieder die übliche Prozedur ins Haus: Einkaufen, Tasche packen, alles ins Auto und los geht die sechs stündige Reise quer durch Deutschland. Man schafft also doch mehr als 60Kilometer in drei Stunden- nach dem Heimweg aus Wacken hatte ich da doch schon meine Zweifel.

Wie auch immer, die Fahrt ist entspannt und ruhig. Geplant war eigentlich, mit als erstes in unserem Camp aufzuschlagen, aus unerfindlichen Gründe wurde da nix drauß und so sind wir fast die letzten. Auch praktisch, denn die Pavillone stehen, also nur noch Stühle raus und das erste Begrüßungsbier schmeckt erstaunlicherweise auch schon wieder.


Sonnenuntergang überm Festivalgelände


Dieses Jahr gibt es gleich doppelt Anlaß zum feiern. Das Party San Open Air feiert sein 15jähriges Bestehen, wovon mein bester Kumpel und ich auf zehn super Festivals zurück blicken können.
Angefangen hat damals alles als Geburtstagsfeier, aus dem man kurzerhand, wegen des enormen Zuspruchs eine öffentliche Veranstaltung mit Live Musik machte. Inzwischen ist daraus eines der größten Extrem Metal Festivals Europas geworden, welches weit über die Grenzen Deutschlands hinaus einen hervorragenden Ruf genießt. Wenn man sich auf dem Zeltplatz so umsieht, ist der Anteil an Metallern aus den Nachbarländern in den vergangenen Jahren doch stetig angestiegen. Auch in diesem Jahr gab es nochmal einen leichten Anstieg der Besucher, ohne dabei die selbstgesteckte Grenze von 10.000 Metalheads zu überschreiten.

Mit von der Partie der ausländischen Besucher, eine kleine Gruppe von Holländern, die uns den ersten Abend mit Pornos auf einer Großbildleinwand verschönen. Ein kurzer Abstecher ins Party Zelt, das uns aber noch nicht so richtig überzeugen kann. Erst auf dem Weg zum Zeltplatz erklingen die Akkorde von „Surf Nicaragua“. Na, nun ist zu spät und die Alkoholvorräte im Auto rufen auch schon ganz laut. So klingt der erste Tag auf den grünen Wiesen kurz hinter dem idyllischen Dörfchen Bad Berka ruhig und beschaulich aus.

Genauso entspannt beginnt der erste Festivaltag. Die Zeit bis die Pforten zur Hölle, bzw. des Festivalgeländes öffnen, scheinen in unerreichbarer Ferne zu liegen. So wird die Zeit sinnvoll mit trinken und dösen verbracht. Natürlich darf auch das leibliche Wohl nicht zu kurz kommen, also Grill befeuern. Hmm, bringt einen zeitlich auch nicht nach vorne- eine Zeitmaschine wäre jetzt klasse. Oder noch ein alkoholisches Getränk? Jawohl, bei dem Wetter genau richtig. Noch einmal das Programmheft genau studiert, okay das kenne ich mittlerweile auch auswendig.

Nach gefühlten zwanzig Stunden ist es dann endlich soweit und wir können aufs Gelände. Mit uns strömen wohl um die Fünfhundert Metaller das Gelände, die sich über die Merchmeile und die Foodstände hermachen. Schon zwei Stunden nach Eröffnung geht es auch schon mit der ersten Band los. So kann ich gerade noch die ersten Neuerwerbungen zum Auto bringen, bevor ich zum ersten Mal des Wochenendes in den Fotograben verschwinde.


Viel zu schade als Opener - POSTMORTEM


Als „leider“ erstes an diesem sonnigen Donnerstag betreten POSTMORTEM aus Berlin die Bühne und fungieren als Opener des Party Sans 2009. Mit „Constant hate“ haben die Brutz & Brakel Jungs ein Hammeralbum im Gepäck und das Publikum sofort auf ihrer Seite. Kleine Soundprobleme beim „Totmacher“ sind schnell behoben. Der Sound ist fett und läßt die Vorfreude auf die kommenden Bands steigen. Death/Thrash der Extraklasse, der für meine Verhältnisse viel zu früh auf der Running Order steht. Der hungrigen Meute scheint das egal und lassen die Matten kreisen.

Nach der obligatorischen Umbaupause kommen dann die Vier Polen von AZARATH auf die Bühne. Eine düstere Mischung aus BEHEMOTH und MORBID ANGEL, die wohl nicht jedem zusagt. Das Quartett gibt alles, aber der Funke will einfach nicht überspringen. Technisch und brutal, eine klasse Mixtur, aber irgendwie fehlt der letzte Kick- mir jedenfalls. Bereits seit ´98 existiert diese Band, daher denke ich mal einfach die Jungs hatten einen nicht ganz so guten Tag und das Publikum war wohl erschöpft von der Hitze.

Weiter geht’s im engen Zeitplan. Präziser, technischer Death Metal steht als nächstes auf dem Speiseplan. Der Vierer vom anderen Ende der Welt, genauer aus Tasmanien, Australien, wird sofort von der gierenden Menge ins Herz geschlossen. Die Rede ist natürlich von dem Death Metal Hammer PSYCROPTIC. Die Aussies spielen, als gäbe es kein Morgen mehr. Wahnsinnige Energie geht von der Bühne aus und mäht alles nieder, was sich ihnen in den Weg stellt. Grandioser Auftritt, der als Eröffnungsshow der bevorstehenden „Summer seek and destroy“ Tour durch Europa fungiert. Mit von der Partie sind MISERY INDEX, HATE ETERNAL und BENEATH THE MASSACRE, die ebenfalls alle auf dem Party San spielen.
Nun ist es erst einmal Zeit für eine kleine Verschnaufpause, zwar spielen jetzt die PSYCROPTIC Landsmänner DESTROYER 666, aber es wird langsam kühler und Hunger und Durst melden sich auch allmählich. Die Verschnaufpause währt nicht allzu lange, denn dann ist es schon Zeit für den Headliner des Abends. Wenn ich mal ehrlich bin, würde ich, wenn ich diesen Bericht nicht schreiben würde, wohl nicht noch einmal aufs Gelände gegangen sein.

Denn nun ist es Zeit für die Black Metal War Machine MARDUK. Seit Legion aus der Band ausgestiegen ist, ist die Band leider für mich gestorben. Diverse Konzerte habe ich mittlerweile kopfschüttelnd und enttäuscht verlassen. Eine Galionsfigur wie Legion kann man einfach nicht so einfach ersetzten. Aber gut, die Show ist angekündigt als Specialshow zum 10jährigen Jubiläum des Meisterwerks „Panzer Division Marduk“. Also gebe ich der Band eine Chance und begebe mich vor die Bühne, wie wohl der Rest der Metallgemeinde auch. Der Platz ist sehr gut gefüllt und mit einer Verspätung von 15 Minuten kommen die Recken auf die Bühne. Bereits nach den ersten Klängen ist klar, MARDUK sind wieder da. „Panzer Division Marduk“,„Baptism by fire“, „Christrapping Black Metal“, „Beast of pray“, „Fistf**king god´s planet“ und Shouter Mortuus bietet sogar wiedererwarten eine klasse Show. MARDUK lassen die Panzerketten rasseln und fachen ein musikalisches Inferno an. Nach einer halben Stunde ist der Zauber vorbei. Ein kurzes Intro leitet den zweiten Teil der Show ein. Eine bunte Mischung... nein natürlich eine schwarz-weiße Mischung aus neuen und alten Songs. „Of hell´s fire“, „burn my coffin“ und „Materialized in stone“ waren in diesem Abschnitt die Kracher. Viele neuere Songs, die zwar gut waren, aber bei weitem nicht an alte Zeiten anknüpfen können. Mortuus liefert einen ordentlichen Auftritt ab, mit Blutkelch und Blut spucken, wie sich das für richtige Black Metaller gehört. Geschlagenen eineinhalb Stunden dauerte der Spaß und das erschöpfte Publikum wankt zufrieden zurück auf den Zeltplatz. Viele Nimmersatte schaffen es sogar noch in die Metaldisco, um dort die Nacht durchzufeiern.


In Hochform: Mortuus von MARDUK



Der zweite Festivaltag beginnt, wie der letzte aufhörte. Energie Drink um erst einmal wach zu werden und Schokobrötchen, um eine Grundlage für das tägliche Ritual zu schaffe. Kaum den letzten Bissen runtergeschlungen, schon mache ich mich auf den Weg zu meinem Frühstücksbier, um nicht der letzte in der Runde zu sein. Für diesen Tag habe ich mir selber für die ersten zwei Bands frei zu geben.

Die Beschreibung im kostenlosen Programmheft zu der ersten Band, SUMMERS DYING, kann mich nicht davon überzeugen, schon jetzt meine heimeliges Camp zu verlassen. Melodische Death Metal Riffs gepaart mit Thrashanleihen. Die Lokalmatadore müssen ohne mich auskommen.
Auch GLORIOR BELLI aus Frankreich schaffen es nicht, mich zu motivieren. Das Programmheft beschreibt das Quartett als experimentellen Black Metal, daß auch des öffteren dir Genregrenzen überschreitet und sich dabei sogar bis in die Indi- und Rockecke verirrt.

Nun aber- jetzt ist Zeit und ich werde hektisch, um mich zügig Richtung Bühne zu begeben. Es stehen INHUME auf dem Plan. Die Holländischen Death/Grinder sind ein Muß. Sympathische und lustige Ansagen der beiden Sänger Joost und Dorus, bringen das Publikum schnell auf ihre Seite. Mit dem Sprüchen „Oh schon soweit in der Setlist, normal spielen wir die Songs halb so schnell“, lockern sie das Grindinferno auf. Songs wie „Tiamat“ oder „Grind culture“ bringen die Massen trotz der Hitze bis kurz vor den Siedepunkt. Ein super Gig und grandioser Opener für diesen Tag für mich.


Joost und Dorus von INHUME hatten viel Spaß


Anschließend dann mal ganz was anderes. SOLSTAFIR sind sowohl optisch, als auch musikalisch eine Ausnahmeerscheinung. Die drei Künstler schwanken zwischen Black Metal und psychedelischem Rock, der mich schnell an meine Toleranzgrenzen bringt. Nicht meine Baustelle, aber trotzdem interessant mal die Isländer um den charismatischen Sänger live zu sehen.

Weiter geht es mit dem ersten Suizide Black Metal Act. Was für ein bekloppter Name, trifft aber wohl den Nagel auf den Kopf. Mit von der Patie ist Niklas „Kvarforth“ von SHINING, der aber heute mit seinem Sideprojekt DEN SAAKALDTE das Publikum in seinen Bann ziehen will. Der gute ist wohl mit seiner Hauptband nicht so ganz ausgelastet. Musikalisch bewegt man sich nicht nur im traditionellen Black Metal, sondern bringt auch gekonnt neue Elemente mit ein. Ein netter Auftritt, doch ich denke ich bin dann doch eher der Traditionalist.


Flaschenkind und Schreihals: N. Kvarforth von DEN SAAKALDTE


Nun bin ich verwirrt. EVOKATION stehen auf dem Plan, doch die Jungs, die ich da auf der Bühne sehe, sind nicht die Schweden. Kaum habe ich diese Gedanken zu Ende gedacht, höre ich auch schon neben mir die Auflösung. Der DISMEMBER / ENTOMBED Clon hat mit SWALLOW THE SUN getauscht. Na, dann schauen wir mal, was die Jungs so zustande bringen. Kenne ich auch nur vom Namen, in der Mitte des zweiten Songs weß ich auch warum. Melodischer Doom Metal, hab ich keinen Zugang zu- sorry.
EVOKATION klemme ich mir dann auch, weil sonst keine Zeit mehr zum grillen ist. Egal, live zwar echt sehenswert, aber rein musikalisch, finde ich, bringen die Jungs nichts neues rüber.


Nach einer kurzen Verschnaufpause beim Grillhähnchenstand, geht es auch schon weiter im Text. Nun betritt eine Tampa Legende die Bretter. Die Rede ist von Eric Rutan, mit seiner seit vielen Jahren erfolgreichen Band HATE ETERNAL. Gleich von Beginn an brennt die Hütte. Die massive Soundwand drückt einem ordentlich ins Gesicht. Brutal Death Metal vom feinsten. Präzise, technisch visiert und immer tight, geht der Mastermind mit seinen beiden Mitmusikern ans Werk- Wahnsinn. Das läßt auch die begeisterten Metaller nicht kalt und es entsteht in kürzester Zeit ein Circlepit. Viel zu schnell sind die gerade mal vierzig Minuten um.


Eric Rutan- HATE ETERNAL Mastermind


Na, dann wollen wir mal sehen, was uns noch so im Laufe des Abends erwartet. THYRFING zum Beispiel, die mit ihrem aktuellen Album „Hels Vite“ und ihrem neuen Sänger, der Ex- NAGLFAR Frontröhre Jens Ryden für viel Furore sorgen. Zu Recht, wie ich finde. Super Stimmung und die Schweden haben in Null Komma nix die Meute vor der Bühne in ihren Bann gezogen. Jens ist ein grandioser Shouter, mit dem THYRFING einen ganz Großen in ihre Reihen geholt haben. Super Gig, damit haben sie eindrucksvoll bewiesen, warum sie so weit oben in der Running Order stehen.


Damit es nicht langweilig wird, ist nun wieder... na? Klar, Death Metal angesagt. Zur Zeit als eine der heißesten Death / Grind Acts des Planeten gehandelt- MISERY INDEX. Das US Quartett ist live eine absolute Macht. Wer die Jungs je erlebt hat, weiß was ich meine. Energie pur und eine unmenschliche Walze, die alles niedermalmt. Einen besseren Ort für den Opener Gig ihrer bevorstehenden Europatour, hätten die Amis nicht wählen können. Die Massen sind nicht mehr zu halten und bangen, als ginge es um ihr Leben. Eine dreiviertel Stunde purer technischer Death / Grind. Mit ihrem neuen Album „Trailors“ haben MISERY INDEX eine echte Granate im Gepäck. Wer also die Chance hat, sie auf ihrer Tour mit HATE ETERNAL, BENEATH THE MASSACRE und PSYCHROPTIC zu sehen, sollte nicht zögern.

Der Zeitplan ist inzwischen leicht aus dem Ruder gelaufen. Nichtsdestotrotz werden die Reihen vor der Bühne immer voller. Die nächste Schwedenkombo steht bereits in den Startlöchern. Als Co- Headliner für den zweiten Abend ist niemand geringerer als UNLEASHED eingeflogen worden. Das Quartett wird mit frenetischem Applaus empfangen. Diese Bindung zu den Metalheads wird auch die ganze Show über nicht abreißen, um den Verlauf schon ein mal vorweg zu nehmen. Bereits zum Aufmarsch, schlagen UNLEASHED eine Welle der Sympathie entgegen. Weiter geht es auf der Setlist mit „This is our world now“, „Winterland“, „In victory or defeat“. Mit „Into glory ride“ und „To Asgard we fly“ gab es dann auch einige Klassiker für die Old school Fraktion. Die letzten Shows fand ich doch etwas langweilig, weil immer weniger alte Songs den Sprung auf die Setlist schafften. „Midvinterblod“, „Hammer battalion Unleashed“ ... für mich zu viel neue Songs, die Jungs haben einfach zuviel Auswahlmöglichkeiten. Mit „Death Metal Victory“ versucht man noch einmal die Metaller anzuheizen- Operation geglückt. Selbst mir haben UNLEASHED gut gefallen an diesem Abend. Death Metal- no compromise.


UNLEASHED Kopf John


Nach mehr als einer halben Stunde Umbaupause und Soundcheck kommen nun, heiß erwartet, die Norwegische Black Metal Legende, um eines der besten Duos der Szene. Saty und Frost- SATYRICON. Nachdem der erste Teil des Backprogramm mit „Forhekset“ von der „Nemesis Divina“ abgehandelt ist, gibt es dann eine rockig, dreckige Industrial beeinflußte Nummer nach der anderen. Man kann von SATYRICON halten, was man will, aber die neuen Songs haben Live eine absolute Power und treten einfach nur Arsch. Satyr hat bereits von Anfang an gezeigt, daß er nach wie vor Black Metal im Herzen trägt. Die blonde Dame an den Tasten, die man leider (oder zum Glück) kaum hört, hat schwere Probleme mit ihrem Tasteninstrument. Also wird das Teil kurzer Hand vom Chef persönlich in die ewigen Jagdgründe befördert und zeigt, daß auch ein Keybord und nicht nur Flügel fliegen können. Die Bühnencrew kommt in Schweiß und tut alles, um den Charismatiker zu befriedigen. Wer der Herr im Hause..., ne auf der Bühne ist, beweist der Fronter mit seiner Gelfrisur, als sein Basser in einer Pause einen Lick spielt und von Satyr sogleich in die Schranken gewiesen wird. Mit dem Satz „Don´t play the fuckin´music, when I´m talking“ hatte er gleich die Lacher auf seiner Seite.
Stampfende Mid Tempo Songs dominierten die Songauswahl der Skandinavier. Sogar Satyr schnallt sich ab und an sogar selbst den Sechssaiter um. „Now diabolical“, „Den sister“, „The wolfpack“, „King“ um nur einige Songs zu nennen. Nach einer etwas erzwungenen Zugabe ist dann endlich der Höhepunkt gekommen. Der Song auf den das gesamte Publikum den Abend über hin gefiebert hat. „Mother North“, kaum erklingen die ersten Töne, da stellt sich bei mir auch schon die Gänsehaut auf... Wahnsinn. Die Menge ist außer sich und die Matten kreisen.
Nach ein einhalb Stunden SATYRICON pur ist es dann vollbracht und das Licht auf der Bühne geht langsam wieder an. Noch immer habe ich einen Kloß im Hals und mache mich glückselig auf den Weg zurück zum Platz. Nun wird es aber endlich Zeit für den Gemütlichen Teil des Abends. Einige Getränke werden diese Nacht nicht überleben- R.I.P.


Satyr (SATYRICON): Exzentischer Keyboardwerfer



Als es dann schon fast wieder hell wird, ist dann auch für mich die Zeit zum Schlafen gekommen. Unsere Holländischen Nachbarn sehen das anders und starten eine Techno Party mit Scooter und Konsorten. Nach kurzweiligem Ärgernis übermannen mich dann aber doch die Eindrücke des Tages und ich schlafe tief und fest- und laut, wie mir am nächseten Morgen von meiner Freundin zugetragen wird.

Auch der letze Morgen ist dann wieder von hektischem Treiben geprägt. Wenn man erst spät, bzw. früh, schlafen geht ist es dann logischerweise schon später, wenn man aufsteht. Schnell das Morgenritual vollzogen und schon führt der Weg wieder vor die Bühne. Für diese Zeit sind wirklich schon erstaunlich viele Leute auf dem Gelände.


Eröffnet wird der letzte Tag des Festivals von der Österreichischen Black Metal Horde HELLSAW. Mittlerweile hat man sich einen kleinen Kultstatus erarbeitet, was den Fünfen gleich von Beginn an mit positiven Publikumsreaktionen gezeigt wird. Geboten wird reudiger Black Metal, der auch den Vergleich mit großen Skandinavischen Bands nicht scheuen muß. Das Quintett nutzt den Gig um ihren neuesten Streich, „Cold“ betitelt, zu promoten. Eine willkommene Sache bei den heißen Temperaturen. Für mich viel zu früh im Billing.

Abwechslung wird auch heute wieder groß geschrieben. BENEATH THE MASSACRE aus Quebec, Kanada, stehen als nächstes auf dem Programm. Gerade bei dem Ausnahmeshouter Elliot habe ich immer etwas Angst, daß ihm jeden Moment die Birne explodiert. Eine wahnsinnige Energie, die das begeisterte Publikum überrollt. Eine gelungene Mischung aus Death Metal und Grindcore. Super Show und auch hier leider wieder viel zu schnell vorbei. Diesmal nicht nur so, denn die Uhr ist gerade mal eine gut halbe Stunde weitergewandert.


Doch das nächste Highlight steht schon in Form von PAGANIZER in den Startlöchern. Die Schweden sind nicht allzu oft in unseren Breitengraden, also eine Pflichveranstaltung für alle Old school Fans. Großartiger und typischer Schwedensound, der dem Publikum hier geboten wird. Der Front Rogga ist nicht unbedingt das, was man eine Rampensau nennt, mit anderen Worten- Bühnenaktivität gleich Null ebenso wie die Ansagen, die auf das nötigste beschränkt werden. Dennoch ein großartiger Gig für Jung und Alt.

Nun geht es wieder etwas ungehobelter zur Sache- mit der Grindfraktion von ROTTEN SOUND. In kürzester Zeit bildet sich ein Circlepit und die Meute ist im Banne des Gebolzes. Leichte NASUM Anleihen sind nicht von der Hand zu weisen und bringen nochmal eine Extraportion Sympathie auf. Songs wie „Crime“, „Mass suicide“ oder auch „Simplicity“ bringen den Mob zum toben. Auch die Band hatte einen Heidenspaß an dem Auftritt. High Speed Geballer, durchsetzt mit Midtempo Moshparts- klasse.




Nach diesem Death Metal lastigen Auftakt des Finaltages, wird es wieder Zeit für etwas Black Metal. Diese Aufgabe übernimmt das norwegische Suizidkommando SHINNING. Die Hauptband des egozentrischen Kvarforth, der uns schon am Vortag mir DEN SAAKALDTE erfreut hat. Heute schaffe ich es nicht, mir den kompletten Auftritt anzugucken, den ich bin schon nach dem dritten Song bedient von dem Slow Black Metal. Wie ich an der Reaktion des Publikums gesehen habe, war ich mit meiner Meinung nicht alleine. Auch heute ist Kvarforth´s bester Freund wieder mit von der Partie- Jack Daniels.

Dank dieser Verschnaufpause, bin ich nun richtig entspannt und kann mich auf mein großes Highlight des Festivals freuen. Die Rede ist von BRUTAL TRUTH. Diese Band habe ich seit ´93 nicht mehr gesehen. Dementsprechend groß ist meine Freude, als das Quartett die Bretter entern. Gleich von Beginn an geben die Jungs richtig Gas und zeigen, warum sie bis heute als Inspiration für etliche neue Grindbands gelten. Wahnsinn, alleine schon den nicht mehr ganz jungen Shouter Kevin Sharpe barfuß auf der Bühne zu sehen. Ein Grindfeuerwerk der Spitzenklasse. Die Songs werden in rassendem Tempo runtergeprügelt, was an dem etwas zu hohen Rotweinkonsum liegt, wie Kevin verlauten läßt. Die kurzen Pausen werden witzig genutzt und schon geht es weiter. Grandios und auch hier leider viel zu schnell vorbei. Zwei Tage zuvor waren die Jungs in Wermelskirchen und haben die Meute über zwei Stunden zugeballert. Schade, daß hier schon wieder nach einer dreiviertel Stunde vorbei ist, jedoch nicht ohne dem NRW Circlepit Kommando noch eine Song zu widmen.

Nun gibt es ein weiteres Highlight, was ich aus Zeitgründen auch nicht komplett sehen kann. Das Billing ist einfach zu gut und was essen muß ja nun auch zwischendurch mal. Dennoch habe ich mich im Nachhinein geärgert, daß mir der Großteil des Gigs von SADUS verwehrt bleibt. Eine willkommene Abwechslung vom Geballer des Wochenendes. Thrash der ganz alten Schule, wiederauferstanden zu alten Glanzzeiten. Geiles Brett, was auch den einsetztenden leichten Nieselregen vergessen läßt. Aber wenn der Magen knurrt, muß da was rein- sorry Jungs.


Old school Trash par excellence- SADUS


Auch der Folk und Pagan Metal der Finnen MOONSORROW muß ohne meine Anwesenheit auskommen. Frisch gestärkt geht es dann weiter im Programm mit einem weiteren Highlight der Running Order. BRUJERIA stehen auf dem Plan- ein Gemeinschaftsprojekt mit unter anderem Shane Embury (NAPALM DEATH) und Jeff Walker (CARCASS). Wenn ich richtig informiert bin, der zweite Gig überhaupt in Deutschland. Die Songs sind komplett in spanisch, da der Hauptteil der Band aus Mexiko kommen. Die Band ist mit Tüchern getarnt, was natürlich bei Shane sehr witzig aussieht. BRUJERIA geben alles, aber so richtig will der Funke nicht überspringen. Trotzdem eine solide Death Metal Show, mal anders.


BRUJERIA sind seltene Gäste in Europa


Auch der nächste Akt muß ohne mich auskommen. ELUVEITE sind definitiv nix für mich, so hab ich wieder etwas Zeit, um den Flüssigkeitshaushalt auf Vordermann zu bringen.
Als Co-Headliner für diesen Abend hat man die schwedische Black Metal Legion DARK FUNERAL verpflichtet. Wie ich finde eine gute Wahl, denn das Quintett hab ich auch schon ewig nicht mehr live gesehen. Die Setlist ist abwechslungsreich und es wird sehr viel altes Material zum besten gegeben. Songs wie „Secrets of the black art“, „Vobiscum Satanas“, „Open the gates“ oder „An apprentice of Satan“ werden vom mitlerweile etwas ermüdetem Publikum abgefeiert. Eine hervorragend eingespielte Band, die das Publikum auch nach fünfzehn Jahren noch zu begeistern weiß. Eine unglaubliche Energie auf der Bühne, die durch meterhohe Feuersäulen fantastisch visuell untermalt wird. Für mich schon jetzt die Headliner des Abends- DARK FUNERAL. Super Show, super Stimmung.


DARK FUNERAL wissen immer noch zu überzeugen



Das kann man eigentlich nicht mehr toppen für diesen Abend, schon gar kein selbsternannter „Mr Death Metal“ Chris Barnes. Versuchen tut er es trotzdem mit seinen Mannen. Mit mir verlassen etliche Metalheads das Gelände kurz nach Beginn der Show von SIX FEET UNDER. Musikalisch sehr fett, mir persönlich aber zu schnell, zu langweilig. Die Fanbase ist immer noch groß genug, gerade in Deutschland. So ist der Platz vor der Bühne doch noch gut gefüllt. An Songs kann ich mich nur an den Titel „Six Feet Under“ erinnern. Chris´ Stimme ist auch schon lange nicht mehr das, was sie noch zu CANNIBAL CORPSE Zeiten war. Als Abschluß wird dann natürlich noch der Liveklassiker schlechthin zum besten gegeben. „TNT“ weiß dann noch einmal zu überzeugen, dennoch finde ich SFU völlig überbewertet, aber egal. Dem verbleibenden Publikum scheint es zu gefallen.


Nur für Kenner- SIX FEET UNDER


Tja, damit ist es das auch schon wieder, die Open Air Saison ist also nun vorrüber- zumindest für uns. Der letzte Abend klingt in aller Ruhe aus, diesmal ohne Alkohol, weil wir alle am nächsten Morgen noch einige Kilometer auf Deutschlands Autobahnen verbringen werden.

Als Fazit bleibt mir nur zu sagen- goiles Wochenende. Ein Dank geht an die Veranstalter und die gesamte Crew, die dazu beigetragen haben, das fünfzehnte Festival zu etwas Besonderem zu machen. Das Billing war wieder mal über jeden Zweifel erhaben und das Wetter hat auch mitgespielt. Also dann, bis nächstes Jahr in Bad Berka. (Autor(en): Tino S.)
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