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Bericht:

31.05.2018

Rock Hard Festival 2018 - Wie der Pott, so das Festival. Hart aber herzlich.


Rock Hard Festival 2018

Nu bin ich schon zarte 36 Lenze alt, habe mein gesamtes Leben im „Pott“ bzw. die letzten 8 Jahre im angrenzenden Rheinland verbracht und habe es erst 2018 das erste Mal zum ROCK HARD Festival geschafft. Auch die Ausrede, dass ich in der schwarzgelben Stadt studiert habe, ist nun definitiv kein Argument mehr die Grenzen von Herne-West zu überschreiten und das Festival im schönen Amphitheater am Nordsternpark zu besuchen.

Gewarnt vor der Parksituation ging es dann am Freitag nach der Arbeit los. Eine etwas verwirrende Verkehrsführung durch einige Baustellen vor Ort machte die Fahrt, von Essen kommend, zwar zu einem kleinen Abenteuer, konnte aber mit Happy End abgeschlossen werden. Raus aus dem Auto und in den Strom der schwarzgekleideten eingereiht, war der Eingang nach knapp 5 Minuten erreicht. An der Bändchenausgabe und dem Presse-Checkin wird man von freundlichen und hilfsbereiten Menschen empfangen. Der erste Eindruck zählt und der war gut. Auch das schon zu überblickende Cateringangebot ist mit Pulled-Pork und Co. deutliche kulinarischer als man es vom Pott mir Pommes Schranke und Döner zu erwarten meint. Lecker! ;) Zudem präsentieren sich neben den üblichen Verdächtigen auf dem Metalmarkt auch weitere Händler und Marken wie die Jungs von ENGL-Amps, die auf der Händlermeile den gut 7.500 Gästen des Gelsenkirchener Festivals sowohl kleine Shows als auch die Möglichkeit zum selber in die Saiten greifen gaben.

Diamond Head, Rock Hard 2018Diamond Head

Arbeitsbedingt nicht ganz pünktlich, ging das Festival für mich mit DOOL los. Die Niederländer um Sängerin Ryanna van Dorst gaben bei nur leicht bewölktem Himmel gewohnt sphärisch was „auf die Fresse“. Trotz des noch recht frühen Slots war das Amphitheater gut gefüllt und vor der Bühne war das Bewegungslevel „Wippen mit Tendenz zum Kopfnicken“, passend zur Stimmung, erreicht. Für mich ein gelungener Einstieg ins ROCK HARD Festival 2018.

Schaut man sich die Berichte der letzten Jahre an, wird schnell klar, dass Petrus wohl aktiver Leser des Magazins und Fan des Festivals sein muss. Denn auch dieses Jahr gab es alle drei Tage Sonne satt. Bei moderaten Bierpreisen von 4€ den Becher und hierzu recht kurzen Wartezeiten ein ziemlich guter Start in die Sommer und Festivalsaison. Einzig Staub und Emschergeruch konnten ab und an ein wenig nerven – aber dafür gab es ja das Bier ;)

Dool, Rock Hard 2018Dool

Die zum New Wave of British Heavy Metal gehörenden DIAMOND HEAD durften eine gute halbe Stunde nach DOOL „an die Schüppe“. Der Start der Briten war solide, leider vor nicht ganz vollen Rängen. Nachdem die Jungs um Frontmann Rasmus Bom Andersen als dritten Song „Bones“ ins Amphitheater schredderten, war das Eis gebrochen und die Party konnte weitergehen. „We love coming back to Germany all the time! You guys, you are familiy, you guys you are friends!“ Zum Ende eines wirklich überzeugenden Gigs gab es den obligatorischen Metallica-Block mit It's Electric, The Prince & Am I Evil. Und nein, es waren keine Cover ...

Kurzweilig ist der Begriff, der mir die Tage auf dem Festival immer wieder durch den Kopf ging. Die familiäre Atmosphäre, viele bekannte Gesichter und ein abwechslungsreiches Billing. Das macht das ROCK HARD Festival besonders. So war auf einmal schon 19:45 Uhr und TIAMAT traten auf die Bühne des mittlerweile fast vollen Amphitheaters. Für den Spannungsbogen zwischen DIAMOND HEAD und Headliner SODOM vielleicht etwas zu ruhig oder eben gerade richtig um in der Abendsonne noch einmal durchzuatmen, bevor Onkel Tom die Hütte abreißt.
Johan Edlund, der mit TIAMAT, bzw. Treblinka, jetzt 30 Jahre unterwegs ist, lieferte mit seiner Band eine lethargisch schöne Show ab. Unterstützt von Matt Korr wurde bei diesem Gig „Forever Burning Flames“ zu meinem persönlichen Favoriten. Beim letzten Song „Gaia“ gab es neben der Bandvorstellung, was ich bei Bands dieser Größe bemerkenswert und charmant finde, auch noch ein Schulterklopfen von Johan für die Gitarrenfraktion und ein sichtlich begeistertes und entspanntes Publikum.

Sodom, Rock Hard 2018Sodom

Onkel Tom hatte beim ROCK HARD Festival mit SODOM die Premiere seiner Neubesetzung – wo auch sonst, wenn nicht hier in seinem Wohnzimmer! Erstmals stand die Combo in der Konstellation mit Tom am Bass bzw. den Vocals, Frank Gosdzik und Yorck Segatz an den Gitarren sowie Stefan Hüskens an den Drums. Frei nach dem Motto „Stillstand ist der Tod“ hatte Mr. Angelripper in 2018 seine gesamte Combo ausgetauscht. Dabei präsentierte sich Sodom mit einer sehr würdigen Headliner-Show. Das bekannte läuft also schon ziemlich rund und die Lücke von Bernemann und Makka ist kaum zu erkennen. Nun sind wir gespannt darauf, was SODOM zukünftig machen wird, denn das war der Grund für die Neubesetzung. Auch die Getränkeversorgung war durch anfliegende Biere während der ersten Songs im Fotograben mehr als gesichert. So aufmerksam sind halt nur die Fans im Ruhrpott!
Als kleine Anekdote zum Gig: Auf dem Weg die Stufen des Gelsenkirchener Amphitheaters hoch brüllte Tom sein obligatorisches „Prost ihr Säcke!“, was diesmal nicht nur von einem „Prost Du Sack!“ der Fans, sondern auch dem Kommentar eines Metalheads zu seiner etwas verstört guckenden Freundin „Hach, Manieren hat er ja!“ gefolgt war. So sindse: Hart aber herzlich!
Zum guten Schluss gab es natürlich noch „Ausgebombt“ und „Bombenhagel“ auf die Ohren, was die Fans mit einem dezenten Ausrasten quittierten und um kurz nach Elf wurde dann das Biertrinken in Richtung Zeltplatz verlagert.

Ab nach Hause: am Ende des ersten Tages ging es für mich wieder zurück nach Hause, was mich wie immer daran erinnern sollte, dass es nie besonders clever ist, nach einem Festival noch nach Hause fahren zu müssen. Daraus gelernt wurde der nächste Tag mit Übernachtung geplant.

BildTAG 2 – Nach der Anreise-Erfahrung des Vortags ging es nun zielgerichtet zum ROCK HARD Festival. Da ich die Nacht im Auto verbringen würde, war diesmal das Parkhaus mein Ziel. Relativ moderat ist man hier mit 10€ für 24 Stunden dabei. Also ähnlich dem Preis der leider immer sehr schnell vergriffenen Parkmöglichkeiten direkt am Gelände. Auch die ca. 10 Minuten Fußweg zum Eingang sind mit einem Fußpils recht gut zu überbrücken. Da Petrus auch heute wieder die Badehose anhatte, musste schließlich für einen ausgeglichenen Flüssigkeitshaushalt gesorgt werden.

Die Kalifornischen Metaller von LEATHER WOLF machten am zweiten Tag für mich den Anfang. Mit der tripple axe attack von Michael Olivieri, Carey Howe & Greg Erba gaben die Jungs vor leider nicht ganz vollem Haus um kurz vor vier in der Gelsenkirchener Nachmittagssonne richtig Gas! Dabei haben LEATHER WOLF nicht nur die Kalifornische Sonne, sondern auch verdammt viel gute Laune und gute Riffs mitgebracht. Publikum und Band gehen ab! Gut so :)

Zum Ende des Gigs nutze ich die Zeit um weiter das Festival zu erkunden. Grobe Richtung Essen. Heute gibt es für mich lecker Falafel-Tasche. Mit gut 5€ eine gute vegetarische Alternative und mindestens genau so lecker wie der Pulled-Pork-Burger am Vorabend. Diese, als höllenscharf gepriesene Zupffleischsemmel war zwar eher pikant als wirklich scharf, aber eben lecker. Anders die Falafel-Schmiede, die zum „Nachwürzen“ ein Fläschchen Vicious Viper Soße auf dem Tresen stehen hatten. Aus meiner „Scharf ist erst, wenn der Kreislauf versagt -Phase“ bekannt, dachte ich eigentlich, das diese mit 250.000 Scoville fast waffenscheinpflichtige Pulle eher mit Warnhinweis in den Panzerschrank und nicht AUF den Tresen gehört. Umso interessanter war das Schauspiel des jungen Pärchens vor mir, bei dem der stahlharte Romeo in Tabasko-Manier seine Fleischersatzspeise mit der Viper tränkte und den Warnhinweis des Standpersonals – vermeintlich zum Beeindrucken seiner Julia – ignorierte. Was danach passierte erinnerte an Cartoons. Genau, dieser Moment in dem der Teekessel fröhlich pfeifend auf der Herdplatte tanzt. Nur eben ohne Teekessel und Herdplatte, dafür mit Romeo auf dem ROCK HARD. Der einzige, der meinen darauffolgenden Kommentar „Glaub mir, das brennt morgen mindestens nochmal genau so schlimm!“ überhaupt nicht zum lachen fand war neben Standpersonal und Julia: Richtig! Der Teekessel. Wohl bekomms ;)

Cirith Ungol, Rock Hard 2018Cirith Ungol

Rude American Metal, so beschreibt Kollege Torsten Richter von der Pommesgabel die Jungs von CIRITH UNGOL aus Kalifornien und hätte es damit nicht besser treffen können. Bei gut gefülltem „Infield“ und Rängen liefern die fünf Musiker um Frontmann Tim Baker eine dynamische Show ab und haben dabei sichtlich Spaß. Seit ihrer Reunion im Oktober 2016 sind CIRITH UNGOL noch nicht ganz zwei Jahre wieder mit dabei und wir hoffen, dass sie uns künftig noch viel Blut und Stahl bringen werden. Nach gut 50 Minuten gibt es wie gewohnt „King of the Dead“ auf die Ohren und schon ist auch dieser schöne Gig vorüber. Next Stop: MARDUK.

Aus dem sonnigen Kalifornien ging es ab halb sieben zu den schwarzmetallenen Schweden. MARDUK stand auf dem Programm und bei schönster Abendsonne auf der Bühne. Etwas ausgezehrt vom sonnigen Tag und motiviert durch das ein oder andere hopfenhaltige Kaltgetränk genoss ein Großteil des Publikums die Show im Sitzen. Daniel Rostèn und Co. lieferten anständig ab und bescherten so den ersten Reihen ein solides Nacken-Workout in Vorbereitung auf AXEL RUDI PELL und OVERKILL.

Axel Rudi Pell, Rock Hard 2018Axel Rudi Pell

Nix erwartet und begeistert. Zugegebenermaßen habe ich mich persönlich noch nie mit AXEL RUDI PELL beschäftigt und ging dementsprechend neugierig um kurz vor Acht in Richtung Fotograben. Die Hardrocker um Axel Rudi Pell und seinen Frontmann Johnny Gioelli machten mit einer großartigen Show dem ROCK HARD Festival alle Ehre. Dabei zeigten alle Musiker eine unglaubliche Dynamik und Bühnenpräsenz. Sei es bei kleinen „Feiereien“ zwischen Keyboarder Ferdy Doernberg und Bassist Volker Krawczak oder bei einem Griff von Johnny in Axels Saiten, der mit seinen 58 Jahren geschmeidig sein Riffs und Soli über die ENGL-Türme hämmerte und damit eindrucksvoll zeigte, wo der Gitarrenhammer hängt.
Mit „Rock the Nation“ war dann um 21:00 Uhr der Gig vorbei und das Publikum begeistert. Next Stop: OVERKILL!

Overkill, Rock Hard 2018Overkill

Headliner des Abends waren die NY-Thrash-Metaller OVERKILL, die noch vor Ihrem Gig bei einer ausgiebigen Signing-Session auf den Stufen des Amphitheaters ihre Fans begeisterten. Los ging es um halb zehn mit „Coma“ und die ersten kleinen Pits ließen nicht lange auf sich warten. Knapp eine Minute nach Beginn der Show waren dann auch schon die ersten Diver in der Luft. Gute Arbeit! Was folgt ist eine solide Show, wie wir es von OVERKILL gewohnt sind. Das Publikum musste hier nicht überzeugt werden, denn neongrüne Patches, Shirts und Kapus waren sowieso überall.
„Don't be a pussy!“ leitet Bobby die finalen Songs des Abends „Fuck You“ und „Sonic Reducer“ ein. Der Aufforderung folgend kam zum Abschluss des zweiten Abends auf dem ROCK HARD Festival 2018 nochmal richtig Schwung inne Bude. Nach diesem würdigen Abschluss des zweiten Festivaltags ging es für mich diesmal auch Richtung Camping-Parkplatz zum gemütlichen Absacker.

Overkill, Rock Hard 2018

Wie sich herausstellte war das Auto im Parkhaus ein recht guter Schlafplatz und ich nicht der einzige, der diese Variante der Übernachtung wählte. Einzig der Weg zum Austreten, bzw. zum nächsten Busch ist von der 3. Etage aus ein wenig beschwerlich, aber machbar. Leider war das ROCK HARD Festival 2018 am Sonntagmorgen für mich wegen eines Krankheitsfalls in der Familie vorbei. So ging es für mich um halb sieben auf leeren Straßen zurück in die Heimat – ein eher seltenes Szenario bei der Abreise vom Festival. Schon letztes Jahr kam metal.tm leider ein Krankheitsfall beim letzten Festivaltag dazwischen und wir hoffen diesen Bann im nächsten Jahr brechen zu können. Zumindest sind jetzt wieder alle wohlauf!

Zusammengefasst präsentiert sich das ROCK HARD Festival auch dieses Jahr wieder als kleine Perle der Festivalsaison und als würdiger Auftakt für einen großartigen Sommer. Hierbei haben die Organisatoren mal wieder ein gutes Händchen bei der Auswahl der Bands bewiesen. Zudem ist – bis auf Emschergeruch und Staub – die Location eine hervorragende Wahl, wenn auch ein paar mehr Parkmöglichkeiten direkt am Gelände wünschenswert wären aber leider nicht realisierbar sind. Faire Preise und guter Sound in der einzigartigen Kulisse des Amphitheaters runden das Paket ab. Wir kommen gerne wieder und freuen uns auf das ROCK HARD Festival 2019!

Noch mehr Fotos und Impressionen findet ihr in unserer ROCK HARD FESTIVAL 2018 GALERIE.

Impression, Rock Hard 2018
(Autor(en): Jens H.)
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