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Bericht:

20.09.2012

Wacken Open Air 2012 - Metalhead im knusprigen Schlammmantel


Bild...an delikater Biersoße.

Ob Tim Mälzer für ein neues Rezept inspiriert wurde? Herr "Schmeckt nicht, gibt's nicht" stattete dem Wacken Open Air am Donnerstag tatsächlich einen Besuch ab (Schließlich servierte seine Catering Firma die Gaumenfreuden für die Gäste im VIP-Bereich und der Chef wollte sich natürlich höchstpersönlich von der angemessenen Qualität seiner Kreationen überzeugen.)


Bei unserer Anreise am frühen Mittwoch Morgen sorgt das Wetter bei uns noch für gesunden Optimismus. Auch wenn die Besitzer des dicken Nightliners, einige Meter weiter von unserem frisch aufgeschlagenen Camp, sicher anderer Meinung sind. Noch ehe dieser seinen endgültigen Standplatz erreicht, steckt er im Schlamm fest und muss via Traktor aus seiner misslichen Lage befreit werden.
Die meisten Sorgen um das aufgeweichte Gelände machte sich aber im Vorfeld die Orga, die versucht mit verschiedenen Vorkehrungen die Lage in den Griff zu bekommen. So sollen entgegen dem Normalfall einige Flächen in höher gelegene und damit trockenere Parkareale, die tiefer gelegenen und nasseren Gebiete in reine Campingflächen unterteilt werden um die Wege zu schonen und reifenfreundlich zu halten - und das möglichst bis zur Abfahrt.
Das Ende vom Lied sind überforderte Ordner, genervte Besucher, anschließendes "Wild-Campen" sowie einige komplett unbesetzte Flächen - und das ausgerechnet in der Nähe des Haupt-Festivalgeländes. So chaotisch und holprig der Beginn des größten deutschen Metal Festivals auch laufen mag, so gelungen und entspannt läuft es weiter - und das trotz dem extrem nassen Wetterereignis, das der Boden (und das Veranstaltungs-Team) als letztes hätten gebrauchen können.

BildWackinger Village

Der Mittwoch lässt bei angenehmen Temperaturen noch die Sonne lachen. Die Konzerte der Metal Battle Gewinner im großen Zelt, der "Bullhead City", sowie Filmvorführungen und lockere Unterhaltung im Wackinger Village und dem neuen Thrash of the Titans Field läuten in gemäßigtem Tempo den Band-Marathon der nächsten Tage ein. Viele aalen sich noch in ihren Campingsesseln, Grillen sich durch den Tag und erhöhen langsam oder sicher die Promille-Schwelle, um für das Kommende gewappnet zu sein.
Das Wacken Plaza öffnet entgegen dem Running Order-Plan erst recht spät die Pforten, doch den restlichen Tag bevölkern Mittelalter- und Fantasy-Freunde das darauf befindliche Wackinger Village. Die mehr oder weniger nicht ganz ernst gemeinten Wickinger-Schlachten und anderen Spiele, ziehen gleichmäßig viele Schaulustige an, während das daneben liegende und groß angekündigte und im Endeffekt winzige Thrash of the Titans Field durchweg eine Enttäuschung bleibt. Die Aufführungen werden häufig vor einem Publikum abgespielt, das man an den Fingern abzählen kann, und auch im Vorbeilaufen verspürt man nicht das Gefühl, gerade etwas Spannendes zu verpassen, auch wenn die künstlerischen und beweglichen Metallkonstruktionen recht hübsch anzuschauen sind.

BildBullhead City

Am späten Abend nimmt eine Band die Wackinger Stage in Beschlag, die die Festival-Gemeinde tief gespalten hat. SANTIANO war vorher den meisten nur bekannt aus Pro7 Album-Werbetrailern (oder auch dem ZDF Fernsehgarten sowie der Schlagerparade... wers denn guckt), und die Bestätigung der ebenfalls in Schleswig-Holstein beheimateten irritierte auch mich, wie ich gestehen muss. Umso gespannter bin ich auf die Reaktionen des Publikums, das sich vor der Bühne einfindet – und das nicht zu knapp. Auf anderen Festivals werden Bands die nicht ins Musikspektrum passen, ja auch gerne mal mit einem Pfeifchor und Buhrufen (im schlimmsten Fall auch Wurfgeschossen) von der Bühne gejagt. Hier allerdings finden sich Jung wie Alt in bester Laune ein, um nicht nur den Hit "Santiano" abzufeiern sondern auch insbesondere den Song "Kaperfahrt". Die sich gerne wiederholende Textpassage "Alle die mit uns auf Kaperfahrt fahren, müssen Männer mit Bärten sein", wird natürlich lauthals und mit über die Trinkhörner und Becher schwappendem Met und Bier, lauthals aus (unter anderem) bärtigen Kehlen mitgesungen. Ich bin mir sicher, dass das (See-)Männergespann auch die kommenden Auftritte für gute Laune sorgt, selbige ist ihnen aber auch selbst merklich anzusehen.

BildSantiano
(Autor(en): Saskia Z.)
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Kommentare

04.12.2012 12:31 Uhr RedFire
Naja, in dem Camp hielt sich der Muell aber in Grenzen (und er war sogar gesammelt in einer Pavillion-Ecke) und es gab direkte Nachbarn, bei denen es sehr viel schlimmer aussah. Und es besteht ja auch ein Unterschied, ob man jemanden da mal drauf aufmerksam macht, das doch bitte wegzuraeumen, oder gleich mit dem Platzverweis droht. Wie gesagt war das ja auch nicht die einzige Begebenheit in der sich die Ordner durchweg unprofessionell verhalten haben. Fuer dieses Jahr bin ich zumindest extrem enttaeuscht und wenn das in Zukunft haeufiger so laufen sollte, ist es durchaus nicht verkehrt sich nach Alternativen umzusehen.
 
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23.11.2012 11:14 Uhr AnimatismA
Leider gibts in so einem großen "Team" immer schwarze Schafe, die sich dadurch besser fühlen, wenn sie Leuten das Leben schwer machen. Was den Müll im Camp angeht: Ich finds eh total beschissen dass ein großteil der Leute meint, auf Festivals die Sau raushängen zu lassen (Ich entschuldige mich hiermit bei jeglichen Schweinegattungen, für diesen unangebrachten Vergleich). Außerdem ist es früher oder später nicht mehr "der Müll im eigenen Camp", weil der Wind sowas unweigerlich über das Gelände verteilt, und spätestens dann fühlt sich keiner mehr dafür zuständig. Ganz zu schweigen davon, dass der Scheiss die Tage über in den weichen Boden getreten wird, wenn er da länger liegt. Über das Grinsen der Ordner würde ich mich vielleicht aufregen (wegen mangelnder Professionalität) aber nicht wegen der Aufforderung den Müll wegzuräumen. Da haben die mein vollstes Verständnis, weil mich dieser Punkt auch jedes Mal gehörig ankotzt ;)
 
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20.11.2012 17:44 Uhr RedFire
Naja, es zeugt aber nicht gerade von Professionalität, wenn man zunehmen unfreundlich wird und Festivalbesucher drangsaliert. Freunde von mir wurden gezwungen ihren Müll (in ihrem eigenen Camp) aufzuräumen und andernfalls würden sie des Platzes verwiesen werden... Müll aufräumen ja, aber so lange es im eigenen Camp ist, bleibt das doch jedem selbst überlassen. Worst part: Die Ordner standen daneben und haben sich einen gegrinst, während aufgeräumt wurde. Sowas muss echt nicht sein! Dixies, ok, kann man vielleicht nachvollziehen, aber Bands den Strom abdrehen? Was soll sowas? Wie gesagt, einiges ist dem Wetter zuzuschreiben, aber längst nicht alles. Und das Problem wäre auch mit mehr Ordnern nicht behoben, es gab ja genug Leute, nur die Durchführung war Mist!
 
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20.11.2012 11:24 Uhr AnimatismA
Ich glaube da ist es für das Festival tatsächlich reine Glückssache, wenn nur ein Teil der Besucher diese Probleme, auf die du ansprichst, mitbekommt. Ich hab zwar auch jedes Jahr was zu nörgeln, und auch 2012 gabs (wie immer) Probleme mit den Ordnern (plötzlich hat z.B. jeder andere Anweisungen), aber damit habe ich mich auf Festivals, besonders der höheren Größenordnung abgefunden. Ich habe bisher Keins erlebt, wo das alles reibungslos verlaufen ist.
Ich denke mit den Dixiklos hatten die einfach später keine Wahl mehr. Die dicken Reinigungswagen konnten ja unmöglich über das Gelände fahren. Die wären reihenweise stecken geblieben, da würde ich denen zumindest keine Vorwürfe machen, so ekelig das am Ende auch war. Sonst musste ich mich, was Dixis angeht auf dem WOA nämlich nicht beschweren. Und das mit den Drohungen: Die Ordner waren einfach heillos überfordert und hatten sicher gleichzeitig Verantwortung zu tragen. Kein Wunder dass da manche Aggressiv geworden sind. Die haben das gesamte System des Geländes kurz vorher über Bord werfen müssen um mit dem durchnässten Boden klarzukommen. Aber ich muss dir zustimmen, dass da sicher noch einiges besser geht. Nur wenn die noch mehr in die Orga investieren, werden die Preise sowieso wieder teurer, dann beschweren sich doch auch wieder alle ^^
 
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