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Bericht:

22.09.2016

Party.San Open Air 2016 - Gewohnt Gut Geholzt


Party.San Open Air 2016

Was soll man bei seinem 17. PARTY.SAN OPEN AIR in Folge noch für eine Einleitung schreiben welche man nicht schonmal geschrieben hat? Wenn es wenigstens etwas zu meckern, widrige Umstände oder Organisationslücken gäbe ... aber diesen „Gefallen“ tut uns der Veranstalter nicht. Nun zu den Veränderungen im Vergleich zu letztem Jahr: Keine. Naja, der Bierpreis wurde ein wenig nach oben korrigiert, liegt aber immer noch weit unter dem Durchschnitt. Nach der Gluthitze im Vorjahr wartet der Wettergott heuer mit eher moderaten Temperaturen auf, der Freitag ist sogar verhältnismässig verregnet und kühl. Tut der Sache aber keinen Abbruch, alles beim alten, alles gut, alles besser als anderswo. Deswegen nun auf ins Getümmel.

Donnerstag

Mein PSOA beginnt mit MÖRK GRYNING, welche sich erstmals seit über 10 Jahren auf eine Bühne wagen. Ihren früheren Kultstatus haben die Schweden in die Neuzeit retten können und dürfen sich mit ihrem leicht progressiven Black Metal über alte und neue Fans freuen.

Vom Winde verweht wird leider der Old School Death Metal von GRUESOME von denen außer gefällig gespieltem Geprügel auch nix weiter hängen bleibt.

Hängen geblieben ist bei TRIBULATION definitiv der Gitarrist, und zwar auf dem Trip. Tuntiger als Twisted Sister in ihren besten Tagen wirbelt dieser über die Bretter und post, dass Glenn Danzig vor Neid den Schinken wieder einpackt. Musikalisch gibt’s hier einiges zu sehen und zu hören, interessant wie die Schweden Black, Death und klassischem Metal zu einem scharfen Mix verrühren.

Necros ChristosNecros Christos

Weder mit NECROS CHRISTOS noch mit ARCTURUS konnte ich je etwas anfangen und verziehe mich zur Getränkeaufnahme. Fairerweise sollte erwähnt werden, dass sich musikalisch und spieltechnisch hier niemand was zuschulden kommen lässt und auch beide Bands mächtig abgefeiert werden.

Mittlerweile legt sich Dunkelheit über Schlotheim. Für die Polen MGLA ist das durchaus von Vorteil, wird doch so die spartanische, aber durchaus effektive Lightshow besser in Szene gesetzt. Mit verhüllten Gesichtern spielen die Polen eine überaus intensive Show deren Intensität sich sofort aufs Publikum überträgt.

MglaMgla

OBITUARY wirken da anders, was freilich nicht negativ gemeint ist. Die Florida Deather sehen nicht nur aus wie vor 25 Jahren, sie klingen auch noch genauso rotzig und frisch wie in der guten alten Zeit. Das können nicht viele Bands von sich behaupten. Dementsprechend werden sie zurecht gefeiert wie Headliner und machen Lust auf die Tour im Oktober.

PARADISE LOST den Abend beenden zu lassen ist mutig. Aber es ist die Band selber, die mehr daraus hätte machen können, die allgemeine Ausrichtung des Publikums dürfte bekannt sein, Nick Holmes war ja bereits mit Bloodbath hier zu Gast. Hätte man wie Samael letztes Jahr beispielsweise einen speziellen Set geboten der den alten Alben huldigt wäre sicher mehr drin gewesen. So bleibt es bei einem allenfalls soliden Gig.

Paradise LostParadise Lost

Freitag

Eine liebgewonnene Tradition ist es, lustige Grind Bands mindestens einen Festival Tag eröffnen zu lassen. Dieses Jahr kommt diese Ehre „SPASM“ zu, die nur mit Gegurgel, verzerrtem Bass und Drums „musizieren“. Unterhaltsamer als diese „Musik“ ist das Puklikum, welches sich ordentlich in Schale geworfen hat und lustige Kostüme präsentiert. Seifenblasen steigen auf, Lokusbürsten werden geschwenkt und ein besonders einfallsreicher Zeitgenosse fährt sogar mit einem Tretroller durch den Circle Pit.

Es regnet, es windet. Is Wind? Ja. ISVIND. Die Norweger bieten unspektakulären Black Metal und dieser wird auch gleich wieder vom Winde verweht.

KATALEPSY nerven mit austauschbarem ProgDeathCore oder was immer das sein soll.

WolfbrigadeWolfbrigade

Die Südstaaten Amis GHOATWHORE sind da schon ein ganz anderes Kaliber. Primitiver Black Metal mit leichtem Crust und Sludge Einschlag ist der richtige Sound zur richtigen Zeit am richtigen Ort.

WOLFBRIGADE legen in Sachen Crust nochmal ordentlich einen nach und geben noch eine Prise Motörhead dazu. Sehr geil.

OBSCURA sind dann logischerweise der absolute Gegenpunkt. Wurde bis jetzt eher primitiv in die Saiten gelangt dominiert bei den Bajuwaren ausgeklügeltes Gefrickel auf höchstem Niveau. Und da liegt genau das Problem: Auf Scheibe kann man dieser Art von Death Metal immer etwas neues abgewinnen, auch nach dem zehnten Durchlauf gibt es noch neue Details zu entdecken. Das macht die Sache spannend, funktioniert auf einem Festival leider aber nur bedingt.

ObscuraObscura

Den Hype um die Schweizer BÖLZER verstehe ich bis heute nicht. Schlagt mich, steinigt mich, ich finde keinen Zugang zu dieser Musik und gehe Bier trinken. Dieses schmeckt so gut, daß ich kuzerhand beschließe ANGELCORPSE von weitem zu hören und weiterzutrinken. Pete Helmkamp und seine Schergen laufen trotz Kultstatus an mir vorbei.

DESTROYER 666 sind auch nicht zum ersten Mal hier, aber immer wieder gern gesehen. Die Sache nimmt sofort Fahrt auf und der BlackThrash der Australier lässt die Haare fliegen. Diese Band ist Kult und lässt keine Zweifel daran aufkommen, dass sie in ihrem Genre eine Vorreiter und Führungsposition hat.

EquilibriumEquilibrium

Gib EQUILIBRIUM doch nur ne kleine Chance...denke ich mir, gehe vor die Bühne und haue auch sofort wieder ab. Jede, wirklich jede Art von Musik hat ihre Daseinsberechtigung. Aber nicht auf dem PARTY.SAN. Varg vor einigen Jahren war schon an der Grenze, das hat polarisiert. Aber EQUILIBRIUM nerven einfach nur. Kirmesorgeln, Wolle Petry Refrains und Mitsingspielchen lassen mir fast das Köstrizer wieder hochkommen.

DYING FETUS haben sowas natürlich nicht nötig. Aber das Party-San hat nach diesem Equilibrium Gekasper Dying Fetus nötig. Tight wie mein Hosenbund vor nem halben Jahr legen die Amis los wie die Feuerwehr und lassen keine Fragen offen. Alles niederwalzend: Grotesque Impalement.

ExodusExodus

Jetzt geht’s los. Was hab ich mich auf meine Lieblingsband gefreut. Die Bay Area Thrasher EXODUS auf dem Party-San. Hier geht es weder um Geschwindigkeitsrekorde, achtsaitige Gitarren oder andere Gimmicks, hier wird gethrashed das der Flugplatz bebt. Blacklist, Strike Of The Beast oder Bonded By Blood: Hier sitzt alles wie ein Maßanzug. Ich freu mich auf die Tour im Oktober. Das Gary Holt heut mal wieder nicht dabei ist fällt tatsächlich kaum ins Gewicht.

Nach Exodus auf die Bühne zu müssen ist sicherlich kein Geschenk, aber CARCASS ist das einerlei, haben sie doch eine ausgewogene Setlist im Gepäck. Ob altes aus seeligen Symphonies Of Sickness Tagen, Heartwork oder das zerfetzende Corporal Jigsaw Quandary, das hier macht Spass, der Sound stimmt und spielerisch sind Carcass sowieso über alle Zweifel erhaben. Würdiger Headliner.

Sulphur AeonSulphur Aeon

Samstag

Mein persönlicher Festival Samstag beginnt bei bestem Wetter und SULPHUR AEON. Und wie. Diese live auf ein Quintett angewachsene Band klingt und wirkt böse. So geht Death Metal, mit jedem Song hat man das Gefühl weiter in die Tiefe gezogen zu werden. Eine derartige Atmosphäre bei strahlendem Sonnenschein zu kreieren, dafür gehört dieser Band Respekt gezollt.

SUICIDAL ANGELS die elfundneunzigste....Klar liebe ich Thrash Metal, aber wie es richtig geht haben Exodus am Vortag gezeigt. Irgendwie wirkt das, also würden die Schüler von Exodus es auchmal versuchen. Ganz nett.

NifelheimNifelheim

MEMORIAM hatte ich irgendwie nicht auf dem Zettel. Als ich aber beim Soundcheck Karl Willets Stimme höre fällt es mir ganz schnell wieder ein und ich eile Richtung Bühne. Und dort werde ich nicht enttäuscht. Natürlich gewinnt diese Band keinen Innovationspreis, dafür liegt sie zu deutlich in der Bolt Thrower/Benediction Schnittmenge. Aber die Show ist kurzweilig, und nur darum geht es.

Kultiger als NIFELHEIM geht es eigentlich nicht mehr. Hier wird bei schröppeligem BlackThrash jede Menge Nägel, Nieten und Resthaar geschwenkt. Possessed by Evil sozusagen. Manche finden sowas albern, die meisten feiern die Gustavsson Brüder ab.

ImmolationImmolation

GRAVE gehören hier fast zum Inventar. Und so wird dann auch Solides geboten, ein 45minütiger Schaffensüberblick sozusagen. Hat wohl niemand hier zum ersten mal gesehen, macht aber Spass.

IMMOLATION haben nicht nur ihren zweiten Gitarristen daheim gelassen sondern offenbar auch ihren etatmässigen Soundmann. Dieser hätte den fehlenden Druck evtl ausgleichen können der durch das Fehlen der zweiten Gitarre entstanden ist. Aber wer immer hier heute an den Reglern sitzt hat entweder keine Ahnung oder ist taub. Der Sound ist derartig scheisse das ich mich verziehe.

TaakeTaake

Über TAAKE Fronter Hoest wurde viel geschrieben und geredet. Dieses wollen wir uns an dieser Stelle schenken, führt ja zu nichts. Fakt ist, der gute Mann hat eine ausgesprochen fähige Band und eine ebenso durchdachte Setlist zusammengestellt. Und was den Black Metal Bereich angeht, gehen Hoest bzw. TAAKE klar als Festival Sieger hervor. Bei keiner anderen Band hat man derartig die Widerwärtigkeit und dieses gewisse asoziale gespürt. Und genau DAS macht Black Metal aus.

SODOM sind auch bereits zum zweiten mal zu Gast in Schlotheim. Vor einigen Jahren mussten sie noch bei Tageslicht ran, heute sind sie Co-Headliner. Und das durchaus zurecht, gemessen an den Publikumsreaktionen. Auch heute abend zeigt sich wieder, welcher Gewinn Drummer Markus Freiwald für Sodom ist. Sein tightes und akzentuiertes Spiel lässt Granaten wie Outbreak Of Evil, Agent Orange oder Ausgebombt noch einen Zacken wuchtiger rüberkommen.

At The GatesAt The Gates

Bereits 2010 durften AT THE GATES das Party-San headlinen und so wiederholt sich Geschichte. Mit dem Unterschied, daß At The Gates heuer ein sehr starkes neues Album auf dem Markt haben. Dieses bauen sie geschickt in die Setlist mit ein. So wechselt sich neues wie der Titelsong oder The Book Of Sands mit Klassikern wie Blinded By Fear oder dem Rausschmeißer Kingdom Gone ab. Wie kaum eine Band zuvor schaffen es die Schweden als Samstagsheadliner bei den Fans noch einmal letzte Kraftreserven zu mobilisieren. Bei einem MeloDeathFeuerwerk der Extraklasse endet ein wie gewohnt grandioses PARTY.SAN.

Was kann man hier noch für ein Fazit ziehen? Eigentlich keines welches nicht schon in den Jahren zuvor gezogen wurde: Nach wie vor ist das PARTY.SAN das beste Festival der Welt, alles andere habe ich bereits letztes Jahr gesagt. Ach ja, Gott war wieder nicht da. Wir sehen uns alle im nächsten Jahr!

ImpressionKühles Blondes im Fünferpack
(Autor(en): Eiko T.)
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