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15.06.2017

Rock Hard Festival 2017 - Die Idylle am Fluss: Laut, heiß und fettig!


Rock Hard Festival 2017

Das ROCK HARD FESTIVAL ist alljährlich ein (fast) Heimspiel für eine Düsseldorferin wie mich – im Endeffekt ist halb NRW ja schließlich ein einziger Ballungsraum wo die Städte fließend ineinander übergehen. Zumindest empfinden das viele Besucher aus anderen Teilen Deutschlands oder der Welt so – auch wenn diese Gedanken sowohl für Düsseldorfer, wie auch Ruhrgebietler und Kölner großen Frevel bedeuten.
Doch an jenem Pfingstwochenende fühlt sich zumindest die Metal-Gemeinde des Bundeslandes geeint, wenn das ROCK HARD Festival erneut ins Amphitheater in Gelsenkirchen ruft und drei Tage Qualitätsbeschallung im familiären Ambiente verspricht.

FREITAG, 2. JUNI

Wir kommen Freitag am späten Nachmittag an, eigentlich mit dem Vorhaben wenigstens ab dem Set von MANTAR vor der Bühne zu stehen, doch die Arbeit und die Suche nach einem Parkplatz bzw. der Fußweg von Diesem zum Gelände, verzögert unsere Zeitpläne leicht, sodass wir noch wenigstens die letzten Songs von THE DEAD DAISIES vernehmen können. Die Meute steht noch luftig vor der Bühne, viele frönen den entspannten Hard Rock-Klängen auf den Steinstufen sitzend und mit kühlem Nass in der Hand. Auf fast keinem anderen Festival in Deutschland ist es wohl möglich, zu sitzen und dennoch die volle Sicht und den vollen Sound genießen zu können.

BildCandlemass

Es folgen die Doomer mit dezentem Symphonic-Einschlag CANDLEMASS aus Stockholm, welche spätestens mit den schweren Riffs von „Bewitched“ die ersten Headbangwilligen auf ihrer Seite haben. Sänger Mats Levén ist so zufrieden von der Resonanz, dass er sich zu einem deutschen „Ausgezeichnet!“ hinreißen lässt. Passend zur düster-vertrackten Musik zeigt sich auch der Himmel mit Wolken etwas verhangener, was allen in dem schattenlosen Kessel zu Gute kommt. Mit „The Well of Souls“ bricht die Zurückhaltung bei den meisten dann endgültig und die Stimmung ist einer Band würdig, welche den epische Melodic Doom quasi erfunden hat.

BildBlues Pills

Leider bedeutet das aufspielen der Bluesrock Schweden BLUES PILLS auch schon die letzte Band des ersten Tags, der für uns viel zu kurz ausgefallen ist um endgültig in ausgelassene Festivalstimmung zu verfallen. Wenigstens groovt die Band mit „Lady In Gold“ ansprechend los, sodass selbst einige gestandene Metaller mindestens mitwippen oder gar ihr Tanzbein schwingen.
Das geradezu psychedelische Backdrop hinter der über die Bühne fegenden Sängerin Elin Larsson und dem feinsinnig in sich kehrenden Gitarristen Dorian Sorriaux, sowie den Mitstreitern Rickard Nygren (Gitarre) Zach Andersson (Bass) und Andre Kvarnström (Schlagwerk), zieht einen alleine schon optisch in seinen Bann. Treibende Songs wie„Bliss“, „High Class Woman“ oder das schleppend hypnotisierende „Astralplane“ erledigen ihr übriges. Natürlich wird das Konzert beendet mit dem Durchbruchs-Hit „Devil Man“, der alle Fans endgültig selig Lächelnd zurück auf den Zeltplatz, das Hotel oder nach Hause entlässt.

Bild

SAMSTAG, 3. JUNI

Auch an diesem Tag verspäten wir uns aufgrund eines Krankenhausbesuchs im Vorfeld etwas und schlagen erst bei SKYCLAD auf, während ich meine Trauer THE NIGHT FLIGHT ORCHESTRA verpasst zu haben, tapfer runterschlucke und mit Freunden auf ein Bierchen anstoße. So richtig hellhörig werde ich, als ASPHYX sich ankündigen und mit „Vermis“ ganz im Death-Doom-Sinne mal treibend, mal schleppend, das Wettersegel über der Bühne zum erzittern bringen. Fronter Martin van Drunen steht trotz martialischem growlen stets ein schelmisch lachender Ausdruck in den Augen. Die sympathische Ausstrahlung wird nur noch mehr unterstrichen von den Ansagen, welche der Niederländer auf Deutsch spricht, allerdings mit einem dezent niederländischen Anstrich. Live lohnen sich ASPHYX immer, doch das heutige Erlebnis trübt die leicht blechern klingende Snare. Die Fans lassen sich davon jedoch nicht beirren und lassen Mähnen kreisen und recken Fäuste gen Himmel.

BildAsphyx

Während EXODUS Bay-Area Thrash vom Feinsten servieren, versuchen wir uns was Feines für die Fressluke zu genehmigen. Das gestaltet sich allerdings gar nicht so leicht. Wer seinem Magen einen Fettanstrich verpassen möchte um sich noch 10 weitere Bier genehmigen zu können, wird schnell fündig. Sucht man allerdings etwas leichter verdauliches (und in meinem Fall unfleischiges) gestaltet sich die Essensjagt doch etwas schwieriger, wenn auch nicht unmöglich. Ich entscheide mich gegen den überteuerten veganen Hotdog und für einen (ebenfalls recht teuren, wenn auch noch im Festivaldurchschnitt befindlichen) Falafel, dessen Salatfüllung wenigstens den Anschein einer ausgewogenen Ernährung macht. Andere Festivals sind in der Essensauswahl definitiv weiter als das ROCK HARD, wobei meine Kritik sicher jammern auf hohem Niveau ist. Ich gebe es ja zu, also bitte liebe Karnivoren, legt eure Leinen wieder an!

BildD-A-D

Ein Stimmungshighlight sind am heutigen Tag ohne Frage D-A-D. Die Dänen fahren ein überdimensioniertes Bühnenbild auf, das sich sehen lassen kann. Und die Betonung liegt wortwörtlich auf „überdimensioniert“, denn die Hälfte der Bühne nimmt ein Sofa ein, auf welchem das komplette Drumset samt Schlagwerker Laust Sonne und auch dem oft genug auf den Seitenlehnen herumturnenden Bassiten Stig Pedersen Platz finden. Flankiert wird das ganze von zwei riesigen Boxen und zwei Stehlampen, einem altertümlichen wenn auch nicht minder großen Gemälde am Tapetengemusterten Backdrop und einem über all dem tronenden, LED-bestückten Schädel mit einer Horn-zu-Horn breite von fast vier Metern.

BildD-A-D

Als ob das nicht schon genug Action für das Auge ist, zelebriert Stig eine Bassmodenschau sondergleichen: Bespielt werden Bassgitarren folgender Optik: Ein Doppeldecker-Flugzeug, ein Eisernes Kreuz, Durchsichtiges, LED-beschienenes Plexiglas, eine „umgedrehte“ Bassgitarre (Der Kopf ist der Basskörper und anders herum) eine Rakete … habe ich etwas vergessen? Mit Sicherheit. Die Bässe mit ihren zwei Saiten sind zudem ein angenehmer Gegenpol zum grassierenden 6-Saiten-Bass-Hype. Denn in den meisten Fällen ist nicht vielmehr nötig.
Laust gibt zudem seine Deutschkenntnisse zum besten, was ein noch zusätzlicher Unterhaltungswert während des mitreißenden Konzerts ist. „Wir haben heute Reise, Reise, Reise aus Kopenhagen. Für geben Talent! Verstehen?“ - mehr ist für ein gegenseitiges Verständnis nicht nötig. Und eigentlich reicht auch die Musik, die selbst vom gemischten Publikum mit verschiedensten Bandinteressen einvernehmlich gefeiert wird.

BildBehemoth

Die eindringlichste Atmosphäre bieten aber – welch Überraschung – BEHEMOTH, welche in der anbrechenden Dunkelheit headlinen dürfen. Und das kommt ihrer düsteren Bühnen„beleuchtung“ und den entzündeten Feuern und luftzerschneidenden Feuerfontänen zu gute. Mit „Blow Your Trumpets Gabriel“ rufen die Kapuzenjünger des Beelzebubs die vertonte Düsternis aus. Blastbeats treiben uns durch „Furor Divinus“ bis Nergal (Ent-)Weihrauchschwenkend die schwarze Messe „Messe Noire“ einläutet und eine Mischung aus verzweifelten Rufen und Growls seiner extravaganten Mikrofonskulptur entgegenschneidet. Der perfekte Protest-Sounddtrack zum sogenannten Pfingsten treibt weiterhin jedem Katholiken die Schweißperlen auf die Stirn: „Amen“, The Satanist“ und "O Father O Satan O Sun" lassen keine Zweifel offen, ehe „Chant For Eschaton 2000“ nach pommesgabeligem Satansgruß aus der breiten Fanmeute die letzten Blasts des Festivalsamstags runterhämmert.


BildBehemoth
(Autor(en): Saskia Z.)
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