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19.06.2012

Metalfest Germany East 2012 - Zwischen Wind, Wetter und Heavy Metal


BildSommer, Sonne, schönes Wetter und eine gewaltige Portion Heavy Metal, das habe ich mir von meinem Festival-Saison Auftakt in Dessau und der Ostausgabe des deutschen Metalfest versprochen. Noch guter Laune packte ich am Dienstag Abend meine Sachen und rüstete mich der Wetterprognose entsprechend aus, was sich später als fataler Fehler erweisen sollte. Am Mittwoch war dann Festival-Shopping angesagt, hier auch wieder eine sehr sommerliche Einkaufsliste: Grill, Anzünder, Kühlbox, Sonnenschirm und die übliche Verpflegung bestehend aus Dosenfutter, Grillfleisch und natürlich Bier.
Dann folgte der erste Schock, unserem Fahrer wurde kurzfristig der Urlaub gestrichen und wir mussten nun schnell entscheiden, wie wir noch rechtzeitig nach Dessau kommen. Einzige Lösung: Mein Auto, in der Hoffnung, dass es nicht auf halber Strecke wegen Altersschwäche liegen bleibt. Nun, es ist nicht liegengeblieben, dafür hatten wir aber ein Zeitproblem - wir haben zu spät realisiert, dass der Presse Check-In nur bis 22 Uhr offen ist und nicht wie der reguläre bis 24 Uhr. Das hätte uns beinahe zu einer Nacht im Auto gezwungen, zum Glück war das Personal aber recht freundlich und hat uns auch um 22:10 Uhr noch einchecken lassen. An dieser Stelle muss allerdings auch erwähnt werden, dass eine Ausschilderung in und um Dessau schlicht und einfach nicht gegeben war, weshalb uns die Suche nach dem Check-In auch einiges an Zeit gekostet hat - vielleicht wären wir sonst sogar noch rechtzeitig da gewesen.

Nach dem Einchecken ging es dann schnell ans Zelt aufbauen, bevor es zu dunkel wurde um irgendwas zu sehen. Der Campingplatz war zu diesem Zeitpunkt noch eher bescheiden besiedelt, obwohl man uns am Eingang ausdrücklich darauf hingewiesen hatte, doch bitte dicht zusammenzurücken, da sonst nicht genug Platz wäre. Wie dem auch sei, das Zelt stand, das erste Bier wurde geöffnet und von der Zeltbühne hallten die letzten Klänge der Eröffnungsband CASHLEY nach, die wir aufgrund unserer verspäteten Ankunft leider verpasst haben. Wir machten uns auf zu einer ersten Erkundungstour und stießen leider direkt auf ziemlich viel Unorganisiertheit. Alle waren zwar sehr nett und hilfsbereit, dennoch wusste keiner so wirklich Bescheid und uns wurde sogar nahegelegt, dass wir den kompletten Flugplatz einmal umrunden sollten, um durch den regulären Eingang zum Festival zu gelangen. Glücklicherweise stellte sich dies als totaler Humbug heraus und es gab nachher doch eine sehr befriedigende Lösung. Die angekündigte Metal Party auf der Zeltbühne blieb leider aus, beziehungsweise war nach kürzester Zeit schon beendet, wahrscheinlich aufgrund mangelnden Publikums, denn auch der Hauptzeltplatz war entgegen unserer Erwartungen noch recht leer. Ob dies am Wetter lag oder an der Konkurrenz zum zeitgleich stattfindendem Metalfest in Österreich und dem nur eine Woche später folgendem Spektakel an der Loreley bleibt zunächst offen. Fakt ist jedoch, dass nur etwa die Hälfte der erwarteten Besucher erschien, was das Festival auch die nächsten Tage recht leer wirken ließ.
Nach diesem ersten, eher durchwachsenen Eindruck, gingen wir dann auch recht früh zu Bett, um fit in den kommenden Tag zu starten.

Donnerstag, 31.05.2012

BildDer erste richtige Festivaltag startete für uns recht gemütlich. Nach dem Frühstück trafen wir unsere Fotografin Daniela Adelfinger und besprachen mit ihr, welche Bands wir uns ansehen wollen. Anschließend begutachteten wir das Gelände und vor allem die Händlermeile. Nachdem wir uns mit T-Shirts und einem Festival-Guide eingedeckt hatten, stand für uns mit ALESTORM die erste Band an diesem Tag an. Zuvor spielten schon TURBOWOLF und GRAVEYARD auf der Main Stage, aber für ALESTORM schien sich das Publikum doch gewaltig zu füllen.
Für den frühen Nachmittag und die nur knapp 5.000 Festivalbesucher war doch eine beachtliche Zuschauermenge vorhanden, welche sich auch durch einsetzende Regenschauer nicht den Spaß verderben ließ. Kein Wunder, denn die Schotten heizten mit ihrem Pirate Metal gehörig ein und trafen mit Songs wie "Rum" und "Captain Morgan's Revenge" genau den Nerv ihres Publikums. Für uns ein gelungener Auftakt und auch die Band gönnte sich anschließend Backstage ein paar Bier auf den erfolgreichen Auftritt. Wobei Sänger Christopher Bowes bekannterweise Whiskey bevorzugt und sich nur zu gerne in stundenlange Ausführungen zu seinen bevorzugten Whiskey-Sorten verliert.

BildNach ALESTORM entführten SALTATIO MORTIS auf der Main Stage in mittelalterliche Gefilde und zogen ein großes Publikum an, wenngleich die Regenschauer weiterhin zunahmen. Wir zogen uns derweil zum Mittag zurück und schafften es tatsächlich sogar einmal zu grillen. Danach begutachteten wir die Newcomer von NEXT DAMAGE auf der Second Stage im Zelt. Nach eigenen Angaben handelt es sich hierbei um einen "Mix aus gutem alten Bay Area Thrash, angereichert mit dezenten Southern Grooves und einer Prise feinstem Hardcore", klingt ja eigentlich nicht schlecht. Nach ein paar Liedern stellte sich bei mir aber leider Enttäuschung ein, auch wenn die Jungs sehr nett und aufgeschlossen sind, schafften sie es live nicht, mich mitzureißen. Das Schlagzeug kam hier und da mal aus dem Takt und Sänger Anthony Ulbrich erinnert mich leider viel zu sehr an James Hetfield von METALLICA. Schade, gute Ansätze sind da, aber so wird das noch nichts. Rechtzeitig ging es dann rüber zu MOONSPELL, worauf ich echt gespannt war, denn bisher hatte ich schon einiges von der Band gehört, aber nie die Zeit gefunden mich intensiver mit ihr zu beschäftigen.

BildMoonspell

Auch wenn der Regen heftiger wurde, schafften MOONSPELL es sofort, mich mit ihrem atmosphärischen Dark Metal in ihren Bann zu ziehen und da schien ich nicht die Einzige zu sein. Neben Klassikern wie "Opium" spielten MOONSPELL auch einige neue Songs vom erst kürzlich erschienenem Album "Alpha Noir" - das Publikum war begeistert und auch ich war nach dem Auftritt noch wie in Trance. Leider war ich aber auch nass bis aufs Blut und flüchtete mich erst mal ins Camp, weshalb ich LEGION OF THE DAMNED und HYPOCRISY leider verpasste. Wie bereits erwähnt, war die eher sommerliche Ausrüstung ein großer Fehler und so ging es wohl auch vielen anderen Leuten. Wenn ich meinen Blick mal durch die Menge schweifen ließ, entdeckte ich viele, die eher sommerlich gekleidet waren, kaum einer hatte wirklich Jacken mit und leider hatte dies auch einen großen Einfluss auf die Publikumsmenge bei eben genannten Bands.

BildFueled By Fire

Nachdem ich mich umgezogen und ein wenig aufgewärmt hatte, besuchten wir wieder einmal die Second Stage, denn pünktlich um 20:15 Uhr spielten hier die kalifornischen Thrasher von FUELED BY FIRE vor einem leider viel zu kleinen Publikum, denn der Auftritt war eine reine Wucht. Voller Energie und Dynamik, lud er zum Dauer-Headbangen und Moshen ein. Das Old School Thrash Herz schlägt hier höher und die Haare flogen wie wild. Für mich ein absolutes Highlight an diesem eher kühlen und regnerischen Donnerstag. Manchmal lohnt es sich eben, die Main Stage, Main Stage sein zu lassen und auch mal die vermeintlich kleineren Bands auf der Second Stage anzutesten. Gerade FUELED BY FIRE hätten für diesen genialen Auftritt vielleicht sogar eher einen Platz auf der Main Stage verdient!

BildAnschließend ging es wieder in Richtung Hauptbühne. Auf dem Weg dahin fiel uns auf, das diverse Händler keinen Strom mehr hatten. Durch nachfragen erfuhren wir, dass es wohl massive Probleme mit der Technik gab, immer wieder fielen einzelne Zelte aus und teilweise hatten einige Händler bis zu vier Stunden keinen Strom. Woran dies genau lag, konnten wir leider nicht in Erfahrung bringen, aber es hatte vermutlich mit einem defekten Sicherungskasten zu tun.
Da uns die übliche Playback-Show von W.A.S.P. nach dem Wacken Open Air 2010 bereits bekannt war und unsere Mägen wieder knurrten, beschlossen wir uns das Spektakel von den Food-Ständen aus anzusehen, während wir genüsslich in unser/en Knoblauchbrot/Riesen Hot-Dog bissen. Zumindest die vegetarischen Stände muss ich an dieser Stelle loben, sehr lecker, auch wenn die Preise ein wenig nach unten verlagert werden könnten. Naja, dafür wurde ich zumindest satt. Von W.A.S.P. bekamen wir genau das, was wir erwartet hatten, glatte Playback-Show ohne jegliche Überraschungen, was für ein groß angekündigtes Bandjubiläum mehr als enttäuschend ist. Man fühlt sich als Fan doch leicht verarscht, wenn der Sänger mit dem Rücken zum Mikro steht, während die Stimme fröhlich weiter aus den Boxen strömt.

Danach waren alle gespannt, der große Headliner auf den alle gewartet hatten sollte demnächst die Bühne betreten, Nach der grandiosen Thrash-Einlage am frühen Abend, freute ich mich ganz besonders eines der großen Thrash-Urgesteine live erleben zu dürfen. Alle warteten nur auf... MEGADETH! Und sie warteten und warteten und warteten und warteten im strömendem Regen, nur die Band wollte einfach nicht auftauchen. Auch nachdem Soundcheck, Bühnenaufbau, Licht, etc. mehrmals überprüft wurden und alles startklar ist, ließen die Legenden sich nicht blicken... Endlich nach einer halbe Stunde Wartezeit betraten die Old Schooler reichlich spät die Bühne und die ersten Töne von „Never Dead“ schallten dem Publikum entgegen. Allerdings wollte auch auf die Fans in den ersten Reihen keine Funke überspringen. Die Menge stand, nichts bewegte sich - kein Wunder bei so einer lustlos dahingerotzten Darbietung. Ich bin maßlos enttäuscht. Da wartet man so lange auf eine seiner liebsten Bands und bekommt nur lustlose Statuen zu bestaunen, die ins Mikro nuscheln und der Menge nur selten richtige Blicke zuwerfen. Nachdem sich dies auch nach dem dritten Song nicht geändert hat, beschlossen wir zu gehen - so eine schlechte Show muss ich mir nun wirklich nicht anschauen. Vollkommen durchgefroren, verzichteten wir dann auch auf die grandiosen SKULL FIST, die den Abschluss auf der Second Stage bildeten. Schade, nachdem was ich gehört habe, soll es eine gute Show gegeben haben, die den ein oder anderen sicherlich auch für MEGADETH entschädigt haben wird.

BildMegadeth

(Autor(en): Bianca P.)
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